Grexit-Pause

Stand: 24.05.2012, 20:02 Uhr

Es war ein volatiler Handelstag, an dem der Dax letztendlich dann aber doch noch die Kurve gekriegt und zugelegt hat. Die Euro-Sorgen bleiben, traten aber zumindest kurzfristig in den Hintergrund.

Um rund ein halbes Prozent auf 6.315 Punkte ist es letztlich am Donnerstag bergauf gegangen mit dem deutschen Leitindex, der sich nach einem schwachen Start im Handelsverlauf aufgerappelt hat. Das Tagestief am Vormittag lag bei 6.244, das Hoch bei 6.351 Punkten. Nachbörslich folgte der Markt der etwas abbröckelnden Wall Street, der L/E-Dax schloss bei 6.289 Punkten.

Zwar sind die Euro-Sorgen keineswegs vom Tisch, was unter anderem auch daran abzulesen ist, dass es kaum mehr einen Volkswirt, Marktstrategen oder Experten gibt, der nicht die verschiedenen Folgeszenarien eines Austritts Griechenlands aus dem Euro rauf- und runter dekliniert;

trotzdem hat die Börse zumindest heute Nachmittag im Zuge der stabilen US-Tendenz sich eine "Grexit-Auszeit" genommen und den überwiegend konstruktiven Unternehmensmeldungen gewidmet. Sogar die schwächer als erwartet ausgefallenen deutschen Konjunkturdaten vom Vormittag wurden beiseite geschoben. Sowohl der Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie als auch der Ifo-Geschäftsklimaindex waren im Mai stärker gefallen als erwartet.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,90
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Metro und SAP ex Dividende
Optisch am Ende der Dax-Liste standen Metro und SAP, die allerdings beide mit Dividendenabschlag gehandelt wurden. Metro schütten 1,35, SAP 1,10 Euro aus. Zu den Tagesgewinnern gehörten neben der Deutschen Post nach positiven Analystenkommentaren die beiden Versorger RWE und Eon. Auch die Aussagen von der HV der Deutschen Telekom fanden Gefallen. Im MDax waren die Papiere des Bezahlsenders Sky gesucht und profitierten damit weiterhin von der Aussicht, dass der Konkurrent Telekom auf den Fußball-Bundesliga-Zug aufspringen will.

Euro bleibt unter 1,26
Nur kurz hat die Gemeinschaftswährung nach Gerüchten über Notenbankinterventionen die Nase wieder über die Marke von 1,26 Dollar gehoben, um dann wieder zurückzufallen. Der Euro steht aktuell bei 1,2580 hat sich aber von seinem Tagestief bei 1,2512 Dollar zumindest erholt. Anders als am Aktienmarkt hat die Gemeinschaftswährung damit aber nur einen halbherzigen Turnaround geschafft.

"Nach dem ergebnislosen EU-Gipfel gibt es immer noch eine Menge Unsicherheit wegen Griechenland", sagte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz.

Wall Street etwas leichter
Die amerikanischen Aktienmärkte haben im Handelsverlauf etwas an Boden preis gegeben. Der Dow-Jones-Index, der wie die anderen großen Aktienindizes zunächst in der Nähe seiner gestrigen Schlusskurse tendierte, gibt aktuell 0,3 Prozent ab auf 12.460 Zähler. Auch die jüngsten Konjunkturdaten haben dem Markt wenig Anschub gegeben. Die wöchentlichen Arbeitslosenzahlen lagen mit 370.000 Neuanträgen im Rahmen der Erwartungen, die Aufträge für langlebige Güter waren im April leicht gestiegen. Insgesamt werteten Marktbeobachter die Daten als neutral.

Die Facebook-Aktie setzt derweil ihre zaghafte Erholung fort und gewinnt aktuell über ein Prozent auf 32,40 Dollar. Wegen der massiven Pannen an der Computerbörse Nasdaq erwägt Facebook nach einer Meldung der Nachrichtenagentur "Bloomberg" nunmehr, zur traditionsreichen Parkettbörse, der New York Stock Exchange, zu wechseln. Gesucht sind nach den angekündigten Stellenstreichungen auch die Papiere von Hewlett-Packard, die gut 1,7 Prozent besser im Markt liegen, allerdings mittlerweile deutlich unter ihrem Tageshoch notieren. In der Spitze war die Aktie schon gut fünf Prozent im Plus gewesen.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,14
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-0,49%

Telekom will wachsen
Die Aktie der Deutschen Telekom schloss nach schwachem Auftakt nach einer Intraday-Rally auf Tageshoch bei 8,87 Euro. Das Tief lag bei 8,66 Euro. Am Tag der Hauptversammlung hat T-Chef René Obermann die mittelfristigen Ziele für die neuen Geschäftsfelder festgezurrt. Mit mobilem Internet und Leistungen zum dem vernetzten Heim sollen bis 2015 insgesamt 29 Milliarden Euro Umsätze erwirtschaftet werden. Einen vollständigen Verkauf von T-Mobile USA hält der Manager für "unwahrscheinlich".

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
63,41
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-0,92%

Bayer kommt bei Xarelto nicht voran
Aktien des Pharmariesen verloren 0,7 Prozent, haben damit aber ihre Verluste zumindest eingegrenzt. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat sich gegen den Einsatz des Bayer-Medikaments Xarelto bei der Herzerkrankung ACS ausgesprochen. Das Umsatzpotenzial für die Anwendung hatten Analysten auf rund 300 Millionen Euro jährlich geschätzt.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
73,47
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-0,72%

BMW setzt weiter auf China
Die Münchener haben am Donnerstag ihr zweites Werk in China eröffnet und sind weiterhin guter Dinge. Trotz einer möglichen Konjunkturabschwächung in China rechnen die Münchener dort mit einem Wachstum von 25 bis 30 Prozent. Das sagte BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner am Donnerstag von Journalisten in Peking. 2011 haben die Münchener 217.000 Autos in China verkauft.

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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25,27
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+1,73%

Deutsche Post wird konkreter
Aussagen des Managements auf dem Analystentag in London kamen gut an am Markt, die Post-Aktie führte mit einem Zuwachs von 2,76 Prozent die Gewinnerliste im Dax an. Bis 2015 soll das operative Ergebnis (Ebit) nach den Worten von Firmenchef Frank Appel auf 3,35 bis 3,55 Milliarden Euro steigen. Appel konkretisierte damit frühere Aussagen. Die Ziele für das laufende Jahr wurden bestätigt, das operative Ergebnis soll von 2,4 auf 2,5 bis 2,6 Milliarden Euro steigen.

Etappensieg für Fresenius
Bei Fresenius geht es voran mit der geplanten Übernahme des Klinikbetreibers Rhön-Klinikum. Der Rhön-Vorstand empfahl heute seinen Aktionären, dass Fresenius-Angebot von 22,50 Euro je Aktie anzunehmen. Beide Konzerne hätten sich zuvor grundsätzlich über eine Arbeitsplatz- und Standortsicherung sowie die Integration des Konzerns geeinigt. Fresenius muss mehr als 90 Prozent der Rhön-Aktien einsammeln, damit die Übernahme gelingt. Diese Hürde hat Konzernchef Ulf Schneider gesetzt, weil sie die Rhön-Satzung für alle wichtigen Entscheidungen vorschreibt.

Salzgitter gibt sich zuversichtlich
Aktien des Stahlproduzenten waren gesucht, denn das Unternehmen blickt nach den Worten von Firmenchef Heinz Jörg Fuhrmann trotz hoher Rohstoffpreise optimistisch in die Zukunft. Die Aktie gehörte mit einem Aufschlag von 1,8 Prozent zu den stärksten Gewinnern im MDax. Die Dividende für 2011 wird aufgrund einer hohen Steuererstattung von 0,32 auf 0,45 Euro erhöht. Auch die Analysten der UBS äußerten sich positiv und stuften den Wert von "Neutral" auf "Kaufen" herauf.

Drillisch erhöht die Prognose
Der im TecDax notierte Mobilfunkdienstleister wird nach dem guten Start in das laufende Jahr mutiger und erhöht seine Erwartung für das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda). Dieses soll nunmehr um gut fünf Prozent höher bei 60 bis 61 Millionen Euro liegen. Das Unternehmen hält morgen seine Hauptversammlung ab. Die Aktie sprang jedoch nur kurz ins Plus und sackte danach wieder ab.

Hornbach auf Expansionskurs
Die Baumarktgruppe aus dem SDax hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2011/12 (per 29.Februar) den Umsatz um 6,2 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro erhöht. Das Ebit stieg um 6,3 Prozent auf 169 Millionen Euro. Holding-Chef Albrecht Hornbach sprach von einem erstklassigen Geschäftsjahr, trotz der hohen Investitionen. Vor allem in das Online-Geschäft ist investiert worden. Zukünftig will Hornbach im Ausland expandiert werden. Die Aktie verlor 0,7 Prozent.

Indus-Gewinn sackt ab
Die Aktie der Industrie-Beteiligung Indus konnte ihre Tagesgewinne am Ende nicht verteidigen und schloss leichter. Das SDax-Unternehmen hat im ersten Quartal ihren Umsatz von 255,6 auf 260,9 Millionen Euro gesteigert. Unter dem Strich sank der Gewinn von 15,4 auf 11,3 Millionen Euro.

Thomas Cook wird fündig
Der britische Reiseveranstalter und Tui-Konkurrent hat nach monatelanger Suche eine neue Vorstandschefin gefunden. Harriet Green wird Ende Juli das Ruder übernehmen. Die Aktie, die allerdings mittlerweile nur noch ein Penny-Stock ist, reagiert mit deutlichen Zuwächsen. Thomas Cook befindet sich inmitten eines tiefgreifenden Konzernumbaus.

Milliardensegen für Dow Chemical
Dow-Chemical-Aktien legen an der New Yorker Börse über zwei Prozent zu. Der BASF-Konkurrent kann sich nach einem Urteil des Internationalen Strafgerichtshofes ICC auf 2,12 Milliarden Dollar freuen. Zahlen muss die kuwaitische Petrochemical Industries PIC. Die Araber hatten im Jahr 2008 ein 17-Milliarden-Dollar schweres Joint-Venture platzen lassen. Im Zuge der Vereinbarung sollte Dow von Kuwait für seinen Anteil etwa 7,5 Milliarden Dollar erhalten.

Tagestermine am Dienstag, 18. Dezember

Unternehmen:
FedEx: Q2-Zahlen
Navistar: Q4-Zahlen
Micron Technology: Q1-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklima 12/18, 10:00 Uhr
USA: Baubeginne und Genehmigungen 11/18, 14:30 Uhr