Gewinnmitnahmen

Stand: 22.02.2012, 20:06 Uhr

Nachdem es zuletzt kräftig nach oben gegangen war, sind die Anleger heute an die Seite getreten. Griechenland wird auch weiter ein Thema bleiben und die Konjunkturoptimisten haben auch einen Dämpfer erhalten.

Konsolidierung ist angesagt am deutschen Aktienmarkt. Der Dax schloss nach einem überwiegend ideenlosen Handel am Mittwoch 0,9 Prozent leichter bei 6.843 Punkten. Nachbörslich ging es weiter bergab, der L/E-Dax geht mit einem Stand von 6.834 Punkten nochmals schwächer aus dem Markt. Im Tageshoch lag der deutsche Leitindex bei 6.915, im Tief bei 6.821 Zählern. "Mit dem Hype um neue Hilfsgelder für Griechenland war der Dax arg nach oben hinausgeschossen, das wird jetzt korrigiert", sagte ein Händler.

Griechenland-Sorgen...
Trotz der jüngsten Beschlüsse der europäischen Politiker zu Griechenland bleibt die Lage in Hellas nämlich unübersichtlich. Die Ratingagentur Fitch hat die griechischen Schuldtitel schon mal auf C von zuvor CCC weiter zurückgestuft. Danach kommt nur noch D...für "Default" oder "Ausfall" - und das wollten Europas Politiker ja eigentlich in jedem Fall verhindern.

...und schwache Konjunkturdaten
Zur schwachen Tagestendenz haben auch schlechte Konjunkturnachrichten aus Europa beigetragen. Die aktuellen Einkaufsmanagerindizes für die Privatwirtschaft in der Euro-Zone rutschten für den Februar nämlich überraschend um 0,7 auf 49,7 Punkte ab. Analysten hatten dagegen mit einem leichten Anstieg auf 50,6 Zähler gedacht. Die Rezessionsgefahr nimmt damit wieder zu. Werte unter 50 Punkte signalisieren ein Schrumpfen der Wirtschaft.

"Der Aufschwung seit Jahresbeginn hatte auch viel zu tun mit guten Konjunkturdaten aus den USA und aus Europa", merkte Analyst Martin Hasse von MM Warburg an. "Und von dieser Seite waren heute die Einkaufsmanagerindizes sicher ein
Stimmungsdämpfer."

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,47
Differenz relativ
-1,36%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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10,45
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Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23,05
Differenz relativ
-0,86%

Finanzwerte verlieren
Größter Tagesverlierern war die Commerzbank, die 3,2 Prozent abgab. Die gelbe Bank muss nach Analystenschätzungen die höchsten Griechenland-Abschreibungen verkraften. Am Donnerstag legt die Bank ihre Zahlen vor. Auch Deutsche Börse und Deutsche Bank gingen in den Keller, ebenso wie die Lufthansa. Trotz des beendeten Streiks am Frankfurter Flughafen belasteten die hohen Öl- und damit Spritpreise die Stimmung der Anleger.

Zu den Gewinnern gehörten die bekannten defensiven Titel der Fresenius-Familie, Merck und Henkel - wie (fast) immer, wenn der Gesamtmarkt leichter tendiert.

Euro etwas leichter
Die Gemeinschaftswährung hat sich im späten Geschäft etwas erholt und tendiert aktuell um die Marke von 1,3250 Dollar. Damit bleibt der Euro aber leicht unter den Höchstständen vom Vormittag um 1,3270 Dollar. "Die enttäuschend ausgefallenen Konjunkturdaten aus der Eurozone haben den Euro belastet", sagte Antje Praefcke, Devisenexpertin von der Commerzbank. "Auch nach der Einigung auf ein zweites Rettungspaket für Griechenland sind die Märkte weiter skeptisch", fuhr Praefcke fort.

Auch der Yen fällt zurück
Zum Yen setzte der Dollar währenddessen seinen jüngsten Höhenflug fort und hat dabei die Marke von 80 Yen hinter sich gelassen. Mit 80,35 Yen notierte die US-Valuta so hoch wie seit dem vergangenen Sommer nicht mehr. Hauptgrund sei die erneute Lockerung der japanischen Notenbank. "Der Yen gilt ohnehin als überbewertet, und dann kamen auch noch schlechte Handelsbilanzdaten", fasste ihr Kollege Ulrich
Leuchtmann zusammen. Das habe den Yen als sicheren Hafen unattraktiver gemacht. Japan, das gemessen am Bruttosozialprodukt die höchste Staatsverschuldung aller Industrienationen hat, hatte im Januar ein Rekord-Handelsbilanzdefizit ausgewiesen.

Leichte Verluste in New York
An der Wall Street liegen die führenden Aktienindizes aktuell ebenfalls im Minus, wenngleich die Verluste moderat ausfallen. Der Dow-Jones-Index tendiert aktuell bei 12.954 Punkten, 0,1 Prozent tiefer als gestern. Der S&P-500-Index tendiert 0,2 Prozent und die Technologiebörse Nasdaq 0,3 Prozent schwächer. Auch gestiegene Absatzzahlen bestehender Einfamilienhäuser im Januar haben am Vormittag dem Markt nicht geholfen, zumal der Zuwachs mit 4,57 Millionen Einheiten etwas unter den Schätzungen von 4,65 Millionen lag.

Fresenius erhält Zulassung in den USA
Eine Tochterfirma des Bad Homburger Unternehmens hat in den USA von der Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung für das Krebsmedikament Methotrexate bekommen. Dies wurde nach Börsenschluss bekannt. Das Mittel wird in der Chemotherapie eingesetzt, unter anderem zur Behandlung von Leukämie bei Kindern. Fresenius hat in den USA insgesamt 24 Zulassungsanträge laufen. 30 neue sollen hinzukommen, sagte Konzernchef Ulf Schneider. Fresenius-Aktien legten heute gegen den Markttrend 0,9 Prozent auf 79,10 Euro zu.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
56,13
Differenz relativ
-2,57%

Daimler etwas bescheidener
Der Autobauer erwartet für die Jahre 2012 und 2013 weitere Erlöszuwächse, im Vergleich zum Rekordjahr 2011 ist das Unternehmen aber vorsichtig. Das Geschäftsvolumen werde "etwas weniger deutlich" zulegen, erklärte Daimler in seinem Geschäftsbericht. Auch beim Ertrag sei ein Ergebnis in der Nähe des Vorjahres zu erwarten, da sich die Ausweitung der Produktkapazitäten sowie die Kosten für neue Modelle niederschlagen werden.

Zu viele Tui-Aktien
Heftig abwärts geht es dagegen mit der Aktie des Reisekonzerns Tui, die mit einem Tagesverlust von 7,6 Prozent größter Verlierer im MDax war. Ein Großaktionär, die spanische Sparkasse Banco CAM, hat fast 13 Millionen Tui-Aktien platziert. Mit 6,05 Euro je Aktie habe der Verkäufer nur den unteren Rand der anvisierten Spanne getroffen, hieß es auf dem Parkett.

Dialog mit Verbindungsproblemen
Nicht zufrieden zeigten sich Aktionäre des Chip-Spezialisten Dialog Semiconductor mit dessen Zahlen für das vierte Quartal 2011. Zwar konnte das Unternehmen seinen Umsatz um 96,5 Prozent auf 172,1 Millionen Dollar steigern. Die Bruttomarge sank allerdings von 40,9 Prozent im dritten auf 36,5 Prozent im vierten Quartal. Die Aktie konnte sich den ganzen Tag über nicht von ihren Verlusten erholen und schloss mit einem dicken Minus von 6,2 Prozent. Damit war das Papier größter Verlierer im TecDax.

Alstria stemmt Groß-Deal
Tagesverlierer im SDax war die Aktie des Büroimmobilien-Spezialisten Alstria. Bereits am Dienstagabend hatte das Unternehmen den Kauf von sechs große Bürogebäuden für 95 Millionen Euro gemeldet, für die das Kapital teilweise erhöht werden soll.

OMV entdeckt riesige Gasreserven
An der Wiener Heimatbörse steigt die OMV-Aktie 4,3 Prozent Der österreichische Mineralöl-Konzern hat zusammen mit seinem US-Partner Exxon vor der rumänischen Schwarzmeerküste große Erdgasvorräte entdeckt. Das Feld soll 42 bis 84 Milliarden Kubikmeter groß sein, was dem Gasverbrauch Österreichs für neun Jahre entspricht. "Das sind Dinge, die passieren im Leben eines Managers nur einmal, und das ist heute", sagte der seit April 2011 amtierende Firmenchef Gerhard Roiss freudestrahlend.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen