Griechen-Deal lässt Börsianer aufatmen

Stand: 09.02.2012, 20:03 Uhr

Nach der dreitägigen Verschnaufpause hat der Dax am Donnerstag wieder Fahrt aufgenommen. Die lange ersehnte Einigung über den Sparplan in Griechenland und glänzende Zahlen von Daimler schoben die Kurse an. Die Wall Street und die EZB bremsten aber den Kursanstieg.

Lange mussten die Anleger bangen. Nun endlich haben sich die Parteispitzen auf das von EU und IWF geforderte Sparprogramm geeinigt hätten. Regierungschef Lucas Papademos bestätigte am späten Nachmittag die Einigung. Ein neues Sparpaket ist Voraussetzung für weitere Milliarden-Hilfen an Griechenland.

Die Anleger begrüßten den Deal, als erste Gerüchte durchsickerten. Der Dax baute seine Kursgewinne aus, gab dann aber einen Teil davon wieder bis zum Abend ab. Der deutsche Leitindex beendete den Xetra-Handel um 0,6 Prozent höher bei 6.789 Punkten. Der L/E-Dax schloss bei rund 6.803 Zählern.

Wall Street fast unverändert

Als zusätzliche Bremse erwies sich die Wall Street. Die Kurse dümpelten bis zum Abend vor sich hin. Der Dow legte nur leicht zu. Kaum beachtet wurden die US-Konjunkturdaten, die gemischt ausfielen. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sanken überraschend. Dagegen stiegen die Lagerbestände der Unternehmen im Dezember stärker als erwartet.

EZB dreht vorerst nicht an der Zinsschraube
Hoffnungen auf weitere Zinssenkungsschritte zerstreute am Nachmittag EZB-Präsident Mario Draghi. "Offen gesagt, wir haben nicht über die Perspektiven oder eine aktuelle Zinsänderung gesprochen", erklärte er vor Journalisten. Wie erwartet beließ die Europäische Zentralbank den Leitzins bei 1,0 Prozent. Draghi zeigte sich zuversichtlich, dass sich die Eurozone im Laufe des Jahres ganz allmählich erholen werde. Zu den Liquiditätsmaßnahmen äußerte sich Draghi verhalten. Der Effekt des ersten Drei-Jahres-Langfrist-Tenders entfalte sich noch. Für Ende Februar ist ein weiterer Langfrist-Tender geplant, bei dem sich Banken für drei Jahre Geld zu einem Mini-Zins von einem Prozent leihen können. Unklar blieb, ob sich die EZB sich an der Umschuldung Griechenlands beteilige.

Indes dreht die Bank of England erneut den Geldhahn auf. Die Notenbank kündigte am Mittag an, die Aufkäufe britischer Staatsanleihen um 50 Milliarden Pfund aufzustocken. Bislang hat die Bank of England 275 Milliarden Pfund für britische Staatstitel ausgegeben. Mit den Anleihe-Käufen will die Bank of England erreichen, dass Kredite fließen und das effektive Zinsniveau weiter sinkt.

US-Banken akzeptieren Milliardenvergleich
Im Rampenlicht standen am späten Nachmittag die US-Großbanken. Die US-Regierung gab einen milliardenschweren Vergleich mit den fünf Großbanken Bank of America, Wells Fargo, JPMorgan Chase, Citigroup und Ally Financial bekannt. Sie erklärten sich bereit, insgesamt 25 Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen. Damit sollten klamme Hausbesitzer unterstützt und auch Bundesstaaten entlastet werden. Die Regierung wirft den Banken illegales Vorgehen bei Zwangsräumungen sowie unsaubere Hypothekengeschäfte vor. Die Aktien der US-Banken gaben nur leicht nach.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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-1,19%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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71,00
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-0,99%

Beifall für Daimler
Vor allem Autoaktien gaben am Donnerstag dem Dax kräftig Schwung. Die Daimler-Aktien stiegen um fast fünf Prozent, gefolgt von BMW mit einem Plus von drei Prozent. Die Aktien von VW stiegen um zwei Prozent. Der Autobauer hat eine beeindruckende Jahresbilanz vorgelegt. Die Schwaben fuhren mit sechs Milliarden Euro den größten Gewinn aller Zeiten ein. Auch der Ausblick war vielversprechend.

HeidelCement wird abgestraft
Solide waren auch die Zahlen von HeidelbergCement. Der Baustoffkonzern verdiente im vierten Quartal 2011 dank der weiterhin guten Nachfrage in den Schwellenländern mehr. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) stieg um knapp sieben Prozent und somit stärker als von Analysten prophezeit. Einen Ausblick wagte HeidelCement jedoch nicht. Das ernüchterte die Anleger. Die Aktie gab leicht nach.

Lufthansa transportiert weniger Fracht
Mit einem Minus von 1,5 Prozent zählte die Lufthansa zu den größten Verlierern. Die Airline beförderte im Januar gut vier Prozent mehr Fluggäste. Dagegen ging das Frachtaufkommen um elf Prozent zurück - auch wegen der chinesischen Neujahrsfeiern, die den Luftfrachtmarkt zeitweise zum Stillstand brachten. Eine Belastung könnte auch ein drohender Streik der Kontrolleure am Frankfurter Flughafen sein.

Rhön-Klinikum bekommt Zuschlag in Wiesbaden
Rhön-Klinikum hat am Abend grünes Licht für die Beteiligung an den kommunalen Dr.-Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden bekommen. Die Stadtverordnetenversammlung stimmte dafür. Allerdings könnte ein Bürgerbegehren den Verkauf verzögern. Mit der Wiesbadener Beteiligung rechnet der private Krankenhausbetreiber für 2012 mit einem Umsatz von 2,85 Milliarden Euro und einem Gewinn von 145 Millionen Euro. Im abgelaufenen Geschäftsjahr steigerte Rhön-Klinikum dank höherer Patientenzahlen Umsatz und operatives Ergebnis, blieb aber hinter den Analystenschätzungen zurück. Die Aktie schloss 2,5 Prozent höher.

Hugo Boss in Topform
Der größte Deutsche Modehersteller Hugo Boss hat trotz der schleppenden Konjunktur 2011 mit Rekordergebnissen abgeschlossen. Das Unternehmen profitierte unter anderem von einem florierenden Weihnachtsgeschäft. Der Damen- und Herrenmodenhersteller steigerte 2011 sein operatives Ergebnis um ein Drittel auf 469 Millionen Euro. Analysten hatten mit weniger gerechnet. Die Aktie legte knapp ein Prozent zu.

Sky beschließt Kapitalerhöhung
Unter den größten MDax-Verlierern befand sich die Aktie von Sky. Im späten Parketthandel weitete der Medientitel seine Verluste weiter aus und rutschte um gut sieben Prozent ab. Der Pay-TV-Sender kündigte am Abend eine Kapitalerhöhung an. Demnach sollen 71 Millionen neue Aktien ausgegeben werden. Sie werden institutionellen Investoren mittels eines beschleunigten Bookbuilding-Verfahrens - unter Ausschluss der Bezugsrechte der bestehenden Aktionäre - angeboten. Mit dem Geld aus dem Kapitalschritt sollen unter anderem die Investitionen erhöht werden, um die Abonnentenzahl zu steigern.

Balda-Streit nicht begeigelegt
Die Aktie von Balda ist am Donnerstag weiter abgerutscht auf 4,50 Euro. Der Machtkampf zwischen dem Großaktionär Octavian, der über acht Prozent der Anteile hält, und dem Aufsichtsrat geht weiter. Nachdem auf der außerordentlichen Hauptversammlung der bisherige Aufsichtsrat im Amt bestätigt wurde, versucht Octavian einen zweiten Anlauf. Auf der ordentlichen HV im Mai will er erneut den Aufsichtsrat stürzen. Octavian wirft dem Gremium Interessenskonflikte wegen der Beteiligung am taiwanesischen Touchscreen-Hersteller TPK vor. TPK gehört zu 25 Prozent dem Investor Michael Chiang und seiner Familie. An Balda hält die Familie 27,6 Prozent.

Mobototix behält Durchblick
Aus der dritten Reihe meldeten mehrere Unternehmen ebenfalls Zahlen. So zum Beispiel Mobotix. Der Videoüberwachungskamera-Hersteller hat im ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2011/12 den Umsatz und Gewinn um jeweils sechs Prozent gesteigert. In den vergangenen Quartalen war das Wachstum allerdings meist zweistellig ausgefallen. Die Aktie verlor rund ein Prozent.

Starke Bilanz von Leifheit
Im Vorfeld der wichtigen Konsumgüter-Messe Ambiente in Frankfurt haben die zwei Haushaltsgerätehersteller Leifheit und WMF ihre Bilanzen vorgelegt. Leifheit steigerte dank des starken Deutschlandgeschäfts den Umsatz um fünf Prozent auf 222 Millionen Euro. Das operative Ergebnis legte noch kräftiger zu - um knapp 20 Prozent auf 10,5 Millionen Euro. Der Ende Oktober auslaufende Vertrag von Vorstandschef Georg Thaller soll verlängert werden. Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, das Unternehmen sehe sich nach einem Nachfolger um. Die Aktie schloss vier Prozent höher.

