Marktbericht 20:02 Uhr

Dax nur knapp über 9.000 Punkten Gewinnmitnahmen bremsen Rally aus

Stand: 05.11.2013, 20:02 Uhr

Die leicht reduzierten Erwartungen der EU-Kommission zum europäischen Wirtschaftswachstum haben Aktienanleger am Dienstag für Gewinnmitnahmen genutzt. Dank besser als erwartet ausgefallener US-Konjunkturdaten schließt der Dax doch noch knapp über 9.000 Punkten.

Die meiste Zeit des Tages hatte es zwar danach ausgesehen, als ob der deutsche Leitindex den Handel unterhalb der Marke von 9.000 Punkten beenden würde, war er doch am Nachmittag auf ein Tagestief von 8.962 Punkten gesunken, 0,7 Prozent weniger als gestern.

Doch dann sorgten Konjunkturdaten aus Amerika für die Wende. Das Barometer für den Dienstleistungsektor stieg nämlich um 1,0 auf 55,4 Punkte, wie das Institute for Supply Management (ISM) mitteilte. Analysten hatten mit einem Rückgang auf 54,0 Zähler gerechnet. Der Dax grenzte daraufhin seine Verluste um die Hälfte ein.

Dow rediziert Verluste

Am Mittag hatte die leicht hinter den Erwartungen gebliebene Prognose der EU-Kommission für das Wachstum in der Eurozone 2014 und 2015 für Enttäuschung gesorgt und die Anleger zu Gewinnmitnahmen animiert. Die Kommission prognostiziert für 2013 ein Wirtschaftswachstum von minus 0,4 Prozent. Im Jahr 2014 soll die Wirtschaft dann um 1,1 Prozent zulegen. Zuvor hatte die Prognose bei 1,2 Prozent gelegen.

Auch die Wall Street ist mit Verlusten von rund einem halben Prozent in den Handel gestartet. Händlern zufolge belasteten Gewinnmitnahmen die Indizes. "Viele Anleger sind nervös wegen der Stärke des Marktes in diesem Jahr", sagten Händler. Es gebe nach wie vor Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Doch auch in New York kann der ISM-Index die Gemüter der Anleger etwas beruhigen. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow Jones-Index 0,1 Prozent tiefer bei 15.620 Zählern.

Gespannt blicken die Anleger nun zur Europäischen Zentralbank, die an diesem Donnerstag zu ihrer monatlichen Ratssitzung lädt. Die niedrige Teuerungsrate von zuletzt 0,7 Prozent hat die Hoffnung auf weitere Zinssenkungen aufkommen lassen. Zwar wird nicht damit gerechnet, dass die Notenbank einen solchen Schritt bereits in dieser Woche verkündet, doch könnte sie erste Hinweise darauf geben. Sollten die ausbleiben, dürfte das den Euro wieder stärken.

Euro wieder unter 1,35 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Eurokurs ist am Dienstag unter die Marke von 1,35 Dollar gefallen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde bei Börsenschluss in Frankfurt mit 1,3470 Dollar gehandelt, nachdem sie zuvor auf ein Tagestief von 1,3448 Dollar gesunken war. Im Mittagshandel hatte der Euro noch zeitweise über der Marke von 1,35 Dollar notiert.

T-Mobile US immer besser verbunden

Die Deutsche Telekom-Tochter T-Mobile U, konnte im Laufe des dritten Quartals die Zahl der Kunden um mehr als eine Million auf gut 45 Millionen steigern. Der Umsatz stieg durch den jüngsten Zusammenschluss mit MetroPCS im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 37 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar. Unterm Strich stand allerdings weiterhin ein Verlust von 36 Millionen Dollar.

Beiersdorf überzeugt

Im Dax sorgt vor allem der Kosmetikkonzern Beiersdorf für Furore. Das Unternehmen hat seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2013 leicht angehoben. Grund sei die "gute Geschäftsentwicklung", teilte das Management mit. Das um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis kletterte im dritten Quartal um 17 Prozent auf 216 Millionen Euro und lag damit über den Markterwartungen.

