Gewinnpause nach der Rally

Stand: 19.03.2012, 20:04 Uhr

Der Rückenwind der Wall Street war zu schwach. Nach acht Gewinntagen in Folge schloss der Dax zu Wochenbeginn hauchdünn im Minus. Anleger machten Kasse, blieben aber optimistisch. Im Blickpunkt stand Apple.

Fast wäre die Dax-Rally auch zu Wochenbeginn weitergegangen. Die Wall Street, die kurz nach Handelseröffnung ins Plus drehte, dämmte die Kursverluste im Dax im Tagesverlauf zunehmend ein. Am Ende des Xetra-Handels blieb noch ein Mini-Minus von 0,05 Prozent. Im späten Parketthandel zogen die Kurse wieder an. Der L-Dax schloss knapp 0,2 Prozent höher bei rund 7.159 Punkten. In den vorangegangenen acht Tagen hatte der deutsche Leitindex über 500 Punkte gewonnen und mit 7.194 Zählern ein neues Achtmonats-Hoch erreicht. In der letzten Börsenwoche war der Dax um vier Prozent gestiegen.

Nach der jüngsten Gewinnserie war erst mal Luftholen angesagt. Mehrere Börsianer sehen aber den Dax weiter dem Weg weiter nach oben. "Der nächste Angriff auf die 7.200-Punkte-Linie steht bevor - zu nah ist der Abstand zu dieser Marke, zu verlockend, diese Notierung aufleuchten zu sehen", sagte ein Marktteilnehmer. Andere Experten schlugen etwas skeptischere Töne an. Analyst Christoph Geyer von der Vereinigung technischer Analysten warnte vor einer drohenden ausgeprägten Korrektur in absehbarer Zeit. Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade verwies auf anhaltende Unwägbarkeiten wie Portugal, den hohen Ölpreis und die Unsicherheit um den Verlauf der US-Konjunktur.

Griechenland-CDS-Investoren werden größtenteils entschädigt
Für Erleichterung sorgte am Nachmittag die finale Vereinbarung zur Abwicklung der Kreditausfallversicherungen (CDS) auf griechische Anleihen. Demnach sollen durchschnittlich 78,5 Prozent des Nominalwerts der Papiere zurückerstattet werden. "Die Ergebnisse haben keine weiteren bösen Überraschungen mit sich gebracht", meinte Händler Lipkow von MWB Fairtrade.

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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187,72
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Dividenden-Geschenk von Apple
Ein unverhoffter Geldsegen für die Apple-Aktionäre trieb die US-Börsen an. Der iPhone-Hersteller kündigte an, erstmals seit 17 Jahren wieder eine Dividende auszuschütten. Die Apple-Aktionäre sollen pro Quartal regelmäßig 2,65 Dollar je Aktie erhalten. Insgesamt 45 Milliarden Dollar sollen binnen drei Jahren an die Aktionäre ausgezahlt werden. Die Zahlungen sollen im vierten Geschäftsquartal starten, das im Juli 2012 beginnt. Zudem will Apple eigene Aktien im Wert von 10 Milliarden Dollar zurückkaufen. Das Hightech-Unternehmen sitzt auf einem Geldschatz von 100 Milliarden Dollar.

Apple-Boss Tom Cook warnte aber die Aktionäre, dass sie nicht zu viel erwarten sollten. "Wir geben unser Geld aus als wären es unsere letzten Pennies." Das Geld brenne kein Loch in die Tasche von Apple, es werde also keine "Toga-Partys" geben. Apple-Aktien legten rund zwei Prozent zu.

US-Hausmarktindex stagniert
Neue Daten zum US-Immobilienmarkt brachten indes keine positiven Impulse. Die Stimmung der Häuslebauer in den USA hellte sich nicht weiter auf wie erwartet, sondern stagnierte. Der NAHB-Hausmarktindex verharrte im März auf dem Vormonatsniveau von 28 Punkten. Experten hatten mit 30 Zählern gerechnet.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,91
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Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Finanzwerte auf der Favoritenliste
Die finale Abwicklung der CDS auf griechische Anleihen beflügelte vor allem die Finanzwerte. Die Aktien der Deutschen Bank gewannen über zwei Prozent und beendeten den Tag als Dax-Spitzenreiter, die Titel der Commerzbank verteuerten sich um 1,7 Prozent. Der Restwert griechischer Anleihen wurde mit 21,5 Prozent ermittelt. Aus der Differenz zwischen dem Restwert und dem Nominalwert der Anleihen (100 Prozent) ergab sich die Entschädigungssumme für CDS-Investoren von fast 80 Prozent. Die Entscheidung stelle sicher, dass CDS als funktionierendes Absicherungsinstrument fortbestehe, freuten sich Analysten.

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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31,78
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Post-Aktie zum Kauf empfohlen
Neben den Finanzwerten war auch die Aktie der Deutschen Post mit einem Plus von zwei Prozent gefragt. Sie wurde angetrieben von mehreren positiven Analysten-Studien. Merill Lynch nahm die Post-Aktie mit der Empfehlung "Buy" und dem Kursziel 18 Euro wieder auf. Die UBS setzte das Kursziel von 14 auf 16 Euro hinauf. Und auch die DZ Bank empfahl die Post-Aktie zum "Kaufen". Die Übernahme von TNT Express durch den US-Paketdienst UPS dürfte die Deutsche Post kaum beeinträchtigen, glauben Analysten. Am Montag hatte UPS seine Offerte für TNT auf 5,16 Milliarden Euro aufgestockt. Damit dürfte der Weg für die Übernahme nun frei sein.

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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186,70
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Analysten raten zum Einstieg in Versicherungs-Aktien
Die Aktien der Allianz zählten mit einem Plus von knapp einem Prozent ebenfalls zu den Gewinnern. Die Analysten von JP Morgan und der Deutschen Bank haben Investoren zum Einstieg in europäische Versicherer geraten. Diese profitieren von steigenden Renditen der US-Staatsanleihen. "Wenn die Renditen anziehen, entwickeln sich die Kurse von Zyklikern und Finanzwerten stark", so die Experten von JPMorgan. Die Analysten der Deutschen Bank sagen bis Ende des Jahres einen Anstieg der Renditen der zehnjährigen Treasury Bonds von derzeit 2,27 auf 2,35 Prozent voraus. Selbst ein Sprung auf 2,7 Prozent sei nicht ausgeschlossen.

Deutsche Börse klagt gegen Fusionsverbot
Um 0,7 Prozent höher schlossen die Aktien der Deutschen Börse. Am späten Nachmittag gab der Börsenbetreiber bekannt, dass der frühere Allianz-Vorstand Joachim Faber neuer Aufsichtsratschef der Börse werden soll. Der bisherige Vorsitzende des Gremiums, Manfred Gentz, tritt aus Altersgründen zurück. Außerdem sprach sich der Aufsichtsrat für eine Klage gegen das Brüsseler Fusionsveto aus. Die EU-Wettbewerbshüter hatten den Zusammenschluss zwischen Deutscher und New Yorker Börse Anfang Februar untersagt.

Adidas auf Golftour
Der Sportartikelhersteller Adidas baut sein Golfgeschäft aus: Der Konzern kauft für 70 Millionen Dollar die US-Marke Adams Golf. Das Unternehmen ist auf ältere und weibliche Spieler ausgerichtet. Bisher war Adidas eher auf junge Golfer mit niedrigem Handicap fokussiert. Mit dem Zukauf sieht der Dax-Konzern die Position seiner Golf-Marke TaylorMade-Adidas als Marktführer untermauert. Die Aktie schloss nahezu unverändert.

Fresenius holt sich neues Geld
Der Gesundheitskonzern Fresenius will sich mit einer Anleihe über eine halbe Milliarde Euro für Übernahmen stärken. Der Bond im Volumen von 500 Millionen Euro soll eine Laufzeit von sieben Jahren haben und großen Fonds und Versicherungen in einer Privatplatzierung angeboten werden. Die Anleihe diene auch der Finanzierung des Kaufs des Damp-Kliniken, teilte Fresenius mit. Am Abend wurde die Übernahme der Damp-Gruppe durch Helios offiziell vollzogen. Es entsteht der größte deutsche Klinikverbund mit über drei Milliarden Euro Jahresumsatz. Die Fresenius-Aktie gab leicht nach.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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148,24
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+2,60%

Autoaktien auf der Verliererspur
Gewinnmitnahmen rissen besonders die Autoaktien nach unten. Wegen einer Abstufung büßten die Titel von BMW 1,6 Prozent ein und waren Dax-Schlusslicht. Goldman Sachs hat die Titel aus der "Conviction Buy"- Liste gestrichen. Die Papiere von VW verloren rund 1,5 Prozent. Da half auch nicht, dass die VW-Tochter Porsche einen Rekordgewinn bekannt gab. Im vergangenen Jahr fuhr der Sportwagenbauer 1,46 Milliarden Euro an Überschuss ein.

Auf- und Absteiger in der Dax-Familie
Im MDax, SDax und TecDax wurden am Montag die Karten neu gemischt. Der Maschinenbauer Dürr ersetzt ab heute die Aktie von Heidelberger Druckmaschinen im MDax und stieg prompt um über ein Prozent. Heidelberger Druck tauschte dafür mit Dürr den Platz im SDax. Im TecDax wurde die Aktie von Q-Cells durch Euromicron, einen Spezialisten für Netzwerke und Glasfaserkabel, ersetzt. Die Euromicron-Aktie schloss leicht höher. Die Q-Cells-Aktien purzelten um fast sieben Prozent nach unten.

