Goldman macht nervös

Stand: 19.04.2010, 20:02 Uhr

Die Betrugsvorwürfe gegen die Investmentbank Goldman Sachs hat die Anleger heute nervös gemacht. Für Kursverluste sorgte zudem das anhaltende Flugverbot. Doch es gibt auch positive Nachrichten.

So haben sich die Konjunkturaussichten in den USA weiter aufgehellt. Die vom Forschungsinstitut Conference Board ermittelten Frühindikatoren sind im März um 1,4 Prozent geklettert und damit stärker gestiegen als erwartet.

Für strahlende Gesichter sorgte zudem das einstige Sorgenkind unter Amerikas Banken: die Citigroup. Das teilverstaatlichte Institut ist im ersten Quartal aus den roten Zahlen gekommen und hat einen Gewinn von 4,4 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Analysten hatten nur mit einer schwarzen Null gerechnet. Die Anleger begrüßten die Zahlen mit einem Kurssprung von bis zu acht Prozent. Zuletzt notiert die Aktie noch knapp vier Prozent höher.

Doch das genügte nicht, um die Märkte nachhaltig ins Plus zu drehen. An der New Yorker Börse dreht der Dow Jones-Index nach einem kurzen Plus ins Minus. Bei Börsenschluss in Frankfurt verliert der Dow Jones-Index 17 Punkte auf 1.0001. Grund für die Vorsicht sind die Betrugsvorwürfe gegen die Investmentbank Goldman Sachs.

Die US-Börsenaufsicht SEC hat das Institut wegen Betrugs bei der Vermarktung eines verbrieften Hypothekenkredits (CDO) aus dem Jahr 2007 verklagt. Der Schaden soll sich auf rund eine Milliarde Dollar belaufen. Nach Meinung von Experten drohen Goldman massive Schadenersatzzahlungen. Zudem befürchten die Anleger, dass Goldman erst die Spitze eines Eisberges sein könnte und andere Banken möglicherweise ebenfalls betroffen seien.

Die gedrückte Stimmung in New York machte sich auch an der Frankfurter Börse bemerkbar. Zwar schafft es der Dax im Tagesverlauf kurzzeitig ins Plus zu klettern, auf 6.190 Punkte. Doch am Ende des Tages schließt der Leitindex mit einem leichten Verlust von 26 Punkten bei 6.153.

Griechen-Anleihen mit Rekordaufschlag
Der Risikoaufschlag für griechische Staatsanleihen ist auf ein neues Rekordhoch geklettert. Die Spreads für zehnjährige griechische Staatstitel weiteten sich dem Datenanbieter Tradeweb zufolge im Vergleich zu den entsprechenden Bundespapieren um 39 auf 482 Basispunkte aus. Dies sei der größte Abstand seit Einführung des Euro. Für heute geplante Gespräche über Details des europäischen Hilfspakets mussten wegen der Asche-Wolke verschoben werden. Das Treffen der Athener Regierung mit EU und IWF soll am Mittwoch stattfinden.

Öl und Euro runter
Wegen des andauernden Flugverbots ist der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zeitweise auf ein Tagestief von 80,53 Dollar gefallen. Zuletzt kostete ein Fass 81,02 Dollar und damit 2,22 Dollar weniger als am Freitag. Der US-Ölpreis ist damit in den vergangenen drei Handelstagen um rund sechs Dollar auf den tiefsten Stand seit Ende März abgerutscht.

Auch der Euro-Kurs ist weiter gefallen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde mit 1,3466 Dollar gehandelt.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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22,98
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-0,91%

Flugaktien bleiben am Boden
Erste Maschinen der Lufthansa und von Air Berlin sollen am Abend wieder abheben. Das hilft auch den Aktien der Fluggesellschaften. Sie können ihre Verluste bis zum Xetra-Handelsschluss deutlich reduzieren. Auch die MDax notierte Fraport- Aktie rutscht bis zum Abend auf der Liste der Verlierer weiter nach unten.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,77
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-1,14%

Deutsche Bank in Goldman-Haft
Die Aktien der Deutschen Bank können ihre Verluste vom Vormittag zwar verringern, beenden den Handelstag aber als zweitgrößter Verlierer im Dax. Anleger befürchten, die US-Börsenaufsicht SEC könnte ihre Untersuchungen gegen Goldman Sachs auch auf andere Banken ausweiten. Unter anderem könne auch die Deutsche Bank als eine der führenden Investmenthäuser an der Wall Street ins Visier genommen werden. Befürchtet wird, dass geprellte Kunden der Banken, Schadensersatz fordern könnten.

