Griechenland schüttelt den Dax

Stand: 09.02.2010, 20:01 Uhr

Die Schuldenkrise in Griechenland zerrt gehörig an den Nerven der Investoren. Widerstreitende Nachrichten zum Ernst der Lage und der Bereitschaft der EU zu helfen hoben den Dax mal nach oben, dann radikal ins Minus. Sogar die Wall Street ließ sich vom Griechenlandfieber anstecken.

Dass der Aktienmarkt die gegenwärtige Schuldenkrise in der EU sehr ernst nimmt, wurde am deutlichsten, als am späteren Nachmittag der Dax plötzlich seine bis dahin angesammelten Gewinne abgab und deutlich im Minus notierte. Zuvor hatte die Ratingagentur Fitch gesagt, auch das "AAA"-Rating von Großbritannien sei gefährdet.

Dass sich die Kurse später wieder erholten, und dass der LDax gegenüber Xetraschlusskurs (plus 0,2 Prozent auf 5.498 Punkte) noch fast 50 Punkte gutmachte, lag vor allem daran, dass sich am Markt die Gewissheit durchsetzte, dass es zumindest für Griechenland eine wie auch immer geartete Hilfe der EU geben werde. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte Regierungskreise, wonach diese Hilfen so gut wie beschlossen seien.

Die Wall Street baute, auch wegen dieser Hoffnungen für Griechenland, ihre Kursgewinne im Verlauf erheblich aus. Als in Frankfurt der Parketthandel beendet wurde, notierte der Dow Jones fast zwei Prozent höher. Auch der Euro verteuerte sich sichtlich, er legte um mehr als einen US-Cent zu.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,85
Differenz relativ
-0,15%

Gute Bankenstimmung
Beste Aktie im Dax war die Deutsche Bank mit einem Kursgewinn von 2,8 Prozent. Händler verwiesen auf die gute Quartalsbilanz der Schweizer Bank UBS. Diese hatte nach vier Quartalen mit Verlusten wieder einen Gewinn gemeldet, und zwar 1,2 Milliarden Franken im vierten Quartal.

MAN ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
90,30
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MAN und Stahlwerte ebenfalls gefragt
Auch die Aktien von MAN, ThyssenKrupp und Salzgitter legten am Dienstag zu. Bei den Stahlwerten sorgte die Ankündigung von Salzgitter, die Kurzarbeit zu verringern und die Preise für Flachstahl zu erhöhen, für die nötige Kauflaune. MAN profitierte von einer Analystenstudie der UBS. Die Analysten hatten die Aktie zum Kauf empfohlen, und dies damit begründet, dass MAN wegen der festgefahrenen Übernahmesituation zwischen MAN und Scania unterbewertet sei.

SAP-Vorstandswechsel wirkt nach
Unter Druck blieben am Dienstag SAP-Aktien, die den zweiten Tag in Folge stark abgaben. Hier belastete weiter der überraschende Chefwechsel, SAP-Papiere verloren 2,5 Prozent.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,42
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Lufthansa befördert wieder mehr
Lufthansa-Aktien verloren 0,6 Prozent, obwohl die Firma deutlich gestiegene Passagierzahlen veröffentlichte. 23,6 Prozent mehr Menschen flogen im Januar mit der Lufthansa, der Sitzladefaktor schrumpfte leicht um 1,4 Prozent. Die sehr schwache Bilanz des skandinavischen Konkurrenten SAS belastete jedoch die Branche: SAS hatte einen Verlust von 150 Millionen Euro gemeldet und eine Kapitalerhöhung angekündigt. Die Aktie brach in Stockholm ein.

Bilanzen von Qiagen und Freenet
Aus dem TecDax legten der Biotech-Zulieferer Qiagen und der Mobilfunkbetreiber Freenet Zahlen vor. Qiagen setzte 2009 erstmals mehr als eine Milliarde Dollar um, der Gewinn je Aktie erreichte 0,93 Dollar. Für 2010 erwartet Qiagen etwa gleichbleibende Gewinne, der Umsatz soll aber prozentual zweistellig wachsen. Freenet übertraf mit einem Ergebnis von 393 Millionen Euro für 2009 die Analystenprognose deutlich. Der Umsatz erreichte 3,65 Milliarden Euro, Aktionäre sollen eine Dividende von 20 Cent je Aktie erhalten. Freenet-Papiere gewannen mehr als fünf Prozent.

Centrotherm wird empfohlen
Aktien des Solarkonzerns Centrotherm verteuerten sich um 10,1 Prozent. Die Citigroup hatte am Dienstag das Papier zum Kauf empfohlen und angemerkt, dass sich die Auftragslage in Asien gebessert habe.

Gerresheimer, Heideldruck, Douglas und Demag
Der Handelskonzern Douglas meldete für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen verbesserten Gewinn von 96 Millionen Euro, was deutlich mehr war als erwartet. Heidelberger Druck schrieb das siebte Mal in Folge Verluste, enttäuschte aber trotzdem nicht. Auch Umsatz und Auftragseingang waren besser als erwartet. Die Aktie stieg um vier Prozent. Die Demag-Aktie hingegen schloss leicht schwächer, weil Gewinn und Umsatz des Kranherstellers im ersten Quartal massiv unter dem Vorjahresniveau lagen. Auch der Auftragseingang ging um ein Drittel zurück. Der Verpackungshersteller Gerresheimer erzielte im November abgelaufenen Geschäftsjahr einen etwa unveränderten Umsatz von 970 Millionen Euro, das operative Ergebnis ging leicht zurück. Der Ausblick enttäuschte jedoch, die Aktie verlor fast drei Prozent.

GrenkeLeasing unter Erwartung
Der Hard- und Softwarevermieter GrenkeLeasing aus dem SDax hat 2009 seine eigenen Ziele verfehlt. Von mindestens 25 Millionen Euro erwarteten Gewinns blieben am Ende 24,8 Millionen übrig. Das Geschäft mit Neukunden schrumpfte erheblich auf knapp 500 Millionen Euro.

Singulus im Plan
Außerhalb der Indizes legte unter anderem der Spezialmaschinenbauer Singulus seine Jahresbilanz vor. Zwar halbierte sich 2009 der Umsatz auf 116 Millionen Euro, nach Firmenangaben sei dies so erwartet worden. Angaben zum Gewinn machte das einst im TecDax notierte Unternehmen nicht.

Bilanzen aus Amerika
Aus den USA erreichten die Anleger unter anderem die Geschäftsberichte von Biogen Idec und Coca Cola. Dem Biotechnologieunternehmen Biogen Idec gelang es, im vierten Quartal seinen Gewinn um fast die Hälfte zu steigern, der Umsatz legte nur leicht um fünf Prozent zu. Und der Limonadenhersteller Coca Cola berichtet über einen ebenfalls um die Hälfte gestiegenen Gewinn auf 1,5 Milliarden Dollar im vierten Quartal. Der Umsatz legte leicht auf 7,5 Milliarden Dollar zu.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr