Herber Rückschlag

Stand: 17.02.2009, 20:05 Uhr

Kein Tag zum Feiern für Anleger. In Dax und Dow ging es am Dienstag heftig abwärts. Rezessionssorgen und schlechte Nachrichten von Unternehmensseite hatten die Börsen fest im Griff.

Die Talfahrt im Dax geht beschleunigt weiter. Binnen einer Woche hat das deutsche Börsenbarometer mehr als zehn Prozent verloren. Am Dienstag wurde der vierte Handelstag in Folge mit Verlusten beendet.

Nachdem der deutsche Leitindex bereits den Xetra-Handel rund 3,5 Prozent im Minus beschlossen hatte, gab es auch während des späten Parketthandels in Deutschland keinerlei Erholungssignale. Der Late-Dax schloss unverändert gegenüber dem Computerhandel, knapp über der Marke von 4.200 Punkten.

Schwache US-Industriedaten

An der Wall Street nahmen die Investoren in Scharen Reißaus, nachdem am Nachmittag ein überraschend schwacher New York Empire State Index veröffentlicht worden war, der Sorgen über die US-Industrie befeuerte. Da half es auch nichts, dass am Abend deutscher Zeit der NAHB-Hausmarktindex eine leicht verbesserte Stimmung bei den Häuslebauern signalisierte.

Diesseits wie jenseits des Atlantiks sorgte vor allem die Autobranche für Sorgenfalten bei den Marktteilnehmern. Kurz vor der Bekanntgabe eines möglichen Sanierungsplans für General Motors (GM) verlor die Aktie im Dow Jones-Index erneut 15 Prozent.

Daimler vor ungewisser Zukunft
In Deutschland nahmen die Anleger schwache Jahreszahlen bei Daimler zum Anlass, Autoaktien zu verkaufen. Daimler hatte 2008 beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 2,7 Milliarden Euro die Erwartungen deutlich verfehlt. Im laufenden Jahr sollen Absatz und Umsatz in allen automobilen Geschäftsfeldern Jahr sinken. Auch die Nachricht, dass man für der Verluste der ehemaligen Tochter Chrysler nicht mehr gerade stehen müssen, half nicht. Daimler-Aktien verloren im Tagesverlauf rund drei Prozent, ebenfalls deutlich im Minus schlossen BMW und VW.

Osteuropa-Malus für Metro
Metro-Aktien gehörten mit Abschlägen von fast sieben Prozent zu den größten Tagesverlierern im Dax. Hier wurde nach Händlerangaben vor allem die Rezessionsbedrohung in Osteuropa gespielt, wo Metro stark vertreten ist.
Dabei konnte sich die Aktie des US-Konkurrenten Wal Mart an der Wall Street gegen den Trend stemmen. Wal Mart hatte trotz eines um acht Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar gesunkenen Gewinns die Analystenprognosen übertroffen. Seine Erlöse hatte der US-Einzelhändler um zwei Prozent auf 108 Milliarden Dollar gesteigert.

ThyssenKrupp arbeitet noch kürzer
Der Stahlkonzern muss nach einer Mitteilung vom Dienstagabend nun auch in der Dienstleistungssparte Kurzarbeit einführen. Dabei soll der gesetzlich mögliche Rahmen von 18 Monaten voll ausgeschöpft werden. Zuvor waren bereits Arbeitsmaßnahmen in den Sparten Stahl und Edelstahl ergriffen worden.

MLP kappt Dividende
Auch im MDax überwogen am Dienstag die Verluste. Papiere des Finanzdienstleisters MLP brachen nach Bekanntgabe von Zahlen am Montagabend ein. Der Jahresüberschuss fiel um 60 Prozent niedriger aus und lag nur noch bei 24,8 Millionen Euro. Mit 597,7 Millionen Euro MLP im vergangenen Jahr fünf Prozent weniger um als 2007. Die Dividende wird von 0,50 auf 0,28 Euro gekappt.

Gerresheimer gut verpackt
Am anderen Ende der MDax-Rangliste gewannen Papiere des Verpackungsherstellers mehr als vier Prozent. Gerresheimer hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 10,7 Prozent auf 1,06 Milliarden Euro verbessert. Das bereinigte Ergebnis je Aktie legte um 36,6 Prozent auf 1,83 Euro zu. Der Konzern erfüllte damit die selbst gesteckten Ziele. Die Dividende soll wie im Vorjahr bei 0,40 Euro liegen.

Pfeiffer Vacuum hat noch Aufträge
Gut laufen die Geschäfte auch beim Vakuumpumpen-Hersteller Pfeiffer Vacuum aus dem TecDax. Das Unternehmen hat 2008 die Erwartungen erfüllt. Der Umsatz erhöhte sich von 192 auf 198,1 Millionen Euro zu. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank von 52,8 auf 51,5 Millionen Euro. Analysten hatten mit 50,1 Millionen Euro gerechnet. Die Aussichten für 2009 sind nicht schlecht. Der Austragsbestand lag bei 61 Millionen Euro und damit fast doppelt so hoch wie im Vorjahr. Die Pfeiffer-Aktie steigt.

Comdirect über eigenen Zielen
Gegen den Trend legte die SDax-Aktie am Dienstag rund 2,5 Prozent zu. Der Online-Broker hat 2008 sein Ziel für das Vorsteuerergebnis von 70 Millionen Euro deutlich überboten. Ende 2008 lag der Wert bei 77,8 Millionen Euro, was einem Rückgang gegenüber 2007 von 14 Prozent entsprach. Die Aktionäre sollen eine Dividende auf Höhe des Vorjahres von 41 Cent erhalten. Bis zum Jahr 2013 soll der Gewinn vor Steuern auf bis zu 160 Millionen Euro wachsen.

Takkt im Takt
Aktien des Versandhändlers aus dem SDax hielten sich in etwa vor Vortagesniveau. Bereits bekannt war ein Umsatzrückgang um acht Prozent auf 229 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen fiel um 20 Prozent auf 32,6 Millionen Euro. Takt erwartet 2009 einen weiteren Abwärtstrend und will damit vor allem durch "Anpassung der Kostenstrukturen" reagieren.

Statoil bleibt standhaft
Der norwegische Ölkonzern hat trotz niedriger Ölnotierungen im vierten Quartal noch 231 Millionen Euro netto verdient. Das war zwar um 67 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, lag aber über den Analystenprognosen. Das Unternehmen zeigte sich am Dienstag zuversichtlich, den weltweiten Abschwung zu überstehen. Sollte sich die Weltwirtschaft stabilisieren, werde es schnell wieder schwierig werden, die weltweite Nachfrage nach Energie zu befriedigen.

Beate Uhse scharf auf Playhouse
Das ehemalige MDax-Unternehmen hat sich durch einen Zukauf verstärkt. Wie der Erotik-Konzern am Dienstag bekannt gab, hat er die niederländische Playhouse Group rückwirkend zum 1. November 2008 übernommen. Playhouse erwirtschaftete 2008 einen Umsatz von 13 Millionen Euro. Die Übernahme hat sich Beate Uhse einen "einstelligen Millionenbetrag" kosten lassen. Die Aktie verlor knapp vier Prozent.

Tagestermine am Freitag, 19. Oktober

Unternehmen:
Procter & Gamble: Q1-Zahlen
Villeroy&Boch: Neunmonatszahlen
Schlumberger: Q3-Zahlen
Software AG: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Remy Cointreau: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
London Stock Exchange: Trading Update, 08:00 Uhr
State Street Corp: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr
Honeywell: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
China: Industrieproduktion, September, 04:00 Uhr