Gute-Laune-Abend

Stand: 29.05.2008, 20:15 Uhr

Das bessert auch die Börsenstimmung in Deutschland: Die US-Börsen schwingen sich auf. Finanzaktien profitieren von den guten Aussichten bei Mastercard, Technologiewerte von einem Anstieg der Google-Papiere.

Leicht belastend wirkten die unerwartet hohen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe den Markt. Auch die BIP-Daten waren keine wirkliche Unterstützung: Die US-Wirtschaft wuchs im ersten Quartal zwar revidiert um 0,9 Prozent und damit stärker als noch die Erstschätzung von 0,6 Prozent signalisiert hatte. Am Markt war indes ein noch etwas stärkeres Wachstum von 1,0 Prozent erwartet worden. Analysten waren insgesamt zufrieden, doch es bleibe abzuwarten, wie das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal ausfallen werde - dies werde die Haltung der US-Notenbank zu den Zinssätzen bestimmen.

Unterschiedliche Signale kamen aus dem Einzelhandel. Sears musste wegen stark gestiegener Preise für Benzin und Lebensmittel einen unerwarteten Verlust bekannt geben. Sears-Konkurrent Costco Wholesale konnte dagegen mit einem unerwartet deutlich gestiegenen Nettogewinn positiv überraschen. Und der Saucen- und Fertiggerichte-Hersteller HJ Heinz erhöhte seine Gewinnprognose.

Einer der bestimmenden Einflussfaktoren für die Börse war weiterhin der hohe Ölpreis. Zwar gab es zunächst eine leichte Entspannung, doch der Wochenbericht der US-Energiebehörde am späten Nachmittag machte die Ruhe zunichte. Die US-Lagerbestände sind nämlich überraschend niedrig, sie sanken in der vergangenen Woche um 8,8 Millionen Barrel. Experten hatten mit unveränderten Beständen gerechnet. Das trieb den Ölpreis in die Höhe. Ein Barrel US-Leichtöl kostete am Nachmittag mit 132,25 Dollar 0,9 Prozent mehr als am Vorabend, während das Fass Nordseeöl 0,7 Prozent höher bei 131,72 Dollar gehandelt wurde. Vor Bekanntgabe der Daten hatten beide Ölsorten rund drei Dollar weniger gekostet.

RWE und Warren Buffett? - "Totaler Schwachsinn"
Der Ölbericht schickte den Dow Jones zunächst auf Talfahrt, doch der Index arbeitete sich dann wieder ins Plus vor. Zur Stunde notiert der US-Leitindex rund 0,9 Prozent im Plus, der Nasdaq Composite sogar 1,1 Prozent.

Der Dax, der zwischenzeitlich ebenfalls auf negatives Terrain gesackt war, beendete den elektronischen Xetra-Handel mit einem leichten Plus von 0,3 Prozent bei 7.055 Zählern. Der L-Dax kletterte im Gefolge der US-Börsen munter weiter bis auf 7.093 - gute Aussichten also bisher für den Börsenstart morgen.

Zu den großen Gewinnern im Dax gehörten heute RWE und Eon, die von einer positiven Analystenstudie profitierten. Bei RWE kursierten außerdem Gerüchte, Blackstone, Permira und Buffett wollten gemeinsam für das Unternehmen bieten. Ein Händler sagte allerdings: "Das ist doch totaler Schwachsinn."

Infineon warnt
Infineon hatte schmerzliche Neuigkeiten. Der Halbleiterhersteller senkte wegen anhaltender Probleme bei der Auslieferung von Handychips seine Jahresprognose. Sal. Oppenheim reagierte prompt und stufte die Aktie von "Neutral" auf "Reduce". Die Aktie verlor mehr als zehn Prozent.

Die Aussicht auf fortbestehende Sonderrechte des Landes Niedersachen drückte die Aktien von Volkswagen. "Mit dem VW-Gesetz darf der Hauptaktionär Porsche nicht frei entscheiden. Das drückt auf die Stimmung", sagte Analyst Uwe Treckmann von der Dresdner Bank. Außerdem senkte die Deutsche Bank ihr Anlageurteil für die VW-Aktie auf "Sell" von "Hold". Der Markt billige der Aktie des Autobauers eine ungerechtfertigte Übernahmeprämie zu, schrieb Analyst Jochen Gehrke in einem Kommentar.

