Getrübter Tanz in den Mai

von Notker Blechner

Stand: 30.04.2010, 20:05 Uhr

Die Hoffnungen auf eine schnelle Lösung der griechischen Schuldenkrise reichten nicht als Kursstütze. Schwache Konjunkturdaten und neue Regulierungssorgen in den USA drückten den Dax zum Monatsende erneut ins Minus.

Die Kurserholung an der Börse war nur von kurzer Dauer. Der Dax sackte nach anfänglichen Kursgewinnen am Ende einer turbulenten Börsenwoche erneut ins Minus und schloss im Xetra-Handel um 0,15 Prozent tiefer bei 6.135 Punkten. Zeitweise war der deutsche Leitindex unter die Marke von 6.100 Zählern gerutscht. Im späten Parketthandel gab der Parketthandel weiter nach, der L-Dax schloss bei 6.122 Zählern im Sog der schwächeren Wall Street. Der Dow Jones drehte am frühen Abend deutlich ins Minus.

US-Wirtschaft wächst langsamer
Für Verdruss sorgten die neuesten Konjunkturdaten. So verlor die US-Wirtschaft im ersten Quartal an Schwung. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs lediglich um 3,2 Prozent. Volkswirte hatten mit einem Plus von 3,4 Prozent gerechnet. Dagegen trübte sich das US-Verbrauchervertrauen weniger stark ein als befürchtet. Der Verbrauchervertrauensindex der Uni Michigan fiel nach endgültigen Berechnungen auf 72,2 Punkte. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 71,0 Punkte gerechnet. Der Chicagoer Einkaufsmanagerindex stieg ebenfalls stärker als vorhergesagt - von 58,8 Punkten im Vormonat auf 63,8 Zähler im April. Die Volkswirt-Prognosen hatten bei 60,0 Punkten gelegen.

Als Kursbelastung erwies sich auch Goldman Sachs. Am Freitag wurde bekannt, dass die New Yorker Staatsanwaltschaft die Betrugsvorwürfe gegen Goldman prüft. Merrill Lynch stufte die Goldman-Papiere auf "Neutral" ab. Die Goldman-Aktie brach um acht Prozent ein. Nun befürchten einige Anleger eine schärfere Regulierung der US-Bankenlandschaft.

Durchwachsene Monats-Bilanz
Aus Anlegersicht war der April eher durchwachsen. Der Dax trat nahezu auf der Stelle und büßte knapp 20 Punkte ein. Und jetzt kommt auch noch der Mai, der traditionell eher zu den schwächeren Börsenmonaten zählt - getreu der alten Börsenweisheit: "Sell in May and go away".

Griechenland-Hilfspaket bis Sonntag unter Dach und Fach?
Eine rasche Lösung der Griechenland-Krise könnte aber den Kursen wieder Auftrieb geben. "Sobald die Hilfen endlich auf den Weg gebraucht sind, könnte der Dax schon in der nächsten Woche Kurs auf seine bisherige Jahresbestmarke nehmen", glaubt Chefhändler Fidel Helmer vom Bankhaus Hauck & Aufhäuser. Die EU-Länder stehen offenbar vor einer Einigung auf einen Rettungsplan für Griechenland. Laut der EU-Kommission könnte der Plan am Samstag stehen. Am Sonntagnachmittag treffen sich die EU-Finanzminister in Brüssel, um über das Rettungspaket zu entscheiden. Laut Finanzkreisen wollen sich auch deutsche Banken, Versicherungen und Industriekonzerne an den Hilfen für Griechenland beteiligen und freiwillig einen einstelligen Milliardenbetrag aufbringen.

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Metro will bis drei Milliarden für Kaufhof
Von der Unternehmensseite gab es am Freitag wenig Neues. Von den Dax-Konzernen präsentierte am Freitag lediglich Metro seine Quartalszahlen. Und die kamen an der Börse schlecht an. Die Metro-Aktie verlor über ein Prozent. Zwar übertraf Deutschlands größter Handelskonzern die Erwartungen, aber einen Verlust einzufahren bei einem Umsatz von mehr als 15 Milliarden Euro, das enttäusche schon, meinte ein Börsianer. Andere Analysten wiesen auf Schwächen in Osteuropa hin. Erstmals bezifferte Metro-Chef Eckhard Cordes die Preisvorstellungen für die Tochter Kaufhof: Er wolle bei einem Verkauf samt Immobilien zwischen zwei und drei Milliarden Euro haben. Unter Zeitdruck sieht er sich nicht. Wenn die Trennung von Kaufhof dieses Jahr nicht klappe, könnte man auch noch bis 2011 oder 2012 warten.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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7,35
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Bankenwerte auf Berg- und Talfahrt
Nach anfänglichen Kursgewinnen zählten die Bankenwerte zu den größten Verlierern. Die Aktien der Deutschen Bank gaben über zwei Prozent, die Papiere der Commerzbank fast 1,5 Prozent nach. Händler verwiesen auf die Sorgen um eine schärfere Bankenregulierung in den USA.

Zudem enttäuschte Barclays mit seinen Quartalszahlen. Zwar konnte die britische Bank ihren Vorsteuergewinn im Auftaktquartal um knapp die Hälfte steigern, der Vorsteuergewinn im Investmentbanking blieb aber deutlich unter den Erwartungen der Analysten. Dagegen konnte die Erste Bank in Österreich mit einem leichten Gewinnanstieg auf 255 Millionen Euro positiv überraschen.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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97,97
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Siemens ordnet Gesundheitsgeschäft neu
Größter Dax-Gewinner war Siemens mit einem Plus von fast zwei Prozent auf 74,34 Euro. Einen Tag nach der Präsentation der Quartalszahlen hoben mehrere Analystenhäuser das Kursziel für Siemens an. Die Citigroup beispielsweise gab als neues Kursziel 95 Euro aus. Zudem gab der Konzern eine Neuordnung seines Gesundheitsgeschäfts bekannt. Das Hörgeräte-Geschäft, um das es zuletzt Verkaufsgerüchte gegeben hatte, wird künftig eigenständig geführt.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Analysten treiben RWE und MAN
Getragen von Analysten-Empfehlungen standen auch RWE und MAN ganz oben auf dem Gewinner-Podium. Sie legten rund 1,4 Prozent zu. Die UBS empfahl die RWE-Aktie zum Kauf angesichts besserer Aussichten auf höhere Strompreise und der zuletzt nur unterdurchschnittlichen Kursentwicklung. Die Deutsche Bank stufte die MAN-Aktie von "Hold" auf "Buy" herauf, ebenso setzte Nomura das Anlageurteil von "Neutral" auf "Buy".

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Bayer-Potenzmittel wird billiger
Am Freitag nahm Bayer-Chef Werner Wenning Abschied von den Aktionären auf der Hauptversammlung. Am 1. Oktober übergibt er sein Amt an den Niederländer Marijn Dekkers. Für Wenning gab es viel Lob. Dem Aktienkurs half das nicht, er verlor knapp zwei Prozent. Schuld daran sind angekündigte Preis-Senkungen für das Potenzmittel Levitra um bis zu 60 Prozent.

BASF und Beiersdorf ex Dividende
Größter Dax-Verlierer war die BASF mit einem Abschlag von über vier Prozent. Das lag allerdings zum Teil an der Dividendenausschüttung. Der Chemiekonzern zahlt seinen Aktionären 1,70 Euro je Aktie. Zieht man diese ab, notierte BASF nur leicht im Minus. Auch Beiersdorf wurde mit einem Dividendenabschlag gehandelt. Der Konsumgüterhersteller schüttet 0,70 Euro an seine Aktionäre aus.

