Marktbericht 20:09 Uhr

Russisches Flugzeug abgeschossen Geopolitische Spannungen verstimmen Anleger

Stand: 24.11.2015, 20:09 Uhr

Ein schwerer Zwischenfall im Nahen Osten hat die Börsianer am Dienstag nervös gemacht. Nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei sackte der Dax kräftig ab. Die Ölpreise zogen dagegen deutlich an.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Terroranschläge von Paris haben die Märkte bisher gut weggesteckt. Nun aber könnte eine Zuspitzung der geopolitischen Lage im Syrien-Konflikt die Börsen belasten. Der Abschuss des russischen Kampflugs an der syrisch-türkischen Grenze hat am Dienstag zu heftigen Spannungen zwischen Moskau und Ankara geführt- und die Stimmung an den Börsen eingetrübt. Der Dax fiel um 1,4 Prozent auf knapp 10.934 Punkte. Zeitweise war der deutsche Leitindex auf bis 10.869 Zähler gefallen.

Börsen in Moskau und Istanbul unter Druck

Besonders groß waren die Kursverluste an den Börsen in Moskau und Istanbul. Die Indizes sackten um rund vier Prozent ab. Auch Rubel und Lira gaben deutlich nach. Der russische Präsident Wladimir Putin warf der Türkei vor, mit dem Abschuss Russland in den Rücken gefallen zu sein. Das Flugzeug sei nicht über türkischem Hoheitsgebiet abgeschossen worden. Die Nato rief am Abend zu Ruhe und Besonnenheit auf.

Wall Street behauptet sich

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

Einzig die Wall Street zeigte sich relativ unbeeindruckt von den neuen politischen Spannungen zwischen Russland und der Türkei. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsschluss leicht im Plus. Gemischte Konjunkturdaten gaben keine klaren Impulse. Die US-Wirtschaft wuchs im dritten Quartal stärker als bisher angenommen um 2,1 Prozent. Die erste Schätzung hatte bei 1,5 Prozent gelegen. Dagegen trübte sich überraschend das Konsumklima im November ein. Der Indikator des Conference Board fiel um 8,7 Punkte auf 90,4 Zähler. Volkswirte hatten mit 99,5 Punkten gerechnet.

Suche nach sicheren Häfen

Einige Anleger flüchteten in "sichere Häfen". Die "Anti-Krisen-Währung" Gold zog auf 1.080 Dollar je Feinunze an. Der Bund-Future, der auf einer virtuellen zehnjährigen Bundesanleihe basiert, kletterte um bis zu 67 Ticks auf 158 Punkte.

Ölpreise steigen kräftig

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Der Abschuss des russischen Kampfflugzeugs durch die Türkei schürte Spekulationen auf Versorgungsengpässe im Ölmarkt. Der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich um fast vier Prozent auf 46,50 Dollar je Barrel. US-Leichtöl der Sorte WTI zog ähnlich stark auf 43,46 Dollar an. Am Morgen waren die Ölpreise bereits gestiegen wegen Aussagen Saudi-Arabiens. Das Land wolle nun doch mit Opec- und Nicht-Opec-Staaten zusammenarbeiten, um die Ölpreise zu stabilisieren, hieß es.

Ifo-Index stützt Euro

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro erholte sich von seinem Mehrmonats-Tief und stieg auf 1,0650 Dollar. Als Stütze erwies sich der Ifo-Index, der überraschend um 0,8 Punkte auf 109,0 Zähler stieg. Volkswirte hatten mit einer Stagnation gerechnet. Das Ifo-Geschäftsklima zeigt, dass sich die deutsche Wirtschaft von der Unsicherheit nach den Terroranschlägen von Paris nicht sonderlich beeindrucken ließ.

VW-Aktie nicht zu bremsen

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Einziger Dax-Gewinner war VW. Die Aktie kletterte um 5,5 Prozent nach oben auf 115,90 Euro – trotz der Ausweitung der Ermittlungen durch die Braunschweiger Staatsanwaltschaft. Es ist der achte Gewinntag in Folge. Seit dem 12. November hat der VW-Kurs fast 20 Prozent zugelegt. Auftrieb gab am Dienstag eine Analystenstudie der UBS. Der aktuelle Kurs suggeriere einen Schaden aus dem Abgasskandal in Höhe von rund 60 Milliarden Euro, meinte UBS-Experte Patrick Hummel. Das erscheine zu viel. Hummel hob das Kursziel auf 160 Euro an.

Allianz trimmt sich fit

Im Blickpunkt stand am Dienstag auch die Allianz. Vorstandschef Oliver Bäte stellte sein Erneuerungsprogramm vor, mit dem er den Dax-Konzern fit für die Zukunft machen will. In den Jahren 2016 bis 2018 will er den Gewinn je Aktie um fünf Prozent pro Jahr steigern. Dabei können Aktionäre auch künftig auf steigende Dividenden hoffen. Zudem kündigte die Allianz den Start eines Online-Versicherers zusammen mit dem Internetkonzern Baidu in China an. Die Aktie schloss mit einem Minus von 0,9 Prozent.

Neue Übernahmefantasie um K+S

Im späten Handel drehte die K+S-Aktie ins Plus. Laut Medienberichten will Konkurrent Potash einen neuen Übernahmeversuch wagen. Im operativen Geschäft droht dem Düngemittel- und Salzproduzent neuer Ärger: K+S muss unter Umständen einen Teil seiner Produktion drosseln. Denn der Konzern darf ab Dezember keine Abwässer mehr in den Boden leiten. Die hessischen Behörden haben die entsprechende Genehmigung für das Dax-Unternehmen nicht verlängert, berichtete die "Wirtschaftswoche".

Infineon am Dax-Ende

Schlusslicht im Dax war Infineon mit einem Abschlag von rund 4,6 Prozent. Anleger machten erneut Kasse. Die Aktien des Chipherstellers gehören mit einem Plus von rund 27 Prozent zu den größten Dax-Gewinnern bisher in diesem Jahr. Am Donnerstag enthüllt Infineon seine Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/15.

Schlechter Tag für Reise-Aktien

Auf den Verkaufslisten standen europaweit Aktien von Unternehmen aus der Reise- und Tourismusbranche - nicht nur wegen der türkisch-russischen Spannungen. Die US-Regierung hatte am Montagabend angesichts der jüngsten Terroranschläge ihre Bürger vor Reisen weltweit gewarnt. Die Aktien von Hotelkonzernen wie Accor und Intercontinental gaben um sechs und drei Prozent nach. Die Titel des Reiseveranstalters Tui verbilligten sich um knapp drei Prozent.

Aus Sorge vor sinkenden Gewinnen trennten sich Anleger ebenfalls von Luftfahrt-Aktien. Der Kurs der Lufthansa sackte um knapp vier Prozent ab, die Titel der British Airways-Mutter IAG büßten 3,6 Prozent ein. Auch Air France-KLM sowie die Billig-Flieger EasyJet und Ryanair verloren deutlich. Laut dem Branchendienst ForwardKeys reisten in der Woche nach den Anschlägen von Paris 27 Prozent weniger Menschen per Flugzeug in die französische Hauptstadt.

CTS im Terror-Sog

Selbst die Aktien von CTS Eventim wurden von den Terror-Ängsten mitgerissen. Als Ticketvermarkter für Konzerte und Sport-Events könnte CTS darunter leiden, wenn künftig weniger Menschen Massen-Evnts besuchen. Die Titel von CTS stürzten um sechs Prozent ab und waren MDax-Schlusslicht. Am Mittwoch meldet der Ticketvermarkter seine Quartalszahlen.

Hugo Boss wird vorsichtiger

Auf der Verkaufsliste standen am Dienstag auch Luxus- und Modeaktien. So gab der Kurs von Hugo Boss fünf Prozent nach. Der Modekonzern hat auf einer Investorenkonferenz skeptische Töne angeschlagen. Der Umsatz soll 2016 unter dem Langfristziel eines hohen einstelligen Zuwachses bleiben. Zudem steht das für 2020 angepeilte Margenziel von 25 Prozent unter einen Vorbehalt: Eine operative Umsatzrendite (Ebitda-Marge) in dieser Höhe ist laut Boss nur bei einer Erholung der Märkte zu erreichen.

KWS Saat erntet Verluste

Ein paar Bilanzen trudelten gegen Ende der Berichtssaison noch von Firmen aus der zweiten und dritten Reihe ein. KWS Saat präsentierte einen höheren Verlust. Währungseffekte beeinflussen das Ergebnis negativ. Insgesamt sieht sich der SDax-Konzern auf Wachstumskurs - trotz schwierigen Marktumfelds. Die Aktie konnte sich gegen den Trend behaupten.