T-Aktie macht sich nichts aus Bespitzelung
In der Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom lieferte reichlich Gesprächsstoff. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die ehemaligen Chefs von Vorstand und Aufsichtsrat, Kai-Uwe Ricke und Klaus Zumwinkel. Die Anweisung zur Überwachung von Führungskräften und Journalisten sei aus ihrem Umfeld ergangen, sagte der Bonner Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel. An der Börse ist man sich von solchen Themen unbeeindruckt, die T-Aktie notierte auf Vortagesniveau.

Deutsche Bank scheut vor Prognose zurück
Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank gab es nichts Bewegendes. Vorstandschef Josef Ackermann wagte wegen der Folgen der Finanzkrise keine Prognose für das laufende Jahr. Auch zum Thema Übernahmen sagte er wenig Konkretes. Sowohl die Postbank als auch die Dresdner Bank würde man sich ansehen, wenn die Institute zum Verkauf stünden. Etwas verklausuliert äußerte sich Ackermann zur Citibank. "Bei der Citibank gab es die Möglichkeit, sich einmal dazu zu äußern, ob wir da was tun, das werden wir mal sehen." Vergangene Woche gab es Gerüchte, der Konzern führe schon Gespräche zum Kauf des Deutschland-Geschäfts der US-Citigroup.

Lanxess freut sich über gute Geschäfte
Auch die Hauptversammlung von Lanxess hat nicht viel Neues gebracht. Man sei ausgesprochen gut ins Jahr gestartet, sagte Vorstandschef Axel Heitmann. "Und wir können schon jetzt sagen, dass die Geschäfte im zweiten Quartal gut angelaufen sind." Dank Preiserhöhungen und einer robusten Nachfrage sei keine Abschwächung des Geschäfts zu sehen. Zwar trübten sich die Aussichten für die chemische Industrie in Nordamerika ein, sagte Heitmann. "Allerdings werden davon die meisten für Lanxess wichtigen Abnehmerbranchen wie zum Beispiel die Reifenindustrie oder die Agrochemikalien weniger betroffen sein."

Aus dem SDax
Im SDax war einiges los. Air Berlin senkte erneut seine Gewinnerwartungen für das laufende Jahr wegen der hohen Kerosinpreise. Die Titel gaben mehr als drei Prozent nach. Die Frankfurter Immobilienfirma Deutsche Wohnen rutschte im ersten Quartal tief in die roten Zahlen, was an der Börse mit einem Kursrutsch von 2,5 Prozent quittiert wurde. Die Aktie von EM.Sport gab ein Prozent ab. Der Medienkonzern hatte neben der Quartalsbilanz noch eine Neuigkeit: Man hat die Unterhaltungssparte verkauft - und damit Biene Maja, Pippi Langstrumpf und andere Klassiker des Kinderfernsehens. Dafür bekommt EM.Sport 41 Millionen Euro, es könnte sogar noch etwas mehr geben. Im ersten Quartal hat das Unternehmen einen Umsatzrückgang hinnehmen müssen, nach Steuern rutschte der Konzern in die Verlustzone. Die Aktie von Axel Springer, die ebenfalls im SDax notiert, verlor leicht. Das Unternehmen hat zwar durch den Verkauf seiner Beteiligung an ProSiebenSat.1 einen Gewinnsprung von 44 auf 450 Millionen Euro hingelegt. Das operative Ergebnis ging allerdings deutlich zurück.

Es gab aber auch positive Nachrichten von SDax-Unternehmen. So überzeugte KWS Saat mit guten Quartalszahlen und einer Prognoseanhebung. Die positive Wirkung reichte sogar bis in den MDax: Die Aktie des Düngemittelherstellers K+S gewann mehr als drei Prozent. Sixt hat zwar im ersten Quartal einen leichten Ergebnisrückgang hinnehmen müssen. Dies sei allerdings vor allem auf die Osterfeiertage zurück zu führen, die 2008 bereits im März lagen. Im April und Mai sei die Nachfrage wieder angezogen. Für das Gesamtjahr 2008 sieht Sixt-Chef Erich Sixt daher weiterhin steigende Umsätze und Ergebnisse. Die Sixt-Aktie legte fast zwei Prozent zu.

Solarwerte im Dauerstress
Wie schon am Mittwoch verloren die Solartitel im TecDax auch am Donnerstag durch die Bank deutlich. Nachdem am Vortag JP Morgan den Daumen für die Vertreter der Branche gesenkt hatte, zieht nun Merrill Lynch nach: Solarworld und Q-Cells wurden zum Verkauf empfohlen. Zur Begründung wurde von den Experten auf Überkapazitäten in der Branche verwiesen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen