Marktbericht 20:05 Uhr

Dax rutscht wieder ab Griechen-Drama hält Börsen in Schach

Stand: 02.06.2015, 20:05 Uhr

Die wieder anziehende Inflation in Europa hat den Euro am Dienstag kräftig angetrieben. Das gefiel den Börsianern gar nicht. Der Dax sackte wieder ab. Für Aufregung an den Märkten sorgte mal wieder… Griechenland.

Die Hellas-Krise überschattete erneut das Geschehen an den Aktienmärkten. Am Mittag hieß es noch, eine Einigung im Schuldenstreit stünde unmittelbar bevor. Am Nachmittag folgte die kalte Dusche. Jeroen Dijsselbloem, der Vorsitzende der Euro-Gruppe, betonte, mit einer schnellen Einigung der Geldgeber mit Griechenland noch in dieser Woche sei nicht zu rechnen. Dass bis zum Freitag noch 300 Millionen Euro überwiesen werde, sei "praktisch und auch theoretisch ausgeschlossen", sagte er. Auch Konzessionen der Geldgeber könne die griechische Regierung nicht erwarten. "Wir werden ihnen nicht auf halbem Weg entgegen kommen", gab sich Dijsselbloem hart.

"Lieber ein Ende mit Schrecken"

An den Börsen zeigte man sich genervt über das ständige Hin und Her. "Das Thema Griechenland entwickelt sich zu einer unendlichen Geschichte", sagte Aktienhändler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner. Langsam wünsche man sich schon ein Ende mit Schrecken - statt einem Schrecken ohne Ende.

Verluste an Europas Aktienmärkten

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 20.15 Uhr

Der Dax schloss um 0,9 Prozent niedriger auf einem Vier-Wochen-Tief von knapp 11.329 Punkte. Zeitweise rutschte der deutsche Leitindex gar unter die Marke von 11.300 Zählern. Auch an den anderen europäischen Börsen in Paris, London und Zürich ging es abwärts. Der EuroStoxx50 büßte 0,4 Prozent ein, nachdem er sich lange im Plus behauptet hatte. Die Athener Börse sackte gar um rund 2,5 Prozent ab.

US-Industrie sammelt weniger Aufträge ein

Einzig die Wall Street zeigte sich widerstandsfähig. Nach anfänglichen Verlusten drehte der Dow ins Plus. Zwei Stunden vor Handelsschluss notierte er 0,2 Prozent höher. Für ein bisschen Beruhigung sorgte die Fed-Direktorin Brainard. Sie bremste die Spekulationen um eine rasche Zinswende in den USA. Es sei angemessen, zunächst mit wachsamem Auge abzuwarten, bis die Zinsen angehoben werden, sagte sie. Denn die wirtschaftliche Abkühlung könnte deutlicher ausfallen als erwartet. Tatsächlich sammelte die US-Industrie im April weniger Aufträge ein. Die Unternehmen erhielten 0,4 Prozent weniger Bestellungen als im Vormonat. Experten hatten mit einer Stagnation bei den Aufträgen gerechnet.

Euro auf Erleichterungs-Rally

Der Euro machte derweil einen kräftigen Sprung nach oben - um über zwei Cents auf 1,1177 Dollar. Zeitweise hatte er sogar an der Marke von 1,12 Dollar geschnuppert. Am Devisenmarkt setzten Anleger auf eine baldige Einigung zwischen der griechischen Regierung und den Geldgebern. Sollte es zu einer Gnadenfrist für Griechenland kommen, könne der Euro auf bis zu 1,15 Dollar steigen, meinte ein Devisenhändler. Zudem profitierte der Euro vom Anstieg der Inflation in der Euro-Zone. Die Preise zogen im Mai um 0,3 Prozent an. Dies dämpfte die zuletzt mehrfach aufgeflammten Spekulationen um eine Ausweitung des Anleihe-Ankaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB).

Renditen für europäische Staatsanleihen ziehen an

Investoren warfen im Laufe des Tages europäische Anleihen aus ihren Depots. Dies trieb die Renditen der zehnjährigen Titel aus Deutschland, Italien und Spanien in die Höhe. Der Bund-Future als Kursindikator für den deutschen Anleihemarkt rutschte um mehr als zwei Punkte auf unter 153 Zähler ab.

Bank-Aktien machen Boden gut

Im Dax standen am Dienstag die Bankwerte ganz oben in der Gunst der Anleger. Die Aktien der Deutschen Bank waren mit einem Plus von 1,5 Prozent Spitzenreiter, gefolgt von der Commerzbank, die 0,8 Prozent zulegten. "Die teilweise stark ausgebombten Finanzitel ziehen auf den niedrigen Kursniveaus wieder spekulative Käufer an", sagte ein Händler. Viele nähmen inzwischen wohl an, das nach den vielen Skandalen Ruhe einkehren dürfte. Die Deutsche Bank will außerdem verstärkt mit Fintechs zusammenarbeiten. In Deutschland werde das Geldhaus mit Microsoft kooperieren, in den USA mit IBM und in Großbritannien mit dem IT-Konzern HCL, hieß es aus Insiderkreisen.

Société Générale beflügelt Lanxess

Ein Analysten-Kommentar trieb die Aktien von Lanxess an. Sie legten 0,6 Prozent zu. Experten der französischen Großbank Société Générale haben das Kursziel von Lanxess auf 47 Euro erhöht. Positive Währungseffekte und sinkende Rohstoffpreise könnten die Gewinnausbeute bei Lanxess erhöhen, meinten die Analysten.