WMF stattet Chinesen mit Kochtöpfen aus
Der schwäbische Konsumgüterhersteller WMF hat im vergangenen Jahr seine Umsatzprognose übertroffen und fast die Marke von einer Milliarde Dollar geknackt. Die Erlöse kletterten um neun Prozent auf 980 Millionen Euro - vor allem dank der starken Nachfrage im Ausland, besonders China. Die dortige neue Mittelschicht würde ihre neue Küche oft mit deutschen Elektrogeräten, Kochtöpfen und Besteck ausstatten, meinte WMF-Chef Thorsten Klapproth. Die Aktie kletterte um vier Prozent nach oben auf den höchsten Stand seit Mitte 2008.

Wizcom ist pleite
Um weitere 33 Prozent sackte am Donnerstag die Wizcom-Aktie ab - auf nur noch sechs Cents. Die israelische Hightech-Firma hat beim Gericht Insolvenz beantragt. Das Gericht reagierte noch nicht, denn die Verwaltung in Israel befand sich am Donnerstag im Streik. Wizcom war einst im Neuen Markt notiert und machte Schlagzeilen mit dem Übersetzungsstift. Die Aktie war seit mehreren Jahren nur noch ein Penny-Stock.

Rote Zahlen von Credit Suisse
Der Überschuss bei Credit Suisse brach 2011 um mehr als 60 Prozent auf nur noch knapp 2 Milliarden Franken ein. Im vierten Quartal rutschte die Bank erstmals seit drei Jahren in die roten Zahlen und schrieb einen Reinverlust von 637 Millionen Franken. Ein Jahr zuvor hatte die Bank im Schlussviertel noch 841 Millionen Franken verdient. Das Defizit übertraf bei weitem die Befürchtungen von Analysten. Wie bei vielen Konkurrenten lief vor allem das Investmentbanking schlechter. Die Aktie gab deutlich nach.

Paukenschlag von ING
Der staatlich gestützte niederländische Finanzkonzern ING hat 2011 trotz Belastungen infolge der Schuldenkrise und Problemen in den USA deutlich mehr verdient. Der Überschuss verdoppelte sich auf fast 5,8 Milliarden Euro. Damit übertraf der Konzern auch die Erwartungen der Analysten. Im vierten Quartal blieb der Konzern, der in Deutschland vor allem durch seine Direktbank ING DiBa bekannt ist, nur dank seines Bankgeschäfts in den schwarzen Zahlen.

Vodafone in der Südeuropa-Falle
Das schwache Südeuropa-Geschäft belastete die Quartalsbilanz von Vodafone. Der Umsatz schrumpfte im dritten Quartal des Geschäftsjahrs 2011/12 um über zwei Prozent auf 13,89 Milliarden Euro. Der organische Service-Umsatz, eine wichtige Kennzahl für die Entwicklung in der Branche, kletterte konzernweit um 0,9 Prozent. Analysten hatten mit einem Anstieg von 1,1 Prozent gerechnet. Am Ausblick hielt Vodafone fest. Die Aktie schloss leicht tiefer.

Diageo wächst hochprozentig
Der Durst in den Schwellenländern auf hochprozentiges bescherte dem weltgrößten Spirituosen-Hersteller ein Umsatzplus von sieben Prozent im ersten Halbjahr 2011/12. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte um 16 Prozent und damit stärker als erwartet. Für die Zukunft zeigte sich der Hersteller von Smirnoff-Wodka und Johnnie-Walker-Whisky verhalten optimistisch und bekräftigte die mittelfristigen Ziele. Die Aktie gab leicht nach.

Pepsi streicht fast 9.000 Jobs
Dank Übernahmen steigerte der Getränkehersteller PepsiCo seinen Umsatz um elf Prozent auf 20,2 Milliarden Dollar. Der Gewinn erhöhte sich um gut ein Drittel auf 1,42 Milliarden Dollar. Kosteneinsparungen glichen gestiegene Rohstoffpreise aus. Künftig muss Pepsi noch weiter sparen und plant den Abbau von 8.700 Jobs. Gleichzeitig investiert Pepsi in den nächsten drei Jahren 1,5 Milliarden Dollar, um dem Rivalen Coca-Cola Paroli zu bieten. Die Aktie verlor rund drei Prozent.

Oracle schlägt zurück
Große Expansionspläne hat auch Oracle. Der Softwareriese kündigte am Donnerstag den Zukauf des Cloud-Computing-Anbieters Taleo an. 1,9 Milliarden Dollar will Oracle hinblättern. Damit kontert Oracle den jüngsten Milliarden-Deal von SAP., Die Walldorfer hatten vor zwei Monaten den Kauf der Personalmanagement-Software-Firma Success Factors angekündigt.

Tagestermine am Montag, 10. Dezember

Unternehmen:
Keine Termine absehbar

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, zweite Schätzung, 00:50 Uhr
Deutschland: Außenhandel im Oktober, 08:00 Uhr
Italien: Industrieproduktion, Oktober, 11:00 Uhr
Deutschland: Sentix Konjunkturindex, Dezember, 10:30 Uhr
Großbritannien:Industrieproduktion, Oktober, 10:30 Uhr