Gildemeister im MDax ganz vorn
Größter MDax-Gewinner war Gildemeister mit einem Plus von fünf Prozent - dank einer Kaufempfehlung der Commerzbank. Die Analysten der Bank haben die Papiere des Werkzeugmaschinenbauers von "hold" auf "buy" gesetzt und das Kursziel von 13 auf 15 Euro angehoben. Die Experten schraubten ihre Gewinnschätzungen nach oben.

EADS und das A380-Problem
Ganz hinten auf der Verliererseite standen dagegen die Aktien von EADS, die fast drei Prozent nachgaben. Marktteilnehmer verwiesen auf ein "Spiegel"-Interview mit A380-Programmchef Tom Williams, wonach die Haar-Risse in Teilen der Tragflächen des Riesenjets die Tochter Airbus noch "auf Jahre beschäftigen" werden. "Die Mängelansprüche dürften damit über die bisher bekannte Summe von 100 Millionen Euro steigen", sagte ein Börsianer. Die Mehrkosten würden aber auf mehrere Jahre verteilt, so dass dies keine Folgen für die Gewinnprognose haben sollte.

ProSiebenSat.1 stärkt sich auf der Insel
Im Minus lagen auch die Papiere von ProSiebenSat.1. Die TV-Senderkette hat in Großbritannien eine Übernahme angekündigt. Die Film- und Fernsehtochter Red Arrow kauft die Produktionsfirma Endor und stärkt die Stellung auf dem britischen TV-Markt. Zu finanziellen Details machte ProSiebenSaz.1 keine Angaben.

Kurssprung von Xing dank Burda
Besonders begehrt waren die Xing-Titel. Sie stiegen um rund 15 Prozent und waren mit Abstand TecDax-Spitzenreiter. Der Medienkonzern Burda will seinen Anteil am börsennotierten Netzwerk aufstocken. Burda sicherte sich eine Option auf weitere 9,58 Prozent an Xing. Mit einem Anteil von 29,7 Prozent ist das Unternehmen des Verlegers Hubert Burda schon jetzt der größte Einzelaktionär des sozialen Netzwerks mit Sitz in Hamburg.

Jaxx hofft auf grünes Licht im Norden
Der Online-Glücksspielanbieter Jaxx hat im abgelaufenen Jahr seine Expansion fortgesetzt. Der Umsatz kletterte um 19 Prozent auf 51,2 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei 1,6 Millionen Euro. Bald wieder Jaxx wieder auf dem deutschen Markt durchstarten. Für April rechnet Jaxx mit der Erteilung der Glücksspiel-Lizenz in Schleswig-Holstein. Die Jaxx-Aktie kletterte um 3,5 Prozent nach oben.

Strategiewechsel von IQ Power
Die Titel des Batterieentwicklers verloren fast sechs Prozent. Das Management hatte eine strategische Neuausrichtung sowie eine Weiterentwicklung des Konzerns angekündigt. Offenbar sind die Investoren von den Plänen nicht überzeugt: "Obwohl sich das Europageschäft derzeit zufriedenstellend entwickelt, wird sich die iQ Power AG damit künftig fast ausschließlich auf die Forcierung des profitablen Lizenzgeschäftes konzentrieren", heißt es laut Mitteilung. Der Bereich Forschung und Entwicklung werde bis auf Schlüsselpositionen reduziert.

Kommt Profumo zu Monte Paschi?
In Italien waren die Aktien der Großbank Monte die Paschi di Siena gefragt. Sie verteuerten sich um fast vier Prozent. Die Aussicht auf Ex-Unicredit-Chef Allessandro Profumo als neuen Chef der Bank trieb die Aktie an. "Durch Profumo bekommt das Management der Bank ein schärferes Profil, und das ist positiv zu sehen", lobte ein Analyst der Mediobanca.

Anleger reißen sich um DKSH und Ziggo
Bewegung dürfte es bald wieder bei Börsengängen geben. Zwei große IPOs stehen in Europa an. Am Dienstag geht der Schweizer Handelskonzern DKSH aufs Parkett, einen Tag später folgt der niederländische Kabelnetzbetreiber Ziggo. Beide Firmen beendeten die Zeichnungsfrist früher als geplant - wegen der großen Nachfrage. Laut Insidern war die Emission mehr als achtfach überzeichnet gewesen. Der Ausgabepreis werde voraussichtlich bei 48 Franken und somit am oberen Ende der geplanten Preisspanne liegen, hieß es. Bei Ziggo dürfte der Preis mit 18,50 Euro ebenfalls am oberen Rande der Spanne liegen. DKSH will rund 750 Millionen Euro mit dem IPO einnehmen, die Finanzinvestoren Cinven und Warburg Pincus mit Ziggo gar 925 Millionen Euro.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 19. September

Unternehmen
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