Hausse nach Verstaatlichung

Stand: 08.09.2008, 20:01 Uhr

Gemeinhin reagieren Börsen allergisch auf Eingriffe des Staates. Als am Sonntag die US-Regierung aber die beiden größten US-Hypothekenbanken (und ihre Verluste) verstaatlichte, kannte der Jubel der Aktienmärkte kaum Grenzen. Der Dax legte am Montag um bis zu drei Prozent zu.

Bei den beiden Hypothekenbanken Freddie Mac und Fannie führte die Verstaatlichung zu extremen Kursverlusten von mehr als 80 Prozent, die weltweiten Börsenindizes reagierten indes erleichtert auf die Entscheidung der US-Regierung, die Kontrolle bei den angeschlagenen Hypothekenriesen zu übernehmen.

Die beiden Firmen haben insgesamt 5,4 Billionen Dollar an Hypothekenkrediten unterzeichnet, und schätzungsweise muss davon eine halbe Billion Dollar abgeschrieben werden. Das vermuten Banken, und dies ist zweifelsfrei eine unvorstellbare Summe, die jedes private Institut zusammenbrechen lassen würde und unabsehbare Folgen für die weltweiten Finanzmärkte hätte.

Die Erleichterung an den Börsen war daher durchaus nachvollziehbar. Der Dax legte im Handelsverlauf mehr als drei Prozent zu, folgte im späten Handel allerdings dem etwas zögerlichen New Yorker Handel und schloss 2,2 Prozent im Plus, bei 6.264 Punkten.

In New York sahen die Anleger die Rettungsmaßnahme offenbar skeptischer. Der Dow Jones begann den Handel ebenfalls mit einem Aufschlag von drei Prozent, im Laufe des Tages schmolz das Plus zunehmend ab. Der technologielastige Nasdaq-Index, in dem Fannie Mae und Freddie Mac notiert sind, rutschte ins Minus.

Dax-Finanzwerte heftig gekauft
Die Titel der Deutschen Bank setzten sich am Montag mit einem Plus von 6,2 Prozent an die Dax-Spitze, gefolgt von Hypo Real Estate, Allianz, Commerzbank. Die Commerzbank hat ihre angekündigte Kapitalerhöhung in Höhe von einer Milliarde Euro durchgeführt. Die Bank platzierte 65,4 Millionen neuer Aktien für 17 Euro. Die Platzierung war fünffach überzeichnet gewesen, teilte die Bank mit.

Papiere der Postbank schlossen 1,3 Prozent fester. Der Mutterkonzern Deutsche Post wäre, schenkt man den Montagsgerüchten Glauben, mit einem Verkaufserlös für ihre Tochter von 8,5 bis 9,5 Milliarden Euro zufrieden. Das wäre viel weniger als die ursprünglich gewünschten 10 Milliarden Euro. Nicht besonders erfreulich war auch das Marktgerücht, wonach die Deutsche Bank, die als Käufer gehandelt wird, bei der Postbank lediglich einen Minderheitsanteil anstrebt.

Zerschlagungsgerüchte und Analysten
Der Autobauer Daimler dementierte einen Zeitungsbericht, wonach der schwedische Finanzinvestor Cevian Capital sich im großen Umfang an Daimler beteiligt habe und nun die Zerschlagung des Konzerns fordere. "Wir haben nicht die Absicht, das Lkw-Geschäft abzuspalten", teilte der Konzern mit und entfernte damit ein wenig Zerschlagungsfantasie. Die Aktie stieg daher nur um mäßige 1,8 Prozent, auch nachdem die UBS die Aktie mit "Sell" bewertet hatte.

Die Schweizer Bank hat auch die Bewertung von Volkswagen und Porsche aufgenommen. Die UBS legte für beide Aktien ein "Sell" fest, BMW wurde von den Analysten mit "Buy" bewertet. BMW-Aktien stiegen um 4,1 Prozent, Volkswagen um 2,6 und Porsche um ein Prozent.

Nicht mehr Dividende bei der Börse
In der vergangenen Woche sorgte der Entschluss zweier Großaktionäre der Deutschen Börse, mehr Nutzen für die Aktionäre zu schaffen, für Kursfantasie bei der Aktie des Börsenbetreibers. Herumgereicht wurde das Gerücht, dass die Aktionäre Atticus und TCI auf eine Erhöhung der Dividende dringen könnten. Diesen Gerüchten dementierte die Deutsche Börse. Man plane keine Erhöhung der Dividende und auch keine Ausweitung des Aktienrückkaufprogramms. Die Aktie stieg trotz dieser für Aktionäre eher ernüchternden Meldung um 4,5 Prozent.

Analysten zu MTU, Hochtief und Bilfinger
Die Aktien des Motorenherstellers MTU stiegen um 8,9 Prozent und setzten sich damit im MDax an die Spitze. Die Analysten von Merrill Lynch hatten zuvor das Kursziel von 21,50 auf 26 Euro angehoben.

Die beiden MDax-Aktien von Hochtief und Bilfinger Berger profitierten ebenfalls von einer Analystenempfehlung. Goldman Sachs hat Hochtief auf die "Conviction Buy List" aufgenommen, und das Kursziel für Bilfinger Berger-Aktien erhöht. Die Aktien stiegen um sieben beziehungsweise fünf Prozent.

Celesio will mit Doc Morris expandieren
Der Pharmagroßhändler Celesio will nach der Liberalisierung des Apothekenmarktes in Deutschland zahlreiche Apotheken kaufen und eine Ladenkette aufbauen. Allein im ersten Jahr will die Firma 30 bis 50 Apotheken kaufen. Celesio-Chef Fritz Oesterle rechnet mit einer schnellen Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes zur Öffnung des deutschen Marktes. Die Aktie steigt um 2,8 Prozent.

Wincor Nixdorf verkauft 500 Automaten
Wincor Nixdorf, Hersteller von Kassen- und Geldautomaten, hat einen Auftrag aus Finnland gemeldet. Die Firma wird 500 Geldautomaten in Finnland installieren, und fünf Jahre lang die Wartung der Geräte übernehmen. Die Aktie steigt um 3,3 Prozent.

Rofin Sinar übernimmt NELC
Der im TecDax notierte Laserspezialist Rofin Sinar will die chinesische Laserfirma NELC übernimmen. Die Übernahme soll in vier bis sechs Wochen abgeschlossen sein. Rofin Sinar will mit der Übernahme die eigene Postition auf dem chinesischen Markt stärken. Die Aktie schloss deutlich fester, sie gewann 4,8 Prozent.

Biotest testet erfolgreich
Das im SDax notierte Pharma- und Diagnostikunternehmen Biotest berichtet von Erfolgen bei einer frühen klinischen Studie eines Schuppenflechtmittels. Ein Antikörper habe "deutliche Hinweise auf Wirksamkeit" gezeigt, teilte Biotest mit. Die Aktie stieg um 5,1 Prozent.

Auch Epigenomics kommt voran
Die Biotechfirma Epigenomics meldet Fortschritte bei der Entwicklung eines Krebsmedikamentes. Die Zwischenergebnisse einer klinischen Studie für ein Prostatakrebsmittel seien "statistisch signifikant", teilte die Firma mit. Bis Ende des dritten Quartal will Epigenomics die Studie abschließen, die Aktie ging fast unverändert aus dem Handel.

Elexxion erhält FDA-Zulassung
Die Aktie des Medizintechnikunternehmen Elexxion legte um 5,5 Prozent zu. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat einen Zahnlaser von Elexxion für den US-Markt zugelassen. Der Laser kann ab sofort in Amerika vertrieben werden.

Schott Solar auf dem IPO-Endspurt
Der Solarkonzern Schott Solar will bis spätestens 26. September an die Börse gehen. Durch den IPO im Prime Standard will Schott Solar bis zu 477 Millionen Euro erlösen, wie die Firma in ihrem Börsenprospekt mitteilte. Damit würde Schott Solar der bisher größte Börsengang in diesem Jahr gelingen, allerdings auch erst der dritte im Prime Standard.

Altria kauft UST
Der amerikanische Tabakkonzern Altria hat angekündigt, seinen Konkurrenten UST zu kaufen. Im Kaufpreis von 11,7 Milliarden US-Dollar seien Schulden von etwa 1,3 Milliarden Dollar enthalten, teilte Altria mit. Bereits am vergangenen Freitag gab es Gerüchte über die bevorstehende Milliardenübernahme.

UAL weist Insolvenz-Gerüchte zurück
Die United-Airlines-Mutter UAL hat einen Zeitungsbericht über einen bevorstehenden Bankrott der Fluggesellschaft als "unwahr" zurückgewiesen. Der Artikel der "Chicago Tribune" war am Montag auf einer Internetseite erschienen und stammte vom 10. Dezember 2002. Die Anteilsscheine von UAL fielen nach der Veröffentlichung des fälschlich veröffentlichten Artikels um 76 Prozent auf drei Dollar, bevor die Aktie zeitweise vom Handel ausgesetzt wurde. Auch nach Wiederaufnahme blieben die Papiere mit 4,2 Prozent im Minus.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.