Marktbericht 20:05

Kleines Kursfeuerwerk nach US-Daten Happy-End einer trüben Börsenwoche

Stand: 07.06.2013, 20:05 Uhr

Die kleine Kurstalfahrt ist vorerst gestoppt. Die Arbeitsmarktdaten aus Amerika verscheuchten die Angst vor einem baldigen Ende der Geldschwemme und beflügelten die Börsen. Trotzdem fällt die Bilanz der Woche negativ aus.

Das lange Warten hat sich gelohnt. Die am Nachmittag veröffentlichen US-Arbeitsmarktdaten lösten an den Aktienmärkten regelrechte Jubelstürme aus. Der Dax rauschte um fast zwei Prozent nach oben auf knapp 8.255 Punkte und schaffte das größte Tagesplus seit sechs Wochen. Damit reduzierte sich das Wochenminus des Dax auf rund ein Prozent.

Auch an den anderen Börsen wurden die Jobdaten aus Amerika gefeiert. Der EuroStoxx50 kletterte um ebenfalls fast zwei Prozent auf rund 2.724 Punkte. Die Wall Street startete deutlich höher. Der Dow stieg zeitweise um über 200 Punkte. Zwei Stunden vor Handelsschluss notiert er noch knapp ein Prozent höher.

Mehr neue Jobs, aber höhere Arbeitslosenquote

Allerdings brauchten die Anleger ein bisschen Zeit, um die US-Daten zu verarbeiten und zu interpretieren. Dass im Mai 175.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen wurden, war eigentlich keine gute Nachricht für die Börsen. Sie erhöhten den Druck auf die Notenbank, bei ihrer expansiven Geldpolitik auf die Bremse zu treten. Denn Volkswirte hatten mit etwas weniger neuen Jobs gerechnet.  Der unerwartete Anstieg der Arbeitslosenquote auf 7,6 Prozent zeigte jedoch, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt noch nicht entspannt.

Lockere Geldpolitik geht weiter

"Die Anleihenkäufe der Fed dürften erst einmal weiter weitergehen - und damit auch die Party an den Märkten", meinte ein Börsianer in Frankfurt. Der Stellenzuwachs auf dem US-Arbeitsmarkt ist für einen deutlichen Abbau der Arbeitslosenquote zu schwach", meinte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. "Für eine vorschnelle Drosselung der monatlichen Wertpapierkäufe der Fed bietet das keine Grundlage", glaubt er.

Andere Experten sind etwas vorsichtiger. "Insgesamt dürften die Erwartungen an eine Rückführung der Anleihekäufe der Fed mit den heutigen Zahlen zwar nicht übermäßig forciert werden", schrieb Expertin Viola Julien von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). "Gleichwohl halten wir unverändert an der Annahme fest, dass die Notenbank das Kaufvolumen im zweiten Halbjahr anpassen wird." Seit Tagen war spekuliert worden, ob schon bald die Fed die geldpolitischen Zügel anzieht und die Anleihenkäufe drosselt.

Zwiespältige Daten aus Deutschland

Kaum Beachtung an den Märkten fanden die Konjunkturdaten aus Deutschland. Während die Exporte im April überraschend stark anzogen, senkte die Bundesbank im Gegenzug ihre Wachstumsprognose für das laufende und das kommende Jahr. Bundesanleihen wurden abgestoßen. Der Bund-Future rutschte ins Minus.

Euro und Gold rutschen ab

Auch der Euro stand unter Druck, hielt sich aber über der Marke von 1,32 Dollar. Am Donnerstag hatten Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi die europäische Gemeinschaftswährung angetrieben. Der Goldpreis ging auf Talfahrt. Das gelbe Edelmetall verbilligte sich um zwei Prozent auf 1.384 Dollar.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Leichte Entspannung bei Versicherern

Im Dax waren zum Wochenschluss vor allem Versichererwerte gefragt. Die Titel der Münchener Rück sprangen um vier Prozent nach oben, die Allianz-Titel gewannen über drei Prozent. Angfeblich profitierten sie von einer leichten Entspannung in einigen Hochwassergebieten in Süddeutschland. Zuletzt hatten Befürchtungen vor hohen Flutschäden in Deutschland die Kurse gedrückt. Der Chef der Goethaer Allgemeinen rechnet mit einer ähnliche Schadenshöhe wie 2002 nach der Jahrhundertflut. Auch Bankwerte liefen gut. Die Aktien der Deutschen Bank stiegen um fast vier Prozent.

Shop-Offensive der Telekom

Eine Kaufempfehlung durch Jefferies trieb die T-Aktie an. Sie kletterte um fast zwei Prozent auf 8,84 Euro. Außerdem hat der Telekom-Konzern die Eröffnung zahlreicher neuer Shops angekündigt, um in den Innenstädten auf Kundenfang zu gehen. Laut Deutschland-Vertriebschef Dirk Wössner sollen in den nächsten eineinhalb Jahren 100 neue Läden eingerichtet werden. Derzeit gibt es bundesweit 1.100 Shops mit dem rosa "T", die früher als "T-Punkte" bezeichnet wurden.

RWE hofft auf Geldsegen

Die RWE-Aktie schloss ein Prozent höher. Laut Medienberichten winkt dem Konzern ein Geldsegen von Gazprom. In Verhandlungen mit dem russischen Gasmonopolisten Gazprom konnte sich RWE nicht über die Höhe des Gaspreises einigen. Nun muss ein Schiedsgericht in Wien entscheiden. Im Gespräch ist ein Kompensationsbetrag für RWE im dreistelligen Millionenbereich.

Lanxess abgestuft

Im Dax gab es nur drei Verlierer. Schlusslicht war Lanxess mit einem Minus von 1,5 Prozent - im Sog schwacher Chemiewerte. Die Citigroup hat den gesamten Sektor auf "underweight" abgestuft. Zudem litt Lanxess unter den Preisen von Butadiene, die nicht wie erhofft weiter angestiegen seien. Charttechnisch ist die Lanxess-Aktie angeschlagen.

MAN begibt sich unter die VW-Haube

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Autowerte trotzten den von China angedrohten Strafzöllen auf Autoimporte. Die Daimler-Aktien stiegen um fast drei Prozent, die VW-Aktien um 2,4 Prozent. Auf der Hauptversammlung von MAN stimmten 98,47 Prozent des Kapitals dem Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag mit VW zu. Die Abstimmung war jedoch nur Formsache, denn VW hält 75 Prozent. Laut MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen beabsichtigt VW nicht, Unternehmensteile zu verkaufen oder die verbliebenen freien Aktionäre herauszudrängen.

Analysten wirbeln Immo-Aktien durcheinander

Bei den Nebenwerten wurden Immobilienaktien hin- und hergeschüttelt. Eine Hochstufung von JP Morgan auf "Neutral" katapultierte Gagfah an die MDax-Spitze. Der Titel stieg um knapp fünf Prozent. Im SDax kletterten die Aktien von Prime Office an die Spitze mit einem Plus von über vier Prozent. Dagegen hat JP Morgan die Aktien von Alstria Office auf "Underweight" heruntergestuft. Die Begebung einer Wandelanleihe, mit der Alstria 79 Millionen Euro einnahm, drückte die Immobilien-Aktie zusätzlich. Sie verlor im SDax fast drei Prozent.

Sky beendet Höhenflug

Unter den größten MDax-Verlierern waren die Aktien von Sky Deutschland. Sie fielen zeitweise um über fünf Prozent. Händler verwiesen auf Anschlussverkäufe nach dem Rutsch unter die fünf Euro. Zudem lastete eine Herunterstufung des europäischen Mediensektors durch die Citigroup auf der Aktie. Seit Anfang Mai waren die Sky-Titel um 17 Prozent nach oben geschossen.

Qiagen droht Konkurrenz

Im TecDax stand die Aktie von Qiagen unter Druck. Sie büßte fast zwei Prozent ein. Ein Laborkunde des Biotechunternehmens hat bekannt gegeben, dass er zukünftig beim Test auf Gebärmutterhalskrebs auch auf einen Test der Konkurrenz zurückgreifen werde. Händler kommentierten, offenbar nehme der Konkurrenzdruck für die als Standardmethode geltenden Tests zu.

Raiffeisen findet neuen Chef

In Österreich gab die Raiffeisen Bank International (RBI) die Entscheidung bekannt, wer Nachfolger des in eine Steueraffäre verwickelten langjährigen Firmenchefs Herbert Stepic wird. Sein Stellvertreter Karl Sevelda wird künftig die Bank führen. Insider erwarten jedoch, dass er nur vorübergehend auf dem Chefsessel Platz nimmt. Die Aktien von RBI stiegen nur leicht.

Wasserschlacht um Severn Trent

Im Wasser- und Abfallmarkt findet derzeit eine milliardenschwere Übernahmeschlacht statt. Ein Konsortium unter der Führung Kuwaits hat sein Angebot für den britischen Wasserversorger und Abfallentsorger Severn Trent aufgestockt. Es will nun 6,2 Milliarden Euro zahlen. Die neue Offerte soll das Management von Severn Trent umstimmen. Bisher hatte die Spitze des Versorgers das Gebot wegen des zu geringen Preises abgelehnt. Die Aktien von Severn Trent zogen erneut an. Britische Wasser- und Abwasserfirmen ziehen seit langem das Interesse von Großinvestoren auf sich. RWE hatte anno 2000 den Versorger Thames Water erworben, ihn dann aber sechs Jahre später wieder verkauft.

nb

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