Marktbericht 20:15 Uhr

Anleger im Wechselbad der Gefühle Griechen-Show-Down am Wochenende

Stand: 26.06.2015, 20:15 Uhr

Wie das Drama um Hellas ausgeht, dürfte sich am Wochenende entscheiden. Fieberhaft basteln die Politiker an einer Lösung, aber die Fronten bleiben bisher verhärtet. Bei den Anlegern waren heute jedenfalls gute Nerven gefragt.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.430,88
Differenz relativ
+0,85%

Der Dax hat zum Wochenschluss leicht um 0,17 Prozent auf 11.492 Punkte zugelegt. Weniger der Schlusskurs war das Interessante des Handelstages, sondern die nicht unerheblichen Ausschläge des deutschen Leitindex. Eine klare Linie gab es dabei nicht.

Jedes Statement aus Brüssel sorgte hingegen sofort für hektische Aktivität und führte letztlich zu einer Schwankungsbreite zwischen 11.373 und 11.561 Punkten. Dies zeigt, wie nervös der Handel war, auch wenn am Ende nicht viel passiert ist. Im Späthandel fiel der L/E-Dax leicht zurück auf 11.482 Punkte.

Entscheidung am Samstag

Wenn am Montag die Märkte eröffnen, dürften sie aber wohl endlich eine Grundlage haben, wie es im Schuldendrama mit Griechenland weitergehen wird. Und das ist etwas, auf das viele Marktteilnehmer schon lange warten.

Kommt der Grexit, oder gibt es eine Einigung? Wird es wegen der Zeitnot nur ein fauler Kompromiss, oder Grundlage einer echten Lösung? Fragen gibt es weiterhin mehr als genug, da will kein Anleger auf dem falschen Fuß erwischt werden.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
Audio

Börse 20.15 Uhr

Vertreter der Gläubiger, darunter Finanzminister Wolfgang Schäuble und Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem, aber auch Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande machten deutlich, dass auf der Sitzung der Finanzminister am morgigen Samstag eine Entscheidung fallen muss.

Was immer dies auch bedeuten mag, das Diskussionspapier der Gläubiger liegt seit dem Nachmittag auf dem Tisch. Es gibt aber immer noch zum Teil deutliche Differenzen zu den griechischen Vorstellungen. Angeboten wird unter anderem eine Verlängerung des aktuellen Hilfsprogrammes bis November, was an den Märkten zunächst für Hoffnung sorgte. Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis lehnte die jüngsten Vorschläge der Gläubiger bereits ab.

Der deutsche und der griechische Wirtschaftsminister Schäuble und Varoufakis

Schäuble und Varoufakis. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Aber klar ist auch, dass die Geldgeber mit ihrer Geduld am Ende sind. Schäuble bezifferte die Einigungschancen mit 50:50. Am Dienstag läuft das aktuelle europäische Hilfsprogramm für Griechenland aus - ohne neue Finanzhilfen, welche die Geldgeber von Einsparungen und Reformen abhängig machen, droht die Staatspleite.

Euro weiter um die Marke von 1,12 Dollar

Am Devisenmarkt blicken die Anleger zwar ebenfalls gespannt nach Brüssel, insgesamt hat sich der Euro aber trotz der Krise erstaunlich stabil gehalten. Auch heute pendelte die Gemeinschaftswährung lange um die Marke von 1,12 Dollar, fiel dann im späten Geschäft aber etwas zurück. Aktuell steht der Kurs bei 1,1155 Dollar.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1747
Differenz relativ
+0,01%

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs noch auf 1,1202 (nach 1,1206 Dollar am Donnerstag) fest. Der Dollar kostete damit 0,8927 (0,8924) Euro. Viel wichtiger für den weiteren Weg des Euro ist der weitere Verlauf der US-Konjunktur und damit verbunden die Aussichten, wann die Zinswende in Amerika denn nun endlich kommt.

Auch US-Anleger werden vorsichtiger

Zur Zinsfrage gab es heute mit dem endgültigen von der Uni Michigan veröffentlichten Daten zum Verbrauchervertrauen einen weiteren Mosaik-Stein, der an der Börse gut ankommt. Denn die Stimmung der Verbraucher ist mit einem Wert von 96,1 Zählern auf dem Barometer der Konjunkturforscher so hoch wie seit Januar nicht mehr. Ein erster Wert hatte noch bei 94,1 Punkten gelegen.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
26.743,50
Differenz relativ
+0,32%

Die Wall Street reagiert anfangs mit Gewinnen, die aber mittlerweile abgeschmolzen sind. Der Leitindex Dow Jones liegt aktuell nur noch 0,28 Prozent im Plus. Dafür rückt auch an der Wall Street das Thema Griechenland mehr in den Vordergrund - und die Verunsicherung, wie die Sache in Europa denn wohl ausgehen wird. Die Anleger wagten sich aus Verunsicherung vor der nächsten Krisensitzung der Euro-Finanzminister am Samstag nicht weit aus der Deckung, wie Händler sagten. Die Furcht vor einer Staatspleite mit unvorhersehbaren Folgen schüre die Nervosität.

Das gute Zahlenwerk von Nike stützt hingegen den Markt. Denn starke Verkäufe in China und im US-Heimatmarkt füllen dem weltgrößten Sportartikelhersteller Nike die Kasse.Die Aktie liegt aktuell mit 4,4 Prozent deutlich im Plus.

K+S haussieren nach Potash-Angebot

Wäre nicht das überraschende Übernahmeangebot der kanadischen Potash für K+S gekommen, es hätte wohl kaum etwas Marktbewegendes aus dem Unternehmenssektor gegeben. Aber die Aktie des Kasseler Unternehmens lag am Ende mit einem Aufschlag von 29,6 Prozent einsam an der Dax-Spitze. K+S ist derzeit nach Produktion die Nummer fünf im weltweiten Kalimarkt. Das Unternehmen ist zudem der weltgrößte Salzhersteller. Experten gehen davon aus, dass Potash an der Salzherstellung kein Interesse hat und eine Übernahme daher auf eine Zerschlagung des Konzerns hinauslaufen würde.

Alle anderen Schwankungen hielten sich im Rahmen. Gefragt waren Lanxess und die beiden Banken, zu den Verlierern gehörten Gesundheitsaktien. Fresenius Medical Care war größter Verlierer mit einem Abschlag von 0,84 Prozent.

ProSiebenSat1 kauft Verivox

Der Fernsehkonzern legt 170 Millionen Euro auf den Tisch des Hauses, um das Verbraucherportal Verivox zu kaufen. Geplant ist, 80 Prozent der Anteile zu erwerben. Verkäufer ist eine Eigentümergruppe um den Finanzinvestor Oakley Capital, die einen Minderheitsanteil behalten will. Gleichzeitig wird in Anbetracht des Angebotes für K+S die ProSiebenSat.1-Aktie als möglicher Nachfolgekandidat für den Dax genannt. Auch das Immobilienunternehmen Deutsche Annington gilt als Kandidat für den Auswahlindex.

Tui-Aktie nach Anschlag im Minus

Das Papier des Reiseveranstalters fiel nach dem Terroranschlag auf ein Riu-Hotel der Gruppe in Tunesien. Hauptbörse für das Tui-Papier ist mittlerweile die Börse in London, zuvor war die Aktie im MDax notiert. Noch ist die Lage unklar. "Wir haben noch keine genauen Erkenntnisse, ob möglicherweise Gäste von uns betroffen sind", sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Das Unternehmen prüfe derzeit, ob unter den 37 Opfern auch deutsche Urlauber sind. Letzte Meldungen sprachen von acht toten deutschen Urlaubern.

GrenkeLeasing stellt um

Das Unternehmen aus dem SDax hat bekannt gegeben, dass die von der Hauptversammlung beschlossene Umstellung von Inhaber- in Namensaktien am 10. Juli erfolgen wird. Die neue ISIN der Namenspapiere lautet dann DE000161N30 (WKN A161N3). Sie löst die alte ISIN DE00058659001 (WKN 586 590) ab. Ab dem 13. Juli wird die neue Aktie an allen Börsen gehandelt. Die Aktionäre werden, wie bei Namensaktien üblich, in einem Aktionärsregister erfasst. Deren Rechtsstellung ändert sich nicht.

Metro: Kellerhals-Angebot befremdlich

Im Plus behauptete sich die Aktien des Einzelhandelskonzerns Metro. Der Minderheitsgesellschafter des Elektronikhändlers Media-Saturn, Erich Kellerhals, hat erneut Interesse an einer Übernahme der Metro-Tochter bekundet. Man sei bereit, dem Düsseldorfer Handelskonzern die etwas mehr als 78 Prozent ausmachende MSH-Beteiligung abzukaufen, kündigte Ralph Becker, Geschäftsführer der Convergenta Invest GmbH, gegenüber der "FAZ" an. Laut einem Metro-Sprecher liegt dem MDax-Konzern aber kein Angebot vor. Die öffentliche Ankündigung in der Zeitung sei daher "sehr erstaunlich und befremdlich".

Hornbach mit schwächerem Ergebnis

Die Hornbach Holding hat in den ersten drei Monaten (1. März bis 31. Mai 2015) des laufenden Geschäftsjahres ihren Umsatz um 1,6 Prozent auf 1,05 Milliarden Euro gesteigert. Im größten operativen Teilkonzern Hornbach Baumarkt AG stiegen die Umsätze im ersten Quartal 2015/2016 um 1,9 Prozent auf 995,2 Millionen. Wie erwartet gab das Betriebsergebnis (Ebit) der Holding um 13,0 Prozent auf 76,8 Millionen Euro nach.

Apple und Taylor Swift versöhnt

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
186,43
Differenz relativ
-0,83%

Nach dem Einlenken von Apple bei der Bezahlung von Plattenfirmen und Musikern stellt Sängerin Taylor Swift ihr aktuelles Album "1989" dem neuen Musikdienst des iPhone-Konzerns zur Verfügung. Das kündigte sie am Donnerstagabend beim Online-Dienst Twitter an. Der Schritt ist ein Zeichen der Versöhnung. Das Apple-Papier reagiert kaum.

Europcar mit durchwachsenem Börsenstart

Europas größtes Mietwagenunternehmen ist zu einem Preis von 12,25 Euro platziert worden, ist aber danach an der Pariser Börse unter 12 Euro gefallen. Bis zum Mittag war es bis auf 11,82 Euro bergab gegangen. Das Papier schloss dann bei 12,05 Euro, ein Minus von 1,6 Prozent. Das Angebot von 10,7 Millionen Aktien war vollständig gezeichnet worden, Europcar nimmt insgesamt 879 Millionen Euro ein.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen