Marktbericht 20:04 Uhr

Dax auf Berg- und Talfahrt Hat die EZB ihr Pulver veschossen?

Stand: 10.03.2016, 18:10 Uhr

Mario Draghi hat heute mal wieder alles gegeben. Aber nach der ersten Euphorie begannen die Anleger zu zweifeln. Ist die EZB mit dem heutigen Rundumschlag am Ende ihres Lateins? Diese Sorge bescherte dem Dax postwendend den totalen Ausverkauf und so manchem Börsianer ein Déja-Vu-Erlebnis.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Was für eine Achterbahnfahrt - die EZB und ihr Chef Mario Draghi gehen geldpolitisch bis an nie gekannte Extreme. Zunächst sorgten sie damit für Euphorie am Aktienmarkt. Bis auf 9.995 Punkte ging es bergauf mit dem deutschen Leitindex Dax. Geschlossen hat der Index letztlich bei 9.498 Punkten am Tagestief - und damit rund 500 Punkte unter dem Tageshoch (!) oder 2,3 Prozent tiefer als am Mittwoch.

Eine solche Schwankungsbreite, das ist auch für erfahrene Börsianer alles andere als normal. Auch der Euro legte ähnliche Kapriolen hin, und bewegt sich in einer Bandbreite von fast vier Cent zwischen 1,0823 und aktuell 1,1177 Dollar. Überhaupt, der Stimmungswandel am Devisenmarkt gilt als eigentlicher Auslöser für den Kursrutsch am Aktienmarkt. Als Draghi nämlich klar stellte, dass vorerst nicht mit weiteren Zinssenkungen zu rechnen sei, schoss der Eurokurs umgehend auf sein Tageshoch. Gift für den Aktienmarkt, denn ein höherer Euro belastet vor allem die Exporteure aus der Eurozone.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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"Die Äußerung Draghis, er gehe von keinen weiteren Zinssenkungen aus, wurde als die letzte Patrone interpretiert", sagte auch Marktstratege Andreas Paciorek von CMC Markets. "Er hat geliefert, aber die Frage ist jetzt, ob noch mehr kommen könnte - wohl eher nicht", ergänzte ein Börsianer.

Ist die EZB mit ihrem Latein am Ende?

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 19.00 Uhr

Das jedenfalls schienen heute nicht nur die Anleger zu glauben, sondern auch Ökonom Hans-Werner Sinn. Er kommentierte wie viele andere Ökonomen das neue gelpolitische Programm der EZB äußerst kritisch. Fakt ist, Mario Draghi hat in diesem Kreis nicht mehr viele Fürsprecher, zumal die bisher ohnehin extreme Geldpolitik der EZB zuletzt eher für negative Nebenwirkungen gesorgt hat denn für Heilung. Von ihrem Inflationsziel bei knapp zwei Prozent ist die EZB jedenfalls weiter entfernt denn je. Die Reaktion des Marktes ist fast schon ein Misstrauensvotum für ein politisch zunehmend zerstritteneres Europa.

Draghi mit der Brechstange

Die EZB hatte mit ihren offensiven geldpolitischen Beschlüssen zunächst für Überraschung gesorgt. Denn künftig dürfte der Markt noch mehr im Geld ertrinken als ohnehin schon. Vor allem die Senkung des Leitzinses auf null Prozent (von zuvor 0,05 Prozent) war eine echte Überraschung. Sie hat vor allem symbolische Bedeutung, denn de facto war der Zins sowieso schon abgeschafft. Auch die Ausweitung des bestehenden QE-Programm auf 80 Milliarden Euro monatlich lag über den Erwartungen, spekuliert war mit bis zu 75 Milliarden Euro. Die "Anhebung" des negativen Einlagenzins für Banken auf minus 0,4 nach zuvor 0,3 Prozent war hingegen erwartet worden.

Auf der Pressekonferenz der Notenbank erläuterte Mario Draghi die Beschlüsse. Er stellte klar, dass das QE-Programm offiziell bis März 2017 oder darüber hinaus läuft. Es werde so lange laufen, bis die EZB einen nachhaltigen Anstieg der Inflation in Richtung der Zielwertes der EZB erkennt. Ein schnelle Wende bei der Preisentwicklung erwarte er nicht.

Derzeit strebt die Bank eine Inflationsrate von zwei Prozent an, liegt aber nicht zuletzt wegen der gefallenen Ölpreise meilenweit hinter diesem Ziel zurück. Draghi äußerte sich zur konjunkturellen Lage der Eurozone skeptisch, vor allem die Lage in den Schwellenländern bereite ihm Sorge. Die BIP-Prognose für die Jahre 2016 bis 2018 wurde zurückgenommen.

Wall Street rutscht ebenfalls ins Minus

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Weit weniger aufgeregt als die europäischen Märkte, aber auch mit bröckelnden Kursen, präsentiert sich derzeit die New Yorker Börse. Der Leitindex Dow Jones, der zunächst mit Gewinnen eröffnete, ist mittlerweile knapp ein halbes Prozent ins Minus gedreht. Die wöchentlichen Daten vom US-Arbeitsmarkt signalisieren derweil eine weitere Entspannung am Arbeitsmarkt. Die Anträge auf Arbeitslosenhilfe lagen bei 259.000 und damit besser als erwartet.

K+S-Ausblick gefällt nicht

K+S

K+S: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die K+S-Aktie kam heute kräftig unter die Räder. Die Aktie des Noch-Dax-Unternehmens verlor 10,42 Prozent - ein für ein Papier aus dem Auswahlindex ungewöhnliches und verheerendes Tagesergebnis. Vor allem der gedämpfte Ausblick der Kasseler für das laufende Jahr gefiel den Anlegern nicht. Zwar lief es 2015 nicht schlecht, die Dividende soll von 0,90 auf 1,15 Euro erhöht werden. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen allerdings mit einem deutlich niedrigeren operativen Ergebnis.

Linde schüttet mehr aus

Unter den Einzelwerten hat am Morgen auch der Industriegase-Spezialist Linde für Aufmerksamkeit gesorgt. Der Konzern ist im vergangenen Jahr solide gewachsen. Umsatz und Ergebnis legten zu. Schwach entwickelte sich aber der Anlagenbau, in dem Linde etwa Maschinen für die Verarbeitung von Rohöl und Erdgas anbietet. Die Dividende für 2015 steigt um 30 Cent auf 3,45 Euro. Die Linde-Aktie verlor mit dem Markt.

VW: Änderung in den USA

Der angeschlagene Volkswagen-Konzern kommt nicht zur Ruhe. Der Chef der US-Tochter, Michael Horn, ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Im gegenseitigen Einverständnis, wie es so schön hieß. Übergangsweise soll Volkswagens künftiger Nordamerika-Chef Hinrich Woebcken die Aufgaben von Horn erfüllen. VW sieht sich mit immer neuen juristischen Vorwürfen aus den USA konfrontiert.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Einschläge rücken kommen derweil auch in der Heimat immer näher. Nach Informationen aus Insiderkreisen plant der Konzern wegen der Diesel-Affäre bis Ende 2017 den Abbau von 3.000 Stellen in der Verwaltung. Wegen der bei VW geltenden Beschäftigungssicherung solle niemand entlassen werden. Das Personal solle vielmehr durch Altersteilzeit, die Nichtbesetzung freiwerdender Stellen und die Versetzung in andere Abteilungen verringert werden. Insgesamt arbeiten bei VW in Westdeutschland rund 115.000 Mitarbeiter nach Haustarif, ein Drittel davon in Büro-Bereichen. Etwa zehn Prozent davon sollen wegfallen. Der Konzern äußerte sich nicht zur Zahl der geplanten Stellenstreichungen.

Deutsche Börse macht Kasse

Die Deutsche Börse verkauft ihre Tochter ISE an den amerikanischen Technologiebörsen-Betreiber Nasdaq. Der Preis für den Betreiber von drei Aktienoptionsbörsen sowie die ISE-Mutter U.S. Exchange Holdings liegt bei 1,1 Milliarden Dollar in bar. Auf Konzernebene sei durch die Transaktion ein Veräußerungsgewinn im hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich zu erwarten, teilte der Frankfurter Börsenbetreiber mit.

Hannover Rück ist Milliardär

Die Anleger waren vom Rückversicherer Hannover Rück begeistert, die Aktie legte gegen den schwachen Markttrend zu. Der weltweit drittgrößte Rückversicherer hat zum ersten Mal mehr als eine Milliarde Euro in einem Geschäftsjahr verdient. Mit 1,15 Milliarden Euro lag der Wert um 17 Prozent höher als im Vorjahr. Das MDax-Mitglied profitierte von einer positiven Entwicklung bei Großschäden und einem guten Finanzergebnis. Die Dividende legt von 4,25 auf 4,75 Euro je Aktie zu.

RTL: Dividende sinkt von sehr hohem Niveau

RTL Group: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Medienkonzern RTL Group hat im vergangenen Jahr seinen Gewinn um 21 Prozent auf 789 Millionen Euro in die Höhe geschraubt. Grund war die starke Entwicklung des Deutschland-Geschäfts. Der Umsatz wuchs um knapp vier Prozent auf 6,03 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr soll das operative Ergebnis weitgehend stabil bleiben. Die Dividende liegt allerdings "nur" bei 4,00 Euro je Aktie. Für 2014 hatte es noch 5,50 Euro gegeben - inklusive einer Sonderausschüttung von 2,00 Euro.

Schaltbau ist zuversichtlich

Der Spezialist für Verkehrstechnik aus dem SDax hat im vergangenen Jahr gut verdient. Die Erlöse stiegen um 16 Prozent auf 497 Millionen Euro, das Ebit um 34 Prozent auf 36,5 Millionen Euro. Auch für das laufende Jahr ist man optimistisch. Der Umsatz soll auf 550 und das Betriebsergebnis auf 41,5 Millionen Euro steigen. Die vorläufigen Zahlen gab das Unternehmen am Donnerstag nach Xetra-Schluss bekannt.

Diebold pokert nicht um Wincor-Nixdorf

Der US-Geldautomatenhersteller Diebold macht den Wincor-Nixdorf -Aktionären keine Hoffnung auf ein höheres Übernahmeangebot. "An der Annahmeschwelle und an dem Preis gibt es nichts zu rütteln. Sollten bis zum Ablauf der Annahmefrist am 22. März die angestrebten 75 Prozent der Aktien nicht eingesammelt sein, dann ist der Deal geplatzt", stellte Firmenchef Andy Mattes klar, ein 54-jährige gebürtiger Nürnberger. Ziel müsse es sein, bis zum 22. März die Mindestannahmeschwelle von 75 Prozent zu erreichen. Bei institutionellen Aktionären stößt Diebold auf große Zustimmung.

Software AG erhöht die Dividende

Das Darmstädter Unternehmen aus dem TecDax will für das vergangene Geschäftsjahr die Dividende von 0,50 um zehn Prozent auf 0,55 Euro erhöhen. Das wurde am Donnerstag bekannt. Finanzchef Arnd Zinnhardt hatte zuletzt bereits eine höhere Dividende signalisiert. Im vergangenen Jahr hatte das zweitgrößte deutsche Softwareunternehmen wie Ende Januar bereits mitgeteilt den Gewinn um mehr als ein Viertel gesteigert.

LEG Immobilien liegt auf Kurs

Der Immobilienkonzern LEG hat im vergangenen Jahr seinen Gewinn um 40 Prozent auf knapp 218 Millionen Euro verbessert. Das operative Ergebnis (FFO) stieg um mehr als ein Viertel auf 206 Millionen Euro. Das Unternehmen profitierte von Zukäufen und steigenden Immobilienpreisen. Der drittgrößte börsennotierte Vermieter in Deutschland will nun seine Dividende um 15 Prozent auf 2,26 Euro je Aktie anheben.

Hugo Boss nicht sonderlich optimistisch

Der Modekonzern Hugo Boss hat im vergangenen Jahr wegen höherer Abschreibungen und gestiegener Finanzaufwendungen einen Gewinnrückgang um vier Prozent auf 319 Millionen Euro hinnehmen müssen. Im laufenden Jahr soll das um Sondereffekte bereinigte Ebitda um mindestens zehn Prozent sinken. Immerhin will das Unternehmen für 2015 eine unveränderte Dividende von 3,62 Euro je Aktie zahlen. Die stabile Dividende sei von dem Hintergrund eine positive Überraschung, schrieb Analyst Mark Josefson von der Equinet Bank. Außerdem blicke Hugo Boss optimistischer in die Zukunft als gedacht.

Apple lädt ein

Apple hat seine nächste Neuheiten-Präsentation für den 21. März angesetzt - einen Tag vor einer wichtigen Anhörung in dem Konflikt mit der US-Regierung um das Entsperren von iPhones. Der Konzern verschickte am Donnerstag Einladungen in sein Hauptquartier im kalifornischen Cupertino. Von dem Event werden eine neue Version des iPad-Tablets sowie ein weiterentwickeltes Einsteiger-iPhone erwartet.

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Für den 22. März ist in Kalifornien eine Anhörung vor Gericht in dem Verfahren geplant, in dem sich Apple gegen die Anordnung wehrt, der Bundespolizei FBI beim Entsperren des iPhones eines toten Attentäters zu helfen. Apple argumentiert, dafür müsste eine neue Software entwickelt werden, die in falsche Hände geraten könne.

rm

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Ökonomen zur weiter gelockerten EZB-Geldpolitik Geldschleusen weit geöffnet

Isabel Schnabel, Wirtschaftsweise:

Isabel Schnabel, Ökonomin Uni Mainz und Wirtschaftsweise:

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Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.