Griechen-Drama lässt Gewinne schmelzen

Stand: 15.02.2012, 20:02 Uhr

Das zunehmende Misstrauen der Euro-Gruppe gegenüber Griechenland im Streit um die Sparmaßnahmen hat die Anleger aufgeschreckt. Der Dax büßte am Mittwoch einen Großteil seiner Tagesgewinne wieder ein.

Der Dax schloss zwar immer noch 0,4 Prozent fester bei 6.758 Punkten. Doch bis zum frühen Nachmittag war der Leitindex noch auf 6.830 Punkte geklettert und damit nur acht Punkte entfernt von seinem bisherigen Jahreshoch. Doch dann sorgen Meldungen aus EU-Kreisen, dass die Euro-Länder eine teilweise oder gänzliche Verschiebung des Griechenland-Paketes diskutierten, für Verstimmung und die Gewinne schmelzen ab. Auch im Abendhandel verbucht der Leitindex nur ein bescheidenes Plus von 0,4 Prozent.

Deutschland verlangt vor der Freigabe des zweiten Rettungspakets für Griechenland überzeugende Vertrauensbeweise von allen Spitzenpolitikern in Athen. "Wer stellt denn sicher, dass Griechenland danach zu dem steht, was wir jetzt mit Griechenland vereinbaren", fragte Finanzminister Wolfgang Schäuble in einem Radio-Interview. Als Drohung stellten Deutschland und die Geber-Staaten Niederlande und Finnland Euro-Kreisen zufolge eine Verschiebung des gesamten Pakets bis nach der Parlamentswahl im April in den Raum.

Sollte das Griechenland-Paket tatsächlich verschoben werden, wäre das natürlich ein "hartes Stück", sagte Christian Schmidt, Aktienmarkt-Analyst bei der Helaba. "So ganz überraschend käme das nicht, schließlich wurde die Entscheidung über die Rettungsgelder schon mehrfach vertagt. Klar ist bislang nur, dass die Rettung Griechenlands weiterhin mit vielen Fragenzeichen und Unklarheiten verbunden ist." Tatsächlich hat Athen bisher noch nicht alle Bedingungen für das neue Paket von mindestens 130 Milliarden Euro erfüllt. Deshalb wurde ein Treffen der Euro-Finanzminister auf kommenden Montag verschoben.

Dow Jones deutlich im Minus
Gestützt wurden die Aktienmärkte zunächst von dem deutlich besser als erwartet ausgefallenen Industrieindex für den Bundesstaat New York (Empire-State-Index). Doch schwächere Zahlen zur US-Industrieproduktion Im Januar (sie lag unverändert zum Vormonat, die Experten hatten ein Plus von 0,7 Prozent erwartet) sorgten dann doch für eine Enttäuschung - auch an der Wall Street.

Wegen der Sorgen um Griechenland weitet der Dow Jones-Index im Handelsverlauf seine Verluste deutlich aus und notiert am Abend bei Börsenschluss in Frankfurt 0,6 Prozent tiefer als am Dienstag bei 12.801 Punkten.

Der Euro ist nach den Meldungen über eine Verschiebung der Hilfen an Griechenland deutlich abgerutscht auf 1,307 Dollar, fast ein Cent weniger als noch am Mittag.

Am Morgen hatten noch Aussagen der chinesischen Notenbank den Markt befeuert. Sie ist offenbar bereit, eine größere Rolle bei der Lösung der Probleme in Europa zu spielen, sagte Zentralbank-Gouverneur Zhou Xiaochuan. "Die Hoffnung auf chinesische Schützenhilfe hilft dem Markt", sagte ein Börsianer. Bereits am Vortag hatte Regierungschef Wen Jiabao "eine größere Beteiligung" am Euro-Rettungsschirm erwogen.

Infineon an Dax-Spitze
Nach dem Schreck gestern haben sich Infineon-Papiere am Mittwoch mit einem Plus von 3,5 Prozent wieder erholt und an die Dax-Spitze gestellt. Börsianer verweisen einerseits auf Aussagen, wonach die Forderung des Qimonda -Insolvenzverwalters nach einer Milliardensumme nicht zu höheren Rückstellungen führen werde.

Analysten mögen Deutsche Börse
Zu den größten Gewinnern gehört auch die Aktie der Deutschen Börse. Grund sind positive Analystenkommentare. Experten hatten die Dividendenankündigung und die Vorlage der Quartalszahlen vom Wochenbeginn zum Anlass genommen, den fairen Wert für den Titel anzuheben.

Adidas im Freudentaumel
Die Papiere von Adidas haben im Tagesverlauf ein neues Rekordhoch markiert und legen ebenfalls überdurchschnittlich zu. Börsianern zufolge generierte das ein technisches Kaufsignal, was zusätzliche Käufer anlocken dürfte. Positiv aufgenommen wurde auch die geplante Senkung der Luxussteuer in China, wovon auch Adidas-Produkte profitieren würden. Im MDax legen Puma-Aktien um 2,5 Prozent zu, nachdem der Sportartikelhersteller überraschend gute Zahlen vorgelegt hatte.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,64
Differenz relativ
-0,21%

BNP-Zahlen machen Mut
Die unerwartet guten Ergebnisse der größten französischen Bank, BNP Paribas, haben den europäischen Banken am Mittwoch Auftrieb gegeben. Im Dax gewinnt auch die Deutsche Bank dazu. Im Pariser Leitindex CAC40 führen die Papiere der BNP die Gewinnerliste an, Société Générale und Crédit Agricole waren ebenfalls stark gefragt. "Der Gewinn der Investmentsparte von BNP ist zwar geschrumpft, aber weniger als bei anderen Instituten", hieß es an der Börse.

Douglas bald ohne Thalia?
Nur leicht voran geht es mit der Aktie des Handelskonzerns Douglas aus dem MDax. Dabei könnte sich der Konzern von seiner Buchhandelskette Thalia trennen, wenn eine Sanierung des Sorgenkinds nicht gelingt. Es gebe Interessensbekundungen für Thalia, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Mittwoch. Das "manager magazin" berichtete vorab, es liefen bereits Sondierungsgespräche mit potenziellen Investoren.

Tui fast am Ziel
Deutlich kräftiger bergauf geht es mit der Aktie des Reisekonzerns Tui. Die Tui-Führung sieht sich nach dem erneuten Teilverkauf von Hapag-Lloyd-Anteilen auf dem Weg zum reinen Tourismuskonzern kurz vor dem Ziel. "Wir sind beinahe am Ende eines langen Weges", sagte Konzernchef Michael Frenzel auf der Hauptversammlung des Konzerns am Mittwoch in Hannover. Der Tui-Konzern solle noch bis Jahresende schuldenfrei werden, zugleich würden neue Spielräume für eine Expansion im Reisegeschäft ausgelotet. Die Commerzbank hat die Einstufung für Tui auf "Buy" mit einem Kursziel von 7,20 Euro belassen.

China beflügelt Aixtron
Aktien von Aixtron sind bis zum Handelsende Spitzenreiter im TecDax. Börsianer verwiesen auf einen Bericht in der IT-Zeitung "DigiTimes" zu Details der chinesischen LED-Förderung. Genannt werden drei Stufen von der staatlichen Förderung zur Senkung der Produktionskosten bis zu solchen der Provinzregierungen zur Unterstützung der Verbraucher. Es handele sich allerdings um bislang unbestätigte Informationen. Aixtron ist ein Hersteller von Produktionsmaschinen für die LED/OLED-Beleuchtungen.

Rekordjahr für Drägerwerk
Überdurchschnittlich bergauf geht es auch mit der Aktie von Drägerwerk. Nach einer unerwartet guten Jahresbilanz gehören die Papiere zeitweise zu den größten Gewinnern im TecDax. Der Medizin- und Sicherheitstechnikhersteller aus Lübeck hatte das vergangene Geschäftsjahr nach vorläufigen Zahlen mit einem Rekordergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) in Höhe von knapp 214 Millionen Euro abgeschlossen.

Bechtle öffnet die Schatulle
Verhalten reagieren die Anleger auf die Zahlen von Bechtle. Dabei will der IT-Dienstleister aus dem TecDax seine Dividende auf einen Euro (einschließlich einer Sonderdividende von 15 Cent) erhöhen, nach 75 Cent im vergangenen Jahr. Der Umsatz ist 2011 um 16 Prozent auf 2,0 Milliarden Euro gestiegen. Vor Steuern verdienten die Schwaben etwa 86 Millionen, ein Plus von 39 Prozent. Die Marge verbesserte sich somit signifikant von 3,6 Prozent im Vorjahr auf 4,3 Prozent.

Gesco hebt ab
Unter Gewinnmitnahmen leidet die Aktie von Gesco. Dabei lässt der Boom im Fahrzeug- und Maschinenbau bei der Beteiligungsfirma die Gewinne sprudeln. Nach einem Umsatz- und Ergebnissprung in den ersten neun Monaten legte Gesco-Chef Hans-Gert Mayrose am Mittwoch die Latte für das gesamte Bilanzjahr 2011/12 nochmals höher. Zudem kündigte er eine deutliche Anhebung der Dividende an, nachdem für das Vorjahr zwei Euro je Aktie gezahlt worden waren. Traditionell schüttet Gesco 40 Prozent seines Nettogewinns aus, der im laufenden Jahr nun 22 (Vorjahr: 15,3) Millionen Euro erreichen soll.

Heineken muss sparen
Der Amsterdamer Bierbrauer Heineken hat angesichts steigender Preise für Inhaltsstoffe, Werbung und Infrastruktur im Jahr 2011 einen um 1,4 Prozent geringeren Gewinn erzielt als noch im Jahr zuvor. Der Gewinn fiel auf 1,43 Milliarden Euro. Der Umsatz nahm dagegen um 6,2 Prozent zu. Für 2012 erwartet Heineken bei Braugerste einen um sechs Cent erhöhten Preis, den das Unternehmen mit höheren Verkaufszahlen und Ausgabenkürzungen abfedern will, darunter auch eine noch ungenannte Zahl an Entlassungen.

Tagestermine am Dienstag, 18. Dezember

Unternehmen:
FedEx: Q2-Zahlen
Navistar: Q4-Zahlen
Micron Technology: Q1-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklima 12/18, 10:00 Uhr
USA: Baubeginne und Genehmigungen 11/18, 14:30 Uhr