Gute Stimmung, null Bewegung

Stand: 22.12.2010, 20:01 Uhr

An den Dax über der 7.000-Punktemarke haben sich die Anleger mittlerweile gewöhnt. Daran wollte am Mittwoch auch niemand etwas ändern. Ganz im Gegenteil: Gemächlich schleppte sich der Leitindex auf dem Vortagesschlusskurs dahin, um dann minimal schwächer zu schließen.

Die Ferienzeit wirft ihre Schatten voraus. Geradezu mit gespenstiger Mattheit verlief der Börsenhandel am Mittwoch, bei niedrigem Umsatzvolumen und extrem niedriger Volatilität bewegte sich der Dax kaum, der Schlusskurs von 6.068 Punkten lag 0,1 Prozent tiefer als der Schlusskurs vom Dienstag.

Auch die Wall Street brachte am Nachmittag und Abend keinen frischen Wind auf das Parkett. Wie in Frankfurt tendierten die großen Indizes etwa auf unverändertem Niveau, und auch einige Konjunkturzahlen änderten dies nicht. Da gab es das endgültige BIP des dritten Quartals, das mit einem Plus von 2,5 Prozent knapp schwächer ausfiel als erwartet. Der Absatz bestehender Eigenheime war etwas schwächer als gedacht, und die Öllagerbestände verringerten sich überraschend kräftig.

Wer kauft Infineon und Eon?
Wie an den vergangenen Tagen auch waren im Dax am Mittwoch vor allem jene Aktien gefragt, die im Verlauf des Jahres große Kursgewinne verbucht haben und die von großen Investoren nun im Rahmen des so genannten "Window Dressings" noch aufgenommen werden. Infineon-Aktien, die im Laufe des Jahres 90 Prozent hinzugewannen, zählen genauso dazu wie Papiere von Volkswagen und MAN.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,91
Differenz relativ
-0,69%

Dass entgegen dieses Trends auch die Aktie von Eon gefragt war, mag auf den ersten Blick überraschen. Die Aktie des Energieversorgers schnitt mit einem Jahresverlust von mehr als 20 Prozent sehr unterdurchschnittlich ab und legte am Mittwoch dennoch ein Prozent zu. Hier waren, erklären Händler, jene Anleger am Werk, die sich vornehmlich mit den schwach gelaufenen Blue Chips eindecken und auf Kursgewinne hoffen.

Post bekommt einen neuen Kredit
Auch die Post-Aktie war unter den Top-Gewinnern im Dax. Der Logistikkonzern sicherte sich bei Banken eine Kreditlinie von zwei Milliarden Euro. Um die "Komplexität unsere Finanzierungsinstrumente weiter zu reduzieren", wie es Post-Finanzdirektor Larry Rosen ausdrückte.

Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
186,60
Differenz relativ
-0,13%

Nikes Bilanz belastet Adidas
Gänzlich unschuldig ist der Sportartikelkonzern Adidas am starken Kursverlust seiner Aktie. Der amerikanische Konkurrent Nike hatte gestern Abend seine Quartalszahlen vorgelegt und beim Auftragseingang enttäuscht. Obwohl der Nettogewinn die Erwartungen übertraf, notiert auch die Nike-Aktie schwächer. Adidas-Papiere verloren 1,7 Prozent.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,65
Differenz relativ
-0,10%

Deutsche Bank zahlt für Steuersparmodell
Ebenfalls mit Verlusten notierte die Aktie der Deutschen Bank. Das Institut muss für illegale Steuersparmodelle in den USA 500 Millionen Dollar zahlen. Auf diese Summe hat sich die Bank mit der Staatsanwaltschaft Manhattan geeinigt. Die Deutsche Bank begleicht die Summe aus Rücklagen, die speziell für diesen Fall gebildet wurden.

Hannover Rück verkauft Clarendon
Der im MDax notierte Rückversicherungskonzern Hannover Rück hat seine New Yorker Tochter Clarendon verkauft. Rund 200 Millionen Dollar zahlte die auf die Abwicklung von Versicherungsfirmen spezialisierte Enstar Group von den Bermudas. Clarendon gehörte seit 1999 zu der Hannover Rück. Seit 2006 ist die Firma lediglich eine Abwicklungsgesellschaft, nachdem das operative Geschäft unter dem Namen Praetorian verkauft wurde.

Hochtief-Aktionäre sind hartnäckig
Im laufenden Übernahmekampf um Hochtief gab es vom spanischen Konkurrenten ACS eine neue Wasserstandsmeldung. Ganze 5.825 Hochtief-Aktien habe man bis Dienstag angeboten bekommen, teilte ACS mit, die Aktienquote liege nun bei 27,26 Prozent. Dass das Angebot so erfolglos ist, liegt vor allem an der unattraktiven Tauschofferte von neun ACS-Aktien gegen fünf Hochtief-Papiere.

Bechtle erwartet gute GEschäfte
Der IT-Konzern Bechtle aus dem TecDax hat seine Jahresprognose für 2011 erläutert. 2011 werde ein gutes Jahr, sagte Bechtle-Chef Thomas Olemotz der Nachrichtenagentur Reuters. "Von der Konjunktur werden wir Rückenwind haben, auch wenn das Wachstum etwas gedämpfter als 2010 ausfallen wird". In diesem Jahr werde Bechtle hingegen einen Rekordumsatz von mehr als 1,6 Milliarden Euro erzielen, Olemotz stellte eine Dividendenerhöhung in Aussicht stellte.

Morphosys: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
94,00
Differenz relativ
-3,24%

Morphosys erreicht Meilenstein, Aixtron wird SE
Gut präsentierte sich am Mittwoch die Aktie des Biotechnologiekonzerns Morphosys. Man habe einen weiteren Meilenstein in diesem Jahr erreicht, teilte die TecDax-Firma mit. Die Meilensteinzahlung durch das Partnerunternehmen Centocor wurde fällig, weil Morphosys eine klinische Phase-1-Studie für einen eigenen Antikörper beantragte. Eine Vollzugsmeldung ohne kursbewegende Relevanz gab es vom LED-Spezialisten Aixtron. Die Firma meldete, dass sie die Umwandlung in eine Europäische Aktiengesellschaft abgeschlossen habe. Der Schritt hin zu der SE stehe für eine "europäische geprägte, internationale Ausrichtung", teilte Aixtron mit.

Pfleiderer bekommt Schonfrist
Im SDax legte die Aktie des Holzverarbeiters Pfleiderer 7,5 Prozent zu. Bis Ende März 2011 muss das Unternehmen seine Kredite nicht an die Gläubigerbanken zurückzahlen. Man habe sich mit den Kreditgebern auf ein Stillhalteabkommen geeinigt, teilte Pfleiderer mit. Die Geschäfte bei Pfleiderer laufen derzeit nicht sonderlich gut, die Firma rechnet für 2010 weiterhin mit Verlusten.

Repower korrigiert
Der Windkraftkonzern Repower hat seine Geschäftserwartungen für dieses Jahr kräftig nach unten berichtigt. Bisher erwartete Repower einen Umsatz von bis zu 1,6 Milliarden Euro, jetzt geht die Firma nur von 1,25 bis 1,35 Milliarden Euro aus. Die operative Marge soll ebenfalls niedriger ausfallen als geplant. Repower machte Projektverschiebungen für die Umsatzwarnung verantwortlich.

Tagestermine am Dienstag, 18. Dezember

Unternehmen:
FedEx: Q2-Zahlen
Navistar: Q4-Zahlen
Micron Technology: Q1-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklima 12/18, 10:00 Uhr
USA: Baubeginne und Genehmigungen 11/18, 14:30 Uhr