Marktbericht 20:10 Uhr

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Dax nur leicht im Plus Groko-Begeisterung hält sich in Grenzen

Stand: 12.01.2018, 20:10 Uhr

Die Aussicht, dass Deutschland bald eine neue Regierung bekommen könnte sorgt zwar für Stabilität an der Börse, Begeisterung aber sieht anders aus. Besonders, da der Euro im politischen Schlepptau weiter zulegt.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Denn die heutige Einigung der Sondierer von CDU/CSU und SPD über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen zur Regierungsbildung beflügelt die Gemeinschaftswährung weiter. Zusammen mit den jüngsten starken Konjunkturdaten aus Deutschland scheint der Euro derzeit kaum zu bremsen. Der Kurs liegt über 1,21 Dollar und damit auf dem höchsten Stand seit drei Jahren.

Dax schließt über 13.200 Punkten

An der deutschen Börse kommen solche Aufwertungsszenarien nicht gut an. Denn die Eurostärke schwächt die internationale Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Exportindustrie, die im deutschen Leitindex bekanntlich reichlich vertreten ist.

ARD-Börsenstudio: Claudia Wehrle Audio

Börse 20.00 Uhr Erleichterung über Einigung bei Sondierung

Da hilft es auch nicht, dass führende europäische Politiker erleichtert auf die Einigung reagierten. Bankvolkswirte und Verbandsvertreter bewerteten die Einigung der Parteien hingegen gemischt. Carsten Brzeski, Chefökonom der Direktbank ING-Diba, sprach von einem "Durchbruch mit einem bitteren Beigeschmack". Einerseits öffne die Einigung die Tür für eine neue Regierung, was positiv zu werten sei. "Allerdings ist es eindeutig kein Durchbruch für die Wirtschaft."

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Dax rutschte im Tagestief bis auf 13.168 Punkte ab, ehe er sich im Zug einer bärenstarken Wall Street wieder erholte. Am Ende schloss der Deutsche Leitindex bei 13.245 Punkten, ein Tagesgewinn von 0,32 Prozent. Im Wochenverlauf gab er damit 0,6 Prozent ab.

Hoffnung für die Bullen: Der Index lag damit am Ende über der charttechnisch wichtigen Unterstützungsmarke von 13.200 Punkten, der oberen Begrenzung eines Seitwärtskanals, aus dem er erst zu Jahresanfang nach oben ausgebrochen war. Ein Schlusskurs unter der Marke wäre ein negatives Signal gewesen und hätte für weitere Kursverluste gesprochen.

Wall Street im Rausch

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Von solch vorsichtigen Szenarien ist an der Weltleitbörse in New York nichts zu sehen, im Gegenteil. Der Dow-Jones-Index setzt seine Hausse fort und stürmt derzeit um mehr als ein weiteres Dreiviertel Prozent nach oben. Das bisherige Rekordhopch lag bei 25.789 Punkten, aktuell steht der Index nur knapp darunter. Auch der S&P-500 und die Technologiebörse Nasdaq legen kräftig zu, so dass der Aufschwung auf breiten Füßen steht.

Konjunkturdaten gab es heute auch noch. Die wichtigen Einzelhandelsumsätze im Dezember legten ohne Autos wie erwartet um 0,4 Prozent, die Verbraucherpreise im Jahresvergleich ebenfalls wie prognostiziert um 2,1 Prozent zu. Der Konjunkturausblick bleibe positiv und per saldo würden die Zinserwartungen tendenziell unterstützt, schreibt Patrick Boldt von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

B5 aktuell Börse Audio

B5 Börse: US-Konjunkturdaten vom Dezember

Am Abend werden noch Ansprachen von führenden Fed-Mitgliedern erwartet. So die des Fed-Präsidenten Harker aus Philadelphia sowie seines Kollegen Rosengren aus Boston. Die Marktteilnehmer erhoffen sich insbesondere Hinweise darauf, in welchem Ausmaß sich der derzeitige Zinserhöhungszyklus in diesem Jahr fortsetzen dürfte.

Start der Berichtssaison

B5 aktuell Börse Audio

B5 Börse: Gute Stimmung an den US-Märkten

Unmittelbar aber steht die beginnende Berichtssaison zum vierten Quartal im Blick der Anleger, die heute mit einigen Börsenschwergewichten aus den Finanzbranche eröffnet wurde. Sie zeigt, wie gravierend die Auswirkungen der jüngst beschlossenen Steuerreform der Trump-Administration auf die Zahlenwerke der Unternehmen sind. Deren Steuerbelastung sinkt bekanntlich von bisher 35 auf 21 Prozent erheblich.

Finanzaktien im Blick

Die im Dow Jones enthaltene Großbank JPMorgan Chase legte erwartungsgemäß ein schwächeres Ergebnis vor, wozu erhebliche Steuerbelastungen als negativer Einmaleffekt beitrugen. Denn die Verlustvorträge, die die Bank noch aus den Zeiten der Finanzkrise über Jahre beim Fiskus geltend macht, sind nun weniger wert. 2,4 Milliarden Dollar hat diese Abwertung die Bank gekostet. Die Ergebnisse im vierten Quartal lagen insgesamt im Rahmen der Erwartungen. Die Aktie legt derzeit gut 1,0 Prozent zu.

Konkurrent Wells Fargo hingegen steigerte den Gewinn im vierten Quartal um 18 Prozent auf 5,74 Milliarden Dollar. Die Bank aus San Francisco hatte keine so starken Verluste während der Finanzkrise gemacht und realisiert durch die Änderung der Steuersätze einen Sonderertrag von 3,35 Milliarden Dollar. Im Gegenzug wurde jedoch eine Sonderbelastung in fast gleicher Höhe ausgewiesen, wegen Rechtsstreitigkeiten nach zahlreichen Skandalen. Es wäre also viel mehr möglich gewesen, die Aktie gibt daher nach.

Einen warmen Geldregen wegen der Steuerreform verzeichnet auch der Vermögensverwalter Blackrock im vierten Quartal. Wie das Unternehmen am Freitag in New York mitteilte, schnellte der Gewinn im vierten Quartal auf 2,3 Milliarden Dollar (1,9 Milliarden Euro) in die Höhe - ein Plus von 171 Prozent. Die Aktie zieht derzeit deutlich an.

Tagessieger ProSiebenSat.1

An der Indexspitze standen am Ende ohne Nachrichten die Papiere des Medienunternehmens ProSiebenSat.1. Die Aktie, zuletzt schwer gebeutelt, legte heute 3,1 Prozent zu. Schwächer notierten Tagesverlierer Deutsche Börse sowie die Papiere von Commerzbank und Beiersdorf.

Autobauer gut im Geschäft

Mit Gewinnen gingen die Aktien der Autobauer aus dem Markt. Volkswagen hatte bereits am Morgen einen Absatzrekord in China gemeldet. Mit 3,18 Millionen Autos haben die Wolfsburger sechs Prozent mehr Fahrzeuge in dem wichtigen Markt verkauft. BMW hat 2017 global 2,1 Millionen Autos verkauft, ein Zuwachs von 4,2 Prozent. Bei Daimler lag das Plus bei der Kernmarke Mercedes bei 4,1 Prozent auf 2,5 Millionen Stück, der siebte Verkaufsrekord in Folge.

Pumas "beste Option"?

Im Rückzug des Großaktionärs Kering beim Sportartikel-Hersteller sieht Puma-Chef Björn Gulden die "beste Option" für sein Unternehmen. Kering will ihren 70-Prozent-Anteil abgeben. Die Anteile sollten unter den eigenen Aktionären verteilt werden, so Kering am Donnerstagabend. Die Franzosen würden mit 17 Prozent an dem SDax-Unternehmen beteiligt bleiben, der Streubesitz würde dadurch aber auf 55 Prozent steigen. Puma-Aktien verloren am Vormittag zeitweise bis zu 15 Prozent, grenzten die Verluste danach aber ein. Am Ende stand ein minus von 5,7 Prozent, womit die Aktie im SDax die rote Laterne hielt.

Eckdaten der Drägerwerke

Die im Prime Standard der Deutschen Börse enthaltene Aktie des Lübecker Medizin- und Sicherheitstechnikunternehmens legten nach der Bekanntgabe von Eckdaten zum Geschäftsjahr 2017 kräftig zu. Danach stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 1,9 Prozent (währungsbereinigt plus 3,2 Prozent) auf rund 2,57 Milliarden Euro. Die Ebit-Marge lag zwischen 5,8 und 6,1 Prozent nach 5,4 Prozent im Vorjahr und damit im Rahmen der Prognosen. Im Ausblick will man zukünftig wieder stärker wachsen. Basis dafür sei der gute 2017er-Auftragseingang, der um 3,1 Prozent anzog. Endgültige Zahlen sollen am 8. März veröffentlicht werden.

Chip-Hersteller unter Beobachtung

Nach der Kritik im Zusammenhang mit der jahrelangen Schwachstelle in Computer-Chips hat Intel-Chef Brian Krzanich mehr Transparenz zugesagt. Intel werde häufig über die Verbreitung der nötigen Software-Updates und ihre Wirkung auf die Leistung der Computer veröffentlichen, schrieb Krzanich in einem gestern veröffentlichten offenen Brief. Der kleinere Konkurrent AMD hat inwischen eingeräumt, dass auch seine Prozessoren nicht gegen die Sicherheitslücke immun sind. Für eines der beiden von Forschern ausgemachten Angriffsszenarien ("Spectre") könnten auch AMD-Chips anfällig sein. Die AMD-Aktie, die schon am vortag in New York deutlich verlor, steht auch aktuell gut zwei Prozent im Minus. Auch intel verlieren, wenn auch nur moderat.

Dropbox vor dem Börsengang

Der Datenspeicherdienst Dropbox hat lauf Insidern seinen Börsengang angemeldet. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg soll das IPO noch in er ersten Jahreshälfte erfolgen. Ein Börsengang von Dropbox wäre die größte Emission eines US-Technologieunternehmens seit März 2017, als der Snapchat-Betreiber Snap den Schritt gewagt hatte. Bei einer Finanzierungsrunde 2014 war die 2007 gegründete Firma aus San Francisco mit fast zehn Milliarden Dollar bewertet worden.

Facebook will mehr Freunde

Weniger news, mehr Freunde. Das ist verkürzt die neue Vision von Facebook-Chef Mark Zuckerberg der ankündigte, die Algorithmen des Unternehmens ändern zu wollen, die für die Anordnung der einlaufenden Neuigkeiten im zentralen "News Feed" verantwortlich seien. Künftig sollten sich die Produktteams nicht mehr auf relevante Inhalte fokussieren, sondern den Facebook-Mitgliedern dabei helfen, bedeutsamere soziale Begegnungen zu haben, schrieb der 33-jährige Firmengründer weiter.

Ein Plan, der an der Börse auf wenig Gegenliebe stößt. Die Faecbook-Aktie verliert zur Stunde rund 3,5 Prozent. Die Investoren sorgen sich, denn mit den Änderungen werden es Beiträge von Unternehmen, Medien und anderen Facebook-Seiten wie auch der von Parteien, schwieriger als bisher haben, in den Nachrichtenstrom der Nutzer zu kommen.

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Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 19. Februar

Unternehmen:
Reckitt Benckiser: Q4-Zahlen, 08:00 Uhr
Bertrandt: Q1-Zahlen, 7:15 Uhr

Konjunktur:
Frankfurt: Leistungsbilanz Euro-Zone, Dezember, 10 Uhr
Brüssel: Treffen der Eurogruppe mit EZB-Präsident Draghi

Sonstiges:
New York, China, HK, Korea: Börse wegen Feiertags geschlossen

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