Hängepartie geht weiter

Stand: 11.09.2008, 20:05 Uhr

Sorgen um US-Banken und schwache Arbeitsmarktdaten hielten die US-Börsen am Donnerstagabend in Schach. Der Dax kam auch im Parketthandel nicht mehr voran. Das Schicksal der Postbank scheint besiegelt.

Am Abend überschlugen sich die Gerüchte und Spekulationen um die Zukunft der Post-Tochter noch einmal. Mehrere Medien berichteten unter Berufung auf "Finanzkreise", dass der Einstieg der Deutschen Bank bei dem Institut eine ausgemachte Sache sei. Zunächst wolle der Branchenprimus knapp 30 Prozent der Postbank übernehmen, um dann in einem zweiten Schritt die vollständige Übernahme zu stemmen.

Santander hat auch Interesse

Während des Parketthandels reagierte die Postbank-Aktie aber auch auf das Interesse der spanischen Santander Bank und stieg deutlich an. Die Spanier hatten, so verlautete ebenfalls unter vorgehaltener Hand, nur auf Druck der Börsenaufsicht Einblick in ihre Absichten gewährt.

Auf dem Parkett wird dennoch die deutsch-deutsche Bankenlösung einen Tag vor der Aufsichtsratssitzung der Post klar favorisiert. Die Aktien der Deutschen Bank sackten am Donnerstag deutlich ab, die der Post stiegen in Vorfreude auf den Verkaufserlös an.

Lehman und kein Ende
Der Dax insgesamt konnte sich nicht von den Negativ-Nachrichten aus den USA freimachen. Die US-Börsen waren auch am Donnerstag durch schlechte Neuigkeiten aus dem Bankensektor belastet. Nach schwachen Quartalszahlen verlor die Aktie der angeschlagenen US-Investmentbank Lehman Brothers erneut drastisch. Aber auch Papiere der größten US-Sparkasse Washington Mutual sackten heftig nach unten. Die US-Aufsichtsbehörde OTS hat das Institut inzwischen unter die Lupe genommen.
Zuvor gab es noch weiteren Ballast in Form von schwächer als erwarteten US-Arbeitsmarktdaten für die Börsen.

Machtkampf in Wolfsburg?
Im späten Handel kristallisierte sich neben der starken Aktie von Fresenius Medical Care noch Volkswagen als Kursgewinner des Tage im Dax heraus. Bei den Wolfsburgern steht am Freitag ebenfalls eine Aufsichtsratssitzung an. Beobachter erwarten eine Machtprobe zwischen Großaktionär Porsche und Arbeitsnehmervertretern im Kontrollgremium.

Merck will mehr Erbitux
Im späten Handel konnten sich auch Merck-Aktien in die Gewinnzone schieben. Das Unternehmen hat die Zulassung des Krebsmedikaments Erbitux zur Erstbehandlung von Lungenkrebs in Europa gemeldet. Erbitux darf bereits bei Darmkrebs eingesetzt werden.

Deutsche Börse im Preiskampf?
Mehr als drei Prozent Kursverlust mussten auch Besitzer der Deutschen-Börse-Aktie am Donnerstag verschmerzen. Das Unternehmen will ab November die Preise für Abwicklungstransaktionen bei ihrer Tochter Clearstream reduzieren. Offenbar befürchten Anleger sinkende Umsätze und Gewinne als Folge.

MAN mit Chart- und Kursknick
Einer der größten Verlierer im Leitindex war am Donnerstag auch das Papier des Lkw-Konzerns MAN, das fast fünf Prozent nach unten rutscht. Technische Analysten machen die schlechte Charttechnik für die schwungvolle Abwärtsbewegung bei der Aktie verantwortlich. Die Aktie markierte den tiefsten Stand seit Juli 2006 und hat sich fast 50 Prozent von ihrem Allzeithoch entfernt.

Arcandor muss weiter warten
Aktien des Kaufhauskonzerns fielen am Donnerstag um fast zehn Prozent. Anleger dürfte die Aussicht geschreckt haben, dass bis zu einem Zusammenschluss der
Fluggesellschaften Condor, Germanwings und TUIfly noch mehrere Monate vergehen könnten. Das sagte Thomas-Cook-Chef Manny Fontenla-Novoa am Donnerstag. Der Touristikkonzern Thomas Cook gehört mehrheitlich zu Arcandor.

Billiger Euro hilft EADS
An der MDax-Spitze stand am Donnerstag die Aktie von EADS. Die Bank Cheuvreux hat die Titel des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns von "Outperform" auf "Selected List" hochgestuft und ein Kursziel von 24 Euro gesetzt. Sollte der Euro bei 1,40 Dollar bleiben können sich die Analysten sogar vorstellen, das Preisziel auf 30 Euro anzuheben.

Praktiker türmt Kursverluste auf
Die Aktien der Baumarktkette Praktiker sackten um rund sechs Prozent ab. Die US-Bank Morgan Stanley hat ihre Bewertung von "Equalweight" auf "Underweight" abgestuft und das Kursziel von 15 auf 9 Euro gesenkt. Die Analysten verwiesen auf das zunehmend schwächere Konsumumfeld.

Oh weh, IVG
Noch ohne kursbewegende Neuigkeiten fiel die Aktie des Immobilienkonzerns IVG am Donnerstag um rund acht Prozent. Händler machten für die rapide Abwärtsbewegung "automatische Verkaufsorders" verantwortlich, die ausgelöst worden seien, nachdem das Papier die Marke von 10 Euro durchbrochen habe. Nun notiert IVG auf einem Vier-Jahres-Tief.

Versatel-Aktie zündet spät
Klammheimlich legte die Aktie des Telekom-Dienstleisters während des Parketthandels in Frankfurt um mehr als fünf Prozent zu. Nachrichten zum Unternehmen gab es zunächst nicht.

Conergy und Nordex im Glück
Den ganzen Tag über im Plus hatten dagegen Solar-Konzern Conergy und Windspezialist Nordex notiert. Während die Conergy-Aktie von einer Kooperation mit dem koreanischen Elektronikkonzern LG Electronics profitierte, freuten sich Nordex-Aktionäre über einen Großauftrag vom dänischen Stromversorger Scan Energy. Beide Papiere beenden den Handel rund sechs Prozent im Plus.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr