Goldman Sachs verdirbt die Wochenbilanz

Stand: 16.04.2010, 20:10 Uhr

Mit einem Verlust von 1,8 Prozent beendete der Dax den Handel am Freitag. Die Nachricht, dass die amerikanische Großbank Goldman Sachs Kunden betrogen haben soll, ausgerechnet mit besicherten Schuldverschreibungen, hatte die Kurse weltweit einbrechen lassen. Vor allem Bankaktien rasselten in den Keller.

Goldman Sachs habe seinen Kunden wesentliche Informationen über die Kreditprodukte des Hauses vorenthalten, warf die amerikanischen Börsenaufsicht SEC der Bank vor. Die Bank soll die Käufer eines verbrieften Hypothekenkredites nicht darüber aufgeklärt haben, dass der Hedgefonds Paulson & Co. an der Auswahl der Kredite beteiligt gewesen sei und zugleich mit Leerverkäufen auf einen Wertverlust gewettet habe.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, droht Goldman Sachs laut Branchenkennern eine Milliardenstrafe. Kein Wunder also, dass die Aktien der Bank kurz nach der Veröffentlichung der Vorwürfe um 16:30 Uhr deutscher Zeit absackten und bis zu 15 Prozent verloren. "Ein dickes Ding", kommentierte Bankmanager Walter Todd von Greenwood Capital. "Und ein agressives Vorgehen der SEC. Ich bin schockiert."

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Branche ist alarmiert, denn Insider sind sich sicher, dass die SEC sich auch andere Banken und andere Produkte untersucht. Und dabei ähnliche Vorgehensweisen wie bei Goldman Sachs findet. Auch die Anleger waren alarmiert, und schickten Bankaktien weltweit in den Keller. Im Dax, der wegen der Goldman Sachs-Vorwürfe 1,8 Prozent tiefer schloss, bei 6.181 Punkten, war vor allem die Deutsche Bank unter Druck. Die Aktie verlor 7,3 Prozent. Auch auf Wochensicht verdarb das fette Freitagsminus die Bilanz. Statt eines erhofften leichten Pluszeichens beschloss der Dax die Woche mit einem Minus.

Die gute Bilanz der Bank of America verpuffte wirkungslos. Die Einnahmen des ersten Quartals gab die Bank mit 32,3 Milliarden Dollar an, erwartet worden waren lediglich 28 Milliarden. Noch drastischer fiel der Unterschied beim Gewinn aus: BoA meldete einen Nettogewinn von 3,2 Milliarden Dollar oder 0,28 Dollar je Aktie. Die Schätzungen waren von lediglich 0,09 Dollar ausgegangen.

Eine weitere Bilanz, die des Mischkonzerns General Electric, was ebenfalls besser als erwartet, zumindest was die Gewinne betraf. Der Nettogewinn erreichte 0,21 Dollar, die Umsätze gingen jedoch um fünf Prozent zurück. Die GE-Aktie verliert derweil mehr als drei Prozent, obwohl der Konzern einen sehr optimistischen Blick auf das Jahr 2010 warf.

Teure isländische Asche
Auch an der Börse hat die gewaltige Aschewolke aus einem isländischen Vulkan ihre Spuren hinterlassen. Im Dax schloss die Lufthansa-Aktie 4,1 Prozent im Minus, im SDax gab die Aktie von Air Berlin 1,9 Prozent ab. Und das Papier des Flughafenbetreibers Fraport verbilligte sich um 2,7 Prozent. Bis zu drei Millionen Euro würde die Schließung des Frankfurter Flughafens täglich kosten, teilte der Konzern mit. Doch es gab auch Profiteure: Die Autovermieter berichteten am Freitag über eine sprunghaft gestiegene Nachfrage. Im SDax platzierte sich die Sixt-Aktie deshalb unter den besten Index-Titeln.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Autowerte gefragt
Die im Dax notierten Autowerte schlossen fast alle höher. Die Anleger reagierten damit auf die jüngsten Absatzzahlen in der EU. 10,8 Prozent mehr Pkw wurden europaweit im März zugelassen, meldete der europäische Branchenverband Acea. Aktien von Daimler, BMW und Volkswagen legten bis zu 1,7 Prozent zu. Besonders gefragt war die VW-Aktie. Der Konzern meldete am frühen Nachmittag seine Absatzzahlen für das erste Quartal. Demnach legten die Auslieferungen konzernweit um ein Viertel auf 1,73 Millionen Fahrzeuge zu. Nach wie vor erwartet VW jedoch ein schwieriges Jahr. Im MDax legte die Continental-Aktie 1,4 Prozent zu. Die UBS hat den Titel mit einem Kursziel von 55 Euro empfohlen und mit einer Kaufempfehlung versehen.

HeidelbergCement: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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HeidelCement für Salzgitter
Als zweitbester Wert im MDax setzte sich HeidelbergCement durch, die Aktie gewann 1,2 Prozent. Bereits im Juni könnte der Baustoffhersteller in den Dax aufrücken. Im Gegenzug müsste Salzgitter nach einem vergleichsweise kurzen Aufenthalt im Dax wieder abrücken. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" meldete dies und berief sich dabei auf Indexanalysten, welche die kommenden Indexwechsel schon berechnet haben.

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Carrefour beflügelt Metro
Die im Dax notierte Aktie des Handelskonzerns Metro beendete den Handel am Freitag vergleichsweise erfolgreich, mit einem Kursgewinn von 0,3 Prozent. Aktionäre reagierten auf den Quartalsbericht des französischen Konkurrenten Carrefour. Dieser hatte, zum ersten Mal seit 18 Monaten, seinen Umsatz steigern können. Carrefour verwies auf gute Geschäfte in den Schwellenländern.

Intershop verbündet sich mit CSI Software
Das kleine Softwareunternehmen Intershop hat eine wichtige Vertriebsvereinbarung mit einer amerikanischen Firma vereinbart. CSI Software werde, so teilte Intershop am Morgen mit, Intershops Produkt Enfinity in Nordamerika vertreiben. CSI beteiligt sich dafür mit 10,5 Prozent an Intershop und nimmt an einer Kapitalerhöhung teil. Die Intershop-Aktie legte 5,5 Prozent zu.

MBB Industries hält Dividende stabil
Die Beteiligungsgesellschaft MBB Industries hat das Jahr 2009 mit einem Umsatz- und Gewinneinbruch beendet. Die Erlöse sackten von 200 auf 117 Millionen ab, der Gewinn betrug nur noch 3,5 Millionen Euro, nach 8,0 vor einem Jahr. Trotzdem will MBB eine unveränderte Dividende von 0,50 Euro je Aktie ausschütten. Die Aktie stieg daher um 2,1 Prozent.

Deutsche Forfait mit besserem Ausblick
Der Außenhandelsfinanzierer Deutsche Forfait AG hat seine Gewinnprognose für das laufende Jahr angehoben. Die Firma will ihren Gewinn um 20 Prozent auf 4,2 Millionen Euro verbessern. Anleger hatten wohl mit etwas mehr gerechnet, die Aktie verlor daher im Handelsverlauf 2,4 Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr