Griechenkrisenschock

Stand: 04.05.2010, 20:04 Uhr

Die Finanzprobleme Griechenlands haben den Aktienmarkt am Dienstag erheblich belastet. Warnende Stimmen, dass die Krise nicht mit dem EU-Kredit gelöst ist und die Furch vor weiteren Schuldenkrisen in der Eurozone ließen den Dax um 2,6 Prozent einbrechen.

Am Ende des Tages reichte es gerade einmal für einen kleinen charttechnischen Erfolg. Der Dax hielt mit großer Mühe die Marke von 6.000 Punkten, im Handelsverlauf rutschte der Leitindex mehrmals leicht darunter. Bei 6.007 Zählern schloss der Dax, was einem Minus von 2,6 Prozent oder 161 Punkten entsprach.

Harte Nachrichten hatten am unschönen Ausgang dieses Handelstages keine Schuld. Im Gegenteil: Bilanzen und Konjunkturdaten überzeugten, beispielsweise die amerikanischen Industrieaufträge, die, statt um 0,1 Prozent zu fallen, um 1,3 Prozent zulegten. Auch amerikanische Bilanzen waren gut, Pfizer und Merck legten hervorragende Zahlen vor.

Dennoch ließ sich auch New York vom Griechenlandfieber anstecken, die großen Indizes notieren sämtlich stark im Minus, die Nasdaq sogar fast drei Prozent schwächer.

Dass Griechenland ein weiteres Mal für die erhebliche Verunsicherung herhalten musste, hatten die Anleger unter anderem der Ratingagentur Moody's zu verdanken. Sie hatte zu bedenken gegeben, dass mit den von der EU beschlossenen Milliardenkrediten die Krise nicht beendet sei. Griechenland müsse erst zeigen, dass es die beschlossenen Sparmaßnahmen umsetzten kann. Derweil streikten schon die Beamten in Athen, für diesen Mittwoch ist ein Generalstreik angekündigt und der griechische Leitindex verlor im Tagesverlauf zweistellig.

Spanien dementiert, Euro fällt

Spaniens Ministerpräsident Zapatero sah sich am Nachmittag sogar genötigt, Marktgerüchte über drohende finanzielle Probleme Spaniens zurückzuweisen. Es sei "kompletter Irrsinn", dass Spanien wie Griechenland Finanzhilfe von der EU verlangen wolle, sagte er. Der Staat habe eine starke Zahlungsfähigkeit. Verhindern konnte er nicht, dass der Risikoaufschlag auf spanische Staatsanleihen weiter stieg, und auch der auf portugiesische und italienische.

Stark unter Druck geriet auch der Euro an diesem Dienstag. Mit 1,3012 Dollar markierte die Gemeinschaftswährung ein neues Jahrestief.

Viele Bilanzen im Dax
Aus dem Dax legten einige Konzerne ihre Bilanzen vor. Der Industriegasekonzern Linde begann das Jahr mit einem überraschend kräftigen Gewinnsprung auf 213 Millionen Euro und einer hoffnungsfrohen Prognose. Es gehe langsam wieder aufwärts, sagte Linde-Chef Wolfgang Reitzle. Trotzdem verlor die Linde-Aktie am Dienstag heftig, sie schloss 4,4 Prozent schwächer.

FMC

FMC: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
85,02
Differenz relativ
+0,12%

Fresenius ohne Überraschung
Neben Linde legten die beiden Gesundheitskonzerne Fresenius und Fresenius Medical Care aus dem Dax ihre Zahlen vor. Beide Firmen konnten die Markterwartungen in etwa erfüllen, wobei FMC bei der Marge etwas schwächer lag. Die Fresenius-Aktie gab im hinteren Handelsverlauf kräftig ab, sie verbilligte sich um 3,7 Prozent.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23,15
Differenz relativ
-0,17%

Lufthansa und Adidas
Die Zahlen von Adidas konnten zwar die Analysten zufriedenstellen, dennoch trennten sich die Aktionäre scharenweise von der Aktie. Die Firma meldete einen Gewinnsprung im ersten Quartal und gute Prognosen für 2010, die Aktie fiel um 4,5 Prozent. Auch Lufthansa-Papiere schlossen erheblich schwächer, nachdem die Firma überraschend ihre Quartalszahlen gemeldet hatte. Der Konzern machte dank Pilotenstreik und steigenden Treibstoffkosten 330 Millionen Euro Miese, nach einem Verlust von 44 Millionen Euro vor einem Jahr. Der Umsatz verbesserte sich gegenüber dem ersten Quartal 2009 wieder auf 5,8 Milliarden Euro.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,94
Differenz relativ
-0,39%
Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,22
Differenz relativ
-1,26%

Ganz hinten: Telekom und Infineon
Größter Dax-Verlierer war am Dienstag übrigens die Telekom mit einem Minus von 9,8 Prozent. Ein Großteil des Kursverlustes rührte jedoch vom Dividendenabschlag in Höhe von 0,78 Euro je Aktie her. Ohne Dividendenabschlag verbilligte sich die Infineon-Aktie um 7,7 Prozent und machte damit die im gesamten April gesammelten Kursgewinne zunichte.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,52
Differenz relativ
+0,93%

Eon bleibt oben
Mit einem minimalen Kursverlust von 0,04 Prozent beendete die Aktie des Energieversorgers Eon den Handel am Dienstag. Der Konzern meldete am Nachmittag überraschend, dass er seinen bereinigten Gewinn im ersten Quartal um 20 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro gesteigert habe. Nähere Details gibt Eon am 11. Mai bekannt, zusammen mit der ausführlichen Bilanz.

Bilanzen aus dem MDax
Auch mittelgroße Konzerne berichteten scharenweise über ihre Geschäfte im ersten Quartal. Der Rückversicherungskonzern Hannover Rück verdiente zwar ein Drittel weniger, die Prognose bleibt aber bestehen. Die Aktie stieg leicht an. Der Aromastoffehersteller Symrise überraschte die Aktionäre mit guten Umsatz- und Gewinnzahlen, sowie einer guten Prognose, die Aktie stürzte dennoch um 3,3 Prozent ab.

DMG Mori Seiki: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
45,80
Differenz relativ
+0,33%
Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
182,65
Differenz relativ
-0,76%

Einen Kursverlust von 5,4 Prozent verzeichnete der Maschinenbauer Gildemeister. Zwar meldete die Firma einen Verlust von 14,7 Millionen Euro, doch besser als erwartet war der Auftragseingang, der im Jahresvergleich um ein Viertel zulegte. Der Reifenhersteller und Autozulieferer Continental bestätigte die bereits bekannten Zahlen zum ersten Quartal. Angesichts steigender Nachfrage zeigte sich der Konzern optimistisch, in diesem Jahr sein Ergebnis möglicherweise verdreifachen zu können.

Was im TecDax passierte
Auch im TecDax überwogen die Kursverluste, doch es gibt ein paar Ausnahmen. Der Spezialpumpenhersteller Pfeiffer Vacuum legte seine Bilanz vor und lieferte einen im Jahresvergleich um fast ein Drittel gestiegenen Auftragseingang. Das erfreute die Aktionäre, die Aktie stieg um 2,3 Prozent. Qiagen-Papiere hielten sich recht gut. Die Firma hatte gestern nach Börsenschluss ihre Zahlen vorgelegt und mit starken Zuwächsen gepunktet. Zugleich deutete Qiagen an, dass man für Übernahmen gut gerüstet sei.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,33
Differenz relativ
-1,78%
Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
110,00
Differenz relativ
-0,07%

Hiesinger kommt nach Schulz
Im Stahlkonzern ThyssenKrupp steht Anfang kommenden Jahres ein Vorstandswechsel auf dem Programm. Der Siemens-Manager Heinrich Hiesinger soll den 68-jährigen Ekkehard Schulz im Januar 2011 ersetzen. Dies teilten Siemens und ThyssenKrupp am Dienstag mit. Im Oktober soll Hiesinger in den Vorstand von ThyssenKrupp wechseln. Sein Nachfolger als Leiter der Industrietechnik bei Siemens wird Siegfried Russwurm, derzeit noch Personalvorstand beim Münchener Konzern.

UBS mit Milliardengewinn
Die Schweizer Großbank UBS berichtete am frühen Morgen über ihre Geschäfte im ersten Quartal. Mit einem Vorsteuergewinn von 2,8 Milliarden Franken, daraus 1,2 Milliarden aus dem Investmentbereich, setzte die Bank ihren Erholungskurs fort.

NYSE Euronext profitiert vom Derivatehandel
Die amerikanisch-französische Börse NYSE Euronext hat das erste Quartal mit einem deutlichen Gewinnsprung von rund einem Viertel abgeschlossen. Vor allem das Derivategeschäft lief außerordentlich gut, teilte der Konzern mit. Damit wurde der schleppende Handel mit Aktien mehr als ausgeglichen.

Pfizer und Merck berichten
Die beiden Pharmakonzerne Pfizer und Merck überraschten positiv mit ihren Quartalszahlen. Merck &C o. verdiente im ersten Quartal 299 Millionen Dollar und damit etwas mehr als erwartet. Doch blieb die Firma vorsichtig bei ihrem Jahresausblick, ein Ergebnis zwischen 3,27 bis 3,41 Dollar je Aktie erwartet Merck, etwas weniger als vom Markt prognostiziert. Der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer übertraf bei Gewinn und Umsatz die Prognosen eindeutig. Die Erlöse stiegen um die Hälfte auf 16,8 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie auf 0,6 Dollar. Pfizer bekräftigte zudem die Jahresziele. Beide Aktien notieren entgegen des Markttrends höher.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.