Gutes Ende einer schlechten Börsenwoche

Stand: 04.09.2009, 20:06 Uhr

Die kleine Talfahrt an den Börsen ist vorerst gestoppt. Dank kleiner Lichtblicke vom US-Arbeitsmarkt und Kursgewinnen an der Wall Street schaffte der Dax einen versöhnlichen Wochenausklang. Freitagsgerüchte und Analysten-Kommentare sorgten für Bewegung. Auch der Goldpreis hielt die Anleger in Atem.

(Wochen-)Ende, alles gut: Nach vier Tagen im Minus schloss der Dax am Freitag erstmals wieder klar im Plus - bei 5.384 Punkten. Im späten Parketthandel ging es dank der anziehenden US-Börsen noch weiter aufwärts: Der L-Dax schloss bei knapp 5.404 Zählern. Der Optimismus auf dem Parkett hielt sich aber in Grenzen. Die Anleger zeigten sich zurückhaltend, die Umsätze waren extrem dünn. "Vor dem langen Wochenende in den USA will sich niemand aus dem Fenster lehnen", sagte ein Börsianer. Am Montag ist die Wall Street wegen des Labour Day geschlossen.

Händler sprachen von einer technischen Reaktion auf die jüngsten Kursverluste. Nach den Gewinnmitnahmen der vergangenen Tage seien einige Anleger gezwungen gewesen, wieder einzusteigen. In dieser Börsen-Woche hat das deutsche Aktienbarometer 2,4 Prozent eingebüßt. Viele Börsianer wundert das nicht. Sie hatten immer wieder darauf hingewiesen, dass nach dem langen Aufwärtstrend dem Markt eine Korrektur gut tun würde.

Zwiespältige US-Arbeitsmarktdaten

Wie nervös die Anleger sind, zeigte die Reaktion auf die zwiespältigen US-Arbeitsmarktdaten. Erst baute der Dax seine Gewinne ab, zog dann aber wieder kräftig an auf über 5.400 Punkte, bevor er sich schließlich auf den Stand vom Mittag einpendelte. Am Ende ging der Dax mit 5.384 Zählern aus dem Xetra-Handel - das ist ein Plus von 1,5 Prozent. Im späten Parketthandel ging es im Sog der positiven US-Börsen weiter nach oben. Der L-Dax schloss bei 5403 Punkten. Unterm Strich fällt aber die Bilanz der Börsen-Woche ernüchternd aus: das deutsche Aktienbarometer büßte 2,4 Prozent ein.

Gold bald bei 1.000 Dollar?
Indes bleibt der Goldpreis nahe der 1000-Dollar-Marke. Der Kurs für eine Feinunze des Edelmetalls notiert derzeit bei 990 Dollar. Am Donnerstagabend war der Goldpreis bis auf 999,50 Dollar geklettert. Laut Rohstoffexperte Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) wird der Kurs des Edelmetalls derzeit von technischen Kaufsignalen und der Erwartung einer steigenden Schmucknachfrage in Indien getrieben.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
51,89
Differenz relativ
+2,94%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
73,90
Differenz relativ
+1,89%

Autowerte fahren vor
Mit einem Plus von über fünf Prozent führten die Autowerte BMW und Daimler die Gewinnerliste an. Rückenwind gab's von "Mister Z.". Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte in einem Interview gesagt, die Branchenkrise werde zwar nicht so schnell überwunden sein. Daimler werde aber im kommenden Jahr besser abschneiden als 2009. In diesem Jahr werde der schwäbische Autobauer deutlich mehr als die geplanten vier Milliarden Euro einsparen, verkündete er.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,82
Differenz relativ
+1,71%

Positiv ragten zum Wochenschluss ebenfalls die Bankenwerte hervor. Die Aktien der Commerzbank stiegen um fast fünf Prozent, die Titel der Deutschen Bank um 3,5 Prozent. Verantwortlich für den Kursschub waren die Analysten von Goldman Sachs. Sie stuften den europäischen Bankensektor von "Neutral" auf "Overweight" herauf.

