Marktbericht 20:02 Uhr

Über 11.000 Punkte Griechen-Drama kann Dax nicht stoppen

Stand: 20.02.2015, 20:02 Uhr

Das Griechen-Drama sorgt am Freitag erneut für Kurskapriolen an den Aktienmärkten. Doch den meisten Anlegern scheint inzwischen egal was passiert, ob es eine Einigung gibt oder das Land aus der Eurozone ausscheidet. Darauf deutet zumindest die Schlusskurve im Dax hin.

Trotz der Ungewissheit über den Ausgang der Verhandlungen mit Athen schloss der Dax am Freitag 0,4 Prozent höher bei 11.050,64 Punkten und damit so hoch wie noch nie in seiner Geschichte. Auf Wochensicht gewinnt das Barometer der 30 wichtigsten deutschen Aktienwerte 0,80 Prozent.

Am Nachmittag kletterte der Leitindex auf ein Rekordhoch von 11.081,81 Zählern, schwankte allerdings im Verlauf kräftig vom Plus ins Minus. "Der Markt ist sehr nervös und reagiert auf alle Neuigkeiten zum Thema Griechenland", sagte ein Händler. Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hatte vor dem für den späten Freitagnachmittag anberaumten Krisentreffen vorsichtigen Optimismus verbreitet. Auch der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte sich zuversichtlich gezeigt.

Durchbruch in Brüssel?

Am Abend verlautete aus Brüssel, beide Seiten hätten sich auf einen Entwurf geeinigt, der zu einer Verlängerung des aktuellen Hilfsprogramms führen könnte. Der Entwurf werde derzeit den Euro-Finanzministern vorgelegt, sagte der griechische Vertreter. Details würden womöglich erst später ausgearbeitet.

Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem habe den Griechen einen Entwurf der Eurogruppe vorgelegt, in dem die Forderungen der anderen 18 Euroländer zusammengefasst seien. Dann habe er den griechischen Regierungschef Alexis Tsipras angerufen und gesagt: "Das oder es sei Schluss", verlautete am Rande des Euro-Finanzministertreffens. Im späten Frankfurter Handel drehen die Kurse daraufhin kräftig auf und legen um 127,8 Punkte auf 11.092 Zähler zu.

Dow dreht ins Plus

Auch in New York ist der Dow Jones Index nach den Meldungen über einen Durchbruch in Brüssel ins Plus gedreht. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow schon 0,63 Prozent höher bei 18.099 Punkten. Größter Gewinner im Dow ist die Boeing-Aktie. Damit nähert sich der Dow wieder seinem im Dezember erklommenen Höchststand von 18.103,45 Punkten.

Euro wieder deutlich über 1,13 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1419
Differenz relativ
+0,03%

Für Kapriolen sorgt die Debatte um Griechenland auch am Devisenmarkt. Der Euro fiel am Nachmittag bis auf 1,1281 Dollar, vollzog dann jedoch eine Kehrtwende und kletterte bis auf 1,1372 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag noch auf 1,1298 (Donnerstag: 1,1387) Dollar festgesetzt.

Lufthansa streicht Dividende

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,15
Differenz relativ
+0,30%

Bei den Einzelwerten im Dax ist die Lufthansa-Aktie bis zum Handelsende der mit Abstand schwächste Wert. Das Unternehmen will seinen Aktionären nach einem schwierigen Geschäftsjahr 2014 die Dividende streichen. Zudem hat Lufthansa nach deutscher HBG-Rechnungslegung im vergangenen Jahr einen Verlust von 732 Millionen Euro eingeflogen. Das operative Ergebnis nach internationalen Regeln lag bei einem unveränderten Umsatz von 30 Milliarden Euro mit 954 Millionen Euro knapp unter der Prognose des Vorstands von 1 Milliarde Euro.

Münchener Rück belastet

Ein negativer Analystenkommentar hat die Münchener Rück und die Allianz belastet. Die Analysten des Bankhauses Lampe senkten ihre Einstufungen für beide Konzerne. Die Branche stehe in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen, welche nicht nur, aber vor allem den Bereich der Altersvorsorge beträfen, schrieb Analyst Andreas Schäfer. Daher habe er die Aktien der Allianz von "Kaufen" auf "Halten" und die Papiere der Munich Re von "Halten" auf "Verkaufen" abgestuft.

Telekom noch teurer

Dagegen robbt sich die Telekom-Aktie fast bis an ihr Jahreshoch von 16 Euro heran. Unternehmensnachrichten gibt es keine. Allerdings hat die Investmentbank Equinet die Einstufung für die Deutsche Telekom nach Zahlen von T-Mobile US auf "Reduce" mit einem Kursziel von 14 Euro belassen. Die Resultate der US-Mobilfunktochter dürften sich positiv auf den Bonner Telekom-Konzern auswirken, schrieb Analyst Adrian Pehl in einer Studie vom Freitag. Auch die Adidas-Aktie legt überdurchschnittlich zu, schafft es nach nach positiven Kommentaren sogar an die Dax-Spitze. Firmenchef Herbert Hainer hatte sich gestern zuversichtlich zum Jahresstart geäußert. Die jüngste Entwicklung der Aktie zeige, dass jede gute Nachricht das Potenzial habe, eine positive Kursreaktion hervorzurufen, meint Equinet-Analyst Ingbert Faust.

Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
204,70
Differenz relativ
-0,39%
Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,13
Differenz relativ
+1,34%

Bayer offenbar vor dem Verkauf der Diabetes-Sparte

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
62,59
Differenz relativ
-1,45%

Leicht abgeben muss die Bayer-Aktie. Dabei steht der Leverkusener Konzern offenbar kurz vor dem Verkauf des Geschäftes mit Blutzucker-Messgeräten, wie die Agentur "Bloomberg" unter Berufung auf Insiderkreise berichtet. Die Sparte wird mit bis zu 2,3 Milliarden Dollar bewertet. Eine Einigung könnte aber auch noch scheitern, da die Verhandlungen noch andauern, hieß es weiter. Bayer will Randbereiche seiner Healthcare-Sparte verkaufen. Zudem berichtet der Konzern darüber, dass das Medikament Adempas in Japan als erstes überhaupt für zwei Formen des Lungenhochdrucks (Pulmonale arterielle Hypertonie) zugelassen wurde.

Fuchs Petrolub enttäuscht

Im MDax hat die Aussicht auf eine höhere Dividende die Anleger nicht zum Einstieg bei Fuchs Petrolub ermuntert. Sie nahmen stattdessen Gewinne mit und drückten dadurch die Papiere des Schmierstoff-Herstellers um 5,3 Prozent ins Minus auf 37,02 Euro. In den vergangenen vier Wochen hatten sie allerdings mehr als 15 Prozent zugelegt. Das Quartalsergebnis sei zwar im Rahmen der Erwartungen ausgefallen, schrieb DZ-Bank-Analyst Heinz Müller in einem Kommentar. Die Titel seien allerdings überbewertet.

Xing zahlt mehr

Am Abend wurde bekannt, dass Xing die Dividende um 48 Prozent auf 0,92 Euro anheben will. Grundlage hierfür ist die gute Geschäftsentwicklung im letzten Jahr. Der Konzernumsatz stieg um 20 Prozent auf 101,4 Millionen. Das Konzernergebnis konnte sogar um 30 Prozent auf 31,6 Millionen Euro gesteigert werden. Der Jahresüberschuss macht einen Sprung um 49 Prozent auf 15,7 Millionen Euro. Die im TecDax notierte Aktie legt am Abend deutlich zu.

Pfeiffer Vacuum kommt unter die Räder

Nicht gut läuft es derweil auch für den TecDax-Dino Pfeiffer Vacuum, dessen vorläufige Jahreszahlen wenig begeistern. Die Aktie verliert kräftig und ist der mit Abstand schwächste Indexwert. Der Umsatz sank um 0,5 Prozent auf 406,6 Millionen Euro, das Ebit lag bei 44,7 nach 50,07 Millionen Euro im Vorjahr. Besser lief es im vierten Quartal und auch der Jahresstart 2015 ist nach den Worten von Firmenchef Manfred Bender gelungen.

Dividendensprung bei BB Biotech

Das ebenfalls im TecDax notierte Biotech-Holding aus der Schweiz schwebt hingegen ganz auf Wolke Sieben. Der Nettogewinn lag 2014 mit 1,47 Milliarden Franken auf Rekordniveau. Noch nie seit der Firmengründung 1993 wurde so viel verdient. Davon profitieren die Aktionäre mit einer deutlich um 65 Prozent erhöhten Barmittelausschüttung von 11,60 Franken. Auch im Ausblick zeigte sich das Unternehmen zuversichtlich, die Gewinne dürften auch 2015 überdurchschnittlich zulegen.

Bertrandt kommt für Gagfah

Die Aktie des Ingenieurdienstleisters Bertrandt wird ab dem 24. Februar im MDax den Wohnimmobilienkonzern Gagfah ersetzen, der mit der Deutschen Annington fusioniert. Dies gab die Deutsche Börse am Abend bekannt. Bertrand steigt damit vom Kleinwerteindex SDax auf. Dessen Nachfolger ist mit TLG Immobilien wieder ein Immobilienkonzern. Betrandt ist mit Abstand bester SDax-Wert.

Borussia Dortmund verdient weniger

Minimal zulegen kann die Borussia-Aktie. Der einzige börsennotierte deutsche Fußballverein hat im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2014/15 deutlich weniger verdient als im Vorjahr. Der Konzernjahresüberschuss sank von 8,2 auf 3,7 Millionen Euro. Operativ lief es besser, das Ebitda lag bei 30,7 Millionen Euro nach 26,7 Millionen Euro im Vorjahr.

Danone verdient weniger

Der französische Lebensmittelkonzern hat im vergangenen Jahr dem hohen Preisdruck und schwächeren Schwellenländermärkten Tribut zollen müssen. Der Nettogewinn ging um 20 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zurück. Der Umsatz fiel um 0,7 Prozent auf 21,1 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr will Danone den Umsatz um vier bis fünf Prozent steigern, das ist etwas weniger als für das Vorjahr angekündigt. Die Dividende steigt um fünf Cent auf 1,50 Euro. Insgesamt lagen die Zahlen des auch im europäischen Auswahlindex EuroStoxx 50 notierten Unternehmens im Rahmen der Erwartungen.

Gemalto auf Talfahrt

Um mehr als sechs Prozent abwärts geht es mit der Aktie des niederländischen Kartenherstellers Gemalto. Grund ist der Skandal um mutmaßlich gestohlene SIM-Kartendaten. Der US-Abhördienst NSA und sein britischer Gegenpart GCHQ sollen in großem Stil Verschlüsselungscodes für SIM-Karten gestohlen haben. Die Geheimdienste hätten dabei vor allem den weltweit führenden Kartenhersteller Gemalto aus den Niederlanden attackiert. Gemalto, Hersteller von rund zwei Milliarden SIM-Karten im Jahr, zeigte sich sehr besorgt.

Deutsche Forfait: Anleihegläubiger stimmen Änderung zu

Die Gesellschaft hat ihre Beschlussvorschläge zurückgezogen und zur Erreichung einer einvernehmlichen Lösung den Gegenanträgen zugestimmt. Zuvor hatten sich 93 Prozent der Anleihegläubiger für die One Square Advisory Services GmbH zum Gemeinsamen Vertreter der Anleihegläubiger ausgesprochen. Darüber hinaus stimmten die Anleihegläubiger einer Änderung der Anleihebedingungen zu. Danach wird der Nominalzinssatz der Unternehmensanleihe 2013/20 von 7,875 Prozent auf 2,00 Prozent gesenkt.

lg

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"