Hausse!

Detlev Landmesser

Stand: 01.06.2007, 20:25 Uhr

Nur noch rund zwei Prozent trennen den Dax von neuen Rekordhöhen. Am Freitag ging es mehr als 100 Punkte aufwärts, zeitweise über die 8.000er-Marke. Damit hat der deutsche Leitindex in diesem Jahr bereits über 20 Prozent gewonnen.

Mit 8.001,63 Zählern schaffte der deutsche Leitindex gegen 16:00 Uhr ein neues Jahreshoch, bevor er wieder etwas zurückfiel. Der L-Dax schloss bei 7.968,59 Punkten. Der am 7. März 2000 aufgestellte Rekord von 8.136 Punkten liegt damit in greifbarer Nähe. Die Trends sind intakt, und kaum ein Charttechniker zweifelt daran, dass der Dax dieses Niveau sehr bald testen wird - vorausgesetzt natürlich, Störfeuer von weltpolitischen Krisenherden bleibt aus.

Zu den größten Dax-Gewinnern gehörten die T-Aktie und SAP. Beide Titel wurden von nicht ganz neuen Gerüchten getrieben. Erneut wurde spekuliert, die Telekom erwarte ein gemeinsames Gebot von AT&T und Telefonica für T-Mobile USA. Die Gebote würden T-Mobile mit etwa 62 bis knapp unter 70 Milliarden Euro bewerten, so das Gerücht. Die T-Aktie legte daraufhin um bis zu 4,8 Prozent auf 14,44 Euro zu und setzte sich an die Dax-Spitze. Erst am Dienstag war Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick entsprechenden Gerüchten entgegen getreten. "Ein Verkauf steht heute überhaupt nicht zur Diskussion", hatte er erklärt.

Bei SAP wurde die Spekulation aufgewärmt, Oracle sei an dem deutschen Branchenprimus interessiert - was allein aus kartellrechtlichen Überlegungen abenteuerlich erscheint. Oracle hat unterdessen in seiner Klage gegen SAP neue Vorwürfe vorgebracht. SAP habe Oracle-Lösungen bei der Umstellung von Computer-Programmen auf die Sommerzeit kopiert und später als eigene ausgegeben, heißt es in der erweiterten Klageschrift.

Auch die Wall Street ist nach erfreulichen Quartalszahlen des Computerriesen Dell gut aufgelegt. Vor allem haben die aktuellen Konjunkturdaten, besonders der US-Arbeitsmarktbericht für Mai, die Sorgen um die konjunkturelle Entwicklung zerstreut. So stieg die Stellenzahl außerhalb der Landwirtschaft zum Vormonat um 157.000, was deutlich über den Prognosen der von Reuters befragten Volkswirte lag, die im Schnitt mit 130.000 neuen Stellen gerechnet hatten. Auch der ISM-Einkaufsmanagerindex für Mai fiel etwas besser als gedacht aus.

Dell treibt Infineon

Die Dell-Zahlen trieben auch die Infineon-Aktie. "Infineon profitiert indirekt über ihre 86-prozentige Beteilung an Qimonda von den guten Dell-Zahlen", sagte ein Analyst. "Qimonda produziert DRAM-Speicherchips für Personal-Computer, und wenn es im PC-Geschäft gut läuft, dann ist das gut für die Infineon-Tochter und damit für Infineon selbst."

Deutsche Autobauer steigern US-Absatz
Die Deutschen Autokonzerne haben sich im Mai auf dem US-Markt gut geschlagen. DaimlerChrysler brachte vier Prozent mehr Fahrzeuge an die Kunden als vor Jahresfrist. BMW steigerte seinen Absatz um 8,7 Prozent auf 30.819 Autos. VW verkaufte ein Prozent mehr Auto. Dagegen konnte die Konzerntochter Audi glänzen: Mit 8.788 Autos setzte sie 23,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum ab. Grund dafür war unter anderem die starke Nachfrage nach den neuen Audi-TT-Modellen. Porsche berichtete von einem Verkaufsanstieg von 1,7 Prozent.

Die Eon-Aktie profitierte von positiven Analystenstimmen in Reaktion auf den am Mittwochabend angekündigten Aktienrückkauf. So hoben die Citigroup und JP Morgan ihre Kursziele an. Auch die Aktie von Bayer legte zu. Die Sparte CropScience kauft den amerikanischen Baumwollsaatgut-Hersteller Stoneville von Monsanto für 310 Millionen Dollar.

Siemens VDO spätestens September an der Börse
Dax-Schwergewicht Siemens blieb hinter dem Gesamtmarkt zurück. Der Konzern will den Börsengang seiner Sparte VDO noch vor Abschluss des laufenden Geschäftsjahres, das am 30. September endet, über die Bühne bringen. Seit heute ist die Sparte eine eigenständige Aktiengesellschaft, womit die Voraussetzung für den Börsengang geschaffen wurde. Damit setzte Siemens erstmals einen festen Zeitplan für das im Januar verkündete Vorhaben, bis zu 49 Prozent der Sparte an die Börse zu bringen.

Permira will Boss übernehmen
Am Nachmittag wurden die Titel von Hugo Boss vorübergehend vom Handel ausgesetzt, und legten nach der Wiederaufnahme etwas zu. Die von Permira kontrollierte Gesellschaft "Red & Black" kündigte ein Übernahmeangebot für den schwäbischen Modekonzern an. Die neu gegründete Red & Black werde den Eignern der Stamm- und Vorzugsaktien einen Preis in Höhe des Durchschnittskurses der letzten drei Monate bieten, teilte die Firma mit. Das freiwillige öffentliche Übernahmeangebot stehe im Zusammenhang mit dem beabsichtigten Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung von Red & Black an dem Modekonzern Valentino. Valentino hält indirekt rund 79 Prozent der Stammaktien und 22 Prozent der Vorzüge von Boss.

Schock für Paion-Aktionäre
Eine Hiobsbotschaft kam von Paion. Das Biotech-Unternehmen berichtete von einem Misserfolg bei seinem großen Hoffnungsträger, dem Schlaganfallmittel Desmoteplase. Bei einer Zulassungsstudie hatte Desmoteplase nicht die gewünschten Ergebnisse geliefert. Die Aktie stürzte daraufhin zeitweise um mehr als 69 Prozent auf 3,00 Euro ab.

Niederländer bei ProSiebenSat.1
Im MDax legen die Titel von ProSiebenSat.1 um 2,2 Prozent zu. Der deutsche Fernsehkonzern könnte einen Großaktionär aus den Niederlanden bekommen. Wie die Telegraaf-Gruppe (TMG) bestätigte, hat sie eine Option für eine Minderheitsbeteiligung an der Senderkette. Bedingung ist, dass der Zusammenschluss von ProSiebenSat.1 und SBS zu Stande kommt. Die neuen Eigner von ProSiebenSat.1, KKR und Permira, wollen die Sendergruppe mit ihrer Senderkette SBS verbinden.

Techem stärkt sich
Bei Techem reagierte der Kurs kaum auf eine Übernahme. Der Energie-Dienstleister will die in Sachsen tätige Ablesefirma Petters & Glauch übernehmen. Nach eigenen Angaben zahlt das MDax-Unternehmen 5,6 Millionen Euro.

Software AG erhöht Prognose
Knapp zwei Prozent gewann die Aktie der Software AG im TecDax. Die Software-Gesellschaft hebt im Zuge ihrer Übernahme des US-Softwareherstellers WebMethods ihre Jahresziele für Umsatz und Ergebnis an. Zwar dürfte die Marge in diesem Jahr nicht mehr so gut ausfallen wie bisher geplant. Dafür sollen im kommenden Jahr Synergien von 46 Millionen Dollar eingefahren werden. In der zweiten Jahreshälfte 2007 dürften bereits 15 Millionen Dollar Synergien entstehen.

Freenet wirft Auge auf Debitel und Talkline
Die Freenet-Aktie legte um 1,1 Prozent zu. Der Telefondienstleister prüft nach Angaben aus Branchenkreisen einen Zusammenschluss seines Mobilfunkgeschäfts mit einem Wettbewerber. Vorstandschef Eckhard Spoerr habe Interesse an Debitel und Talkline, hieß es am Freitag aus den Kreisen. Die beiden Gesellschaften werden von Finanzinvestoren kontrolliert, die angeblich offen für einen Verkauf sind.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 15. Oktober

Unternehmen:
Total: Trading Statement Q3, 8.30 Uhr
Bank of America: Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Rio Tinto: Quartalszahlen Q3, 23.30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Industrieproduktion August, 6.30 Uhr
Deutschland: Monatsbericht Bundeswirtschaftsministerium
USA: Einzelhandelsumsatz / Empire State Index, 14.30 Uhr
USA: Lagerbestände, 16 Uhr