Halali zur Schnäppchenjagd

Stand: 28.06.2007, 20:15 Uhr

Lange hat das Durchatmen bei deutschen Aktien nicht gedauert. Nach zwei Verlusttagen heißt es wieder: Achtung, steigende Kurse. Der US-Zinsentscheid am Abend brachte erwartungsgemäß keine Überraschung.

Der US-Leitzins bleibt vorerst bei 5,25 Prozent. Die überwiegende Mehrzahl der Experten hatte genau damit auch gerechnet. Die ersten Statements aus dem Offenmarkt-Ausschuss der US-Notenbank zeichnen ein unverändertes Bild der US-Konjunktur. Danach ist die Wirtschaft gut in Tritt gekommen, Restrisiken für die Preisstabilität bleiben aber ebenso wie ein labiler Immobilienmarkt in den USA.

Der Euro zuckte nach Bekanntgabe des Entscheids kurz nach unten, erholte sich dann aber wieder auf Kurse um 1,3450 Dollar.

Den Dax konnte der Zinsentscheid am Donnerstagabend nicht mehr beeinflussen. Der Late-Dax stieg sogar noch ein paar Punkte höher als der Xetra-Schluss und beendete den Parketthandel bei 7.938 Punkten, die 8.000-Punkte-Marke kommt sogar schon wieder langsam in Sicht.

US-Daten stören nicht

Anleger in deutsche Aktien hatten die eher seitwärts laufenden US-Börsen am Donnerstag fast vollständig ignoriert. An Wall Street hatte es zunächst keine klare Kursrichtung gegeben. Konjunkturdaten am Nachmittag waren im Rahmen der Erwartungen geblieben. Die Erstanträge auf US-Arbeitslosenunterstützung sanken stärker als erwartet und nach endgültigen Daten stieg das US-Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 0,7 Prozent, 0,1 Prozentpunkte weniger als prognostiziert.

Erleichterung bei GM
Papiere des US-Autokonzerns stiegen am Donnerstag bereits zum Handelsstart. Gm hatte den Verkauf seiner Getriebesparte Allison Transmission für 5,6 Milliarden Dollar an zwei Finanzinvestoren bekannt gegeben.

Im Dax schoben sich am Donnerstag zum Handelsende noch die Aktien von Linde und MAN in die vordersten Positionen. Die Kursgewinne von knapp vier Prozent waren eher Folge der Schnäppchenjagd von Anlegern als aktueller kursbewegender Nachrichten.

Spekulationen um Postbank und VW
Die gab es aber bei der Postbank und Volkswagen. Die Postbank-Aktie legte 3,9 Prozent zu, nachdem am Markt wieder einmal das Interesse der Commerzbank an dem Unternehmen gespielt wurde. Die Volkswagen-Aktie stieg um drei Prozent, nachdem neuerliche Spekulationen kursierten, Großaktionär Porsche könne weitere VW-Anteile am Markt hinzu kaufen.

Merck nur unterdurchschnittlich
Die Aktie des Dax-Neulings legte knapp ein Prozent zu und war damit am Donnerstag nur in den hinteren Rängen zu finden. Der Pharmakonzern hatte mit seiner Aussage zu den Synergien durch die Serono-Übernahme leicht enttäuscht. Diese wurden mit 200 Millionen Euro beziffert. Merck meldete am Nachmittag außerdem, dass die Schweizer UBS-Bank ihre Beteiligung inzwischen auf mehr als drei Prozent aufgestockt hat.

IKB obenauf
Im MDax bauten IKB-Aktien ihre Gewinne bis zum Handelsschluss weiter aus. Der Mittelstandsfinanzierer will für das vergangene Geschäftsjahr 2006/07 wie im Vorjahr 0,85 Euro Dividende je Aktie zahlen. IKB bekräftigte, 2007/08 ein Ebit von 280 Millionen zu erreichen. Außerdem hat UBS hat eine Kaufempfehlung ausgesprochen und ein Kursziel von 32 Euro gesetzt.

Solarworld: Kursgewinne gratis
Solaraktien waren am Donnerstag auf breiter Front gefragt. Ganz besonders tat sich die Solarworld-Aktie hervor. Börsianer verwiesen auf die bevorstehende Ausgabe von Gratisaktien nach Handelsschluss. Durch die daraus folgende Verdoppelung der Aktienzahl halbiert sich der Kurs. Diese optische Verbilligung treibe das Papier an.

Thielert ohne Grenzen
Die Aktie des Flugzeugmotorenbauers Thielert geht durch die Decke und legte bis zum Xetra-Schluss um 25 Prozent zu. Das SDax-Mitglied arbeitet mit dem Flugzeughersteller Cessna bei der Verwendung von Thielert-Motoren zusammen. Weitere wichtige Details wurden nicht genannt.

Escada sieht rot
Aktien des Modehersteller verloren am Donnerstag fünf Prozent. Das Unternehmen hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2007/08 einen leichten Rückgang beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verbucht. Der Umsatz kletterte um knapp elf Prozent auf 183 Millionen Euro. Wegen des Unternehmensumbaus und steuerlicher Sonderfaktoren wird der Konzern im Gesamtjahr tief in die roten Zahlen rutschen. Inzwischen hat das Bankhaus Merck Finck den Titel von "Buy" auf "Sell" abgestuft.

VTG zu hoch bewertet?
Zwei Unternehmen gingen am Donnerstag in Deutschland an die Börse. Der Kessel- und Güterwagenvermieter VTG hatte seine Aktien zu je 18 Euro ausgegeben und startete mit 19 Euro in den Handel im Prime Standard. Am Nachmittag fielen die Papiere allerdings unter Ausgabepreis. Am Markt wurde die "zu hohe Bewertung" des Unternehmens dafür verantwortlich gemacht.

AGO startet stark
In den nur schwach regulierten Entry Standard strebte dagegen der Betreiber von Energieversorgungsanlagen AGO. Dessen Papiere wurden zu sieben Euro zugeteilt und damit am oberen Ende der Preisspanne. Der Eröffnungskurs betrug 7,51 Euro, und den ersten Handelstag beendeten AGO-Aktien sogar bei 8,70 Euro.

Gazprom verdoppelt Gewinn
Noch während der Handelssitzung am Donnerstag meldete der Gasgigant aus Russland imposante Gewinnzahlen. Im vergangenen Jahr verdiente Gazprom umgerechnet 18,3 Milliarden Euro und damit mehr als das Doppelte des Vorjahres. Die Umsätze kletterten um 55,5 Prozent auf 62 Milliarden Euro. Die Gazprom-Aktie legte im Frankfurter Handel deutlich zu.

Dax-Chart realtime

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Unternehmen:
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Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr