George W. rettet den Tag

Detlev Landmesser

Stand: 06.12.2007, 20:28 Uhr

Die Preise steigen schneller als es der EZB lieb ist - kein gutes Umfeld also für den erhofften Zinssschwenk nach unten. Das trübte die Laune am Donnerstag. In Amerika tat dagegen US-Präsident Bush etwas für die Kurse.

Wie von den Marktteilnehmern erhofft, stellte George W. Bush einen Notfallplan für ausfallbedrohte Immobilienkredite vor, der die drohende Flut von Zwangsversteigerungen eindämmen soll. Viele US-Hypothekenbanken hatten Kunden mit niedrigen Anfangszinsen auf Darlehen gelockt, die jedoch später deutlich anziehen. Jetzt sollen die Zinsen vieler Immobilienkredite für fünf Jahre eingefroren werden.

Die Wall Street war schon im Vorfeld gestiegen, nachdem zunächst enttäuschende Umsatzzahlen der Handelskette Target auf den Kursen gelastet hatten. Die neue Zuversicht erfasste auch den L-Dax, der 0,15 Prozent höher bei 7.952,54 Punkten schloss. Der Xetra-Dax hatte seinen Tagesgewinn dagegen wieder eingebüßt.

Die Inflationsrisiken seien klar aufwärts gerichtet und die Phase höherer Inflation könne länger als erwartet dauern, hatte EZB-Chef Jean-Claude Trichet nach der Ratssitzung am Donnerstag erklärt. Höhere Inflationserwartungen machen es der EZB schwerer, auf den Zinssenkungskurs der US-Notenbank Fed einzuschwenken. Eine weitere Zinserhöhung halten indes nur wenige Marktteilnehmer für denkbar. Zuvor hatten die Währungshüter den Leitzins wie erwartet unverändert bei 4,00 Prozent belassen. Der Euro reagierte deutlich positiv und setzte wieder über die Marke von 1,46 Dollar.

Finanztitel wie die Hypo Real Estate und die Commerzbank liefen überdurchschnittlich. Rückenwind kam von der Royal Bank of Scotland (RBS), nach deren Aussage die Belastung durch die Kreditkrise niedriger als erwartet ausfallen wird. Dadurch werde der Gewinn im Gesamtjahr über den bisherigen Analystenprognosen liegen, teilte die RBS mit.

78 Cent von der Telekom

Die T-Aktie legte im späten Geschäft noch etwas zu. Am Abend teilte die Deutsche Telekom den Dividendenvorschlag für 2007 mit. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen eine Ausschüttung von 0,78 Euro pro Aktie vor. Zuletzt hatte die Telekom 0,72 Euro pro Aktie gezahlt. Basis für die Anhebung der Dividende sei die Entwicklung des operativen Ergebnisses. Das bereinigte Ebitda soll 2007 rund 19 Milliarden Euro betragen. Außerdem gehe der Vorstand davon aus, dass der freie Cash-Flow 2007 und 2008 rund 6,5 Milliarden Euro erreichen werde.

Lufthansa meidet Alitalia
Nach anfänglichen Kursverlusten drehte die Lufthansa-Aktie ins Plus. "Der Vorstand hat sich nach einer wirtschaftlichen Abwägung entschieden, nach den vorliegenden Erkenntnissen kein Angebot für Alitalia abzugeben", hatte ein Lufthansa-Sprecher mitgeteilt, und damit für Erleichterung gesorgt. "Eine mögliche Übernahme der Alitalia wäre mit sehr hohen Risiken verbunden gewesen", meinte ein Börsianer.

Mercks Erbitux bekommt Konkurrenz
Die Aktie der Merck KGaA wurde am Nachmittag ans Dax-Ende durchgereicht. Der Pharmatitel litt unter der EU-Zulassung des Erbitux-Konkurrenzmittels Vectibix des US-Konzerns Amgen. Vecitibix wurde für die Monotherapie bei Darmkrebs zugelassen.

Postbank-Ziele ohne Wirkung
Relativ schwach entwickelte sich die Postbank-Aktie. Das Geldhaus strebt bis zum Jahr 2010 ein Ergebnis vor Steuern von 1,4 bis 1,45 Milliarden Euro an, nach gut 900 Millionen Euro im Jahr 2006. Unter dem Strich, also nach Steuern, soll ein Gewinn von 980 Millionen bis 1,015 Milliarden Euro stehen. Bereits im kommenden Jahr will die Post-Tochter ein Vorsteuerergebnis zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro erreichen. Den Anlegern war das offenbar nicht genug.

Fantasie bei Adidas weggeblasen
Auch die Adidas-Aktie stand unter Abgabedruck. Konzernchef Herbert Hainer sieht sein Unternehmen nicht als Übernahmekandidaten. Die Gerüchte um ein Interesse der Konkurrenten Nike und Asics bezeichnete Hainer am Mittwochabend als "blanken Unsinn". Niemand sei auf Adidas zugekommen.

MAN brummt
MAN schaut nach einer guten Geschäftsentwicklung im Oktober und November positiv in die Zukunft. Bei Umsatz und Auftragseingang habe sich das Wachstum des Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzerns beschleunigt, sagte MAN-Chef Hakan Samuelsson. "2008 wird ein weiteres positives Jahr für uns", ergänzte er. Umsatz und Ergebnis sollen weiter wachsen.

Vossloh erhöht Planzahlen und Dividende
Im MDax sprang die Vossloh-Aktie im späten Geschäft an. Der Verkehrstechnikkonzern erhöhte seine Umsatz- und Gewinnprognosen für 2008. Der Umsatz werde im kommenden Jahr bei 1,34 Milliarden Euro liegen und damit gut drei Prozent höher als bisher geplant. Das operative Ergebnis (Ebit) solle 142 Millionen Euro statt bisher 134 Millionen Euro erreichen. Der Konzernüberschuss soll mit 91 Millionen Euro die bisherige Zielgröße von 79 Millionen Euro um rund 15 Prozent übertreffen. Für 2007 bewege sich Vossloh im Rahmen der eigenen Prognose. Deshalb werde das Unternehmen eine Dividende von 1,70 (Vorjahr: 1,30) Euro je Aktie vorschlagen.

Ladenhüter IKB?
Die Aktie der schwer angeschlagenen Mittelstandsbank IKB stand erneut unter Druck. Wie die "Financial Times Deutschland" berichtet, erlahmt das Interesse potenzieller Käufer. Die Zweifel wüchsen, ob ein Erwerb der IKB nach dem Desaster noch sinnvoll sei, heiße es in Bankkreisen. Deutsche Bank und Postbank hätten bereits abgesagt.

Air Berlin auf Wachstumskurs
Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin hat im November 2,048 Millionen Passagiere befördert. Das waren 19,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Das SDax-Mitglied profitierte von der Übernahme der ehemaligen Konkurrenten LTU und Belair. Trotzdem notierte die Aktie zwischenzeitlich im Minus. Die geringe Flottenauslastung lese sich wie eine "versteckte Gewinnwarnung", sagte ein Händler. Zudem verhelfe nur ein Einmalertrag zur Erreichung des Jahresziels.

Stühlerücken in den Indizes
Die Deutsche Börse hat am Mittwochabend die turnusgemäßen Änderungen ihrer wichtigsten Indizes bekannt gegeben. Das bewegte die Kurse der betroffenen Unternehmen. Der Spezialmaschinenbauer Gildemeister ersetzt den mehrheitlich übernommenen Energiedienstleister Techem im MDax. Den TecDax muss GPC Biotech wegen seines schweren Kurseinbruchs verlassen. TecDax-Aufsteiger ist das Solarunternehmen Centrotherm. Im SDax rückt das Schweizer Medienunternehmen Highlight Communications für Gildemeister nach. Die Vorzugsaktien der Biotest AG ersetzen außerdem den Finanzdienstleister Cash.Life. Die Änderungen werden zum 27. Dezember umgesetzt.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr