Heftiger Tiefschlag

Lothar Gries

Stand: 13.08.2008, 20:01 Uhr

Düstere Konjunkturaussichten, neue Milliardenabschreibungen amerikanischer Banken und sinkende Umsätze im Einzelhandel haben an den Börsen eine Verkaufswelle ausgelöst. Zulegen konnten nur die Aktien von Continental.

Der Dax beendete den Abendhandel mit einem Abschlag von gut zwei Prozent bei 6442 Zählern. Im elektronischen Handel verliert der Leitindex der Frankfurter Börse gar 163 Punkte oder 2,5 Prozent auf 6424 Zähler. Auch an der Wall Street kannten die Kurse nur eine Richtung, nach unten. Die US-börsen litten vor allem an den schwachen Einzelhandelsumsätzen. Zudem schürte ein ungewöhnlich starker Anstieg der Einfuhrpreise um 1,7 Prozent innerhalb eines Monats die Furcht vor Zinserhöhungen.

In Frankfurt litten besonders die Bankwerte, allen voran die Commerzbank, die um 6,9 Prozent nachgaben. Auch die Autobauer wie BMW und Daimler büßten kräftig ein und verloren bis zu sechs Prozent. Unter hohem Abgabedruck standen auch die Einzelhandelskonzerne Metro und Arcandor, nachdem der Umsatz der Kaufhauskette Karstadt im zweiten Quartal erneut zurückgegangen ist.

Tatsächlich werden die Zeichen für einen Abschwung der Wirtschaft in Deutschland und Europa immer zahreicher. Die Stimmung in fast allen 15 Euro-Ländern ist in den vergangenen Wochen laut ifo-Wirtschaftsklimaindex weiter in den Keller gegangen. Im zweiten Quartal dürfte die deutsche Wirtschaft aber nicht ganz so stark geschrumpft sein wie zunächst befürchtet. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung (Mittwoch) ist die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 0,5 bis 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zurückgegangen.

Ölpreis zieht nach US-Lagerdaten leicht an

Keine Unterstützung kommt zudem vom Ölpreis. Nach der Veröffentlichung der wöchentlichen Öl-Lagerbestände in den USA am Nachmittag hat der Ölpreis wieder zugelegt. Der Preis für das Fass (159 Liter) US-Leichtöl der Sorte WTI stieg um bis zu 2,4 Prozent auf 115,69 Dollar. In den USA waren die Öl- und Benzinvorräte in der vergangenen Woche deutlicher als erwartet geschrumpft. Die Aktienmärkte beschleunigten daraufhin ihre Talfahrt.

Conti größter Gewinner im Dax
Der Autozulieferer Continental hat das Übernahmeangebot der Schaeffler-Gruppe erneut abgelehnt. Das Angebot von 70,12 Euro pro Aktie sei nicht angemessen, sagte Conti- Vorstandschef Manfred Wennemer am Mittag nach einer Aufsichtsratssitzung. Conti will aber weiter mit Schaeffler verhandeln. Laut Medienberichten, die sich auf Aufsichtsratskreise berufen, wollen die Franken ihr Übernahmeangebot anheben. Statt der bislang gebotenen 70,12 Euro je Aktie sei Schaeffler bereit, 75 Euro zu zahlen.

Eon übertrifft Erwartungen
Bei dem Düsseldorfer Energiekonzern klingeln weiter die Kassen. In den ersten sechs Monaten erzielte Eon einen Umsatzanstieg von 16 Prozent auf 41,2 Milliarden Euro. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte um sechs Prozent auf 5,8 Milliarden Euro. Damit übertraf das Unternehmen die Erwartungen der Analysten. Eon bekräftigte, 2008 das bereinigte Ebit um fünf bis zehn Prozent steigern zu wollen. Das Gleiche gelte nun auch für den bereinigten Konzernüberschuss, für den der Konzern bislang lediglich eine leichte Verbesserung ohne Angaben von Prozentzahlen in Aussicht gestellt hatte. Die Aktie stieg im Tagesverluaf um mehr als drei Prozent, muss einen Großteil ihrer Gewinne aber abgeben. Zudem bleibt die Marke von 40 Euro unerreicht.

HRE bleibt ungewiss
Nach einem erneuten Gewinneinbruch sieht die Immobilienbank Hypo Real Estate auch in der zweiten Jahreshälfte wegen der Finanzkrise neue Belastungen auf sich zukommen. "Für die kommenden Monate stellen wir uns auf weitere Herausforderungen ein", sagte Vorstandschef Georg Funke am Mittwoch. Entwarnung könne es wegen der Börsenturbulenzen und den schwächeren Konjunkturperspektiven noch nicht geben. Finanzchef Markus Fell ergänzte, im zweiten Halbjahr seien voraussichtlich maximal noch 200 Millionen Euro für weitere Abschreibungen nötig.. Der Konzern hat im zweiten Quartal 2008 wegen der Finanzkrise erneut einen Ergebniseinbruch erlitten. Das Vorsteuerergebnis brach von 320 auf 40 Millionen Euro ein.

MLP bestätigt Kontakt zu Swiss Life
MLP-Vorstandschef Uwe Schroeder-Wildberg sagte am Nachmittag, es habe am Mittwochvormittag einen ersten Kontakt gegeben. Zu Inhalten und Details machte er keine Angaben. Ein MLP-Sprecher ergänzte, es sei ein weiteres Gespräch vereinbart worden. Hintergrund sind Berichte über einen möglichen Einstieg des Konkurrenten AWD aus Hannover, der seit Anfang dieses Jahres dem Schweizer Versicherungsriesen Swiss Life gehört. Der "Financial Times Deutschland" zufolge ist AWD bereit, MLP notfalls auch gegen dessen Willen zu übernehmen.

K+S erfreut die Anleger
Der Düngemittel- und Salzhersteller K+S hat im zweiten Quartal das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Effekten aus der Absicherung von Wechselkursrisiken (Ebit I) von 69,4 auf 326,4 Millionen Euro erhöht und damit die Schätzungen der Analysten deutlich übertroffen. Der Umsatz des Kasseler Unternehmens kletterte um 52 Prozent auf 1,18 Milliarden Euro. Das MDax-Mitglied rechnet nun im Gesamtjahr mit einem Umsatzanstieg von 3,3 auf 5,3 bis 5,5 Milliarden Euro. Die Aktie legt kräftig zu, bleibt aber weit hinter iherer bisherigen Höchstmarke von über 90 Euro.

Karstadt verhagelt Arcandor-Bilanz
Wie befürchtet haben die rückläufigen Geschäfte der Warenhaustochter Karstadt dem Handels- und Tourismuskonzern Arcandor im abgelaufenen Quartal die Bilanz verhagelt. Der Umsatz sank im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2007/08 (30. September) zum Vergleichsquartal um 4,2 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Ingsesamt ging das operative Ergebnis des Konzerns deutlich um 20,3 Prozent auf 52,8 Millionen zurück. Die Aktie bricht um fast dreizehn Prozent ein.

Stada will zukaufen
Der gegen den anhaltenden Preis- und Margendruck im Geschäft mit Nachahmermedikamenten kämpfende Generikahersteller Stada setzt weiter auf Unabhängigkeit. "Wenn jemand Stada übernehmen möchte, dann soll er ein Angebot vorlegen", sagte Vorstandschef Hartmut Retzlaff. Umgegkehrt strebt Stada unverändert Übernahmen an: Nach der erst vor kurzem erfolgten Umsatz- und Gewinnwarnung für das Gesamtjahr hat der Generikahersteller im zweiten Quartal einen Umsatzanstieg um schmale ein Prozent auf 561,7 Millionen Euro erwirtschaftet. Das operative Ergebnis verbesserte sich um acht Prozent auf 109,5 Millionen Euro. Die Anleger sind wenig begeistert und schicken die Aktie auf Talfahrt.

Lanxess kann sich behaupten
Der Spezialchemiekonzern Lanxess hat im zweiten Quartal sein Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen (Ebitda) und vor Sondereinflüssen um 5,7 Prozent auf 223 Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz legte um 2,2 Prozent auf 1,77 Milliarden Euro zu. Die befragten Experten hatten bei einem Umsatz von 1,65 Milliarden Euro ein operatives Ergebnis von 207 Millionen Euro erwartet.

KlöCo hebt Prognose an
Der Stahlhändler (KlöCo) hebt erneut seine Prognose für 2008 an. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) und ohne Einmalerträge soll nun bei über 500 Millionen Euro liegen. Bisher hatte KlöCo mehr als 480 Millionen Euro angepeilt. Auch mit seinen Halbjahreszahlen übertraf das MDax-Mitglied die Erwartungen des Marktes.

Deutz hält an Dividende fest
Der Kölner Motorenbauer Deutz plant auch nach der Senkung der Gewinnprognose für 2008 eine Dividende. "Es wird auch für 2008 eine Ausschüttung geben", kündigte Vorstandschef Helmut Leube an. Deren Höhe ließ er aber offen. Der mit höheren Rohstoffkosten kämpfende Konzern hat seine Umsatz- und Ergebnisprognosen für 2008 gesenkt. Der Umsatz soll nur noch um fünf Prozent expandieren, anstatt bisher zehn bis 15 Prozent. Für die Ebit-Marge rechnet Deutz nun mit sechs Prozent, anstatt sieben Prozent. Auch mit seinem Bericht zum zweiten Quartal verfehlte Deutz die Analystenerwartungen.

Q-Cells ist optimistisch
Der Solarzellenhersteller Q-Cells hat nach einem positiven zweiten Vierteljahr seine Gesamtjahresprognose angehoben. Das TecDax-Mitglied rechnet mit einem Umsatz von 1,325 Milliarden Euro statt bisher 1,275 Milliarden. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll etwa 260 Millionen Euro erreichen. Bisher hatte Q-Cells 252 Millionen Euro angepeilt. Auch für das kommende Jahr hob der Konzern sein Umsatzziel von gut zwei Milliarden Euro auf etwa 2,25 Milliarden Euro an.

United Internet enttäuscht
Der Internetanbieter United Internet hat im zweiten Quartal seinen Umsatz 14,2 Prozent auf 412,4 Millionen Euro steigern können. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 12,6 Prozent auf 88,6 Millionen Euro zu. Analysten hatten mehr erwartet. Außerdem hat das Unternehmen seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr gekappt. Der Umsatz soll nur noch um 16 Prozent wachsen. Bisher hatte United Internet mit 20 Prozent gerechnet.

Die Aktie des Biotech-Unternehmens Morphosys verliert im TecDax überdurchschnittlich. Die WestLB hat die Aktien von "Buy" auf "Add" abgestuft. Nach dem starken Kursanstieg habe sich das weitere Kurspotenzial verringert, hieß es zur Begründung.

DIC verdient weniger
Das Immobilienunternehmen hat seine Ergebnisprognose gesenkt. Das SDax-Mitglied rechnet im gesamten Jahr 2008 nur noch mit einem Überschuss zwischen 25 und 27 Millionen Euro. Davor war DIC noch von 39 bis 41 Millionen Euro ausgegangen. Die Aktie bricht um fünf Prozent ein.

HCI beziffert Schlamassel
Nach der Gewinnwarnung von vergangenem Freitag hat der Finanzdienstleister HCI nun seinen Halbjahresbericht vorgelegt. Das im SDax notierte Unternehmen hat von Januar bis Juni einen Verlust von 18,5 Millionen Euro gemacht. Im Vorjahr hatte man noch 19 Millionen Euro verdient. Das erfreut die Anleger.

Axel Springer steigert Umsätze
Der Medienkonzern Axel hat im ersten Halbjahr 2008 vor allem durch Zukäufe den Umsatz um elf Prozent auf 1,34 Milliarden Euro verbessern können. Das um Sondereffekte bereinigte Ebita erhöhte sich um 7,2 Prozent auf 213,9 Millionen Euro. Die Aktie legt deutlich zu.

Sonne pur für Aleo Solar
Der Solarmodulhersteller Aleo hat in den ersten sechs Monaten 2008 seinen Umsatz um 77 Prozent auf 159,4 Millionen Euro nach oben geschraubt. Das Ebit konnte auf 11,4 Millionen Euro gesteigert und damit fast verdoppelt werden.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat