Marktbericht 20:07 Uhr

Knapp unter Jahreshoch Gewinnmitnahmen nach starker Börsenwoche

Stand: 12.08.2016, 20:07 Uhr

Der Börsen-Höhenflug ist vorerst gestoppt. Nach mehreren Jahreshochs gab der Dax am Freitag leicht nach. Auch die Wall Street schwächelte. Dennoch bleibt die Stimmung gut.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Wer hätte das gedacht? Seit Anfang August hat der Dax fast vier Prozent gewonnen. Alleine in der abgelaufenen Börsenwoche betrug das Plus 3,3 Prozent. Damit sind die Verluste seit Anfang des Jahres wieder wettgemacht. Zum Ausklang der Woche machten die Anleger Kasse. Der Dax schloss am Freitag 0,3 Prozent tiefer, hielt sich aber über 10.700 Punkten. Der jüngste Gipfelsturm habe Kraft gekostet, meinte ein Händler. Der EuroStoxx50 gab 0,1 Prozent nach.

Verschnaufpause an der Wall Street

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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25.669,32
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Gegenwind kam aus den USA. Die Wall Street konnte ihre Rekordjagd nicht fortsetzen. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsschluss 0,3 Prozent im Minus. Am Donnerstag noch hatten unisono Dow, S&P 500 und Nasdaq Composite neue Bestmarken erreicht. Ein solches Dreifach-Hoch hatte es zuletzt 1999 gegeben.

Dämpfer von der US-Konjunktur

Enttäuschende US-Konjunkturdaten dämpften die Stimmung. Überraschend zurückhaltend zeigten sich die amerikanischen Verbraucher. Die Einzelhandelsumsätze stagnierten im Juli. Volkswirte hatten mit einem Anstieg von 0,4 Prozent gerechnet. Zudem hellte sich der Konsumklima-Index der Uni Michigan mit 90,4 Punkten im August weniger stark auf als prognostiziert. Und dann sanken auch noch unerwartet die US-Erzeugerpreise um 0,4 Prozent. Eine rasche Zinsanhebung durch die Fed wird damit immer unwahrscheinlicher.

Deutschland treibt die Eurozone an

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 20.15 Uhr

Von der europäischen Konjunkturfront kamen durchwachsene Signale. Während die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal mit 0,4 Prozent stärker wuchs als erwartet und der europäische Konjunkturmotor bleibt, verloren die italienische und französische Wirtschaft an Schwung.

Nigeria treibt die Ölpreise

Der Euro zog an und überwand zeitweise die Marke von 1,12 US-Dollar. Am Abend kostete die Gemeinschaftswährung wieder 1,1171 Dollar. Derweil gab die Aussicht auf eine geringe Ölproduktion in dem wichtigen Förderland Nigeria den Ölpreisen Auftrieb. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich bis zum Abend um 1,7 Prozent auf 46,80 Dollar.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Dax wird wieder attraktiver

Trotz der Verluste zum Wochenschluss bleibt die Stimmung an den Börsen ungebrochen optimistisch. Der Dax könnte in der kommenden Woche weiter steigen und die Marke von 11.000 Punkten ins Visier, meinen experten. Laut Aktienstratege Jochen Stanzl lässt sich eine Rückkehr der Investmentfonds und der fundamental orientierten Anleger in den deutschen Aktienmarkt beobachten.

Lufthansa fliegt an die Spitze

Im Dax stand die Lufthansa ganz oben auf der Kaufliste - trotz der Anschläge in Thailand. Zu den Dax-Favoriten zählten auch die Aktien von ThyssenKrupp. Sie profitierten von einer Kaufempfehlung durch die Berenberg Bank. Zum anderen half den Titeln eine politische Entscheidung: Die deutsche Stahlindustrie,m die viel Energie verbraucht, bleibt von der Erneuerbare-Energien-Umlage bei den Bestandsanlagen zur sogenannten Eigenstromproduktion befreit.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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19,33
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Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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VW im Rückwärtsgang

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Schlusslicht im Dax war VW. Die Aktien büßten fast zwei Prozent ein. Der Autobauer hat im Juli bei seiner Kernmarke VW 449.000 Fahrzeuge ausgeliefert - das ist ein Rückgang von 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der Konzern hatte am Vortag mitgeteilt, dass alle VW-Dieselfahrzeuge binnen eines Jahres repariert werden sollen.

Merck zu heiß gelaufen?

Auch die Aktien des Pharmakonzerns Merck standen etwas unter Druck. Die Analysten von Berenberg bewerten den Titel derzeit nur noch mit auf "hold" statt vorher "buy". Der Kurs der Merck-Aktie sei in den vergangenen Monaten deutlich stärker gestiegen als der Dax, lautete die Begründung.

HSBC mag Bilfinger

Der MDax erreichte mit 21.850 Punkten ein neues Rekordhoch. Top-Favorit waren die Aktien von Bilfinger. Mit einem Plus von fast vier Prozent führten sie die zweite Börsenliga an. Laut den Experten der HSBC hat der Ausblick des Unternehmens positive Signale gesendet, das Schlimmste für den Konzern sei vorüber. Die Anlageempfehlung lautet nun "buy".

Talanx verdient nicht genug

Auf der Verliererseite rangierte dagegen Talanx mit einem Minus von fast vier Prozent. Der drittgrößte deutsche Versicherer schaffte zwar im zweiten Quartal einen Gewinn von 179 Millionen Euro. Doch Analysten hatten mit einem höheren Ergebnis gerechnet. Die Gewinnprognose von 750 Millionen Euro im Gesamtjahr stehe noch, sagte Vorstandschef Herbert Haas, sei aber wohl schwerer zu erreichen.

Deutsche Pfandbriefbank kassiert Prognose

Größter MDax-Verlierer war die Deutsche Pfandbriefbank. Das Nachfolgeinstitut der in der Finasnzkrise zusammengebrochenen Hypo Real Estate kassierte das Ziel, das Neugeschäft auf dem Vorjahresniveau zu halten. Das Volumen der neuen gewerblichen Immobilienkredite und öffentlichen Investitionsfinanzierungen soll nun deutlich unter zwölf Milliarden Euro bleiben.

Deutsche Wohnen hebt Prognose an

Im Gegensatz zur Pfandbriefbank hob die Deutsche Wohnen ihre Ergebnisprognose für das Gesamtjahr an. Das MDax-Unternehmen erzielte im ersten Halbjahr einen Gewinn von 623 Millionen Euro. Die branchenübliche Ergebnisgrößte FFO (funds from operations) erhöhte sich um 38 Prozent auf 198,7 Millionen Euro. Die Aktie stieg zeitweise auf ein Rekordhoch.

Carl Zeiss Meditec gut unterwegs

Im TecDax waren die Aktien von Carl Zeiss Meditec gefragt. Das Unternehmen hat Umsatz und Gewinn in den ersten neun Monaten im Geschäftsjahr 2015/16 gesteigert, gute Geschäft in Asien machten es möglich. Das operative Ergebnis (Ebit) stieg um mehr als 20 Prozent auf 110,5 Millionen Euro, der Umsatz legte um fast sieben Prozent auf 799 Millionen Euro zu.

Stabilus wächst zweistellig

Nach einem prächtigen dritten Geschäftsquartal 2015/16 will der Autozulieferer aus dem SDax im laufenden Jahr um 20 Prozent auf 730 Millionen Euro Umsatz wachsen. Stabilus hat im dritten Quartal die Erlöse um 14 Prozent auf 183 Millionen Euro und das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) um 19 Prozent auf 23,5 Millionen Euro gesteigert. Die Aktie gab leicht nach.

Delticom kommt in Schwung

Am Abend meldete Delticom Umsatzzahlen. Europas führender Onlinehändler für Reifen konnte den Umsatz um 22 Prozent auf 169 Millionen Euro steigern. Vor allem das zweite Quartal lief gut., Nach dem kalten ersten Quartal kam das Sommerreifengeschäft erst nach Ostern in Schwung.

Senvion verringert Verlust

Der Windanlagenbauer verharrt in den roten Zahlen. Wegen hoher Zinslasten fiel im zweiten Quartal ein Verlust von 11,6 Millionen Euro an. Immerhin ist das sieben Mal weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um sieben Prozent auf 505 Millionen Euro. Die Senvion-Aktien stiegen um fast drei Prozent. Seit dem Börsengang im März hat Senvion rund ein Drittel an Wert verloren. Konkurrent Nordex schlug sich besser.

MVV macht mehr Ökostrom

Ein Prozent höher schlossen die Aktien von MVV. Dank der Inbetriebnahme zweier Kraftwerke in Großbritannien und der guten Entwicklung im Wind-Projektgeschäft erhöhte der Versorger das operative Ergebnis (Adjusted Ebit) in den ersten neun Monaten 2015/16 um ein Viertel auf 246 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr ist MVV nun zuversichtlicher: Das Adjusted Ebit soll auf 210 bis 215 Millionen Euro steigen.

Moeller-Maersk verdient weniger

AP Møller-Maersk: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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1.156,00
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+1,05%

Aus Dänemark meldete der Reederei-Konzern Moeller-Maersk einen Gewinneinbruch. Dennoch sprangen die Aktien um sieben Prozent nach oben. Denn Maersk kam mit seinem Sparprogramm und Konzernumbau besser voran als gedacht.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.