Gute Nachrichten verpuffen

Mark Ehren

Stand: 24.05.2007, 20:03 Uhr

Der Rücksetzer der Technologieaktien in den USA hat auch zu Kursverlusten am deutschen Aktienmarkt geführt. Der Dax geriet im späten Handel weiter unter Druck.

Der L-Dax lag zum Handelsschluss bei 7.687 Punkten und damit zehn Stellen unterhalb des Xetra-Dax. In den USA verlor der Nasdaq-Composite-Index mehr als ein Prozent.

Die neuesten Daten vom amerikanischen Immobilienmarkt sorgten am Nachmittag nur für kurze Zeit für etwas Rückenwind. Im April wurden aufs Jahr hochgerechnet 981.000 Häuser verkauft. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit 860.000 Einheiten gerechnet.

Die Gewinnerliste im Dax fiel ziemlich kurz aus. Gewinner Nummer eins war die Siemens-Aktie. Hier fachte ein Magazinbericht über das rege Interesse an der Tochter Siemens VDO die Kauflaune der Anleger an. Laut dem "Manager Magazin" will der Autozulieferer Conti elf Milliarden Euro bieten und damit mehr als bisher vom Markt erwartet worden war. Am Nachmittag half außerdem noch eine Meldung der Zeitung "Tagesspiegel". Danach will die neue Siemens-Führung die Unternehmensstrategie deutlich stärker als bisher auf einen höheren Kurs der Siemens-Aktie ausrichten.

Infineon mit China-Fantasie

Infineon-Titel profitierten von einem Auftrag: Der chinesische Handyhersteller ZTE setzt für seine preisgünstigen Mobiltelefone auf Chips des deutschen Unternehmens. Zudem rate die Deutsche Bank kurzfristig zum Kauf der Aktie - das treibe zusätzlich an, sagten Händler.

Eon erobert russischen Strommarkt
Der Eon-Konzern beendete den Handel ebenfalls im Plus. Der Versorger steigt in den russischen Strommarkt ein und gründete mit dem russischen Energieunternehmen STS in Sibirien ein Gemeinschaftsunternehmen. Zudem hat die Credit Suisse das Kursziel für den Versorger von 120 auf 135 Euro angehoben und die Aktie mit "Outperform" bestätigt.

Ansonsten dominierten Verlierer den Dax. Die Tui-Aktie büßte am stärksten ein. Der Reise- und Schifffahrtskonzern TUI gibt eine neue Wandelanleihe mit einem Volumen von mehr als 600 Millionen Euro heraus. Die Nominalverzinsung liegt bei 2,75 Prozent und der Wandlungspreis bei 27,68 Euro.

Die Verluste bei Hypo Real Estate waren auch eine Folge des Dividendenabschlags von 1,50 Euro nach der gestrigen Hauptversammlung.

An der MDax-Indexspitze thronten Premiere. "Die Spekulationen um Übernahmeinteressenten halten an", sagte ein Händler. Außerdem hatte Lehman Brothers die Papiere des Bezahlsenders hochgestuft. Auch den Aktien der Merck KGaA halfen Analystenstimmen. JP Morgan bewertet die Titel in einer Ersteinschätzung mit "Overweight".

Deutz-Papiere gewannen ebenfalls überdurchschnittlich. Der Motorenbauer hat auf seiner Hauptversammlung steigende Dividenden ab 2008 in Aussicht gestellt. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital soll dann auf zwölf Prozent steigen.

An der TecDax-Indexspitze machte sich GPC Biotech breit. Händler verwiesen auf positive Kommentare der Deutschen Bank, die das Papier kurzfristig für kaufenswert hielten. Hinzu kämen charttechnische Gründe nach einem erfolgreichen Test der Unterstützung bei 21 Euro, die zusätzliche Käufer anlockten.

DBAG mit Gewinnverdreifachung
Die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) hat ihren Gewinn im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2006/07 auf rund 93 Millionen Euro gesteigert und damit mehr als verdreifacht. Das Eigenkapital stieg im Vergleich zum Vorquartal von 20,87 Euro auf 22,23 Euro je Aktie.

Käufer scharen sich um TV Loonland
Außerhalb der großen Indizes stachen die Titel von TV Loonland mit einem kräftigen Kursplus hervor. Laut dem Unternehmen haben mehrere Parteien Interesse am Kauf von Aktienpaketen und der Übernahme von Verbindlichkeiten.

FJH ist laut seinem Quartalsbericht in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Demnach erwirtschaftete das Beratungs- und Softwarehaus in den ersten drei Monaten ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 1,4 Millionen Euro. Die FJH-Aktie legte zu.

Petrotec im Minus
Keinen Gefallen fanden die Anleger an den Quartalszahlen von Petrotec. Der Hersteller von Biodiesel steigerte seinen Umsatz um 14 Prozent auf 16,3 Millionen Euro. Das Ergebnis war jedoch durch den saisonal höheren Materialaufwand belastet, es war negativ.

Kursgewinne verbuchte die Aktie von Manz. Das Unternehmen hat sein Ergebnis (Ebit) im ersten Quartal mehr als verdoppelt. Es stieg um 150 Prozent auf 1,8 Millionen Euro. Die Umsätze wuchsen um rund 65 Prozent.

Schmack Biogas hat seinen Umsatz im ersten Quartal sogar beinahe verfünffacht auf 31 Millionen Euro. Das Ebit verschlechterte sich jedoch auf minus 2,3 Millionen von minus 1,3 Millionen. Für das Gesamtjahr geht Schmack davon aus, Umsätze in Höhe von 150 bis 170 Millionen Euro zu generieren. Angepeilt wird ein Ebit von über zehn Millionen Euro. Die Aktie geriet kräftiger unter Druck.

Enttäuschung bei Repower-Aktionären
Am Abend kündigte der französische Atomkonzern Areva am Abend an, sein bisheriges Angebot von 140 Euro je Repower-Aktie nicht weiter anzuheben. Damit hat sich der indische Windturbinenhersteller Suzlon mit seinem Angebot von 150 Euro gegen Areva durchgesetzt.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr