Gewinnmitnahmen schmälern Tagesbilanz

Stand: 07.10.2011, 19:46 Uhr

Die Risikofreude ist noch da, doch sicher ist sicher: Der Dax sprang über die Marke von 5.700 Punkten, nachdem der US-Arbeitsmarkt ein positives Signal gesandt hatte. Dann setzten Gewinnmitnahmen ein - aber ein kleines Plus blieb.

Zumindest ein Strohfeuer entfachte der US-Arbeitsmarkberichts für den Monat September. Zeitweise kletterte der Dax bis auf 5.749,13 Punkte. Die Beschäftigung stieg im September fast doppelt so stark, als Experten prognostiziert hatten. Anschließend bröckelten die Kursgewinne allerdings wieder ab.

Zur Klage besteht für die Investoren gleichwohl kein Grund, denn der Dax hat seit seinem Wochentief am Dienstag bei 5.125,44 Punkten mehr als 550 Punkte dazugewonnen. "Wir hatten eine gute Woche, da machen einige Anleger jetzt einfach Kasse", erklärte ein Händler den Schwungverlust.

Ein Streich der Technik
Für einen Augenblick sorgte die Anzeigetafel in der Frankfurter Börse für einen Schreck. Sie zeigte zeitweise einen Dax-Stand von 663 Punkten an, ein Minus von satten 89 Prozent - nur ein Defekt, nicht die Folge einer gleichzeitigen Italien-, Spanien- Griechenland- und Portugal-Pleite.

Tatsächlich ging der Dax mit Plus von 0,5 Prozent bei 5.675,70 Punkten aus dem Handel. Auf Wochensicht legte er mehr als drei Prozent zu. Der Late-Dax büßte 0,2 Prozent auf 5.632,59 Punkte ein. Der Pariser CAC 40 gewann 0,7 Prozent, der Londoner FTSE 100 stieg um 0,2 Prozent.

Der Dow Jones notierte am Abend etwa 0,2 Prozent leichter. In den USA drückte die europäische Schuldenkrise auf die Stimmung: Nach Handelsschluss in Europa hatte die Ratingagentur Fitch die Bonität Spaniens gesenkt. Die Kreditwürdigkeit des Landes werde nun mit "AA-" bewertet und damit zwei Stufen niedriger als bisher, teilte Fitch mit. Der Ausblick sei negativ. Der Euro büßte danach zum Dollar ein und notierte zeitweise wieder unter 1,34 Dollar. Kurz zuvor hatte die Agentur bereits die Kreditwürdigkeit Italiens gesenkt.

Unternehmensgewinne bestimmen den Aktienkurs
Einige Experten warnen ohnehin vor weiteren Rückschlägen. Neben der immer noch schwelenden Schuldenkrise könnten ab in der kommenden Woche wieder verstärkt Unternehmensnachrichten die Richtung bestimmen. Am Dienstag wird der Aluminiumhersteller Alcoa die US-Berichtssaison eröffnen.

Zuletzt hatten einige Unternehmen, wie beispielsweise der Chiphersteller AMD, ihre optimistischen Ausblicke zurücknehmen müssen. "Allein schon wegen der verschlechterten Konjunkturaussichten dürften viele Unternehmen ihre Prognosen senken und dadurch auch den Aktienmarkt belasten", vermuten deshalb die Experten der DZ Bank.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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-4,80%

Britische Banken belasten Sektor
Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit von zwölf britischen Banken herabgestuft, darunter Lloyds und die Royal Bank of Scotland (RBS). Die Branche könne in Zukunft bei Problemen weniger staatliche Hilfe erwarten, teilte Moody's mit. Außerdem senkte die Ratingagentur die Einstufung von neun portugiesischen Banken. Die Commerzbank belegte im Dax das Schlusslicht, auch Deutsche Bank verloren überdurchschnittlich. Schwächster Dax-Titel der Woche war die Coba mit einem Abschlag von 6,4 Prozent.

Investoren verkaufen HeidelbergCement
Im Sog der Kursverluste bei Holcim sind europäische Zement-Hersteller ins Minus gerutscht. HeidelbergCement büßten im Dax zeitweise mehr als zwei Prozent ein. Gewinnmitnahmen hatten Holcim an der Züricher Börse abrutschen lassen. "Nachdem Holcim-Großaktionär Thomas Schmidheiny seine Beteiligung wie angekündigt auf über 20 (von zuvor 18) Prozent aufgestockt hat, fehlt die Kursstütze", sagte ein Händler. Die Papiere des Schweizer Konzerns hatten in den vergangenen beiden Wochen rund 23 Prozent zugelegt und waren damit Spitzenreiter im Auswahlindex SMI.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Autos haben Konjunktur
Gefragt waren dagegen Automobil-Titel. Daimler, Volkswagen und BMW legten zwischen 1,3 und 4,1 Prozent zu. BMW führte den Dax an. Offenbar traten die Sorgen um eine Konjunkturschwäche bei den Investoren in den Hintergrund. Die Experten von Barclays Capital schrieben, dass die Befürchtungen einer sich eintrübenden Konjunktur in China und eines Einbruchs des dortigen Automarktes übertrieben seien.

Conti investiert
Im MDax lagen die Anteilsscheine von Continental ganz weit vorn. Der Konzern will eine halbe Milliarde Dollar in ein neues Reifenwerk in den USA investieren, um dort die wachsende Nachfrage nach Pkw-Reifen bedienen zu können. Analysten vom Bankhaus Lampe und der UniCredit bestätigten daraufhin ihre Kaufempfehlungen. Die Reifensparte sei die "Cash-Cow" des Konzerns, hieß es von Lampe. Zudem sinke mit dem angekündigten Schritt die Abhängigkeit vom schwankungsanfälligeren Automobil-Zuliefergeschäft.

Gagfah im Aufwärtstrend
Die Bekanntgabe von Details eines Aktienrückkaufs katapultierten die Aktien des Immobilienkonzerns Gagfah an die Spitze des MDax, die Aktie legte um 7,5 Prozent auf 4,92 Euro zu.

Analyse treibt Software AG
Im TecDax gehörten die Anteilsscheine der Darmstädter Software AG zu den Spitzenwerten. Die UniCredit bekräftigte ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 36 Euro und begründete das mit einer günstigen Bewertung. Die Commerzbank wiederum erhöhte ihr Kursziel gleich von 30 auf 38 Euro.

QSC will die Milliarde sehen
Die Telekom-Firma QSC will bis Mitte des Jahrzehnts mit neuen IT-Diensten für den deutschen Mittelstand seinen Umsatz mehr als verdoppeln. Bis 2016 wolle QSC auf Erlöse von bis zu einer Milliarde Euro kommen, sagte Unternehmenschef Bernd Schlobohm in einem Reuters-Interview. 2010 beliefen sich die Erlöse auf 422 Millionen Euro. Die Ergebnis-Marge (Ebitda) solle bis dahin auf 25 Prozent von 19 Prozent klettern. Die Investoren sind unbeeindruckt, die Aktie lag im TecDax mit minus drei Prozent weit hinten.

Qiagen Konkurrenz
Noch schlechter lief es für die Qiagen-Aktie, die rund fünf Prozent verlor. Grund ist eine Gewinnwarnung des amerikanischen Wettbewerbers Illumina, einem Laborausrüster. Illumina hatte unter Hinweis auf die unklaren Aussichten für die staatlichen Forschungsausgaben in Europa und den USA ein Gesamtjahresergebnis unter Markterwartungen angekündigt.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat