Gewinne nach turbulentem Späthandel

Stand: 09.03.2012, 19:41 Uhr

Der Dax schafft es trotz einer scharfen Aufwärtsbewegung an den letzten beiden Wochentagen nicht, die Woche in der Gewinnzone zu beenden. Der Schuldenschnitt sorgte für halbwegs entspannte Stimmung, aber sorgenfrei sind die Investoren nicht.

Der Dax schloss mit einem Aufschlag von 0,7 Prozent bei 6.880,21 Punkten. Nachdem der deutsche Leitindex fast während des gesamten Handelstages lediglich leicht über seinem Vortagesniveau notiert hatte, fanden einige Investoren spät zurück zu ihrer Donnerstagsform. Sie drückten am Nachmittag beherzt den Kauf-Button, sodass der Dax sogar über die Marke von 6.900 Punkten lugte und zeitweise 6.912,42 Zähler erreichte. Der Late Dax stieg um 0,8 Prozent.

Auf Wochensicht verbuchte der Dax nur ein vergleichsweise kleines Minus von 0,6 Prozent. Am Dienstag war der Index um 3,4 Prozent eingebrochen. Schwächster Dax-Titel der Woche war die Commerzbank mit einem Abschlag von 6,1 Prozent. Der europäische Bankenindex büßte auf Wochensicht 3,1 Prozent ein. Der Sektor Nahrungsmittel war mit plus 2,1 Prozent Europas bester. Der Dow Jones lag am Abend weniger als ein halbes Prozent im Plus.

Auf falschem Fuß...
Der griechische Schuldenschnitt war erwartet worden und wurde auch grundsätzlich positiv aufgenommen. Dennoch hatte sich die Euphorie mit den Kursgewinnen vom Donnerstag verbraucht. Investoren richteten ihren Blick auf weitere mögliche Risiken: "Was kommt nach Griechenland", fragte Florian Weber, Handelsvorstand bei der Schnigge Wertpapierhandelsbank, der eine herrschende Unsicherheit bemerkt.

Warum dann der kräftige Satz am Nachmittag? Deckungskäufe, lautete ein Erklärungsversuch: "Bei den Kursverlusten Anfang der Woche hatten offenbar einige Investoren darauf gewettet, dass der Dax deutlich stärker abwärtsgeht - bis auf 6500 Punkte vielleicht", sagte ein Marktteilnehmer. "Da es nicht dazu kam, müssen sie sich vor dem Wochenende wieder eindecken, weil sonst die Verluste zu schmerzhaft werden."

Euro taucht ab
Für Devisenspekulanten war der Freitag hingegen ein harter Tag: Der Euro sackte um mehr als ein Prozent ab und fand erst nahe der Marke von 1,31 Dollar einen Boden. Im Hinblick auf den griechischen Schuldenschnitt meinte Commerzbank-Fachmann Lutz Karpowitz, dass die Luft nach den gestrigen Gewinnen raus zu sein scheine und das Motto gelte: 'Buy the rumors, sell the facts'.

Belastend für die Gemeinschaftswährung wirkten auch die relativ guten Daten vom US-Arbeitsmarkt: Dort setzt sich die Erholung fort, wenn auch nicht gerade mit rasendem Tempo. Die Arbeitslosenquote stagniert bei 8,3 Prozent. Gleichwohl interpretierte der Mark das als Anzeichen für eine Besserung der Lage. S&P untermauerte diese Ansicht mit der Erklärung, dass bestimmte konjunkturelle Risiken abgenommen hätten oder sich die Lage zumindest stabilisiere.

Linde macht Dampf
An der Indexspitze schloss mit weitem Abstand die Aktie von Linde, die rund sechs Prozent zulegte. Aktionäre und Analysten fanden Gefallen an dem Zahlenwerk des Industriegase-Spezialisten für 2011. Vor allem die Erhöhung der Dividende 2,50 Euro je Aktie und die guten Aussichten lockten.

Analysten loben Merck
Auch die Merck-Aktie verzeichnete weit überdurchschnittliche Gewinne in Höhe von mehr als drei Prozent. Die Deutsche Bank hat die Aktie des Pharmakonzerns nach den Zahlen zum vierten Quartal 2011 zum Kauf empfohlen und ein Kursziel von 90 Euro angesetzt. Die Gewinnerwartungen wurden für 2012 Prozent ebenfalls erhöht.

Coba und Deutsche Bank saugen Milliarden
Die beiden größten deutschen Banken haben sich beim jüngsten Drei-Jahres-Tender der Europäischen Zentralbank (EZB) Insidern zufolge stärker mit billigem Geld eingedeckt als bisher bekannt. Die Deutsche Bank solle zwischen fünf und zehn Milliarden Euro abgerufen haben. Die Commerzbank holte sich eine einstellige Milliardensumme, wie zwei mit der Transaktion vertraute Personen sagten. Die beiden Banken wollten sich zu den Informationen am Freitag nicht äußern.

Lufthansa: Passagierzahlen zünden nicht
Aktien der Lufthansa büßte fast ein Prozent ein. Der Konkurrent Air France/KLM will Medienberichten zufolge eine Kooperation mit Air Berlin eingehen. Air Berlin-Aktien im SDax legen mehr als zwei Prozent zu. Des weiteren meldete die Kranichlinie Februar-Zahlen, trotz des Streiks am Frankfurter Flughafen erzielte sie im Passagiergeschäft deutliche Zuwächse. Zusammen mit ihren Töchtern beförderte Europas größte Fluggesellschaft fast 6,7 Millionen Fluggäste, rund vier Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Auslastung der Maschinen verbesserte sich um einen halben Prozentpunkt auf 71,8 Prozent. Im Frachtgeschäft zeigte die Entwicklung allerdings weiter nach unten.

Volkswagen im Februar top
Die Wolfsburger haben einen schwachen Absatzmonat Januar mit einem rasanten Verkaufsplus im Februar mehr als wettgemacht. Um 15,1 Prozent stieg die Zahl der Auslieferungen. Insgesamt hat VW in den ersten zwei Monaten nun insgesamt 1,29 Millionen Autos verkauft, ein Plus von 7,7 Prozent. Die VW-Aktie schaffte ein überdurchschnittliches Plus. Außerdem bleiben das VW-Duo Martin Winterkorn und Hans Dieter Pötsch an der Spitze der Porsche-Dachgesellschaft. Die Verlängerung der Mandate gelte mit Wirkung vom 25. November 2012 für weitere fünf Jahre bis 2017.

Heideldruck macht den Abschied schwer
Die Aktie des Druckmaschinen-Herstellers liegt im MDax mit Kurszuwächsen von mehr als drei Prozent an der Spitze. Aktuelle Nachrichten zum MDax-Absteiger gibt es nicht, nach Händlerangaben hat der Titel nach der Talfahrt der Vorwoche aber weiterhin Nachholbedarf.

Euroshop schlägt Erwartungen
Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) hat der Shopping-Center-Betreiber mit 165,7 Millionen Euro, die Prognosen der Experten geschlagen. Auch die wichtige Kennziffer für das Ergebnis aus dem laufenden Geschäft (FFO) kletterte um ein Drittel auf 83,1 Millionen Euro. Dennoch hält die Deutsche Euroshop die Dividende bei 1,10 Euro je Aktie stabil. Das Papier ging mit Aufschlägen von fast zwei Prozent aus dem Handel.

Schaltbau gefällt
Die Aktie des Verkehrstechnik-Konzerns Schaltbau legte mehr als vier Prozent zu. Das SDax-Unternehmen hatte am Vorabend einen Gewinnsprung um 47 Prozent auf 21,7 Millionen Euro für 2011 bekanntgegeben. Aktionäre sollen mit einer Dividende von 1,80 pro Aktie (nach 1,10 Euro je Aktie) bedacht werden. Der Umsatz war im vergangenen Jahr um 14 Prozent auf 318,4 Millionen Euro gesteigert worden.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"