Große Ausschläge, keine Wirkung

Stand: 08.09.2011, 19:51 Uhr

Der Dax hüpfte im Handelsverlauf wie ein Jo-Jo auf und ab: Die Investoren machten nicht den Eindruck, als gingen sie planvoll vor. Je nach kurzfristiger Nachrichtenlage wurde gekauft oder verkauft - und im Ergebnis tat sich so gut wie nichts.

Der Markt bleibt nervös und angeschlagen: Der Dax schloss mit einem Plus von ein paar Pünktchen etwa auf Vortagesniveau bei 5.408. Für ein derart unspektakuläres Ergebnis mussten die Investoren zuvor jedoch einige Stimmungsumschläge verkraften. Der Late-Dax schloss mit einem Abschlag von knapp einem Prozent bei 5.380 Punkten.

Nach frühen Gewinnen fielen Dax und Laune in den Keller. "Angesichts der ohnehin fragilen Stimmung nutzt der eine oder andere offenbar die Gelegenheit zu Gewinnmitnahmen", sagte ein Marktteilnehmer.

Trichet lauschen, Gewinne mitnehmen
Der EZB-Zinsentscheid gab die Gelegenheit: Die Notenbank beließ den Leitzzins zwar - wie überwiegend erwartet - bei 1,50 Prozent. Mit Sorge nahmen die Anleger jedoch die anschließenden Äußerungen des EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet auf. Die Risiken für die Konjunktur des Euroraums hätten sich aus Sicht der EZB erhöht, ließ Trichet wissen. Der Euro fiel unter die Marke von 1,40 Dollar.

Die Postbank-Experten rechnen deshalb jetzt auf Sicht von zwölf Monaten mit einem konstanten Leitzinsniveau: "Die EZB hat nach Einschätzung der Postbank weitere Zinserhöhungen vorerst "auf Eis gelegt" lautet die Einschätzung der Analysten.

Words, Words, Words
Enttäuscht wurden auch Konjunkturdaten aus den USA aufgenommen: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche stieg überraschend, der Wert der Vorwoche wurde etwas nach oben revidiert. Experten hatten im Schnitt mit einem Rückgang gerechnet.

Im Anschluss an Trichets Erläuterungen zum Zinsentscheid folgte der Dax weitgehend den Bewegungen der Wall Street. Dort fiebern die Anleger einer Rede des US-Präsidenten Barack Obama entgegen und hoffen auf ein neues milliardenschweres Jobprogramm. Vorher ergriff noch Fed-Chef Ben Bernanke das Wort: Die Notenbank sei bereit für Instrumente, die die Wirtschaft ankurbeln können, Details nannte er jedoch nicht. Der Dow Jones sackte fast um ein Prozent ab.

Anleger wissen Versorger zu schätzen
Die Energiekonzerne RWE und Eon profitieren noch immer von einer Branchenstudie von Goldman Sachs, die am Mittwoch veröffentlicht worden war. Sie schlossen mit Aufschlägen von 2,2 und 1,4 Prozent. RWE eroberte die Index-Spitze.

Deutsche Bank-Aktie hält sich oben
Die Aktie der Deutschen Bank ging mit einem Plus von mehr als einem Prozent aus dem Handel. Das Bekanntwerden einer Präsentation von Bank-Chef Josef Ackermann sorgt für Kursauftrieb. Darin heißt es, das Gewinnziel von zehn Milliarden Euro sei immer noch erreichbar. "Das würden die sicher nicht noch mal veröffentlichen, wenn sie dieses Ziel für nicht erreichbar hielten und im August schwere Handelsverluste erlitten hätten", vermutete ein Marktteilnehmer.

Deutsche Börse profitiert von Turbulenzen
Ebenfalls im Plus hält sich die Aktie des Börsenbetreibers. Beobachter halten das Unternehmen für einen Gewinner der Kursturbulenzen der vergangenen Wochen, die sich in steigenden Handelsumsätzen auf Xetra und auch bei der Terminbörse Eurex niedergeschlagen haben dürften.

Münchener Rück zieht es nach China
Der deutsche Rückversicherer kooperiert mit dem chinesischen Versicherer Ping An. Zusammen wollen die beiden Unternehmen Versicherungspolicen für den Bereich erneuerbarer Energien in China entwickeln und anbieten. Außerdem wurde bekannt, dass der Stimmrechtsanteil der Volksrepublik China am 3. August die Schwelle von drei Prozent überschritten hat. Die Aktie verteuerte sich um rund ein Prozent.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
138,74
Differenz relativ
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Autobauer unter Abgabedruck
Anleger warfen vor allem die Aktien der konjunktursensitiven Automobilkonzerne aus ihren Depots. Die Titel von Daimler, Volkswagen und BMW büßen jeweils mehr als zwei Prozent ein und liegen im Dax weit hinten. Die Analysten von MorganStanley hatten die Aktien von Daimler auf "Underweight" abgestuft.

SAP und K+S leiden unter Analysen
Papiere des Softwarekonzerns leiden unter einer Kurszielsenkung durch Nomura von 51 auf 44 Euro. Wegen der gesamtwirtschaftlichen Risiken reduzierten die Analysten ihre Gewinnschätzungen für 2011 bis 2013. Auch die Aktie des Düngemittelkonzerns K+S reagiert mit leichten Verlusten auf ein Anlageurteil der Investmentbank Morgan Stanley, Diese hat den Titel von "equalweight" auf "underweight" zurückgestuft. K+S belegt im Dax den drittletzten Platz.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
78,40
Differenz relativ
+1,75%

Bayer hofft auf Blockbuster
Anspannung bei Bayer, die sich in Verlusten der Aktie am Mittag niederschlägt: Eine Entscheidung der US-Gesundheitsbehörde FDA zum Medikamenten-Hoffnungsträger Xarelto steht an. Von dem Produkt erhoffen sich die Leverkusener Milliardenumsätze.

BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
77,57
Differenz relativ
+0,14%

BASF vor Spartenverkauf
Im Dax-Mittelfeld halten sich Aktien des Chemiekonzern BASF auf. Nach einem Medienbericht steht das Unternehmen vor dem Verkauf seiner Düngemitteltochter an die norwegische Yara. Die Düngemittelsparte steuert einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag zu BASFs Umsatz bei.

Tui

Tui: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
16,48
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-0,45%

Tui führt den MDAx an
Tui schlossen an der MDax-Spitze mit einem Aufschlag von mehr als fünf Prozent. Der russische Milliardär Alexej Mordaschow baute seinen Anteil an Tui auf mehr als ein Viertel aus, er liege nun bei 25,06 Prozent, teilten Tui und Mordaschows Beteiligungsgesellschaft S-Group Travel mit. Für die Anleger möglicherweise ein Vertrauensbeweis und daher ein gutes Zeichen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.