Gewinnserie abgebrochen

Stand: 15.07.2010, 20:03 Uhr

Überraschend schwache amerikanische Konjunkturzahlen haben die Aktienmärkte am Donnerstag stark belastet. Gute JPMorgan-Zahlen halfen lediglich kurzzeitig, Philly-Fed und Empire State sorgten für ein Dax-Minus von einem Prozent.

Sieben Handelstage hintereinander legte der Dax nur zu, am Donnerstag wurde diese Serie jäh unterbrochen. Der Dax schloss ein Prozent im Minus bei 6.149 Punkten, schwache Konjunkturzahlen schürten die Angst vor einem Ende der wirtschaftlichen Erholung in den USA.

Vor allem die beiden unbefriedigend ausgefallenen Vorlaufindikatoren Philly-Fed und Empire State, die beide am Donnerstag veröffentlicht wurden, machten den Investoren dabei zu schaffen. Dass die Industrieproduktion und die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe etwas besser waren als erwartet, half der Stimmung nicht auf die Sprünge.

Auch nicht die Bilanz der amerikanischen Großbank JPMorgan. Mit einem Gewinn von 4,8 Milliarden Dollar im zweiten Quartal verdiente die Bank erheblich mehr als erwartet, allerdings war ein erheblicher Teil des Gewinns der jüngst verringerten Risikovorsorger geschuldet.

Im Dax setzten sich am Nachmittag die vorsichtigen Anleger durch. Aktien defensiver Firmen wie der Telekom, Henkel, Merck und Beiersdorf legten im Tagesverlauf leicht zu. Industrie- und Finanzaktien gaben deutlich ab, Infineon-Titel verloren deutlich mehr als drei Prozent.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
79,00
Differenz relativ
-5,39%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
54,74
Differenz relativ
-2,48%

BMW hochgestuft
Die BMW-Aktie stach aus dem trüben roten Dax hervor, die Aktie legte 1,7 Prozent zu und setzte sich damit an die Spitze im Leitindex. Die UBS hatte am Morgen das Kursziel von BMW leicht angehoben, auch Daimler verkam von den Fachleuten der Schweizer Bank ein höheres Kursziel verpasst.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,86
Differenz relativ
-5,16%

Die Lufthansa und die Gebühren
Die Lufthansa-Aktie verlor am Donnerstag 2,2 Prozent. Die Bundesregierung will per genereller Luftverkehrsabgabe je Kurzstrecke einen Gebühr von 13 Euro erheben, auf Langstrecken sogar 26 Euro je Flug. Im SDax schloss die Aktie der Berliner Fluggesellschaft Air Berlin 2,2 Prozent schwächer.

Merck schließt Millipore-Übernahme ab
Der im Dax notierte Chemie- und Pharmakonzern Merck hat die Übernahme des amerikanischen Konkurrenten Millipore abgeschlossen. 5,2 Milliarden Euro hatte Merck gezahlt, dafür aber ein Unternehmen bekommen, das selbst 2,1 Milliarden Euro Jahresumsatz bringt. Die Aktie schloss im sehr schwachen Umfeld leicht erholt.

IVG und MTU: "Kaufen"
Papiere des im MDax notierten Immobilienunternehmens IVG legten am Donnerstag 2,9 Prozent zu. Die HSBC hatte am Morgen die Aktie von "Underperform" auf "Neutral" und das Kursziel auf 5,50 Euro verbessert. Die Fachleute erwarten von der IVG nun bessere Ergebnisse. Die UBS hob unterdessen die Aktie des Turbinenherstellers MTU auf ihre "Most Preferred List" und beließ ihre Empfehlung bei "Buy". Die MTU-Aktie profitierte davon nicht, sie schloss 0,3 Prozent schwächer.

Conergy-Gerüchte, Solar-Fabrik-Bilanz
Deutliche Kursgewinne gab es bei zwei Solarunternehmen, Conergy und Solar-Fabrik. Conergy-Papiere legten 4,3 Prozent zu, weil das "Handelsblatt" berichtet hatte, dass der amerikanische Finanzinvestor York Capital groß bei Conergy einsteigen will. Solar-Fabrik-Aktien legten um fast 12 Prozent zu. Die Firma hatte am Morgen ihre Quartalsbilanz veröffentlicht und mit einem Umsatzwachstum von 90 Prozent gut überrascht.

Evotec kauft zu
Auf Zustimmung bei den Aktionären traft auch die Meldung, dass der Biotechkonzern Evotec seinen Rivalen Develogen übernimmt. Develogen ist auf Medikamente zur Behandlung von Stoffwechselerkrankungen spezialisiert. "Das ist ein interessanter Markt", sagte Evotec-Chef Werner Lanthaler am Mittwoch. 14 Millionen Euro, das meiste davon in eigenen Aktien, will das TecDax-Unternehmen dafür bezahlen. Evotec-Papiere stiegen um 1,6 Prozent.

Zwei neues AGs
Das Außenwerbungsunternehmen Ströer startete am Donnerstag an der Börse. Die Aktien gab es zuvor für 20 Euro pro Stück, der erste Kurs wurde bei 20,60 Euro festgestellt. Im Laufe des Tages reduzierte sich der Auftaktgewinn, am Ende schloss Ströer beim Ausgabapreis, exakt bei 20 Euro.

In China, genauer in Shanghai, ging derweil die AgBank an die Börse. Der IPO brachte 10,1 Milliarden Dollar. Zusammen mit dem Börsengang an der Börse in Hongkong, der morgen stattfinden wird, will die Bank 22 Milliarden Dollar erlösen, Weltrekord. Die Hoffnungen der von hohen Auftaktgewinnen verwöhnten chinesischen Anleger erfüllten sich nicht. Die AgBank-Aktie legte nur zwei Prozent zu.

Dreamliner verzögert sich
Die Boeing-Aktie geriet am Abend erheblich unter Druck. Wie die Firma mitteilte, könnte sich die Auslieferung des neuen Mittelstreckenflugzeuges 787 weiter verzögern. Boeing rechnet mittlerweile damit, dass der Dreamliner möglicherweise erst Anfang 2011 ausgeliefert wird.

Carrefour profitiert von Schwellenländern
Der weltweit zweitgrößte Einzelhändler Carrefour hat im zweiten Quartal gute Umsatzzahlen vorgelegt. Binnen Jahresfrist stiegen die Erlöse um 6,3 Prozent auf 24,9 Milliarden Euro, teilte das französische Unternehmen am Abend mit. Carrefour verwies insbesondere auf die gut laufenden Geschäfte in den Schwellenländern, sprach aber zugleich von einem "anhaltend schwierigenMarktumfeld".

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)