Deutsche Euroshop bleibt auf Wachstumskurs
Im MDax meldete die Deutsche Euroshop vorläufige Quartalszahlen. Der auf Einkaufszentren spezialisierte Immobilieninvestor hat demnach die Erlöse in den ersten drei Monaten um neun Prozent auf 34,8 Millionen Euro und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um elf Prozent auf 30,1 Millionen Euro gesteigert. Die Aktie legte um über ein Prozent zu.

HeidelDruck und Singulus auf Erholungstrip
Spitzenreiter in der zweiten Börsenliga waren die Aktien von Heidelberger Druck mit einem Kursplus von über sechs Prozent. Die UBS empfahl das Papier als "short term buy". Im TecDax erholten sich die Aktien von Singulus kräftig von ihren jüngsten Verlusten. Sie stiegen um über acht Prozent.

Aixtron fällt weiter
Seine Talfahrt setzte derweil Aixtron fort. Die Aktien büßten erneut fast fünf Prozent ein und waren größter TecDax-Verlierer. Händler sprachen von einem hohen Verkaufsdruck. "Es scheint, als wolle sich da eine Adresse auf Teufel komm raus von ihren Beständen trennen, egal zu welchem Kurs", meinte ein Börsianer.

Kräftiges Plus bei Ago Energie
Stark gefragt waren die Aktien des Biomasse-Anlagenbauers Ago AG Energie. Sie kletterten um rund sechs Prozent nach oben. Das Unternehmen hat im ersten Quartal ein Drittel mehr Umsatz erwirtschaftet und das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um sechs Prozent auf 1,7 Millionen Euro verbessert. Unterm Strich halbierte sich aber der Gewinn wegen eines Einmaleffekts auf 0,3 Millionen Euro.

Ölpest lastet auf BP-Aktie
Im Ausland standen vor allem Ölwerte ium Blickpunkt. So zum Beispiel BP. Wegen der sich verschlimmernden Ölpest im Golf von Mexiko gaben die Aktien des britischen Ölkonzerns weiter nach. Seitdem die BP-Ölplattform "Deepwater Horizon" in der vergangenen Woche Feuer gefangen hat, büßten die Titel rund zwölf Prozent an Wert ein. "Der Markt rechnet mit einem Schaden von 14 Milliarden Dollar für BP", hieß es einem Marktkommentar von Goldman Sachs. Die Bank bestätigte jedoch ihre Kaufempfehlung für BP-Aktien und bezeichnete die Reaktion von Investoren auf das Unglück als übertrieben.

Total nicht gut genug
Nachrichten gab es auch vom französischen Ölriesen Total. Dank höherer Öl-Preise im ersten Quartal verdiente der Konzern mehr, der bereinigte Gewinn stieg um neun Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Allerdings belasteten ein höherer Euro-Kurs und Streiks bei Raffinerien die Bilanz. Die Total-Papiere verloren 2,5 Prozent.

Chevron übertrifft Erwartungen
Dagegen konnten die Aktien von Chevron leicht zulegen. Der US-Konzern schaffte es, dank der höheren Ölpreise den Gewinn mehr als zu verdoppeln auf 4,55 Milliarden Dollar. Der Umsatz stieg um ein Drittel auf 46,7 Milliarden Dollar.

Neue weltgrößte Fluggesellschaft entsteht

Eine Mega-Fusion bahnt sich derweil in der Luftfahrt-Branche an. United und Continental Airlines planen angeblich einen Zusammenschluss zur weltgrößten Fluggesellschaft. Insidern zufolge soll die Fusion am Montag bekannt gegeben werden. Während die Papiere der United-Airlines-Mutter UAL um 0,6 Prozent zulegten, fiel der Continental-Kurs um 1,5 Prozent.

Tagestermine am Dienstag, 11. Dezember

Unternehmen:
Lufthansa: Verkehrszahlen November
Aurubis: Q4-Zahlen, 7 Uhr
VDMA: Jahres-Pk, 10 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Erzeugerpreise, November, 14:30 Uhr


Sonstiges:
Großbritannien: May sagt Parlamentsvotum über Brexit ab und will nachverhandeln