Marktbericht 20:07 Uhr

Kursfeuerwerk im Dax Gutes Omen für das Börsenjahr 2015

Stand: 08.01.2015, 20:07 Uhr

An den Börsen sind die Sorgen vor einem "Grexit" und einer raschen Zinswende verflogen. Die Ankündigung der Fed, die Geldpolitik behutsam zu straffen, versetzte die Anleger in Euphorie. Der Dax schaffte den größten Tagesgewinn seit August 2012 und machte seinen schwachen Jahresstart wett.

In den nächsten Tagen droht das Wetter in Deutschland stürmisch zu werden. An der Börse dagegen scheint die Sonne. Die Anleger haben ihren Optimismus wiedergefunden - und steigerten sich am Donnerstag in einen wahren Kaufrausch. In Frankfurt, Paris, London, Madrid, Moskau und New York ging es so kräftig nach oben wie schon lange nicht mehr. Der EuroStoxx50 und der französische Cac40 schlossen mit einem imposanten Plus von fast 3,6 Prozent. Der Dax rauschte um 3,4 Prozent nach oben und näherte sich den 10.000 Punkten. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsende 1,7 Prozent höher.

Jahresverlust ausgebügelt

Mit dem rasanten Schluss-Spurt hat der deutsche Leitindex den Fehlstart ins neue Jahr wettgemacht und liegt inzwischen leicht im Plus. Und auch die Aussichten für das Börsenjahr sind nun wieder positiv. Getreu der Börsenregel, wonach die Entwicklung der ersten fünf Handelstage die Richtung für das Gesamtjahr bestimmt, könnte es 2015 weiter aufwärts gehen.   

Gegenbewegung überfällig

Nach dem jüngsten Kursrutsch sei eine Aufwärtsreaktion an den Märkten einfach überfällig gewesen, sagte Analyst Ulrich Wortberg von der Landesbank Helaba. Die Sorgen um eine Straffung der US-Geldpolitik und die Folgen der anstehenden Neuwahlen in Griechenland seien nun vorerst vom Tisch, meinten Marktteilnehmer.

Notenbanken geben den Takt vor

Alle Hoffnungen richten sich inzwischen wieder auf die Notenbanken als Börsen-Taktgeber. So wird die US-Notenbank den Leitzins auf den nächsten beiden Sitzungen nicht anheben, wie aus dem am Mittwochabend veröffentlichten Protokoll der letzten Sitzung hervorgeht. Die Fed lässt sich also Zeit mit der Zinswende. Hinzu kommt die Aussicht auf eine noch lockerere Geldpolitik in der Eurozone. Der Rückgang der Verbraucherpreise um 0,2 Prozent im Dezember setzt die Europäische Zentralbank (EZB) unter Zugzwang.

Die Märkte preisen inzwischen ein breit angelegtes Anleihekauf-Programm (QE) der EZB ein, glaubt Analyst Jens Klatt von Daily FX. Das berge aber auch Enttäuschungspotenzial. "Wenn Mario Draghi auf der EZB-Sitzung nicht in die Vollen geht und die 'dicke Berta' noch dicker macht…, ist ein Kursrutsch des Dax in Richtung 9.000er Marke vorprogrammiert", warnt er.

Euro unter dem Einführungskurs

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Verlierer des Tages war der Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung sackte zeitweise unter die 1,18 Dollar und unter den Einführungskurs von 1,1789 Dollar 1999. Vermutlich wolle der Markt die psychologisch wichtige Marke von 1,17 Dollar testen, meinte ein Händler. Die neuesten Konjunkturdaten aus der Eurozone zeigten kein einheitliches Bild. Zwar liefen die Geschäfte im Einzelhandel im November besser als erwartet, andererseits trübte sich das Geschäftsklima Ende 2014 überraschend stark ein. In den USA sanken die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 4.000 auf 294.000. Die Prognosen lagen bei 290.000 Anträgen.

Ölpreise stabilisiert

An der Ölfront gab es am Donnerstag eine Verschnaufpause nach der jüngsten Talfahrt. Die Preise für die Sorten Brent und WTI stabilisierten sich bei rund 51 und 48,65 Dollar je Fass. Experten sehen aber noch keine Trendwende am Ölmarkt.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Anleger kaufen defensiv

Im Dax gab es fast nur Gewinner. Erneut waren vor allem defensive Werte gefragt. Die Aktien von Bayer kletterten mit einem Plus von 5,4 Prozent an die Spitze, gefolgt von der Deutschen Telekom. Die T-Aktien setzten ihre gestrige Erholung fort und stiegen um knapp fünf Prozent. Das Dax-Gewinnertrio komplettierte Fresenius Medical Care.

Yara beflügelt K+S und Chemietitel

Zu den größten Gewinnern zählten auch die Papiere von K+S und BASF. Sie verteuerten sich um rund vier Prozent. Als Grund nannten Händler den Kurssprung der norwegischen Düngemittel-Spezialisten Yara. Ein weiterer kurstreibender Faktor sei die Entscheidung von Weißrussland, die Kali-Exporte mit einem Zoll von 45 Euro je Tonne zu belegen.

Samsung treibt Infineon an

Auch Infineon zog deutlich an. Das Papier reagierte positiv auf eigentlich schwache Quartalszahlen des koreanischen Tech-Riesen Samsung. Händler verwiesen aber darauf, dass das Halbleiter-Geschäft im vierten Quartal eine Stütze von Samsung gewesen sein. Samsung hat im abgelaufenen Quartal einen Gewinneinbruch um 37 Prozent hinnehmen müssen.

Santander plant riesige Kapitalerhöhung

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,25
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Die Bank-Titel hinkten dem Gesamtmarkt etwas hinterher. Grund war die geplante Kapitalerhöhung der Bank Santander, die die Sorgen um den Kapitalbedarf in der Branche wieder aufkeimen ließ. Das spanische Geldinstitut nimmt 7,5 Milliarden Euro frisches Kapital auf. Die Aktie ist bis Freitagfrüh vom Handel ausgesetzt.

Terrorangst lastet auf der Lufthansa

Einziger Dax-Verlierer war die Lufthansa mit einem Minus von fast einem Prozent - im Sog der schwachen Luftfahrt-Werte. Marktanalyst Jörg Rohmann von Alpari begründete die Sektorschwäche mit der grassierenden Terrorangst nach dem brutalen Angriff auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" mit zwölf Toten.

Hochstimmung im MDax

Der MDax erreichte mit 17.248 Punkten ein neues Rekordhoch. Größter Gewinner waren die Aktien von Südzucker. Möglicherweise stellten einige Investoren ihre Wetten auf fallende Kurse glatt vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen am Dienstag.

Vorschusslorbeeren für Metro

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zudem bewegten Analysten-Studien die Kurse. So gab es vor den bevorstehenden Umsatzzahlen zahlreiche optimistische Kommentare für die Metro. Barclays beließ die Aktien auf "Overweight", die Commerzbank auf "Add"- mit Kursziel 28 Euro.

Lampe mag Bilfinger

Eine Empfehlung durch das Bankhaus Lampe hievte die Bilfinger-Aktie knapp fünf Prozent ins Plus. Den Verkauf eines Großteils des Bau- und Dienstleistungs-Geschäfts wertete Analyst Marc Gabriel als "positiv".

Tui kauft "MS Europa2"

Die Tui gab am Abend den Kauf des Kreuzfahrtschiffs "MS Europa2" für 278 Euro bekannt. Dadurch spart der Konzern rund 27 Millionen Euro an Miete, die er dem bisherigen Eigentümer, dem Schweizer Otto Mihm, überweisen musste. Durch den Deal soll sich das operative Ergebnis der Tui-Tochter Hapag-Lloyd Kreuzfahrten 2015/16 um rund 20 nMillionen Euro verbessern. Ebenfalls am Abend nach Xetra-Schluss teilte die Deutsche Wohnen mit, den Vertrag von Vorstandschef Michael Zahn um fünf Jahre bis Ende 2020 verlängert zu haben. Finanzchef Andreas Seghal darf bis Ende 2018 weitermachen.

Cancom und Wirecard im Musterdepot

Anleger griffen auch bei deutschen Hightech-Werten kräftig zu. Größter Gewinner waren die Titel von Stratec, die über zehn Prozent zulegten. Stratec würde die Aufwärtsbewegung der großen Pharma-Aktien nachvollziehen, meinte ein Händler. Die Cancom-Aktien stiegen um fast fünf Prozent, die Titel von Wirecard um über vier Prozent. Beide Papiere wurden ins Musterdepot des Magazins "Der Aktionär" aufgenommen.

Ludwig Beck fühlt sich wohl am Rathauseck

Das Modeunternehmen aus München hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014 nach vorläufigen Zahlen seinen Umsatz leicht auf 102,7 Millionen Euro gesteigert. Mit Stolz verweist Ludwig Beck am Rathauseck darauf, dass die Textilbranche insgesamt einen Rückgang um drei Prozent im vergangenen Jahr verbucht hat. Das Unternehmen profitiert zunehmend vom florierenden Online-Handel.

Weng Fine Art revidiert Prognose

Einen Kurssprung von rund sechs Prozent machten die Aktien von Weng Fine Art. Die Umsatzentwicklung werde im zweiten Halbjahr nun doch über der des ersten Halbjahres 2014/15 liegen, kündigte das Unternehmen an. Noch im Oktober hatte sich Weng skeptisch für das zweite Halbjahr gezeigt.

Größtes Tagesplus von Tesco seit 1988

Im Ausland sorgte Tesco mit einem Kurssprung von bis zu 17 Prozent für Furore. Es war das größte Tagesplus seit 1988. Der größte britische Einzelöhändler verzückte die Anleger mit einem überraschend starken Weihnachtsgeschäft und einem angekündigten Sparprogramm. Tesco litt zuletzt unter der zunehmenden Konkurrenz von Aldi und Lidl und mußte mehrfach seine Prognose korrigieren.

Corona-Bierbrauer auf Rekordhoch

Der große Durst nach "Corona"-Bier trieb die Aktien von Constellation Brands an der Wall Street nach oben. Die Titel erreichten ein Rekordhoch von 109,20 Dollar. Der Bierbauer und Spirituosen-Hersteller hob seine Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2014/2015 auf 4,25 bis 4,35 Dollar je Aktie von 4,10 bis 4,25 Dollar an.

Deutsche verschmähen E-Autos von Tesla und Renault

Einen Rückschlag gab es für Tesla auf dem deutschen Markt. 2014 verkaufte der Elektroauto-Pionier lediglich 817 Fahrzeuge und verfehlte klar sein Absatzziel von 1.000 Autos pro Monat. Auch Renault 2014 kam mit den E-Autos in Deutschland nicht in die Gänge. Nach vorläufigen Berechnungen konnten die Franzosen nur rund 1.800 Elektrofahrzeuge der Modelle Zoe, Kangoo und Twizy absetzen. Geplant war der Verkauf von 4.000 Fahrzeugen in Deutschland.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"