Talanx streicht jeden achten Job

Der Versicherer Talanx will in Deutschland bis 2020 mehr als 600 Stellen streichen. Damit fällt im renditeschwachen Privat- und Firmen-Versicherungsgeschäft im Inland mindestens jeder achte der 5.000 Arbeitsplätze weg. Neuigkeiten gab es zudem von Aurelius. Das Unternehmen gibt eine Wandelanleihe aus und will damit 175 Millionen Euro einnehmen. Die Aurelius-Aktie stürzte um fünf Prozent ab.

Gewinnwarnung von Vtion Wireless

Vtion hat eine Gewinn- und Umsatzwarnung herausgegeben. 2015 dürften nur Umsätze von rund 20 Millionen Euro erreicht werden werden und eine Ebit-Marge von ungefähr 1,2 Prozent liegen wird. Laut vorläufiger Zahlen wurden in den ersten neun Monaten 18,6 Millionen Euro, ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 0,18 Millionen Euro und eine Ebit-Marge von 1,0 Prozent erzielt. Die Aktie behauptete sich.

Halloren versüßt drittes Quartal

Süße Zahlen vermeldete der Schokoladenhersteller Halloren. Das Unternehmen aus Halle in Sachsen-Anhalt steigerte im dritten Quartal das Ergebnis vor Steuern (Ebt) um fast ein Drittel auf 1,1 Millionen Euro. Der Umsatz erhöhte sich um neun Prozent auf sechs Millionen Euro. In den ersten neun Monaten stand jedoch ein Vorsteuerverlust von 3,5 Millionen Euro in den Büchern. Nun kommt es auf das wichtige Weihnachtsgeschäft an, in dem gewöhnlich die Gewinne gemacht werden. Die Aktie schloss leicht im Plus.

Singulus auf Rekordtief

Die Aktien von Singulus sackten am Dienstag um weitere fünf Prozent ab und erreichten mit 37 Cent ein neues Rekordtief. Auf dem Eigenkapitalforum hatte der Spezialmaschinenanlagenbauer den Investoren keine klaren Zukunftsperspektiven präsentiert. Offen blieb, ob und wann der Umtausch einer bis zu 2017 laufenden Anleihe mit 7,25 Prozent Zinsen in Aktien gelinge. Die erste Versammlung der Anleihengläubiger scheiterte, weil weniger als die erforderlichen 25 Prozent anwesend waren.

Pfizer droht Abstufung

Wegen seiner geplanten Milliardenübernahme des Pharmaherstellers Allergan musste Pfizer am Dienstag heftig Kritik einstecken. Denn der Pharmakonzern verlagert mithilfe der Übernahme seinen Firmensitz in die Allergan-Heimat Irland - und spart so Steuern. Die Demokratin Hillary Clinton, die sich um die Präsidentschaftskandidatur ihrer Partei bewirbt, kritisierte das heftig. Wegen der Nutzung von Schlupflöchern sei der "US-Steuerzahler der Dumme". Rating-Agenturen sehen sich den Deal aus anderen Gründen genauer an: S&P und Fitch prüfen eine Herabstufung der Pfizer-Aktie.

Wiener Börse verkauft Budapest-Beteiligung

Die Muttergesellschaft der Wiener Börse und die Oesterreichische Kontrollbank (OeKB) trennen sich von ihren Anteilen an der Börse Budapest. Sie verkaufen ihre Beteiligung in Höhe von insgesamt knapp 70 Prozent an die ungarische Nationalbank.

Großaktionär trennt sich von Altice-Anteilen

Altice verloren über zehn Prozent. Auslöser der Verluste war die Nachricht über die Platzierung von 61 Millionen Altice-Aktien bei institutionellen Investoren durch einen "Optionsdeal" des Mehrheitsaktionärs Patrick Drahi. Unabhängig davon verkündete Altice den Einstieg beim französischen Sender Next Radio TV.

Kingfisher hat am Pfund schwer zu tragen

Die Stärke des Pfund hinterließ bei der britischen Baumarktkette Kingfisher erneut Spuren. Aber auch die Geschäfte in Frankreich liefen nicht so gut wie erhofft. Die Umsätze gingen in den 13 Wochen bis Ende Oktober um 2,5 Prozent zurück. Der Handelsgewinn sank um 6,6 Prozent.

Tiffany glänzt nicht mehr

Luxusaktien waren am Dienstag ebenfalls auf der Verkaufsliste. Die Aktien von Tiffany gaben um über fünf Prozent nach. Der Juwelier hat wegen des starken Dollars überraschend einen Umsatzrückgang erlitten. Analysten hatten mit einem kleinen plus gerechnet.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr