Gipfel kommt in Sicht

Stand: 05.10.2007, 20:03 Uhr

Dank günstiger US-Konjunkturdaten hat es der Dax zum Wochenschluss über die 8.000-Punkte-Marke geschafft. Obwohl die Hypothekenkrise weiter schwelt, bleibt die Stimmung auf dem Börsenparkett zuversichtlich.

Den Hiobsbotschaften aus der Rubrik "Subprime"-Krise zeigen Anleger mehr und mehr die kalte Schulter. Am Freitag etwa kündigte die US-Großbank Merrill Lynch einen Quartalsverlust wegen horrender Abschreibungen auf Hypotheken an. Die Aktie des Unternehmens stieg trotzdem. Viele Experten sehen die Hypothekenkrise als überstanden an.

RIM sorgt für "High"-Tech-Stimmung

An Wall Street herrschte am Freitagabend deutscher Zeit ausgelassene Stimmung. Gute Quartalszahlen des Blackberry-Herstellers RIM ließen Technologieaktien an der Nasdaq deutlich steigen. Aber auch der Dow Jones Index der Standardwerte kletterte munter aufwärts und steuerte auf ein neues Rekordhoch zu.

US-Daten genau im Plan
Am Nachmittag hatten neue Arbeitsmarktdaten für einen Kursschub gesorgt. Die Zahl von 110.000 neu geschaffenen Stellen in der größten Volkswirtschaft der Welt sorgte für Erleichterung. Die nur minimal auf 4,7 Prozent angestiegene Arbeitslosenquote in den USA traf die Erwartungen der Volkswirte. Der Jobmotor in den USA scheint durch die Hypothekenkrise nicht ins Stottern geraten zu sein.

Noch ein Prozent zum Dax-Rekord
Auch im deutschen Handel war die Erleichterung zu spüren. Schon zum Xetra-Schluss lag der Dax oberhalb der 8.000-Punkte-Marke, den Parketthandel schloss der Leitindex sogar bei 8.010 Punkten. Damit ist der Allzeithoch aus dem Juli bei 8.105 Punkten überraschend schnell wieder in Reichweite gekommen. Nur rund ein Prozent trennt den Dax noch von einem neuen Rekord.

Euro nur kurz geknickt
Nach Bekanntgabe der US-Arbeitsmarktdaten, verlor der Euro gegenüber dem US-Dollar zunächst fast einen Cent. Am Abend stabilisierte sich das Euro-Dollar-Verhältnis aber wieder auf dem Niveau von 1,4140 Dollar.

VW und Deutsche Börse mit Aufstiegschancen
Die Papiere des Autokonzerns und des Börsenbetreibers haussierten mit Kursgewinnen von rund fünf Prozent. Beide Titel werden als heiße Kandidaten für ein Aufrücken in den europäischen Auswahlindex EuroStoxx 50 gehandelt. Aus diesem werden der spanische Versorger Endesa und die niederländische ABN Amro Bank aller Wahrscheinlichkeit wegen ihrer Übernahmen durch Enel, bzw. die Royal Bank of Scotland ausscheiden. Bei Volkswagen kommt als kurstreibender Faktor noch ein charttechnischer Ausbruch auf ein Rekordniveau hinzu, meinen Börsenteilnehmer.

Studie verhagelt Infineon-Kurs
Die Infineon-Aktie verlor am Freitag deutlich gegen den Markttrend. Grund für die Kursverluste war eine neue Prognose des US-Marktforschungsunternehmens Gartner. Danach sollen die weltweiten Ausgaben für Halbleiterausrüstungen im kommenden Jahr um 4,3 Prozent fallen.

Neue Struktur für Siemens
Der neue Chef des Elektro-Riesen, Peter Löscher, hatte am Freitag die künftige Konzernstruktur des Unternehmens vorgestellt. Siemens soll in die drei großen Bereiche Infrastruktur und Industrie, Medizintechnik sowie Energie aufgeteilt werden. Außerdem erteilte Löscher Spekulationen über den Verkauf der Lichtsparte Osram eine Absage. Bei der Aktie war noch keine Euphorie zu spüren, sie stieg am Freitag nur leicht.

Eon vor Tauschgeschäft mit GdF?
Der Energieriese verhandelt einem Zeitungsbericht zufolge mit den vor dem Zusammenschluss stehenden französischen Konzernen Gaz de France (GdF) und Suez über einen Tausch von Beteiligungen. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete am Freitag vorab, dass Eon an der belgischen GDF-Suez-Tochter Distrigaz interessiert sei. GdF liebäugele im Gegenzug mit dem Berliner Gasversorger Gasag, an dem E.ON indirekt knapp 37 Prozent hält.

Premiere dementiert Übernahme-Gerüchte
Auch wenn eine Übernahme des Pay-TV-Senders durch den US-Konzern Comcast am Nachmittag dementiert wurde: Premiere-Aktien blieben am Freitag stark gefragt. Die Aktie gewann mehr als sieben Prozent. Einerseits ist dafür ein positiver Analystenkommentar der Schweizer Großbank UBS verantwortlich. Zum anderen wird von Händlern ein Gerücht kolportiert, der US-Kabelbetreiber Comcast sei an Premiere interessiert.

Praktiker werkelt erfolgreich
Neben Premiere und MLP legten im MDax auch Aktien von Praktiker mehr als drei Prozent zu. Der Finanzvorstand des Baumarktkonzerns hatte in einem Interview mit der Börsenzeitung die Prognosen des Unternehmens bekräftigt. Demnach will Praktiker in diesem Jahr ein Ebitda von mindestens 125 Millionen Euro erwirtschaften, der Umsatz soll bei etwa vier Milliarden Euro liegen. Die Aktie bekommt am Nachmittag auch noch Rückenwind von der Commerzbank. Die Analysten bestätigten den Titel mit "Buy" und gaben das Kursziel 35,50 Euro aus.

SGL auf Wachstum eingestellt
Deutliche Kursgewinne beim Grafit-Spezialisten SGL Carbon. Das Unternehmen will bis zum Jahr 2012 die Produktionskapazitäten für Karbonfasern auf bis zu 12.000 Tonnen verdreifachen. Dafür will SGL 300 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren investieren. Zugleich beschäftigte der Konzern seine mittelfristigen Umsatzziele, wonach der Umsatz im entsprechenden Geschäftsbereich um "deutlich mehr" als 15 Prozent pro Jahr steigen soll. Die Aktie steigt um knapp drei Prozent.

ProSieben muss zahlen
Der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 hat ein Bußgeld von 120 Millionen Euro wegen Rabatten bei der Werbezeitvermarktung akzeptiert. Das Bundeskartellamt hatte gegen den ProSieben-Vermarkter SevenOneMedia wegen des Verdachtes auf wettbewerbsbeschränkende Absprachen wegen der Vermarktung von Fernsehwerbung ermittelt. Das Verfahren wird jetzt gegen die Zahlung der Buße eingestellt. Die MDax-Aktie gewinnt heute trotzdem 1,6 Prozent.

Centrotherm stellt Spanne
Der Solarkonzern bietet zum Börsengang seine Aktien in der Preisspanne zwischen 26,50 und 34,50 Euro an. Seit Freitag bis zum 11. Oktober können Interessenten ihre Papiere ordern, teilte das Unternehmen mit. Centrotherm ist ein Hersteller schlüsselfertiger Produktionsanlagen für Solarzellen und Solarsilizium. Der IPO der Firma ist für den 12. Oktober geplant. Das Kapital aus dem Börsengang will Centrotherm in Forschung und Entwicklung sowie die Expansion im Ausland investieren.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier