Gute Zahlen, nichts gewonnen

Stand: 26.08.2009, 20:01 Uhr

Trotz guter Konjunkturzahlen hat der deutsche Aktienmarkt am Mittwoch Verluste verbucht. Nach vier Gewinntagen in Folge nahmen die Investoren ihre Gewinne mit, trotz eines hervorragenden ifo-Index' und vielversprechender amerikanischer Wirtschaftsdaten.

Statistiken zum amerikanischen Häusermarkt und den Auftragseingängen der Industrie bestärkten am Mittwoch die Anleger in ihrer Ansicht, dass die Wirtschaftskrise ihre Talsohle durchschritten hat. Die Zahl der verkauften amerikanischen Eigenheime zog im Juli kräftig, und deutlich stärker als erwartet, an. Und die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter übertrafen ebenfalls die Erwartungen. Dass der Zuwachs ohne die staatliche Abwrackprämie wesentlich geringer ausgefallen wäre, war allerdings ein Schönheitsfehler.

Richtig optimistisch sind deutsche Unternehmen. Der monatlich herausgegebene Ifo-Index zeigte, dass sich die Stimmung in den 7.000 befragten Unternehmen kräftig gebessert hat. Noch nie seit der Wiedervereinigung fiel der Monatszuwachs beim wichtigsten deutschen Konjunkturbarometer so groß aus.

Trotzdem waren Anleger hüben und drüben des Atlantiks nicht in Kauflaune. Der Dax schloss 0,6 Prozent schwächer bei 5.522 Punkten, die amerikanischen Indizes blieben ebenfalls schwach, sie notierten, als der Parketthandel in Frankfurt endete, leicht im Minus. Händler maßen den Kursverlusten keine große Bedeutung bei, die Luft sei nach vier Handelstagen mit Gewinnen raus. Seit Mitte letzter Woche hat der Dax immerhin sechs Prozent gewonnen und am Dienstag den höchsten Stand seit Oktober 2008 erreicht.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,35
Differenz relativ
+1,83%

Bankaktien waren gefragt
Bank- und Finanzaktien gehörten im Dax zu den Gewinnern. Die Bundesregierung will weiterhin Geld gegen die Kreditklemme zur Verfügung zu stellen, das befeuerte vor allem die Aktie der Allianz, sie legte 3,9 Prozent zu. Der Deutschen Bank gelang es am Dienstag, eine Unternehmensanleihe im Wert von 1,25 Milliarden Euro an den Mann zu bringen, die Aktie schloss dennoch 0,8 Prozent schwächer.

Schon wieder Volkswagen
Die Volkswagen-Aktie war mit einem Minus von knapp drei Prozent zweitgrößter Verlierer im Dax. Noch mehr, nämlich 3,3 Prozent, verlor nur das BASF-Papier. Zu Wochenbeginn hatte die Aktie allerdings noch stark zugelegt. Dass Volkswagen und Daimler deutlich abgaben, begründeten manche Händler mit der Ankündigung des weltgrößten Autoherstellers Toyota, die Produktion um zehn Prozent zu reduzieren. Daimler will außerdem die Kurzarbeit in seinen Nutzfahrzeug-Werken verlängern.

Krones und Böwe rechnen mit Erholung
Die von der Wirtschaftskrise stark gebeutelte Branche der Maschinenbauer sieht wieder Licht. Zumindest zwei ihrer Protagonisten. Der Getränkeabfüllanlagenhersteller Krones rechnet damit, 2010 wieder schwarze Zahlen zu produzieren. Die Entwicklung sei positiv, die Talsohle erreicht, sagte Finanzdirektor Hans-Jürgen Thaus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der Kuvertiermaschinenhersteller Böwe Systec will sogar schon in diesem Jahr die Gewinnschwelle erreichen, trotz eines Halbjahresverlustes von 4,2 Millionen Euro.

Conergy-Aktie sackt ab
Eine Achterbahnfahrt der üblen Sorte hat die Conergy-Aktie absolviert. Ging der Kurs am Morgen noch 31 Prozent nach oben (nach 41 Prozent am Dienstag), folgte am Nachmittag der jähe Kurssturz. Die Solaraktie ging 11,11 Prozent schwächer aus dem Handel. Im späten Parketthandel rutschte sie sogar um 20 Prozent ab. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen. Immerhin gab es auch eine handfeste Nachricht vom TecDax-Unternehmen: Conergy soll einen Solarpark in Norddeutschland bauen.

UI, Freenet und Aixtron legten zu
Mit Kursgewinnen von jeweils 3,5 Prozent absolvierten die Aktien der Internetunternehmen United Internet und Freenet einen erfolgreichen Handelstag. United Internet gab bekannt, sich von den noch direkt gehaltenen Freenet-Aktien getrennt zu haben. Dies waren immerhin 8,43 Prozent aller Freenet-Papiere. Die Aktie des Elektronikkonzerns Aixtron legte 6,1 Prozent zu und setzte damit eine atemlose wochenlange Rally fort. Aktionäre kauften zu, nachdem Aixtron in den Stoxx600 aufgenommen wurde.

Hypo Real Estate braucht 7 Milliarden
Die verstaatlichte Immobilienbank Hypo Real Estate muss mit weiteren Milliarden gestützt werden. Bis zum Jahresende werde der Bankenrettungsfonds Soffin bis zu sieben Milliarden Euro bereitstellen, sagte Bundesfinanzminister Steinbrück. Der Bedarf sei aber nicht überraschend, so der Minister. Die Entwicklung bei der Bank in den vergangenen Monaten habe diesen Bedarf absehbar gemacht.

ZhongDe Waste verdient weniger
Der in Deutschland notierte chinesische Hersteller von Müllverbrennungsanlagen, ZhongDe Waste Technology, hat das erste Halbjahr mit einem Gewinnrückgang abgeschlossen. Das Ebitda schrumpfte von 6,4 Millionen Euro vor einem Jahr auf 4,5 Millionen. Die Erlöse gingen leicht auf 18,4 Millionen Euro zurück. Die Firma begründete die schwächere Bilanz mit weniger Bestellungen wegen der Wirtschaftskrise.

Highlight Communication verdient auch weniger
Der Schweizer Filmrechthändler Highlight Communication hat das erste Halbjahr mit einem fast um die Hälfte geschrumpften Gewinn von 13,8 Millionen Franken beendet. Der Umsatz ging um 12 Prozent auf 208,5 Millionen Franken zurück. Im zweiten Halbjahr will der Konzern mit Filmen wie "Horst Schlämmer" und "Wickie" wieder mehr verdienen, der Umsatz soll auf bis zu 510 Millionen Franken steigen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr