Helles Licht und tiefe Schatten

von Detlev Landmesser

Stand: 02.08.2007, 20:28 Uhr

Die meisten Quartalszahlen des Tages fielen erfreulich aus - ein Grund, warum sich der Dax im Plus halten konnte. Zappenduster sah es dagegen bei der IKB aus: Panikartige Verkäufe ließen den MDax-Titel abschmieren.

Die IKB-Aktie stürzte zeitweise um 42,7 Prozent auf ein historisches Tief von 9,85 Euro. Bis zum Abend erholte sie sich wieder auf 12,76 Euro, immer noch ein Minus von 23,8 Prozent. Nach wie vor ist unklar, wie stark die IKB denn wirklich von den Kreditausfällen am US-Hypothekenmarkt betroffen ist - Börsianer kritisierten die unvollkommenen Informationen von der Mittelstandsbank.

Kurz vor Xetra-Schluss meldete die IKB ad hoc, die Förderbank KfW stehe bei der IKB für alle Verluste ein, die aus dem in die Schieflage geratenen US-Fonds entstehen könnten. Später gab sie bekannt, die ursprünglich für den 30. August angesetzte Hauptversammlung werde wegen der "besonderen Vorkommnisse" in das vierte Quartal verlegt. Der Wirtschaftsprüfer PwC sei mit einer umfassenden Sonderprüfung beauftragt worden.

Erstaunlich war, dass diesmal andere Finanztitel von der Panik um den MDax-Kollegen fast unberührt blieben - an anderen Tagen hätte der Einbruch den gesamten Markt in den Strudel ziehen können. Der L-Dax schloss 0,66 Prozent höher bei 7.535,21 Punkten.

Doch die nervösen Zuckungen an der Wall Street zeigen, dass die Ängste um weitere Folgen der Hypothekenkrise und um eine Kreditklemme noch nicht ausgestanden sind. Am Abend schienen sich die New Yorker Aktienmärkte aber für leichte Kursgewinne entschieden zu haben.

Die Daten zu den US-Industrieaufträgen im Juni lasteten ebenfalls vorübergehend auf den Indizes. Mit einem Plus um 0,6 Prozent zum Vormonat blieben die Bestellungen hinter den Erwartungen zurück. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Zuwachs von 1,1 Prozent gerechnet. Ohne Berücksichtigung der stark schwankenden Transportgüter sanken die Auftragseingänge im Juni um 0,5 Prozent. Hier hatten die Experten einen Rückgang von 0,1 Prozent erwartet.

Unterdessen hat EZB-Chef Jean-Claude Trichet die Märkte auf eine Zinserhöhung im September vorbereitet. "Der Markt hatte eigentlich schon mit diesem Zinsschritt im September auf dann 4,25 Prozent gerechnet, allerdings fehlte bisher noch die verbale Bestätigung durch Trichet mit den Worten 'strong vigilance'", erläuterte Volkswirt Ulrich Wortberg von der Helaba.

Nokia wird gefeiert

Als Stütze für die Börsen erwies sich Nokia: Der weltgrößte Handy-Hersteller meldete am Mittag einen unerwarteten Gewinnsprung im zweiten Quartal. Das Betriebsergebnis habe 2,36 Milliarden Euro erreicht. Vor einem Jahr hatte Nokia lediglich 1,57 Milliarden Euro verdient. Branchenexperten hatten dem finnischen Konzern hier nur eine geringe Steigerung zugetraut. Die Nokia-Aktie sprang daher um mehr als sieben Prozent nach oben. Nokia verkaufte im zweiten Quartal fast 101 Millionen Handys und damit mehr als seine drei wichtigsten Konkurrenten zusammen.

Fresenius-Familie erhöht Prognosen
Bester Dax-Titel war Fresenius Medical Care. Die Quartalsbilanz des Dialysespezialisten fiel ebenfalls wie die der Konzernmutter Fresenius besser als erwartet aus. FMC rechnet für das laufende Jahr nun mit einem Umsatzplus von mindestens zwölf Prozent auf mehr als 9,5 Milliarden Dollar. Der Jahresüberschuss soll zwischen 685 und 705 Millionen Dollar liegen. Bislang hatte FMC einen Umsatz von etwa 9,4 Milliarden Dollar und einen Jahresüberschuss von 675 bis 695 Millionen Dollar in Aussicht gestellt.

Auch die im MDax notierte Mutter Fresenius erhöhte die Gewinnprognose für 2007. Der Jahresüberschuss soll nun währungsbereinigt um 25 Prozent steigen.

Eon will Gas in Norwegen fördern
Der Energieriese Eon beteiligt sich an der Gasförderung in Norwegen. Für umgerechnet rund 650 Millionen Euro erwirbt der Dax-Konzern von Royal Dutch Shell 28 Prozent der Anteile an den Feldern Skarv und Idun. An der Entwicklung dieser Felder will sich Eon mit rund einer Milliarde Euro beteiligen.

Wacker fällt plötzlich in Ungnade
Die Aktie von Wacker Chemie verlor 14,3 Prozent. Laut Händlern nutzten Anleger die Quartalszahlen zu Gewinnmitnahmen. Das auf Siliziumprodukte spezialisierte Unternehmen hat zwar seinen Gewinn im zweiten Quartal nahezu verdoppelt. Umsatz und operatives Ergebnis blieben aber hinter den Erwartungen zurück. Ein anderer Börsianer führte zudem charttechnische Gründe an. Der Spezialchemiekonzern teilte außerdem mit, in den Aufbau zweier Gemeinschaftsunternehmen mit dem Mainzer Glashersteller Schott in den kommenden beiden Jahren 370 Millionen Euro zu investieren. Die Schott Wacker Solar GmbH soll Solarwafer produzieren.

Vergebung für Pfleiderer
Ein sattes Plus von 6,3 Prozent verbuchte die Pfleiderer-Aktie im MDax. Das Unternehmen hat zwar wegen des schwachen Amerika-Geschäfts seine Ergebnisprognose gesenkt. Aber dies hängt mit der ebenfalls bekannt gegebenen Umstrukturierung und Stellenstreichung zusammen. Dadurch würden Sonderbelastungen fällig, wodurch das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) nur 240 bis 250 Millionen Euro erreichen dürfte anstatt der ursprünglich angepeilten 270 Millionen.

Leoni erhöht Jahresprognose
Ähnlich gut schlug sich die Aktie von Leoni. Der Autozulieferer hat im zweiten Quartal Umsatz und Gewinn gesteigert. Die Erlöse kletterten um 15 Prozent auf 590,5 Millionen Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um zehn Prozent auf 35,2 Millionen Euro. Damit übertraf Leoni die Erwartungen von Analysten. Für das Gesamtjahr erhöhte der Konzern die Prognose.

Auch Heidelberger Druck legten zu. Anleger honorierten den Gewinnsprung im Auftaktquartal, der die Gewinnerwartungen übertraf. Die Aktie der Gea Group drehte nach einem Ausflug ins Minus wieder in positives Terrain. Das Unternehmen hatte gemischte Zahlen zum zweiten Quartal präsentiert. Die meisten Eckwerte fielen besser aus als gedacht, allerdings verfehlte der Überschuss die Schätzungen deutlich.

Adva und Aixtron enttäuschen
Im TecDax rutschten die Aktien von Adva Optical Networking und Aixtron mit zweistelligen Verlusten ans Indexende. Der Netzwerkausrüster Adva hatte nach einem Gewinnrückgang im zweiten Quartal seine Erwartungen an die Gewinnmarge gesenkt.

Der Chip-Anlagenbauer Aixtron hat im zweiten Quartal weniger Umsatz und Gewinn erzielt als von Analysten erwartet. Der Umsatz stieg auf 45,2 Millionen Euro, das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) auf 3,2 Millionen Euro. Nach Steuern verbuchte das TecDax-Unternehmen einen Gewinn von 3,8 Millionen Euro.

Rofin-Sinar meldet Rekordergebnis
An die TecDax-Spitze setzte sich Rofin-Sinar. Der deutsch-amerikanische Laserhersteller legte ein Rekordergebnis vor. Der Gewinn im dritten Geschäftsquartal kletterte auf 14,3 Millionen von 12,9 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um elf Prozent auf 121,4 Millionen Dollar. Dabei habe sich vor allem der gegenüber dem Euro schwächere Dollar bemerkbar gemacht. Der Auftragseingang belief sich auf 132,5 Millionen Dollar. Auftragseingang, Auftragsbestand, Umsatz und Ergebnis seien auf Rekordniveau, teilte Rofin-Sinar mit.

Solarworld zuversichtlicher
Die Solarworld-Aktie rettete bis zum Abend nur einen kleinen Teil ihres Tagesgewinns. Der Solartechnikkonzern hat Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal zweistellig gesteigert. Für das Gesamtjahr zeigte sich der Vorstand etwas zuversichtlicher als bislang. Die bisherige Prognose von 20 Prozent Wachstum bei Umsatz und operativem Ergebnis solle übertroffen werden.

Balda kappt Prognose
Im SDax fiel die Balda-Aktie mit starken Kursbewegungen auf. Am Ende blieb ein deutliches Kursminus. Der Handyausrüster hatte von einem schwachen Geschäft in Europa im zweiten Quartal berichtet, weshalb das Unternehmen in die Verlustzone rutschte. Außerdem werden die Jahresziele verfehlt. Balda gab bekannt, dass sich bei einem großen Auftrag der Auftraggeber - gemeint sein dürfte Apple - unmittelbar vor Produktionsbeginn für eine andere Touchscreen-Spezifikation entschieden habe.

Gildemeister macht der Branche alle Ehre
Die Aktie von Gildemeister zierte die Liste der SDax-Gewinner. Der Werkzeugmaschinenbauer hat mit prall gefüllten Auftragsbüchern im zweiten Quartal seinen Gewinn deutlich gesteigert. Der Vorstand bekräftigte zudem seine Prognose für 2007.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
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