Marktbericht 20:15 Uhr

Dax-Bullen müssen leiden Griechen-Poker vergrault Anleger

Stand: 29.05.2015, 20:15 Uhr

Die anhaltende Unsicherheit um Griechenlands Euro-Zukunft hat dem deutschen Aktienmarkt heute einen veritablen Ausverkauf beschert. Gegenwind gab es zudem auch aus Amerika. Das war insgesamt zu viel für die Bullen.

Vor allem im späten Geschäft hissten die letzten verbliebenen Optimisten endgültig die weiße Fahne. Denn an der Börse mögen die Investoren keine Unsicherheiten, das ist eine altbekannte Tatsache. Zum Wochenschluss lasteten aber gleich mehrere große Fragezeichen auf dem Aktienmarkt.

Da wundert es nicht, dass der Dax bei erneut hohen Schwankungen im Tagesverlauf letztlich kräftig abtauchte. Am Ende verlor das deutsche Börsenbarometer 2,26 Prozent oder 263 Punkte und schloss bei 11.413 Punkten - ganz in der Nähe seines Tagestiefs bei 11.403 Punkten. Das Tageshoch hatte am Vormittag noch bei 11.704 Zählern gelegen. Im Wochenvergleich verlor der deutsche Leitindex damit 3,4 Prozent. Im Späthandel erholte sich der Index etwas, der L/E-Dax ging mit 11.459 Punkten aus dem Handel.

Griechenland und kein Ende

Die hohe Schwankungsbreite zeigte heute, wie nervös die Anleger angesichts des anhaltenden Pokers um die Zukunft Griechenlands sind. Zu groß seien die Unsicherheiten in puncto eines immer wahrscheinlicher erscheinenden Austritts Griechenlands aus der Eurozone ("Grexit"), sagte Analyst Christian Henke vom Wertpapierhändler IG. Fakt ist, dass das Land im Juni in vier Raten insgesamt 1,6 Milliarden Euro an den IWF zurückzahlen muss - Geld, das Athen nicht hat.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 20.15 Uhr

Von der heutigen G7-Konferenz der Finanzminister, die das Gipfeltreffen am Wochenende auf Schloss Elmau in Bayern vorbereiten, kamen keine klaren Signale. Finanzminister Wolfgang Schäuble beurteilt die Griechenlandkrise weiter als "sehr schwer" und wies zugleich optimistischere Töne aus Athen zurück, die von einer baldigen Einigung sprechen. "Die positiven Nachrichten aus Athen spiegeln sich noch nicht vollständig im Gesprächsstand der Regierung in Athen mit den Geldgebern wider", erklärte der Minister.

US-Wirtschaft bricht ein

Weitere schlechte Nachrichten kamen aus Amerika. Der Fortgang der US-Konjunktur schient nach ernüchternden Konjunkturzahlen unsicherer dennn je. Die neuesten Daten zeigen, dass der heftige Winter und der starke Dollar der US-Wirtschaft im ersten Quartal heftig zugesetzt haben.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Das BIP sank nach einer zweiten Schätzung um 0,7 Prozent nachdem zunächst ein leichtes Plus von 0,2 Prozent errechnet worden war. Besonders enttäuschend war aber auch der Chicagoer Einkaufsmanagerindex für den Mai, der auf 46,2 und damit unter die Expansionsschwelle von 50 Punkten fiel. Experten hatten 53 Punkte erwartet. "Die Zahl enttäuscht, insbesondere weil der Index nicht mehr im Expansionsbereich liegt", kommentierte Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Die enttäuschenden Zahlen sind Wasser auf die Mühlen der Befürworter einer späteren Zinswende in den USA. Noch zögert die Notenbank Fed mit einem solchen Schritt: "Für Juni ist eine Erhöhung vom Tisch. Die Fed wird mehr Belege sehen wollen, dass die Konjunktur wieder auf den Pfad der Erholung zurückkehrt", sagte Commerzbank-Experte Christoph Balz. An der New Yorker börse dominieren ebenfalls die roten Pfeile. Der Dow-Jones-Index verliert aktuell gut ein halbes Prozent.

Euro etwas erholt

Kein leichter Tag auch am Devisenmarkt. Der Euro tendierte im Zick-Zack-Kurs, hat sich aber dabei leicht erholt. Die Gemeinschaftswährung wurde im europäischen handel mit 1,0981 Dollar gut einen Cent höher gehandelt als am Vortag. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0970 (Donnerstag: 1,0896) US-Dollar fest. Bundesanleihen waren gefragt, der Bund-Future legte 0,4 Prozent zu.