Tui größter MDax-Verlierer
Unter Druck geraten sind zudem die Papiere des Reisekonzerns Tui. Sie bleiben mit einem Abschlag von über fünf Prozent der mit Abstand größte Verlierer im MDax. Tui Travel bezifferte die täglichen Kosten wegen der Flugausfalle für das Unternehmen mit fünf bis sechs Millionen Pfund. Das sind umgerechnet 5,7 bis 6,8 Millionen Euro.

Autovermieter jubeln
Dagegen reißen sich die Anleger erneut um die Aktien der Autovermieter Sixt und Avis. Die Autovermietungsbranche boomt angesichts der vielen abgesagten Flugverbindungen.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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110,08
Differenz relativ
0,00%

Philipps stößt Siemens an
Siemens-Papiere stehen souverän an der Dax-Spitze. Damit profitiert der Elektronikkonzern von den überzeugenden Zahlen des holländischen Konkurrenten Philips. Der hat im ersten Quartal einen Gewinn von 201 Millionen Euro erwirtschaftet, beinahe doppelt soviel wie von Analysten erwartet. Im Vorjahr hatte Phillips noch einen Verlust von 57 Millionen Euro ausgewiesen. Die Philips-Aktie macht einen Freudensprung.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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18,94
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-3,76%

Stahlaktien kommen nicht voran
Die Stahlindustrie in Deutschland mit ihren Branchenführern ThyssenKrupp und Salzgitter blickt dank der weltweit anziehenden Konjunktur zunehmend optimistisch in die Zukunft. "Die Erholung hat sich fortgesetzt", sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, auf der Hannover Messe. Der Verband erwartet, dass die Rohstahlproduktion 2010 um etwa 15 Prozent auf rund 38 Millionen Tonnen zulegen wird. Die Aktien von Thyssen und Salzgitter verharren dennoch im Minus.

Credit Suisse hilft MAN
Ganz oben auf der ansonsten dünn bestückten Gewinnerliste im Dax steht auch die MAN-Stammaktie. Credit Suisse hat das Papier von "Underperform" auf "Outperform" hochgestuft und das Kursziel von 69 auf 78 Euro angehoben. Der zuständige Analyst verwies auf eine gute Marktstellung im aufstrebenden Markt in Brasilien.

Henkel VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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108,65
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+1,02%

Henkel enttäuscht
Auch die Henkel-Vorzugsaktien verlieren überdurchschnittlich. Das Unternehmen hat auf seiner heutigen Hauptversammlung seine Unternehmensziele fürs laufende Jahr zwar bestätigt. Doch das reicht den Anlegern offenbar nicht.

Leoni auf der Überholspur
Aktien des Automobilzulieferers Leoni haben ihre Kursgewinne vom Vormittag weiter ausgeweitet und gehören damit zu den größten Gewinnern im MDax. Ein Händler verwies auf Aussagen des Konzerns, wonach der Automobilzulieferer für 2010 seine Prognosen bestätigt habe. Zudem soll der Umsatz in China in den nächsten drei bis vier Jahren verdreifacht werden.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 17. August

Unternehmen:

Grand City Properties: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
Volkswagen: Absatz 07/18
Maersk: Halbjahreszahlen
Schindler: Halbjahreszahlen, 6:30 Uhr

Konjunktur
Deutschland: Verarbeitendes Gewerbe 06/18, 8 Uhr
EU: Verbraucherpreise 07/08 endgültig, 11:00 Uhr
USA: Frühindikatoren 07/18, 16 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen 08/18 vorläufig, 16 Uhr