Fresenius: Rekord für die Mutter...

Fresenius: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Medizinkonzern Fresenius hat das dritte Quartal dank der Geschäfte mit Nachahmermitteln und Krankenhäusern mit dem höchsten Konzernergebnis der Unternehmensgeschichte abgeschlossen. In den ersten neun Monaten sei der Gewinn um zehn Prozent auf 753 Millionen Euro gestiegen. Der Umsatz kletterte um sieben Prozent auf 15 Milliarden Euro.

... Sorgen bei der Tochter

FMC

FMC: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Kürzungen im US-Gesundheitssystem belasten den Dialysekonzern Fresenius Medical Care (FMC). Der Gewinn stieg im dritten Quartal lediglich um ein Prozent auf 273 Millionen Dollar. Die Fresenius-Tochter leidet darunter, dass die USA wegen der Haushaushaltskürzungen seit April weniger Geld für die Behandlung von staatlich krankenversicherten Patienten bezahlen. Zudem sind die Kosten gestiegen.

BMW enttäuscht

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Für Enttäuschung sorgen dagegen die Quartalszahlen von BMW. Beim Gewinn treten die Münchner nämlich auf der Stelle. In der Kernsparte Automobile ist das Betriebsergebnis sogar um sechs Prozent gesunken. Für 2013 bekräftigte BMW aber die Prognose.

Neuer Ärger für die Deutsche Bank

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zu den schwächsten Werten im Dax gehört auch die Deutsche Bank. Die EU-Kommission will sechs Banken im Skandal um Euribor-Manipulationen bestrafen, darunter den deutschen Branchenprimus. Am Abend war bekannt geworden, dass Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen verdächtigt wird, im langjährigen Rechtsstreit des Instituts mit den Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch vor Gericht gelogen zu haben.

Sky macht sich

Im MDax hat sich die Aktie von Sky Deutschland an die Spitze geschoben. Der Bezahlsender hat auf dem Weg aus den roten Zahlen einen weiteren großen Schritt gemacht und weiter Abonnenten gewonnen. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) schrieb der Sender schwarze Zahlen und verbuchte ein Plus von gut sechs Millionen Euro. Unter dem Strich steht weiter ein Verlust von 14,2 Millionen Euro, der aber erneut geringer ausfiel also Vorjahreszeitraum.

Symrise koppelt sich ab

Auch der Dufthersteller Symrise kann mit seinen Zahlen punkten. Umsatz une Ergebnis legten im dritten Quartal zweistellig zu. "Von der leichten konjunkturellen Abkühlung in einzelnen Märkten konnten wir uns erfolgreich abkoppeln", sagte Symrise-Chef Heinz-Jürgen Bertram.

Hannnover Rück bleibt stark

Auch die Bilanz von Hannover Rück kommt bei den Anlegern gut an. Die Überflutungen in den Sommermonaten haben zwar beim weltweit drittgrößten Rückversicherer Spuren hinterlassen und den Reingewinn schrumpfen lassen. Doch für das Gesamtjahr peilt Hannover Rück weiter einen Überschuss von rund 800 Millionen Euro an.

Aurubis belastet

Einer der schwächsten Werte im MDax ist dagegen die Aurubis-Aktie. Die Kupferhütte hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2012/13 einen Ergebnisrückgang auf 111 Millionen Euro verbucht, nach 296 Millionen im Vorjahr. Als Gründe nannte Aurubis eine schwächere Nachfrage sowie geringere Preise. Hinzu kamen Restrukturierungskosten. Dadurch sei im Schlussquartal von Juli bis September ein Vorsteuerverlust von 22 Millionen Euro entstanden.

Heidelberger Druck: Anleger jubeln

Im SDax macht die Aktie von Heidleberger Druck einen Freudensprung. Im dritten Quartal stieg das operative Ergebnis ohne Sondereinflüsse (Ebit) auf 13 Millionen Euro, nach einem Verlust von sieben Millionen Euro im Vorjahresquartal.

König & Bauer: Anleger weinen

Unter Druck ist dagegen die Aktie von Koenig & Bauer. Der Druckmaschinenhersteller aus dem SDax hat am Abend seine Prognose für 2013 kassiert und erwartet nun einen Verlust. Das bisherige Umsatz- und Ergebnisziel sei nicht mehr erreichbar, erklärte das Unternehmen. Markt- und konjunkturbedingt werde die Umsatzentwicklung schwächer als erwartet ausfallen. Statt der ursprünglich angestrebten 1,3 Milliarden Euro würden 2013 voraussichtlich 1,1 Milliarden Euro umgesetzt.

Pfeiffer Vacuum kommt gut an

Auch Pfeiffer Vacuum überzeugt. Im dritten Quartal legte der im TecDax gelistete Spezialpumpen-Hersteller zwar eine gemischte Bilanz vor, doch sie fiel besser aus als erwartet. Der Umsatz sank um knapp elf Prozent auf 99,9 Millionen Euro. Der Rückgang beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern fiel mit knapp 13 Prozent auf 14,9 Millionen Euro weniger stark aus als von Analysten erwartet

Evotec legt weiter zu

Nach einer weiteren Kooperationsmeldung legen auch Evotec-Aktien deutlich zu. Seit Mitte Oktober hat das Papier über 40 Prozent gewonnen. Evotec gab eine Forschungskooperation mit "The Leukemia & Lymphoma Society" bekannt. Finanzielle Details wurden nicht veröffentlicht. Erst jüngst wurde eine Allianz mit AstraZeneca geschlossen und erste Meilensteine in der gemeinsamen Forschung mit UCB erreicht.

Verbio erhöht Prognose

Aufwärts geht es auch bei Verbio. Der Hersteller von Biokraftstoffen erzielte im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2013/14 einen Umsatz in Höhe von rund 212,0 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte der Umsatz noch bei 191,4 Millionen Euro gelegen. Das Ebitda stieg auf rund elf Millionen Euro nach 1,6 Millionen im Vorjahr. Verbio erwartet jetzt für dieses Jahr ein Ebitda von 25 Millionen Euro. Zuvor hatte die Prognose bei 17 Millionen Euro gelegen.

Marks & Spencer gefragt

In dem Ende September ausgelaufenen zweiten Geschäftsquartal sank der Umsatz auf gleicher Fläche im Textilgeschäft zwar um 1,3 Prozent. Dies war aber der geringste Rückgang seit mehr als zwei Jahren und zudem weniger als von Analysten befürchtet. Die Aktie von Marks & Spencer legte in London um mehr als zwei Prozent zu.

Holcims Sparkurs lohnt sich

Die Konjunkturdelle in Schwellenländern wie Indien und Mexiko bremst den Baustoffkonzern Holcim. Der Umsatz sank in den ersten neun Monaten 2013 um 6,1 Prozent auf 14,9 Milliarden Franken. Kostensenkungen verhalfen Holcim aber zu einem Anstieg des Reingewinns um ein Drittel auf 1,04 Milliarden Franken.

AOL macht Mut

Aufwärts geht es mit der AOL-Aktie. Dabei hat die Neuaufstellung seiner lokalen amerikanischen Nachrichtenwebseiten dem Internetkonzern das Ergebnis verhagelt. Im dritten Quartal brach der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 21 Millionen auf unterm Strich 2 Millionen Dollar ein. Dass die Aktie trotzdem zulegt, liegt an den sprudelnden Werbegeldern. Statt wie früher auf Internetzugänge setzt das Unternehmen nun auf Medieninhalte.

Paion mit ersten Erfolgen

Zweistellig aufwärts geht es zeitweise mit der Aktie des biopharmazeutischen Unternehmens Paion aus Aachen. Die Firma hat eine Vereinbarung zur Entwicklung, Herstellung und Vermarktung seines Lebermittels Remimazolam in Russland und den GUS Staaten getroffen. Dies beinhaltet eine Vorauszahlung von einer Million Euro, mögliche Meilensteinzahlungen von bis zu drei Millionen Euro, sowie eine Umsatzbeteiligung.

lg

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