Börsen-Chef offen für große Übernahmen

Knapp im Minus schloss die Aktie der Deutschen Börse. Auf dem Investorentag stellte der neue Börsen-Chef Carsten Kengeter Zukäufe in Aussicht. Neben kleinen Transaktionen sei er auch ofgen für größere Übernahmen. Es gebe allerdings noch keine Festlegung in diese Richtung. Zusätzlich half der Deutschen Börse ein positiver Kommentar von Equinet. Der zuständige Analyst bezeichnete in einer Kurzstudie die Handelszahlen für den Monat Mai als "stark".

Autoaktien im Rückwärtsgang

Klar auf der Verliererspur befanden sich die Autowerte - wegen des stärkeren Euros. Die Aktien von Daimler gaben rund 2,4 Prozent nach, die Titel von VW büßten 1,5 Prozent ein. Dabei konnten die Wolfsburger ihre Durstrecke in den USA beenden. Im Mai konnte die Kernmarke VW den Absatz um acht Prozent steigern. Daimler verkaufte elf Prozent mehr Wagen in den USA.

Evonik-Eigner: Clariant-Übernahme kein Thema

Die Essener RAG-Stiftung würde es nach den Worten ihres Chef Werner Müller "begrüßen", wenn der Chemiekonzern den einen oder anderen Zukauf stemmen würde. "Es muss nicht unbedingt ein großer Schritt sein", so Müller. Eine milliardenschwere Übernahme des Baseler Konkurrenten Clariant, über die seit Monaten spekuliert wurde, sei für ihn allerdings kein Thema, sagte Müller. "Für mich ist dieses Thema gegessen." Die RAG, der Evonik mehrheitlich gehört, will derzeit keine ihrer Anteile verkaufen.

Salzgitter holt sich neues Geld

Salzgitter hat am Dienstag angekündigt, eine Wandelanleihe im Volumen von bis zu 170 Millionen Euro auszugeben. Die 3,5 Millionen Aktien, in die die Anleihe gewandelt werden kann, entspricht knapp sechs Prozent des Grundkapitals. Die Salzgitter-Aktien schlossen 0,4 Prozent im Plus.

Übernahme treibt Manz

Mit einem Plus von rund vier Prozent führte Manz den TecDax an. Anleger begrüßen die Übernahme, die das TecDax-Mitglied am Morgen bekannt gegeben hat. Manz übernimmt den Leiterplattenhersteller Kleo, eine Tochter der Zeiss-Gruppe. Damit soll die Position in diesem Technologie-Bereich ausgebaut werden. Über den Kaufpreis herrscht Stillschweigen, Manz will die Übernahme aus den Mitteln der im April durchgeführten Kapitalerhöhung finanzieren.

Gesco verpasst Ziele

Zu den SDax-Verlierern zählte Gesco mit einem Minus von 1,3 Prozent. Die Beteiligungsfirma hat wegen zwei Sanierungsfällen ihre mehrfach gekappten Jahresziele verfehlt. Im Geschäftsjahr 2014/15 stagnierte der Umsatz bei 451 Millionen Euro. Der Gewinn sackte von 18 auf 12,4 Millionen Euro ab. Zuletzt waren Erlöse von 455 bis 460 Millionen Euro und ein Überschuss von 14,5 bis 15 Millionen Euro angepeilt gewesen. Die Private-Equity-Gesellschaft kürzt nun die Dividende - um 45 Cent auf 1,75 Euro je Aktie.

Deutsche Rohstoff AG in der Gewinnzone

Aus der dritten Reihe meldete sich die Deutsche Rohstoff AG mit Zahlen. Die im Entry Standard notierte Gesellschaft schaffte im abgelaufenen Geschäftsjahr den Sprung in die schwarzen Zahlen. Der Gewinn betrug 54 Millionen Euro nach einem Verlust von 7,7 Millionen Euro im Vorjahr. Das gute Ergebnis resultiert größtenteils aus dem Verkauf der Vermögensgegenstände der US-Tochter Tekton Energy. Die Anleger sollen eine Dividende von 50 Cents je Aktie erhalten. Die Aktie zog bei hohen Umsätzen leicht an.

Formycon erhöht Prognose

Das Biosimilar-Unternehmen Formycon ist hingegen im ersten Quartal in die roten Zahlen gerutscht. Das Ebitda lag bei minus 0,3 Millionen Euro. Der Umsatz halbierte sich nahezu auf 3,0 Millionen Euro. Als Grund für den Rückgang nannte Formycon eine Einmalzahlung aus einer Lizenzvereinbarung im Vorjahresquartal. Für das restliche Geschäftsjahr zeigt sich Formycon zuversichtlich und hob die Prognose an. Wegen der Auslizensierung für das Biosimilar FYB203 wird ein positives Ebitda in Aussicht gestellt. Die Formycon-Aktie verlor fast vier Prozent. In den letzten zwölf Monaten hat sie allerdings das Vierfache an Wert gewonnen.

Tabakkonzerne unter Druck

15 Milliarden kanadische Dollar an Entschädigungszahlungen müssen die drei Konzerne JTI, Rothmans sowie Imperial Tobacco, eine Tochter von British American Tobacco (BAT), leisten. Das oberste Gericht in der Provinz Quebec beendete damit einen 17 Jahre andauernden Rechtsstreit. Zwei der Unternehmen kündigten bereits eine Berufung gegen das Urteil an. Die BAT-Aktien büßten rund vier Prozent ein.

nb

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"