Marktbericht 20:00 Uhr

Anleger spielen auf Zeit Grauer Monatsstart für den Dax

Stand: 03.11.2014, 20:00 Uhr

Nach vier Tagen in Folge mit zum Teil deutlichen Kursaufschlägen machen die Anleger im November erst einmal Kasse. Aber die Rally muss nicht zu Ende sein, denn auch in dieser Woche könnte es noch Überraschungen geben: Neben der Vielzahl von Quartalsberichten wird die Zinssitzung der EZB die Aufmerksamkeit der Investoren absorbieren.

Der Dax schloss zum Wochenstart mit einem Minus von 0,8 Prozent bei 9.251,70 Punkten. In der vergangenen Woche hatte er 3,7 Prozent zugelegt. "Angesichts der laufenden Bilanzsaison und der Sitzung der EZB am Donnerstag wollen sich die Anleger nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen", sagte ein Händler. Der Dow Jones lag bei Handelsschluss in Deutschland in etwa auf Vortagesniveau. Der Late Dax gab um 0,3 Prozent auf 9.286,56 Punkte nach. Einige Investoren strichen Gewinne ein, kommentierte Marktanalyst Arkadius Barczynski vom Broker GKFX. Hinzu kämen durchwachsene Konjunkturdaten.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Monat
Kurs
11.066,41
Differenz relativ
-1,58%

Die Fachleute von Index-Radar teilen diese Auffassung: Kurzfristig fordere der steile Anstieg der vergangenen Tage und Wochen Gewinnmitnahmen geradezu heraus, schreiben sie in ihrem Marktkommentar. "Wer auf schnelle Profite aus ist, sollte nun daher zumindest teilweise Kasse machen. Anleger, die längerfristig denken, können eine Konsolidierung dagegen vielleicht schon bald zum vorsichtigen Einstieg nutzen, raten die Experten.

Die Konjunkturdaten des Tages

Anlass für den leichten Rücksetzer waren schwächere Wirtschaftsdaten aus China. Und in der Eurozone lag die Stimmung in der Industrie leicht unter der Erwartung. Daten aus den USA fielen gemischt aus. Die Bauausgaben im September zum Vormonat um 0,4 Prozent gesunken. Bankvolkswirte waren hingegen von einem Anstieg um 0,7 Prozent ausgegangen.

Der ISM-Index des Verarbeitenden Gewerbes stieg dagegen auf 59 Punkte. Erwartet wurde ein leichter Rückgang auf 56,1 Punkte. "Die Zahl überrascht positiv und so besteht kein Zweifel an einer anhaltend hohen wirtschaftlichen Dynamik in den USA", schreibt Helaba-Experte Ralf Umlauf. Die Tatsache, dass auch die Beschäftigungskomponente erneut weit im Expansionsbereich liegt, weise laut Umlauf zudem daraufhin, dass die Erholung des Arbeitsmarktes fortschreite.

Die Notenbanken im Blick

Sollte dieser Trend anhalten, könnte dies darauf hindeuten, dass die Fed im nächsten Jahr erstmals seit der Finanzkrise die Zinsen wieder anheben könnte. Vor diesem Hintergrund sind insbesondere die Monatszahlen des US-Arbeitsmarktes am Freitag von großem Interesse. Sie könnten den Anlegern entscheidende Hinweise auf den Zeitpunkt für eine Zinserhöhung in den USA liefern, so Umlauf.

Mario Draghi

Mario Draghi, EZB-Boss . | Bildquelle: picture alliance / dpa

Aber das ist noch nicht alles. Auch der EZB-Zinsentscheid steht am Donnerstag an. Diese beiden wichtigen Termine zum Wochenende hin sind wohl auch ein Grund für die heutige Zurückhaltung der Investoren. Die Devise am Parkett scheine zu lauten, mal schauen, was uns die EZB am Donnerstag Feines bereithält, kommentiert Jens Klatt, Marktstratege bei DailyFX.

In dieser Woche wird es eher noch nicht so weit sein, aber die Chancen für den Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB im kommenden Jahr sind nach Ansicht von Händlern zuletzt gestiegen. In einer aktuellen Reuters-Umfrage veranschlagen die Experten mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent, dass die EZB solche Papiere erwirbt.

ThyssenKrupp zeitweise Spitze

Die Aktie von ThyssenKrupp legte zu, denn die deutsche Stahlindustrie rechnet trotz der zunehmenden Konjunkturrisiken mit leicht anziehenden Geschäften. Zwar hätten die Konjunkturdaten in Deutschland in den vergangenen Monaten für Enttäuschung gesorgt, sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff. Es gebe aber keinen Grund, die bisherige Prognose zu korrigieren. Die Branche werde ihre Produktion hierzulande in diesem Jahr wohl um ein Prozent auf 43 Millionen Tonnen steigern. Im bisherigen Jahresverlauf liege das Plus bei 2,5 Prozent.

Die Hoffnung treibt Coba-Titel

An der Spitze schloss die Aktie der Commerzbank. Die Investmentbank Equinet hat den Titel vor den Quartalszahlen auf "Hold" mit einem Kursziel von 13 Euro belassen. Analyst Philipp Häßler erwartet ein gutes drittes Quartal, der Vorsteuergewinn sollte sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt haben. Die Aktie sei nach wie vor attraktiv bewertet.

HeidelbergCement spart

Auch die Aktie von HeidelbergCement präsentierte sich besser als der Schnitt. Der Baustoffkonzern hat mitgeteilt, sich nicht weiter am Bieterverfahren um die im Rahmen der Fusion von Lafarge und Holcim zum Verkauf gestellten Geschäftsbereiche zu beteiligen. Ein Händler wertete das leicht positiv, da nicht unnötig Geld ausgegeben werde.

Audi erhöht Prognose...

Audi setzt sich für 2014 ein höheres Umsatzziel. Bislang ging der Autobauer von einem leichten Anstieg der Erlöse aus. Nun geht der Konzern wegen des höheren Absatzwachstums "von einer moderaten Steigerung im Gesamtjahr 2014" aus. Wie groß das Plus ausfallen soll, wollte Audi nicht verraten. Im vergangenen Jahr erzielte Audi Erlöse in Höhe von 49,9 Milliarden Euro.

...und VW hat Sorgen in Russland

Die Konzernmutter VW hat dagegen Probleme in Russland: Volkswagen schraubt wegen der Auswirkungen der Ukraine-Krise die Produktion dort weiter zurück. Bereits im September hatte das Werk in Kaluga zwei Wochen lang nicht produziert. Bis September war der Absatz der Wolfsburger in Russland um 13 Prozent eingebrochen - analog zum Gesamtmarkt.

Besser läuft es in den USA. VW meldet nach 18 Monaten Talfahrt wieder steigende Verkaufszahlen. Im Oktober lieferten die Wolfsburger rund 30.300 Wagen ihrer Kernmarke VW Pkw aus und damit knapp acht Prozent mehr als vor einem Jahr. Hauptgrund waren kosmetische Überarbeitungen beim Jetta, die für neue Nachfrage sorgten. Von dem in den USA am häufigsten verkauften VW-Modell wurden im Oktober knapp 3.000 Exemplare mehr abgesetzt als ein Jahr zuvor.

Siemens: Richtig gehört?

Die Siemens-Aktie sank mit dem Markt. Laut übereinstimmenden Medienberichten steht Siemens kurz vor dem Verkauf seiner Hörgerätesparte für gut zwei Milliarden Euro an den schwedischen Finanzinvestor EQT. Dabei sollen nur 500 Millionen Euro der Kaufsumme aus Eigenkapital aufgebracht werden. Bei der Siemens-Sparte wird nun ein harter Sparkurs befürchtet.

Deutsche Börse: Umsatz steigt

Die starken Ausschläge an den Märkten sorgen für brummende Geschäfte bei der Deutschen Börse. Im Oktober legten die Umsätze im Aktien- und Derivatehandel deutlich zu. Wenn die Volatilität an den Märkten steigt, machen meist auch Hochfrequenzhändler mehr Geschäfte und das Handelsvolumen schnellt nach oben. Auf dem Computersystem Xetra, im Parketthandel in Frankfurt und bei der Berliner Börse Tradegate kletterte der Umsatz im Oktober deshalb um 42 Prozent auf 141 Milliarden Euro. In der Derivate-Sparte Eurex stieg die Zahl der durchschnittlichen gehandelten Kontrakte pro Börsentag um gut ein Viertel auf 9,9 Millionen.

Sky Deutschland: Neue Verluste in Sicht

Im MDax stand Sky Deutschland nach einem starken Quartalsergebnis im Blick. Kurz vor der Übernahme durch den britischen Pay-TV-Sender BSkyB  erzielte der Konzern erstmals seit der Umbenennung von Premiere in Sky Deutschland einen Quartalsgewinn. Unter dem Strich stand ein Überschuss von 12,3 Millionen Euro nach einem Minus von 14,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Allerdings stimmt Sky die Anleger auf eine weitere Verlustserie ein.

Aurubis: Der Neue ist der Alte

Beim Kupferhersteller Aurubis übernimmt der frühere Vorstandschef wieder das Steuer. Bernd Drouven kehrt für maximal ein Jahr an die Unternehmensspitze zurück. Er ersetzt dort Peter Willbrandt, der unlängst erklärte hatte, seinen im März 2015 auslaufenden Vertrag aus persönlichen Gründen nicht zu verlängern. Die Personalie trieb in Verbindung mit einer HSBC-Kurszielanhebung die Aurubis-Aktie zeitweise auf den höchsten Stand seit Februar.

Südzucker weiter auf Erholungskurs

Größter MDax-Gewinner war die Südzucker-Aktie mit einem Kursplus von mehr als drei Prozent. Der schwächste MDax-Wert des laufenden Börsenjahres (50 Prozent Kursverlust in der Spitze) setzt seine Erholungsbewegung fort.

RTL im Youtube-Fieber

Die RTL-Gruppe baut ihre Beteiligung an dem auf Mode und Lifestyle spezialisierten US-Onlinevideo-Netzwerk StyleHaul zu einer satten Mehrheit aus. Als so genanntes Multichannel-Netzwerk lotst StyleHaul die Nutzer durch das unüberschaubare Angebot der Videoplattform Youtube und hilft so der Wirtschaft, ihre Reklamevideos möglichst passgenau an ihre Zielgruppe zu richten.

Airbus: Neuer Großauftrag?

Unterdessen steht Airbus laut Medienberichten vor einem neuen Großauftrag aus China. Der Flugzeugbauer verhandele mit der China Aircraft Leasing Group über die Lieferung von rund 100 Kurz- und Mittelstreckenflieger vom Typ A320 im Volumen von neun bis elf Milliarden Dollar, berichtete "Le Figaro".

Rheinmetall senkt Prognose

Rheinmetall hat wegen schwächelnder Rüstungsgeschäfte seine Jahresprognose gesenkt. Das Unternehmen peilt nur noch ein operatives Ergebnis (Ebit vor Sondereffekten) von 150 Millionen Euro an. Bislang waren bis zu 70 Millionen Euro mehr erwartet worden. Unter anderem wegen der Verzögerungen bei Exportgenehmigungen werde der Rüstungsbereich das Geschäftsjahr wohl mit einem Verlust von zehn Millionen Euro abschließen, teilt das Management mit. Bislang hatte Rheinmetall mit einen Gewinn von 65 bis 75 Millionen Euro gerechnet. Die Autozuliefersparte werde hingegen mit einem Gewinn von 180 Millionen Euro besser als gedacht abschließen.

Übernahmespekulationen beflügelten Puma

Spekulationen um eine Übernahme haben Puma am Montag beflügelt. Die Aktien des Sportartikel-Herstellers stiegen zeitweise um bis zu 17 Prozent. Am Markt kursierten Gerüchte, dass Mehrheitsaktionär Kering seinen 86-prozentigen Anteil am Adidas-Rivalen verkaufen wolle, sagten mehrere Börsianer übereinstimmend. Ein Käufer müsste in diesem Fall den restlichen Puma-Aktionären auch ein Angebot machen. Weder Kering noch Puma wollten sich äußern.

Gewinnrückgang bei Alstria

Das SDax-Unternehmen Alstria Office präsentierte Neunmonatszahlen. Der Büroimmobilien-Vermieter hat in den ersten neun Monaten 2014 bei etwas geringeren Umsätzen das Betriebsergebnis gesteigert. Das operative Ergebnis (FFO) habe von niedrigeren Finanzierungskosten profitiert und sei um zehn Prozent auf 37,9 Millionen Euro gestiegen, teilte das Unternehmen nach Börsenschluss mit. Der Umsatz sank dagegen um 1,8 Prozent auf 76,8 Millionen, was Alstria mit dem Verkauf von Immobilien und dem Auslaufen von Mietverträgen erklärte. Der Überschuss ging um 20 Prozent auf 19,1 Millionen Euro zurück.

Air-Berlin-Chef tritt zurück

Air Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer tritt ab. Prock-Schauer werde zum 1. Februar 2015 sein Amt auf eigenen Wunsch niederlegen, teilte die Fluglinie mit. Zu seinem Nachfolger habe der Aufsichtsrat Stefan Pichler bestimmt. Air Berlin steckt wegen eines übereilten Expansionskurses tief in der Krise und hat in den vergangenen fünf Jahren nur einmal Gewinne geschrieben. Die arabische Airline Etihad kaufte 2011 knapp 30 Prozent der Aktien und hält die Berliner seither mit Finanzspritzen in der Luft.

Hella: Preisspanne steht fest

Der Autozulieferer Hella wird bei seinem Börsengang mit bis zu 3,1 Milliarden Euro bewertet. Das Unternehmen aus dem westfälischen Lippstadt setzte die Preisspanne für die zweite Phase der Emission auf 25 bis 28 Euro fest. Angeboten werden seit Montag bis zu 5,75 Millionen Aktien, die Zeichnungsfrist ist mit vier Tagen ungewöhnlich kurz. Die Erstnotiz ist für den 11. November geplant.

Hypoport legt Neunmonatszahlen vor

Der Umsatz des internetbasierten Finanzdienstleisters Hypoport legte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9,9 Prozent auf 81,3 Millionen Euro zu. Der Ertrag vor Zinsen und Steuern (Ebit) wurde mit sechs Millionen Euro im Vergleich zu 4,1 Millionen Euro im Vorjahr in den ersten neun Monaten ausgebaut.

Holcim mit Gewinnrückgang

Unter den ausländischen Titeln machte Holcim mit Zahlen auf sich aufmerksam. Der Schweizer Zementkonzern hat trotz einer Erholung im wichtigen Markt Indien im dritten Quartal 2014 weniger verdient. Der Gewinn ging um 4,7 Prozent auf 447 Millionen Franken zurück. Die für den geplanten Zusammenschluss mit Lafarge nötigen Verkäufe von Firmenteilen wurden unterdessen eingeleitet.

Ryanair: Aktie im Aufwind

Ryanair blickt nach höheren Buchungszahlen für das Winterhalbjahr zuversichtlicher in die Zukunft als bisher. Der irische Billigflieger hebt seine Gewinnprognose um 20 Prozent an und peilt für das im März 2015 zu Ende gehende Geschäftsjahr einen Nachsteuergewinn von 750 bis 770 Millionen Euro an. Die Aktie markierte ein Rekordhoch.

Moncler und die Daunen-Frage

Anleger interessieren sich für Tierschutz: Aktien des italienischen Anbieters von Luxus-Daunenjacken Moncler rutschen nach einem kritischen TV-Bericht ab. Der Sender RAI wirft Moncler fragwürdige Methoden bei der Gewinnung von Gänsedaunen vor.

Argentinien wirft P&G Steuerbetrug vor

Argentinien wirft dem US-Konsumgüterriesen Procter & Gamble (P&G) Steuerbetrug vor. Das Unternehmen habe Geld aus Argentinien heraus geschleust und so Einnahmen vor den Behörden verschleiert, teilte das Präsidialamt am Sonntag mit. Die Geschäfte von P&G in Argentinien seien suspendiert worden. P&G lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

L'Oreal-Umsatz schwach

Weniger Schminkfreudigkeit in Europa hat beim französischen Kosmetikhersteller L'Oreal für einen überraschend schwachen Umsatzanstieg gesorgt. Die Erlöse seien um 2 Prozent auf 5,39 Milliarden Euro nach oben geklettert, teilte das Unternehmen mit. Analysten hatten hingegen mit 5,47 Milliarden Euro gerechnet. Der Markt für Verbraucherprodukte schwäche sich ab, hieß es weiter. Vor allem das schlechte Sommerwetter in Westeuropa habe das Geschäft belastet.

Publicis: Geplante Übernahme lässt Sapient gedeihen

Nach der gescheiterten Fusion mit dem US-Rivalen Omnicom peilt die weltweit drittgrößte Werbeagentur Publicis eine Stärkung ihres Digitalgeschäfts mit einer anderen milliardenschweren Übernahme an. Der französische Konzern teilte am Montag mit, den US-Rivalen Sapient für 3,7 Milliarden Dollar in bar kaufen zu wollen. Das Sapient-Papier klettert um mehr als 40 Prozent.

ts

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat