Gelungener Wochenauftakt

Lothar Gries

Stand: 21.07.2008, 20:02 Uhr

Die besser als erwartet ausgefallenen Zahlen der Bank of America haben die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Finanzkrise neu entfacht. Heute verhindern nur die US-Pharmawerte eine noch kräftigere Erholung.

Der Dax beendet den Abendhandel gut 36 Punkte höher als am Freitag bei 6415. Dabei konnte der Leitindex am Nachmittag Zuwächse von zeitweise über 100 Punkten verbuchen, schloss im elektronischen Handel aber nur 42 Zähler höher bei 6424. Größter Gewinner waren die Papiere der Deutschen Börse, gefolgt von Adidas und ThyssenKrupp. Relevante Unternehmensnachrichten vermochten die Händler nicht auszumachen. Auch bei den Verlierern MAN, Postbank und Infineon gab es keine fundamentalen Nachrichten.

Grund für die abgebröckelten Gewinne am Abend war die uneinheitliche Entwicklung an der New Yorker Wall Street. Zwar zogen die dortigen Finanzwerte nach den Quartalszahlen der Bank of America um bis zu zehn Prozent an, doch gaben im Gegenzug die Pharmawerte nach. Auslöser war die Entscheidung von Merck und Schering-Plough die Veröffentlichung ihrer Quartalszahlen zu verschieben, und zunächst die Ergebnisse einer Testserie über ein neues Cholesterin-Mittel abzuwarten.

Zudem ist das Konjunkturbarometer in den USA im Juni leicht gesunken. Der Index, der auf den zehn wichtigsten Wirtschaftsdaten beruht, fiel um 0,1 Prozent. Analysten hatten mit einem leichten Anstieg gerechnet.

Angespannt bleibt auch die Lage auf dem Ölmarkt. Nach dem kräftigen Rückgang in der vergangenen Woche haben geopolitische Risiken die Ölpreise am Montag wieder angetrieben. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im August kostete am Mittag 130,53 US-Dollar und damit 1,65 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Freitag. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im September verteuerte sich um 1,70 Dollar auf 131,89 Dollar.

Bank of America schürt Hoffnungen

Wie bereits die anderen US-Banken musste auch die Bank of America im zurückliegenden Quartal Abschreibungen von mehr als einer Milliarde Dollar vornehmen. Der Gewinn im zweiten Vierteljahr sank zwar auf 3,41 Milliarden Dollar oder 72 Cent je Aktie, nach 5,76 Milliarden Dollar oder 1,28 Dollar je Anteilsschein im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Analysten hatten jedoch mit einem deutlich niedrigeren Gewinn gerechnet. Belastet wurde das Geschäft der Bank durch die Finanzkrise. Die Aktie des Instituts legte nach Vorlage der Zahlen außerbörslich kräftig zu.

Schaeffler muss Angebot für Conti aufstocken
Der Autozulieferer Schaeffler muss sein Angebot für Continental leicht aufstocken. Die Finanzaufsicht BaFin habe den Mindestpreis, den Schaeffler den Aktionären des hannoverschen Konzerns bieten müsse, mit 70,12 Euro je Aktie ermittelt, teilte das Unternehmen am Montag mit. Der Preis errechnet sich aus dem Durchschnittskurs der drei Monate bis zum 14. Juli, dem Tag der Vorlage der Milliardenofferte. Bisher hatte Schaeffler 69,37 Euro je Papier versprochen. Analysten berechnen den fairen Wert von Conti zwischen 80 und 100 Euro.

Rettung für Berentzen in Sicht
Der Finanzinvestor Aurelius will den Schnaps- und Likörhersteller Berentzen kaufen. "Wir sind in der Tat in Gesprächen mit Berentzen", sagte Aurelius-Chef Dirk Markus Reuters am Montag in München. "Wir würden uns freuen, wenn die Gesellschafter unser gutes Angebot annehmen würden." Details wollte er nicht nennen. "Aurelius steht im engeren Fokus", hieß es in Berentzen-Kreisen. Weitere Bieter gebe es nicht. Ein Sprecher lehnte in Haselünne eine Stellungnahme ab.

TomTom mit Gewinnsprung
Die Geschäfte beim größten europäischen Navigationsgeräte-Hersteller TomTom laufen wieder besser. Für das zweite Quartal gab der niederländische Konzern am Montagabend einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 92 Millionen Euro bekannt, nach neun Millionen im ersten Quartal. Von Reuters befragte Analysten hatten jetzt im Schnitt 71 Euro erwartet. Der Umsatz lag mit 453 Millionen um 27 Millionen höher als vorhergesagt. Der Absatz traf hingegen mit 3,1 Millionen Stück die Prognosen punktgenau.

Credit Suisse trennt sich von Freenet
Die schweizerische Bank Credit Suisse hat sich schrittweise von ihrem Anteil am Mobilfunk- und Internet-Dienstleister Freenet getrennt. Seit 10. Juli hält Credit Suisse nach eigenen Angaben keine Aktien mehr. Die Bank war im April mit zeitweise 16,5 Prozent Großaktionär von Freenet geworden, nachdem der Finanzinvestor Vatas sein Aktienpaket kurzfristig abgeben musste. Ende Juni hatte die schweizerische Bank ihre Beteiligung bereits auf 8,2 Prozent abgebaut. Die Freenet-Aktie ist seit April leicht gestiegen. Wer ihr die Aktien abgekauft hat, ist unklar.

Praktiker legt deutlich zu
Praktiker haben als zweitbester MDax-Wert mehr als sieben Prozent zugelegt. Einige Händler werten den Kurssprung als rein technische Gegenbewegung und stufen sie als so genannten "Dead Cat Bounce" ein. Vor den am Mittwoch erwarteten Zahlen deckten offenbar einige ihre Positionen ein, mit denen sie auf fallende Kurse gesetzt hatten. Allein seit Ende Mai hatte das Papier zeitweise fast 40 Prozent verloren.

Postbank verliert weiter
Einer der größten Dax-Verlierer ist die Aktie der Postbank. Anleger seien enttäuscht, dass ein Verkauf des Instituts offenbar doch nicht unmittelbar bevorstehe. "Sollten wir im Vorstand zu dem Ergebnis kommen, dass der Zeitpunkt für einen Verkauf schlecht ist, stehen wir nicht unter Druck zu verkaufen. Das haben wir immer klar artikuliert", sagte Post-Finanzchef John Allan der "Börsen-Zeitung". Zwar verhandle die Post noch mit einer kleineren Anzahl von Interessenten, aber wann oder ob es überhaupt zu einem Verkauf kommt, sei noch nicht absehbar.

VW auf Rekordkurs
Der Volkswagen-Konzern ist trotz hoher Spritpreise und schwacher Autokonjunktur in den USA und Europa weiter auf Rekordfahrt. In den ersten sechs Monaten 2008 stieg die Zahl der weltweiten Auslieferungen im Jahresvergleich um 5,8 Prozent auf 3,27 Millionen Fahrzeuge. Das sei der Bestwert für ein erstes Halbjahr, teilte VW am Montag in Wolfsburg mit. Angetrieben wurde der Absatz vor allem durch starkes Wachstum in China, Brasilien und Osteuropa. Der Autobauer will noch im laufenden Jahr den US-Konkurrenten Ford beim weltweiten Autoabsatz von Platz drei verdrängen. Die bereits auf 189 Euro gestiegene Aktie reagiert kaum.

Gildemeister an Mdax-Spitze
Die Aktie des Werkzeugmaschinenherstellers Gildemeister macht einen gewaltigen Sprung nach oben. Das Unternehmen ist offenbar in das Visier von russischen Investoren geraten. Laut einem Medienbericht haben diese bereits ein großes Aktienpaket erworben. Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" allerdings ohne Angaben von Quellen berichtet, sollen sich russische Investoren mit Hilfe verdeckter Käufe von Aktienpaketen bereits 15 Prozent an dem Unternehmen gesichert haben.

SAP stellt TomorrowNow ein
Der Softwarehersteller SAP stellt die in einen Rechtsstreit mit dem Erzrivalten Oracle verwickelte amerikanische Wartungstochter TomorrowNow ein. Bis zum 31. Oktober sollen die Aktivitäten beendet sein, teilte SAP am Montag mit. Die mehr als 225 Kunden mit Software von PeopleSoft, JDEdwards und Sieben sollten Wartung künftig bei deren Mutterkonzern Oracle einholen. Die SAP-Aktie reagierte kam auf die Nachricht.

Klöckner macht Kasse
Der Stahlhändler Klöckner & Co hat seine Schweizer Tochter Koenig Verbindungstechnik (KVT) an die Beteiligungsfirma Capvis verkauft. Der Verkaufspreis beträgt rund 325 Millionen Euro. Aus der Transaktion resultiert ein Buchgewinn nach Steuern von etwa 265 Millionen Euro. Die Klöckner-Aktie gewinnt kräftig.

MTU sonnt sich im Erfolg
Der Triebwerksbauer MTU hat auf der Luftfahrtschau im britischen Farnborough neue Bestellungen im Wert von über 500 Millionen Euro erhalten. "Diese Summe unterstreicht den weiterhin großen Bedarf der weltweiten Airlines nach modernen, kraftstoffsparenden Flugzeugen", erklärte Vorstandschef Egon Behle. Die Aktie notiert dennoch im Minus.

Wirecard wieder gefragt
Die Aktie des Zahlungsverkehrs-Abwicklers hat sich wieder etwas von ihrem jüngsten Kurseinbruch erholt. Die im Technologie-Index TecDax enthaltenen Papiere stiegen um gut 17 Prozent, konnten damit aber ihren fast 30-prozentigen Verlust vom Freitag nicht wettmachen. Der Zahlungsabwickler will im Streit mit der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) eine der vier großen internationalen Wirtschaftsprüferfirmen mit einem Gutachten beauftragen. Die WestLB stufte die Aktie zu Wochenbeginn auf "Hold" von zuvor "Buy" herunter.

HypoVereinsbank steigt bei Beate Uhse ein
Reuben Rotermund, ein Enkel der Firmengründerin Beate Uhse, hat sich von knapp zehn Prozent der Anteile an dem Unternehmen getrennt. Die Aktien wurden von der HypoVereinsbank übernommen, die nun nach einer Stimmrechtsmitteilung 9,84 Prozent an der Beate Uhse AG hält. Die Bank bestätigte die Transaktion, wollte sich aber zu den Hintergründen nicht näher äußern. Hauptaktionär bei Beate Uhse ist die holländische Consipio Holding AG, die der Familie des Aufsichtsrats Gerard Cok zuzuordnen ist.

Aktiensplits am Montag
Heute wurden zwei Aktiensplits wirksam. Beim Salz- und Düngemittelhersteller K+S erhalten die Aktionäre heute vier weitere Papiere. Beim Solarzulieferer Roth & Rau wurde ein Splitting im Verhältnis eins zu drei durchgeführt.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 21. August

Unternehmen:
Urban Outfitters: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Voltabox: Q2-Zahlen
BHP Billiton: Jahreszahlen

Sonstiges:
Computer- und Videospielmesse Gamescom (bis 25.8.) in Köln