Erneute Übernahmegerüchte um K+S
Neuerliche Übernahmegerüchte beflügelten die K+S-Aktien. Sie legten zeitweise um fast fünf Prozent zu, am Ende blieb noch ein Plus von über zwei Prozent. Händler berichteten von Spekulationen, wonach der kanadischer Wettbewerber Potash an K+S interessiert sei und deshalb ein Übernahmeangebot vorbereite. Angeblich wolle Potash 50 Euro je Aktie bieten. Schon einmal hatte Potash nach nach K+S gegriffen. Der Kauf scheiterte Mitte der 90er Jahre am Einspruch des Kartellamts. Am Nachmittag gab es einen Dämpfer für K+S. Die Ratingagentur Moody's senkte den Ausblick für das Rating von K+S. Nun droht dem Salz- und Düngemittelspezialisten eine Ratingherabstufung.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
16,78
Differenz relativ
-0,09%

ThyssenKrupp verschärft Sparkurs
Als Reaktion auf den Nachfrageeinbruch hat der Stahl-Koloss ThyssenKrupp am Freitag massive Kosteneinschnitte verkündet. Jährlich sollen über eine Million Euro eingespart werden - sowohl bei Sach- und Personalkosten als auch bei den Produktions- und Verwaltungsausgaben. Einen weiteren Stellenabbau in den nächsten zwei Jahren wollte Vorstandschef Ekkehard Schulz nicht ausschließen. Die geplanten Stahlwerke in Brasilien und USA werden später in Betrieb gehen. Im laufenden Geschäftsjahr erwartet ThyssenKrupp einen Vorsteuer-Verlust im höheren dreistelligen Millionen-Bereich. Die Thyssenkrupp-Aktie zählte zu den wenigen Dax-Verlierern am Freitag.

Wird Telekom bald T-Mobile UK los?
Dagegen durften sich T-Aktionäre am Freitag über ein sattes Kursplus von drei Prozent freuen. Laut Presseberichten führt die Telekom erste Gespräche über den möglichen Verkauf ihres britischen Mobilfunkgeschäfts. Man verhandle mit Vodafone, France Télécom und Telefonica, hieß es. Als möglicher Verkaufspreis wurde eine Summe von rund vier Milliarden Euro genannt.

Kaufinteresse an H&R Wasag

Auch außerhalb des Dax brodelte die Gerüchteküche. So wurde in einem Vorabbericht von "Euro am Sonntag" der Schmierstoffkonzern Fuchs als Kaufinteressent von H&R Wasag genannt. Fuchs Petrolub dementierte die Spekulationen umgehend. Ein solcher Schritt passe nicht in die Geschäftsstrategie. Bei H & R Wasag gab Aufsichtsratschef Bernd Günther zu, dass es seit Tagen großes Interesse für Wasag-Aktienpakete gebe. Branchenexperten vermuten Fonds oder Finanzinvestoren als Interessenten. Das Geschäft von Wasag sei zuletzt gut verlaufen. Die Aktien von H & R Wasag schnellten zeitweise um bis 16,90 Euro nach oben. Am Ende blieb ein Plus von knapp zwei Prozent. Seit April hat sich der Kurs des Spezialchemieherstellers verdoppelt. Fuchs-Aktien stiegen am Freitag ebenfalls um rund zwei Prozent.

HeidelDruck und manroland vor Fusion?
Fusionsspekulationen gibt es auch in der Druckbranche. Die kriselnden Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck und manroland wollen in Kürze die Bedingungen für eine Fusion festzurren. In den nächsten vier bis sechs Wochen könnten die Gespräche zum Abschluss gebracht werden. Das verlautete am Nachmittag aus Insiderkreisen. Treibe Kraft der Fusionsverhandlungen soll angeblich die Allianz sein, die über ihre Beteiligungsfirma AllianzCapital Partners 65 Prozent an manroland hält. Einem Zusammenschluss müssten die EU-Wettbewerbshüter zustimmen. Die Aktien von HeidelDruck gewannen rund drei Prozent.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
17,46
Differenz relativ
+4,15%

Hello again, Infineon!
Der Arbeitskreis Aktienindizes hat am späten Donnerstagabend turnusgemäß die deutschen Auswahlindizes untersucht und neu gemischt. Wie erwartet darf Infineon am 21. September wieder in den Dax aufsteigen, Hannover Rück muss in den MDax absteigen. Arcandor-Aktien, Kuka und die Hypo Real Estate verlassen den MDax, Aareal Bank und Baywa rücken vom SDax in den MDax auf. Kuka-Aktien verloren deutlich, Aareal- und Infineon-Papiere legten überdurchschnittlich zu.

Stühlerücken im TecDax

Im TecDax nimmt Dialog Semiconductor den Platz von Infineon ein. Außerdem rücken Drillisch und Manz Automation in den Technologieindex auf. Singulus und Solon fallen aus dem TecDax raus. Der Arbeitskreis beurteilt alle drei Monate die Indexzugehörigkeit anhand von Marktkapitalisierung und Börsenumsatz.

Analysten bewegen die Kurse
In der zweiten Reihe bewegten hauptsächlich Analysten-Kommentare die Kurse. So beflügelte Goldman Sachs die Aktien von ProSiebenSat.1, Sky und Bauer. Die Aktien von ProSiebenSat.1 und Bauer legten um über fünf Prozent zu, die Titel von Sky fast vier Prozent zu. Für Bauer gaben die Goldman-Analysten eine Kaufempfehlung ab und hoben das Kursziel auf 35,50 Euro an. Bei Sky (vormals Premiere) hievten sie das Kursziel von 4,30 Euro auf 4,70 Euro. Die Kaufempfehlung für Sky wurde bekräftigt. Und bei ProSiebenSat.1 setzten die Experten das Kursziel für ProSiebenSat.1 von 5,20 auf 7,70 Euro. In einem Interview verbreitete zudem ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling Optimismus. ProSiebenSat.1 laufe bei den Zuschauerzahlen derzeit besser als der Markt. Er erwarte für 2009 eine leichte Steigerung des Marktanteils. Allerdings äußerte er sich skeptisch zum Werbemarkt.

Auch andere Aktien wurden von Analysten-Kommentaren beflügelt. Die Puma-Aktien legten rund fünf Prozent zu, nachdem HSBC das Kursziel von 130 auf 250 Euro nahezu verdoppelt hat. Die Einstufung wurde von "Neutral" auf "Overweight" angehoben. Im TecDax kletterten die Aktien des Solarzulieferers Centrotherm kletterten um über acht Prozent - dank einer Kaufempfehlung von der Berenberg Bank.

Airbus rechnet mit schwarzen Zahlen
Echte Unternehmensnachrichten gab es kaum. Eine Ausnahme bildete EADS. Airbus-Chef Thomas Enders bekräftigte in einem Interview das Ziel, in diesem Jahr Gewinne zu schreiben. Außerdem peilt Airbus für 2009 das im vergangenen Jahr erreichte Rekordniveau von 483 ausgelieferten Flugzeugen weiter an. Für Verwirrung sorgten am Abend widersprüchliche Angaben zu einem Bericht der Welthandelsorganisation WTO über EU-Hilfen für den A380. Wie aus Insiderquellen durchsickerte, hält die WTO die Hilfen für illegal. EU-Kreise nannten diese Behauptungen falsch und irreführend. Die EADS-Aktien stiegen um zwei Prozent.

Singulus-Chef verspricht Rückkehr in die Gewinnzone 2010
Der alte und neue Chef des TecDax-Absteigers Singulus, Roland Lacher, verbreitete derweil in der Presse Zuversicht. Er wolle den Speichermedien-Hersteller 2010 wieder in die Gewinnzone führen, versprach er der Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag". Denn im kommenden Jahr soll das Geschäft mit Anlagen zur Herstellung von Blu-Ray-Disks wieder anziehen, zeigt er sich überzeugt.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr