Griechenland-Hoffnungen beflügeln

Robert Minde

Stand: 08.03.2012, 20:02 Uhr

Den ganzen Tag über hielten sich die Meldungen, der griechische Schuldenschnitt werde ein Erfolg. Die Anleger hörten es gerne, der Dax legte kräftig zu. Morgen, am Freitag, schlägt dann die Stunde der Wahrheit.

Die Aussicht darauf, dass eine ungeordnete Staatspleite Griechenlands verhindert werden kann, hat dem deutschen Aktienmarkt am Donnerstag zu kräftigen Kursgewinnen verholfen. Der deutsche Leitindex legte um 2,4 Prozent auf 6.834 Punkte zu und schloss damit nahe des Tageshochs bei 6.838 Zählern. Im Tief stand der deutsche Leitindex bei 6.703 Punkten. Nachbörslich bewegte sich wenig, der L/E-Dax beendete den Handel bei 6.837 Punkten.

Schuldenschnitt scheint zu klappen
Griechische Regierungsvertreter sprachen am Abend von Teilnahmequoten beim Schuldentausch von über 75 Prozent. Damit wäre eine Staatspleite erst einmal abgewendet. Für den Aktienmarkt ist es vor allem wichtig, dass der Schuldenschnitt überhaupt gelingt - sollte dies auch noch ohne Zwangsbeteiligung aller Gläubiger möglich sein, wäre dies wohl das Optimum für die Kurse.

"So lange das Damoklesschwert einer Griechen-Pleite über dem Markt hängt, verschwindet die Unsicherheit nicht. Kommt am Freitag etwas Positives aus Athen, dann wird der Markt eine Rally hinlegen", erwarteten die Händler der WestLB. Heute Abend um 21.00 Uhr endet die Frist für die Abgabe von Tauschangeboten der Privatgläubiger für griechische Anleihen. Morgen früh um 7.00 Uhr will die griechische Regierung voraussichtlich das genaue Ergebnis bekanntgeben.

Fast nur Gewinner
Verlierer gibt es kaum im Dax, lediglich Lufthansa verloren 0,8 Prozent. Die Fluglinie hatte für 2011 einen Nettoverlust von 13 Millionen Euro bekannt gegeben und wurde von den Anlegern entsprechend abgestraft.

Spitzenreiter war die Deutsche Post mit einem Zuwachs von rund 5,5 Prozent, auch Daimler, Henkel und Deutsche Bank waren gesucht. Bei der Deutschen Bank verdichten sich die Anzeichen, dass das neue Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen nach dem Abgang von Josef Ackermann im Mai einen Radikalumbau des Vorstandes plant. Deutsche Regierungspolitiker äußerten sich in diesem Zusammenhang besorgt, weil wohl ausschließlich Investmentbanker an die Spitze kommen sollen.

EZB-lässt Zinsen unverändert
Keine größeren Auswirkungen auf das Handelsgeschehen hatte die Zinsentscheidung der EZB. Die Notenbank lässt wie erwartet ihren Zinssatz unverändert bei einem Prozent. Notenbankpräsident Mario Draghi, wies auf eine sich stabilisierende Wirtschaftaktivität hin, die Unsicherheit bleibe aber. Draghi sieht erhöhte Inflationsgefahren, die Rate werde wohl über zwei Prozent bleiben. Die Analysten der Landesbank Hessen-Thüringen sehen die EZB in einer abwartenden Position. Aktuell gebe es keine Anzeichen für weitere geldpolitische Lockerungen.

Deutsche Unternehmen produzieren mehr
Die überraschend positiven Produktionszahlen der deutschen Unternehmen haben den Markt ebenfalls zwar unmittelbar kaum bewegt, sie stützen aber ebenfalls die freundliche Tagestendenz. Die Produktion stieg im Januar um 1,6 Prozent, erwartet worden war nur ein Wachstum von einem Prozent. "Die deutsche Wirtschaft wird sich in den kommenden Monaten nicht nur stabilisieren, sondern erholen", sagte Citigroup-Analyst Jürgen Michels.

Wall Street legt zu
Die US-Märkte behaupten sich am Abend nach positiven Wirtschaftsmeldungen aus Deutschland und Japan im Plus. Allerdings fällt der Anstieg etwas weniger euphorisch aus als in Europa. Auch die Lage in Griechenland trägt zur guten Stimmung an der Street bei. Der Dow-Jones-Index liegt aktuell knapp 0,6 besser bei 12.911 Punkten. Besser sieht es beim S&P-500-Index aus, der 0,9 Prozent zulegt, die Technologiebörse Nasdaq liegt sogar 1,1 Prozent vorne.

Der Markt trotzt damit den etwas schlechter als erwartet ausgefallenen Arbeitsmarktdaten. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung lagen bei 362.000 Anträgen, etwas höher als die erwarteten 351.000.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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BMW überrascht mit Jahreszahlen
Der Aktie des Autobauers legt nach wechselhaftem Handelsverlauf am Handelsende 1,5 Prozent zu. Das Zahlenwerk war am Morgen zunächst auf Skepsis gestoßen, ein Händler sagte: "Insgesamt liegen die Zahlen etwas unter den Erwartungen." Der Überschuss sei um mehr als die Hälfte auf 4,9 Milliarden Euro geklettert, Analysten hatten 5,17 Milliarden erwartet. Der Umsatz erhöhte sich um 13,8 Prozent auf 68,8 Milliarden Euro. Die Dividende will der Dax-Konzern nun auf 2,30 Euro je Aktie anheben. Im Jahr zuvor waren es noch 1,30 Euro.

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Post stark gesucht
Der Wirtschaftsboom in Asien und ein starkes Paketgeschäft in Deutschland haben der Deutschen Post im vergangenen Jahr einen kräftigen Gewinnzuwachs beschert: Der Umsatz erhöhte sich um 2,8 Prozent auf 52,8 Milliarden Euro, der Überschuss um gut 50 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro. Die Dividende soll um 5 Cent auf 70 Cent steigen. Marktteilnehmer sagten, der gute Ausblick und der Dividendenvorschlag würden das Papier beflügeln.

Henkel VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Henkel leicht unter Erwartungen...
... dabei verbuchte der Konzern einen Rekordgewinn. Die Umsatzzahlen und das bereinigte Ebit für das vierte Quartal hätten allerdings unter den Erwartungen gelegen, schrieb DZ-Bank-Analyst Thomas Maul. Die Anleger griffen nach anfänglicher Zurückhaltung aber trotzdem zu, die Aktie gehört mit einem Plus von 4,6 Prozent zu den Tagessiegern im Dax.

Der Überschuss nach Anteilen Dritter legte 2011 um 12,1 Prozent auf 1,25 Milliarden Euro zu. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) verbesserte sich um neun Prozent auf mehr als zwei Milliarden Euro und der Umsatz erreichte mit 15,6 Milliarden Euro ebenfalls einen neuen Rekordwert. Die Aktionäre will Henkel am Gewinnanstieg mit einer höheren Dividende beteiligen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Bank bei Facebook an Bord
Die Deutsche Bank arbeitet beim milliardenschweren Facebook-Börsengang mit. Als eine von insgesamt elf Emissionsbanken werden die Frankfurter die Aktien des sozialen Netzwerks unter die Anleger bringen. Facebook enthüllte die Beauftragung am Mittwoch in seinem überarbeiteten Börsenprospekt. Wann der Börsengang nun genau stattfindet und zu welchem Preis die einzelne Aktie angeboten wird, ist weiter offen. Mit erwarteten Einnahmen von rund fünf Milliarden Dollar wird der Facebook-Börsengang der größte einer Internetfirma überhaupt. Zusammen mit den Anteilen, die bei den Alteigentümern wie Gründer Mark Zuckerberg verbleiben, wird der gesamte Firmenwert auf bis zu 100 Milliarden Dollar hochgejubelt.

Gewinn- und Kurssprung bei EADS
An der Spitze der mittelschweren Werte lagen EADS-Anteile, die sich um mehr als zehn Prozent verteuern. Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hat im Jahr 2011 Umsatz und Gewinn kräftig gesteigert. Der Umsatz erhöhte sich um 7 Prozent auf 49,1 Milliarden Euro. Der Nettogewinn stieg um 87 Prozent auf 1,03 Milliarden Euro. Für die Zukunft zeichnen sich noch bessere Geschäfte der Airbus-Muttergesellschaft ab: Die Auftragseingänge stiegen 2011 um 58 Prozent auf 131 Milliarden Euro.

Fraport kappt Prognose
Fraport profitierte von einem kräftigen Passagierplus in Frankfurt und an den Auslandsflughäfen des Konzerns in Antalya (Türkei) und Lima (Peru). Der Konzernumsatz kletterte um acht Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 13 Prozent auf 802 Millionen Euro zu, verfehlte aber die Erwartungen der Branchenexperten. Die Dividende soll mit 1,25 Euro je Aktie so hoch ausfallen wie ein Jahr zuvor. Wegen des schwelenden Tarifkonflikts kappt der Konzern seine Wachstumsprognose für 2012.

Manz-Aktie schießt nach oben
Florierende Geschäfte mit der Flachbildschirm-Industrie haben dem Spezialmaschinenbauer Manz im vergangenen Jahr durch die Solarkrise geholfen. Der Umsatz kletterte nach vorläufigen Zahlen um über 30 Prozent auf den Rekordwert von 240,5 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis (Ebit) legte von 0,6 Millionen auf 3,1 Millionen Euro zu. Im Geschäft mit Anlagen für die Produktion von Flachbildschirmen und Touchpanels für Tablet-PCs und Smartphones schnellten die Erlöse 2011 um knapp 70 Prozent auf 98,5 Millionen Euro. Im Solar-Segment legte der Umsatz trotz der Branchenkrise um 10,5 Prozent auf 72,6 Millionen Euro zu. Die Titel schossen um mehr als zehn Prozent kräftig in die Höhe.

Tomorrow Focus zahlt jetzt sechs Cent
Der Internetkonzern Tomorrow Focus vermeldet im Geschäftsjahr 2011 eine deutliche Umsatz- und Ergebnissteigerung. Der Umsatz wächst um 20 Prozent, das operative Ergebnis steigt um rund ein Drittel. Nach fünf Cent im Vorjahr sollen nun sechs Cent Dividende gezahlt werden. Der Gewinn verbesserte sich auf 11,2 Millionen Euro nach bereinigt 7,2 Millionen Euro im Vorjahr.

Telegate-Zahlen kommen nicht gut an
Die Jahreszahlen des im Frankfurter Prime Standard notierten Unternehmens kommen nicht gut an, die Aktie verliert über fünf Prozent. Die Geschäftsentwicklung im Jahr 2011 war zweigeteilt. Während der Bereich Media, der für gut eine Drittel der Umsätze steht, zulegen konnte, lief es im klassischen Auskunftsgeschäft weniger gut. Das Konzern Ebitda vor Sondereffekten fiel mit 14,7 Millionen Euro rund ein Drittel geringer aus als im Vorjahr. Der Dividendenvorschlag liegt bei 0,35 Euro. 2012 erwartet das Unternehmen ein Ebitda vor Sondereffekten zwischen zehn und zwölf Millionen Euro.

SMT Scharf auf gutem Weg
Der Spezialist für entgleisungssichere Bahnsysteme im Bergbau berichtet über ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2011. Nach endgültigen Zahlen legte der Umsatz um 23 Prozent auf 82,1 Millionen Euro nach 66,7 Millionen Euro im Vorjahr. Das Ebit wuchs überproportional um 31 Prozent auf 14,5 Millionen Euro. Auch für das laufende Jahr zeigte sich Firmenchef Friedrich Trautwein zuversichtlich. Die Nachrichten kommen gut an, bei regem Umsatz steigt die im Prime Standard der Frankfurter Börse notierte Aktie fast vier Prozent.

Ahlers setzt auf Qualität
Das Männermodehaus aus dem ostwestfälischen Herford hat im Geschäftsjahr 2010/11 (per 30. November) den Umsatz um 2,2 Prozent auf 256,2 Millionen Euro gesteigert. Das Konzernergebnis stieg um 18,8 Prozent auf 10,1 Millionen Euro. Die Dividende soll für die Stammaktien von 0,55 auf 0,65 Euro und für die Vorzüge von 0,60 auf 0,70 Euro angehoben werden.

Zu Ahlers gehören so bekannte Namen wie Pierre Cardin, Baldessarini und Otto Kern. Gerade dieses hochwertige Segment war besonders gewachsen. Zukünftig will Ahlers mehr über eigene Läden vertreiben und folgt damit einem Branchentrend. Sowohl die Stamm- als auch die Vorzugsaktien legen an der Frankfurter Börse leicht zu. Der Streubesitz liegt bei gut 23 Prozent.

Schaltbau erhöht die Dividende deutlich
Es läuft rund beim Münchener Unternehmen. 2011 stieg der Umsatz um 13,6 Prozent und das Ergebnis legte von 12,1 auf 18,7 Millionen Euro ebenfalls deutlich zu. Die Aktionäre sollen eine von 1,10 auf 1,80 Euro je Aktie deutlich erhöhte Dividende erhalten. Dies kündigte Schaltbau nach Börsenschluss an. Die Aktie, die während des Xetra-Handels 0,5 Prozent abgab, legte nachbörslich zu.

Carrefour hat weniger zu verteilen
Der Metro-Konkurrent Carrefour hat nach einem Gewinnrückgang die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr kräftig gekürzt. Nach 1,08 Euro pro Anteilsschein, die im Jahr 2010 an die Aktionäre flossen, will der französische Konzern für 2011 nur noch 0,52 Euro zahlen. Der Gewinn ging im vierten Quartal auf 371 Millionen Euro zurück. Im Vorjahr standen noch 433 Millionen Euro in der Bilanz. Damit übertraf Carrefour aber die durchschnittliche Analystenerwartung von 342 Millionen Euro. Die Aktie knickt knapp ein Prozent ein.

Air France-KLM macht operativen Verlust
Der Lufthansa-Rivale ist im vergangenen Jahr in die Verlustzone geflogen. Die französisch-niederländische Fluggesellschaft wies am Donnerstag für 2011 einen operativen Fehlbetrag von 353 Millionen Euro aus. Im Jahr zuvor stand noch ein Plus von 28 Millionen Euro in den Büchern. Wegen der Unsicherheiten im Zusammenhang mit den steigenden Treibstoffpreisen wagte das Unternehmen für dieses Jahr keine konkrete Prognose. Zudem verzichtet Air France auf die Zahlung einer Dividende.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr