Griechenland auf der Zielgeraden

Robert Minde

Stand: 07.02.2012, 20:01 Uhr

Der Dax präsentiert sich trotz des weiter ungelösten griechischen Dramas weiter erstaunlich robust. Der Index behauptet nach wechselvollem Handel sein hohes Niveau.

Am deutschen Aktienmarkt ist unter dem Strich nicht viel passiert. Der Dax beendet den Handelstag mit einem leichten Minus von 0,15 Prozent bei 6.754 Punkten. Im späten Geschäft folgte der Index einer ansteigenden Wall Street, verpasste aber knapp den Sprung in positives Terrain.

Insgesamt betrug die Schwankungsbreite im Index aber gut 100 Punkte, es war insgesamt ein wechselhafter Handelsverlauf. Das Tageshoch lag bei 6.788, das Tagestief bei 6.682 Zählern. Nachbörslich tat sich nicht mehr viel, der L/E-Dax schloss nahezu unverändert bei 6.755 Punkten. Bewegung gab es hingegen beim Euro. Die Gemeinschaftswährung legte in Erwartung einer Entscheidung zu und übersprang die Marke von 1,32 Dollar.

"Die Zitterpartie um Griechenland lähmt die Börsen", hieß es in einem aktuellen Kommentar der Landesbank Baden-Württemberg. Eine Einigung Griechenlands mit der sogenannten Troika und den privaten Gläubigern ist nach Einschätzung von EU-Kommissionpräsident Jose Manuel Barroso aber "sehr nah". Anderenfalls ist das Land bis Ende März pleite. Auch Bundeskanzlerin Merkel äußerte sich auf einer Tagung der CDU-Fraktion und hält eine Einigung bis Donnerstag für möglich.

Entscheidung verschoben
Das Treffen der griechischen Parteispitzen ist derweil überraschend auf Mittwoch verschoben worden, wie nach Börsenschluss bekannt wurde. Ursprünglich wollten die Chefs der Regierungsparteien am Abend zusammenkommen, um die Sparauflagen der internationalen Geldgeber zu billigen. Danach müssen noch der Ministerrat und das Parlament zustimmen. Die Einigung der griechischen Parteien ist Voraussetzung für weitere internationale Hilfen.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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K+S

K+S: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Autoaktien unter Druck
Im Dax standen die bisher so erfolgsverwöhnten Autoaktien auf der Verliererseite. Händler verweisen auf Äußerungen der chinesischen Regierung, wonach sich das Wachstum der Industrieproduktion in China abschwäche. Zudem seien Gewinnmitnahmen zu beobachten, hieß es weiter. Zu den Gewinnern gehörte unter anderem der Düngemittelkonzern K+S nach guten Zahlen des norwegischen Konkurrenten Yara und einem positiven Analystenkommentar. Im MDax kamen Aareal Bank nach einem negativen Analystenkommentar stärker unter Druck.

Wall Street dreht leicht ins Plus
An den US-Börsen haben Hoffnungen auf eine Einigung in Griechenland für Auftrieb gesorgt. Der Dow Jones-Index, der am Vormittag wegen der Sorgen um Europa und schlechten Nachrichten aus China im Minus gestanden hatte, ist mittlerweile leicht ins Plus gedreht. Damit setzt der Index seine jüngste Rally fort und stand zwischenzeitlich mit 12.888 Punkten auf dem höchsten Stand seit Mai 2008.

Damit trotzt der Aktienmarkt auch weiterhin einer bisher uneinheitlichen Berichtssaison. Bisher haben von den 290 Unternehmen aus dem S&P-500-Index, die bisher berichtet haben, 60 Prozent die Erwartungen übertroffen. Damit liegt die Quote aber unter dem Wert vergangener Quartale.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Steht das Ende der Eurohypo bevor?
Nach Berichten aus Finanzkreisen will die Commerzbank das Kapitel Eurohypo so schnell wie möglich beenden. Dazu will sie dem EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia anbieten, die gewerbliche Immobilienfinanzierung drastisch auf 25 bis 30 Milliarden Euro zurückzufahren. Der Rest des Geschäfts soll in der Kernmarke Commerzbank aufgehen.

Die EU-Kommission hatte von der Commerzbank einen Verkauf der verlustträchtigen Immobilientochter bis spätestens 2014 verlangt. Im Gegenzug würden die milliardenschweren Staatshilfen für die Bank genehmigt werden. Ob Almunia zustimmt, ist noch unklar. Die Eurohypo gilt derzeit am Markt als unverkäuflich. Die Spekulation hat die Commerzbank-Aktie am Nachmittag beflügelt, das Papier führt den Dax als Tagessieger mit einem Zuwachs von 3,2 Prozent an.

Oracle jagt SAP
Der amerikanische Softwarekonzern Oracle will ein Gerichtsverfahren gegen den deutschen Konkurrenten SAP wegen Urheberrechtsverletzung wieder aufrollen. Der US-Konzern kündigte an, dass er die von einer Richterin reduzierte Strafzahlung zurückweise. Im September des vergangenen Jahres hatte die Richterin ein vorläufiges Urteil gegen SAP kassiert. Dieses hatte die Zahlung von 1,3 Milliarden Dollar vorgesehen. Der Betrag sei "extrem übertrieben", begründete Richterin Phyllis Hamilton ihr Vorgehen. Oracle habe nur Schäden in Höhe von 272 Millionen Dollar nachgewiesen. Die SAP-Aktie zeigt sich wenig beeindruckt und schließt wenig verändert.

Lufthansa-Sparprogramm nimmt Formen an
Das neue Sparprogramm der Kranich-Airline heißt "Score" und soll bis zum Jahr 2014 zu einer Ergebnisverbesserung von mindestens 1,5 Milliarden Euro führen. "Die deutlich höheren Ergebnisse benötigen wir, um anstehende Investitionen in Flotte, innovative Produkte für unsere Kunden und Perspektiven für unsere Mitarbeiter finanzieren zu können", sagte Lufthansa-Chef Christoph Franz, der das Programm Führungskräften im Unternehmen vorstellte.

UBS

UBS: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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14,06
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UBS-Gewinn bricht ein
Der Überschuss der Schweizer Bank brach 2011 um 44 Prozent auf 4,2 Milliarden Franken ein. Die Erträge fielen um 13 Prozent auf 27,9 Milliarden Franken. Damit verfehlte die Bank bei beiden Werten die Erwartungen der Analysten deutlich. Die Schweizer Großbank UBS rechnet nach einem durch den Zocker-Skandal und die Schuldenkrise verhagelten Jahr 2011 weiter mit schweren Zeiten.

ArcelorMittal leidet auf hohem Niveau
Der weltgrößte Stahlkonzern ArcelorMittal hat Ende 2011 die sich abschwächende Weltkonjunktur zu spüren bekommen. Das operative Ergebnis (Ebitda) ging im vierten Quartal um rund 7,5 Prozent auf 1,7 Milliarden US-Dollar zurück. Damit traf es aber die Erwartungen von Analysten. Im Gesamtjahr profitierte ArcelorMittal von einer guten ersten Hälfte Unter dem Strich verdiente der Konzern 2,3 Milliarden Dollar, rund ein Viertel weniger als 2010. Die Aktie legt gut zwei Prozent zu.

Centrotherm führt TecDax an
Centrotherm-Titel legen als Tagessieger im TecDax 4,1 Prozent auf 12,74 Euro zu. Händler verwiesen auf einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, wonach der Solar-Zulieferer einen Großauftrag von Idea Polysilicon für eine integrierte Polysilizium/Wafer-Fertigung in Saudi-Arabien erhalten habe. Analyst Sven Kürten von der DZ Bank schätzt den potenziellen Centrotherm-Anteil auf einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag. Das sei ein sehr großer Auftrag, sagte Kürten. Er bleibt bei seiner Einstufung "Kaufen" mit dem fairen Wert 16,00 Euro.

Fielmann: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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50,75
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Anleger trennen sich von Fielmann
Die Optikerkette Fielmann steigerte den Umsatz im Gesamtjahr auf 1,05 Milliarden Euro nach 994 Millionen Euro im Vorjahr. Der Jahresüberschuss liege bei 124 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte Fielmann unter dem Strich 120,8 Millionen erwirtschaftet. Einem Händler zufolge liegen sowohl der Umsatz als auch der Gewinn bei der Optikerkette etwas unter den aktuellen Markterwartungen. Die Aktie sei zuletzt gut gelaufen und habe am Widerstand bei 80,00 Euro an Fahrt verloren, sagte ein Händler. Die Aktie gab im MDax deutlich um 6,8 Prozent nach.

Tui

Tui: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,26
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-3,57%

Licht und Schatten bei Tui-Travel
Um drei Prozent ging es für die in London notierte Aktie der Tui-Tochter bergab, nachdem das Unternehmen im ersten Geschäftsquartal zwischen Oktober und Dezember weiter in den roten Zahlen steckt. Zwar fiel der Verlust mit 103 Millionen Pfund geringer aus als erwartet, trotzdem belastet das rückläufige Nordafrika-Geschäft weiterhin die Bilanz. Auch Griechenland-Buchungen waren rückläufig. Positiv hingegen die Tendenz bei den Online-Buchungen, die zugelegt haben. In Frankfurt sind die Anleger optimistischer als in London, die Tui-Aktie liegt im MDax 3,2 Prozent zu.

HHLA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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20,24
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-0,30%

HHLA-Zahlen verpuffen
HHLA-Titel fielen im MDax um 1,6 Prozent zurück. Der Containerboom hat dem Hamburger Hafenbetreiber HHLA im abgelaufenen Jahr einen Umsatz und Gewinnsprung beschert. Der Umsatz im börsennotierten Konzernteil Hafenlogistik wuchs um 14 Prozent auf knapp 1,2 Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Das Betriebsergebnis (Ebit) legte um acht Prozent auf 195 Millionen Euro zu. Damit lag es knapp unter der Zielvorgabe von 200 Millionen und den Erwartungen der Analysten, die 197 Millionen Euro erwartet hatten. Der Containerumschlag wuchs um 21 Prozent.

Tag-Immobilien macht Übernahmeangebot
Das Unternehmen hat nach Börsenschluss den außenstehenden Aktionären des Bau-Vereins Hamburg ein Übernahmeangebot für die ausstehenden Aktien gemacht. Tag-Immobilien, das bereits 93,21 Prozent am Bau-Verein Hamburg hält, bietet den Aktionären 4,50 Euro je Aktie. Die Angebotsfrist dauert vom 9. Februar bis zum 10. März.

Swatch mit Rekordgewinn
Der weltgrößte Uhrenhersteller Swatch hat dank der ungebremsten Nachfrage nach Luxusgütern im abgelaufenen Jahr einen Rekorderlös erzielt. Der Reingewinn kletterte 2011 um 18,1 Prozent auf 1,28 Milliarden Franken. Den Umsatz für das abgelaufene Jahr hatte Swatch bereits im Januar mit 7,14 Milliarden Franken beziffert. Die Zahlen trafen die Vorhersagen der Analysten ziemlich genau. Zu wenig für die Anleger, das Papier gibt kräftig nach.

Lagardere denkt über EADS-Anteil nach
Der französische Medien- und Rüstungsriese will seinen 7,5-prozentigen Anteil am Technologiekonzern EADS kurzfristig behalten, sagte Firmenchef Arnauld Lagardere. Er betonte allerdings auch, dass es keine Vereinbarung gebe, nach der man der Anteil über Jahre hinaus halten müsse. Lagardere ist für den Verwaltungsratsvorsitz bei EADS vorgesehen, zu dem auch der Flugzeugbauer Airbus gehört.

Die Besitzverhältnisse bei EADS sind zwischen deutscher und französischer Seite genau austariert. Beide Seiten verfügen über verschiedene Beteiligte über je 22,5 Prozent der Anteile. Die Umsatzzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr kamen an der Pariser Börse derweil nicht gut an. Insgesamt wurden 7,66 Milliarden Euro erlöst, Rückgänge gab es dabei in der Buchsparte. Endgültige Zahlen sollen am 8. März folgen.

BP wirft Gewinnmaschine wieder an
Der britische Ölmulti BP ist im vergangenen Jahr in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. 2011 betrug der Gewinn vor Bestandswertveränderungen 23,9 Milliarden Dollar. Im Vorjahr war wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko noch ein Verlust von fast fünf Milliarden Dollar angefallen. Im vierten Quartal legte der Gewinn um 65 Prozent auf 7,6 Milliarden Dollar zu.

Glaxo wieder in der Gewinnzone
Der britische Pharmakonzern hat im vierten Quartal einen Gewinn von 28 Pence je Aktie vor Umbaukosten ausgewiesen, nachdem im gleichen Vorjahreszeitraum noch ein Verlust von 7,5 Pence angefallen war. Analysten hatten allerdings im Vorfeld ein leicht höheres Ergebnis prognostiziert, so dass die Aktie an der Londoner Börse Prozent schwächer tendierte. Der Umsatz sank um drei Prozent auf 6,98 Milliarden Pfund. Im laufenden Jahr will Glaxo eigene Aktien im Wert von ein bis zwei Milliarden Pfund zurückkaufen.

Coca-Cola: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
39,40
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Coca-Cola nach Zahlen gesucht
Aktien des Getränkeherstellers behaupten im Sitzungsverlauf ihre positive Tagestendenz. Nach den positiv aufgenommenen Zahlen für das vierte Quartal liegt die Aktie gut ein Prozent im Plus. Operativ verdiente das Unternehmen mit 0,79 Dollar je Aktie einen Cent mehr als erwartet. Der Umsatz stieg um fünf Prozent. Gleichzeitig gab Coca Cola ein neues Produktivitätsgramm bekannt, mit dem bis zum Jahr 2015 zwischen 550 und 650 Millionen Dollar gespart werden sollen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
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Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen