Griechenland belastet schon wieder

Stand: 03.10.2011, 19:45 Uhr

Neue schlechte Nachrichten aus Griechenland haben die Aktienmärkte im Feiertagshandel erheblich belastet. Nur kurz schafft es der Dax dank besser als erwartet ausgefallener US-Konjunkturdaten seine Verluste zu reduzieren. Doch am Abend meldet sich die Skepsis zurück.

Am Ende schließt der deutsche Leitindex 125 Punkte (2,3 Prozent) tiefer als am Freitag bei 5.376 Punkten. Auf der Suche nach sicheren Anlagehäfen deckten sich Investoren mit Bundesanleihen und Gold ein.

Am Morgen hatte die Meldung, dass Griechenland in diesem Jahr die von der EU geforderten Sparziele verfehlen werde, den Dax sogar um mehr als vier Prozent auf 5.289 Punkte einbrechen lassen. Am Nachmittag sorgen dann US-Konjunkturdaten für eine leichte Beruhigung, so dass der Dax seine Verluste bis auf 5.437 Punkte eingrenzen kann.

Am Abend weiten sich die Verluste erneut aus, weil die Kurse auch an der Wall Street auf Talfahrt gehen. Wegen dem besser als erwartet ausgefallenen ISM-Index war der Dow Jones-Index kurzzeitig sogar ins Plus gedreht. Danach überlagert jedoch wieder die Euro-Krise das Geschehen und sorgt für einen Rückfall des Börsenbarometers ins Minus unter die Schwelle von 10.800 Punkten.

In den USA hat sich die Stimmung der Einkaufsmanager in der Industrie im September entgegen den Erwartungen aufgehellt. Der entsprechende Index sei von 50,6 Punkten im Vormonat auf 51,6 Zähler gestiegen, teilte das Institute for Supply Management (ISM) mit. Volkswirte hatten hingegen mit einem Rückgang auf 50,5 Punkte gerechnet. Der ISM-Index gilt als zuverlässiger Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität in den USA.

Euro und Öl runter
Am Devisenmarkt ist der Euro am Abend auf ein Neun-Monats-Tief von 1,326 Dollar gefallen. "Die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands ist eine Büchse der Pandora, die niemand öffnen will", sagte Analyst Teppei Ino von der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ. "Während einige Märkte dies schon eingepreist zu haben scheinen, sieht es so aus, als ob der Euro noch einiges vor sich hat."

Auch die Ölpreise sind am Montag wegen der Sorge um Griechenland gefallen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November kostete zuletzt 99,96 Dollar. Das waren 92 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI (West Texas Intermediate) sank um 0,73 Dollar auf 78,47 Dollar. Bereits zum Wochenausklang hatten die Ölpreise kräftig nachgegeben.

"Die Märkte gehen weiterhin davon aus, dass die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands unabwendbar und es eher die Frage des wann statt des ob ist", sagte Anlage-Stratege Nick Stamenkovic von RIA Capital Markets.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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-1,40%

Anleger verschmähen Finanzwerte
Die Nachrichten aus Griechenland setzen den Banktiteln heftig zu. Angeführt wird die Liste der Verlierer deshalb von der Commerzbank, die mehr als sieben Prozent einbüßt. Auch die im MDax notierte Aareal Bank muss mehr als sechs Prozent abgeben. Die Allianz verliert ebenfalls überdurchschnittlich, während Munich Re und Deutsche Bank in etwa wie der Gesamtmarkt abschneiden.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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73,74
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-0,62%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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143,92
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-2,52%

China-Angst lässt Autos einbrechen
Verluste von teilweise über fünf Prozent müssen auch die Papiere von BMW und Volkswagen hinnehmen. Damit reagieren die Anleger auf die Furcht vor einer kräftigen Eintrübung der weltweiten Konjunktur, besonders in China.

Dabei hat Volkswagen im September in den USA ein kräftiges Verkaufsplus eingefahren. Der Absatz stieg um 35,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 27.036 Fahrzeuge, wie das Unternehmen am Montag in Herndon mitteilte. Nach neun Monaten im laufenden Jahr kommt der Wolfsburger Autobauer in den USA auf 235.459 abgesetzte Wagen. Dies entspricht einem Zuwachs von 22,2 Prozent.

Maisbestände drücken K+S
K+S gehören mit einem Minus von gut fünf Prozent ebenfalls zu den größten Verlierern im Dax. Händler verwiesen auf die besonders schwachen Vorgaben für den Sektor - am Freitag waren die Aktien des US-Düngemittelherstellers Mosaic um 9,65 Prozent abgerutscht auf den tiefsten Stand seit August 2010. Händler hatten das starke Minus mit einem negativ aufgenommenen Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums USDA begründet, in dem überraschend hohe Mais-Bestände ausgewiesen worden waren. Das lasse negative Rückschlüsse auf die Düngemittelnachfrage zu.

Dexia in der Griechen-Falle
Für die stark in Griechenland engagierte Bank Dexia wird die Luft immer dünner. Am Morgen drohte die Ratingagentur Moody's mit einer Herabstufung des französisch-belgischen Finanzkonzerns. Noch am Abend wollte der Dexia -Verwaltungsrat Kreisen zufolge zu einer Sitzung zusammenkommen. Moody's äußerte Zweifel an der Fähigkeit des Instituts, sich frisches Geld zu besorgen. Gleichzeitig wuchsen durch die neuen Rückschläge auf Griechenlands Sparkurs die Befürchtungen, dass Dexia seine Kapitaldecke aufstocken muss.

Kuka rutschen trotzdem ab
Im MDax gehört Kuka zu den schwächsten Werten mit einem Kursverlust von über drei Prozent. Dabei hat der Roboterbauer Kuka seine Prognose für 2011 bekräftigt. "Wir halten daran fest, in diesem Jahr 1,3 Milliarden Euro Umsatz einzufahren und eine operative Marge von mehr als fünf Prozent zu erreichen. Damit werden wir auch wieder in die Gewinnzone zurückkehren", sagte Vorstandschef Till Reuter der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Aldi beflügelt Südzucker
Dagegen gehören die Aktien von Südzucker zu den wenigen Gewinnern im MDax. Grund ist angeblich die Entscheidung von Aldi Süd, den Zuckerpreis deutlich anzuheben.

Deutsche Wohnen kauft zu
Abwärts geht es dagegen mit der Aktie des im MDax notierten Immobilienunternehmens Deutsche Wohnen. Die Firma hat im dritten Quartal rund 2.600 Wohnungen gekauft, zu einem Preis von rund 154 Millionen Euro. Die Zukäufe sollen einen Beitrag vor Steuern von rund 13 Millionen Euro zur in der Branche bedeutenden Kennzahl Funds from Operations (FFO) haben, der im vollen Umfang ab dem kommenden Jahr wirksam wird.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"