Keine Dax-Gewinner - Fresenius empfohlen

Gewinner suchte man heute vergebens im Dax. Auch Fresenius-Aktien, die lange Zeit als einziger Einzelwert im Plus lagen, rutschten noch minimal ins Minus. Das Papier des Gesundheitskonzerns profitierte von positiven Analystenstudien. Die Commerzbank und Morgan Stanley haben ihre Kursziele jeweils auf 62 Euro angehoben. Dax-Schlusslicht war K+S mit über 4,5 Prozent. Auch Lufthansa und Bayer standen besonders unter Druck.

Google kann Investoren nicht beeindrucken

Wie auch schon während der gestrigen Börsensitzung in Amerika, kann sich die Google-Aktie trotz der hauseigenen Entwicklerkonferenz Google I/O kaum in Szene setzen. Der Internet-Gigant stellte unter anderem eine neue Version seines Mobil-Betriebssystems Android mit Arbeitstitel M vor. Zudem präsentierte er Brillo, eine abgespeckte Version von Android für das "Internet der Dinge". Damit sollen sich beispielsweise Heizungs-Thermostate oder Feuermelder online steuern lassen.

Moddy's: Deutsche Bank braucht mehr Kapital

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Ratingagentur schreibt in einer Studie, die Bank habe 2014 zwar Fortschritte gemacht bei ihrer Kapitalausstattung, befürchtet aber, dass die Mittel wegen der zahlreichen Rechtsstreitigkeiten nicht ausreichend sein könnten. Eine genaue Summe nannten die Bonitätswächter nicht.

Gleichzeitig hängt der Haussegen mächtig schief. Denn der Betriebsrat der Zentrale hat sich kritisch zu Vorstandschef Anshu Jain geäußert. Die Arbeitnehmervertreter fordern einen radikalen Neuanfang. Die Aktie verlor mit dem Markt.

Fraport sieht Griechenland-Käufe in der Schwebe

Fraport-Chef Stefan Schulte erklärte auf der Hauptversammlung, dass es wegen dem Regierungswechsel in Griechenland derzeit unklar sei, wann die Transaktion über den beabsichtigten Kauf von 14 griechischen Regionalflughäfen abgeschlossen werde könne. Fraport hatte im November 2014 für 1,2 Milliarden Euro den Zuschlag erhalten - seitdem wird über die Konditionen verhandelt. Die Regierung Tsipras hat viele Privatisierungsprojekte zurückgestellt.

Manz unter Druck

Zu den größten Verlierern im TecDax gehörte die Manz-Aktie. Das Papier litt unter einer Verkaufsempfehlung von Oddo Seydler. Das Handelshaus hat die Markterwartungen als "fernab" und "unerreichbar" eingestuft. Bereist seit Mitte April nehmen die Investoren Gewinne mit, nachdem der Kurs zuvor stark gestiegen war.

Isra Vision kommt voran

Isra Vision, ein Unternehmen aus dem Bereich industrielle Bildverarbeitung, hat im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2014/15 seinen Umsatz um neun Prozent auf 48,7 Millionen Euro verbessert. Der Vorsteuergewinn legte um zehn Prozent auf 9,1 Millionen Euro zu.

Douglas hat Sehnsucht nach der Börse

Nur zwei Jahre nach dem Abschied vom Aktienmarkt hat die Parfümeriekette Douglas ihren erneuten Börsengang angekündigt. Das Unternehmen plant fürs laufende Jahr sein IPO. Das Emissionsvolumen soll bei rund 70 Millionen Euro liegen.

Syngenta rüstet auf

Der Schweizer Agrochemie-Konzern hat nach Angaben der Nachrichtenagentur "Bloomberg" im Kampf gegen das Übernahmeangebot des US-Konkurrenten Monsanto jetzt Experten der UBS hinzugezogen. Syngenta gehe davon aus, dass schon in der kommenden Woche ein neues Angebot kommen könne, das über dem Gebot von 449 Franken je aktuell liege.

Eine Offerte bei 500 Franken würde eventuell in Erwägung gezogen, heiß es weiter. Sollte es zur Übernahme kommen, könnte Monsanto das Saatgutgeschäft veräußern. Zu den möglichen Käufern zählen dabei auch die beiden deutschen Konzerne BASF und Bayer.

Intel bleibt bei Altera am Ball

Intel will nach einem Pressebericht der "New York Post" einen zweiten Anlauf unternehmen, um den kleineren Konkurrenten zu schlucken. Genannt wird eine Summe von 15 Milliarden Dollar. Das Blatt bezieht sich auf eine Quelle nah am Geschehen. Intel sei bereit, bis zu 54 Dollar je Altera-Aktie zu bieten - was einem Zuschlag von rund 15 Prozent auf den Schlusskurs vom Donnerstag entspräche. Im April waren erste Gespräche zunächst wieder zu den Aktien gelegt worden. Altera-Aktien legen an der Nasdaq zu, ebenso wie das Intel-Papier.

rm

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