Marktbericht 20:00

Dax kratzt an der 8.700 Große Sause am Aktienmarkt

Stand: 10.10.2013, 20:00 Uhr

Die Hoffnung auf einen Kompromiss im US-Haushaltsstreit hat dem Dax nach drei Tagen in der Verlustzone beachtliche Gewinne beschert. Und die Geldflut der US-Notenbank dürfte vorerst auch anhalten.

Der Dax schloss mit einem Aufschlag von zwei Prozent auf 8.685,77 Punkten. Den Tageshöchststand erreichte er bei 8.694,17 Zählern. Der Late-Dax legte um 1,8 Prozent auf 8.693,29 Punkte zu. Die Investoren sahen die Chancen auf eine Einigung in den USA steigen und kauften ein. Der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses John Boehner schlägt eine vorübergehende Anhebung der US-Schuldengrenze vor, um mehr Zeit für Verhandlungen zu haben.

Ein Marktteilnehmer warnte vor überzogenen Erwartungen: "Bestenfalls erkauft sich die Politik etwas mehr Zeit", lautete seine Einschätzung. "Ein Kompromiss, dies legen zumindest die Erfahrungen der letzten Jahre nahe, sollte wohl erst in letzter Minute gefasst werden", schreiben die Experten der DZ Bank. Die Eröffnung der US-Börse am Nachmittag brachte einen neuen Aufwärtsimpuls.

Kein Einstieg in den Ausstieg im Oktober

Am Abend lag der Dow Jones rund 1,5 Prozent im Plus. Die US-Notenbank wird nach Ansicht des Fed-Mitglieds James Bullard den Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik wohl noch nicht im Oktober einleiten. Dies hänge damit zusammen, dass der Fed durch den Haushaltsnotstand derzeit keine aktuellen Konjunkturdaten vorlägen sowie mit der anhaltenden Debatte über die Anhebung der Schuldengrenze.

1. Platz für die Commerzbank

Die Hoffnung auf eine Einigung im US-Haushaltsstreit beflügelte Finanzwerte. Die Commerzbank legte zeitweise um fast sechs Prozent zu, Aktien der Deutschen Bank stiegen um drei Prozent. "Die Commerzbank hat wesentlich mehr Aufholpotenzial als die Deutsche, deshalb sind die Aufschläge auch so weit voneinander entfernt", sagte der Händler. Commerzbank-Aktien haben seit Jahresbeginn rund 15 Prozent an Wert verloren.

Siemens angelt sich Milliardenauftrag

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
100,76
Differenz relativ
+1,86%

Siemens soll in Riad eine fahrerlose U-Bahn für 1,5 Milliarden Euro bauen. Das Unternehmen liefert zwei von sechs geplanten Linien samt Signaltechnik und 74 Zügen nach Saudi-Arabien. Die Metro soll 2018 ihren Betrieb aufnehmen. Die Aktie bewegte sich mit dem Markt.

Mehr Passagiere bei der Lufthansa

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,38
Differenz relativ
+2,46%

Die Lufthansa hat im September wieder spürbar mehr Passagiere befördert. Zusammen mit ihren Töchtern Germanwings, Swiss und Austrian Airlines kam Europas größte Fluggesellschaft auf gut 9,9 Millionen Fluggäste und damit drei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Auslastung der Maschinen verbesserte sich dabei um 0,6 Prozentpunkte auf 82,2 Prozent.

Infineon hat einiges vor

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
17,70
Differenz relativ
+4,70%

Die Infineon-Aktie kletterte um mehr als zwei Prozent. Das Unternehmen möchte in den kommenden Jahren im Geschäft mit Bauteilen für Mobiltelefone und Server stark zulegen. "Wir streben ein jährliches Umsatzwachstum im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich an", sagte Andreas Urschitz, der die Sparte Power Management Multimarket (PMM) leitet, dem "Handelsblatt".

Gute Aussichten für Adidas

Aktien des Sportartikelhersteller Adidas waren ebenfalls gefragt. Adidas-Chef Herbert Hainer rechnet 2014 mit einem "deutlichen Umsatzsprung“, sagte er dem "Handelsblatt" (Freitagausgabe). "Uns hilft, dass der WM-Ball und die Trikots der Nationalmannschaften für die Fußball-WM in die Läden kommen." Vor wenigen Wochen hatte Adidas seine Aussichten für das Jahr 2013 senken müssen. Der Konkurrent Nike hat indessen auf einer Investorenveranstaltung seine Expansionspläne bis zum Jahr 2017 vorgestellt und sich hohe Ziel gesetzt.

Gagfah spart Zinsen

Das Immobilienunternehmen Gagfah hat erneut umgeschuldet. Das MDax-Mitglied hat Verbindlichkeiten für etwas mehr als eine Milliarde Euro zu deutlich günstigeren Konditionen durch neue Wertpapiere und Darlehen abgelöst. Die Einsparungen dadurch liegen laut einem dpa-AFX-Bericht im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

TV-Aktien empfohlen

Aktien von ProSiebenSat.1 und der RTL Group rückten vor. HSBC-Analyst Christopher Johnen stufte die Titel von ProSiebenSat.1 in einer Studie von "Neutral" auf "Overweight" hoch und hob das Kursziel von 35 auf 38 Euro an. Der Medienkonzern sei mit Blick auf das Digitalgeschäft das Vorbild unter den frei empfangbaren, europäischen TV-Sendern. Er zähle in diesem Bereich zu den am besten geführten Unternehmen. RTL wiederum sei eine Cash-Maschine, hob Johnen in einer Studie vom Donnerstag hervor.

Evotec kommt wieder mit Harvard ins Geschäft

Das Biotech-Unternehmen Evotec kooperiert erneut mit Stammzellenforschern den der US-Eliteuniversität Harvard. Gemeinsam wollen sie das Entstehen und Fortschreiten von Diabetes untersuchen. Bereits im September hatten Evotec und Harvard eine Partnerschaft für die Erforschung von Erkrankungen des Nervensystems vereinbart. Finanzielle Details wurden wie üblich in der Branche nicht genannt.

Kabel Deutschland warnt

Der Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland hat seine Erwartungen für das laufende Jahr zurückgeschraubt. Grund sind außerplanmäßige Aufwendungen im Zuge der Übernahme durch Vodafone. Zur bisher angepeilten Dividende möchte das Unternehmen keine Aussagen mehr machen. Außerdem senkte das MDax-Mitglied seinen Umsatzausblick.

Vossloh holt Großauftrag rein

Im SDax trumpfte die Vossloh-Aktie auf. Der Bahntechnikkonzern hat einen Großauftrag aus Südafrika erhalten. Das Unternehmen wird 70 Lokomotiven für den Passagierverkehr an die südafrikanische Swifambo Rail Leasing liefern. Der Auftragswert liegt bei rund 250 Millionen Euro.

SFC unter Druck

Der Spezialist für Brennstoffzellen, SFC Energy, fällt am Donnerstag an der Börse durch. Das Unternehmen rechnet nur noch mit einem Gesamtjahresumsatz von 32 bis 36 Millionen Euro, bislang hatte man 38 bis 43 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) rechnet man nur noch mit minus 2,5 bis minus 3,0 Millionen Euro. Zuvor hatte SFC ein gegenüber 2012 (0,8 Millionen Euro) verbessertes Ebitda prognostiziert.

ts

Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.