Gelungener Tanz in den Mai

von Detlev Landmesser

Stand: 30.04.2008, 20:12 Uhr

Beachtliche 6,3 Prozent Plus konnte der Dax im April gutmachen. Auch am letzten Handelstag des Monats sah es gut aus, was vor allem frischen US-Konjunkturdaten zu verdanken war.

Der L-Dax schloss 0,8 Prozent höher bei 6.953,95 Punkten. Am 1. Mai bleiben die deutschen Märkte geschlossen, während in New York, London und Tokio gehandelt wird.

Die amerikanischen Aktienmärkte bauten ihre Gewinne im Verlauf aus, was nicht zuletzt an den vorläufigen Daten zum US-Wachstum lag. Nach vorläufigen Berechnungen sei das Bruttoinlandsprodukt der weltgrößten Volkswirtschaft im ersten Quartal 2008 mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 0,6 Prozent gewachsen, teilte das US-Handelsministerium mit. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem annualisierten Wachstum von 0,2 Prozent gerechnet.

Dennoch blieb das Plus an den Börsen angesichts des Gehalts der Nachricht zunächst auffallend bescheiden. Auch der Euro knickte gegenüber dem Dollar nur leicht ein, um danach sogar wieder zu steigen. Einerseits ist die Skepsis gegenüber dieser Zahl offenbar erheblich. Viele unabhängige Experten gehen schließlich davon aus, dass die US-Produktion im ersten Quartal in Wirklichkeit geschrumpft ist. Darauf weist auch der aktuelle Einkaufsmanagerindex der Region Chicago hin. Mit 48,3 Zählern fiel er zwar ebenfalls besser als erwartet aus; Werte unter 50 Punkten deuten aber auf eine Abnahme der wirtschaftlichen Aktivität hin.

Außerdem dämpfte das neue Bild die Zinssenkungshoffnungen: Für die um 20:15 anstehende Zinsentscheidung rechnen die meisten Beobachter damit, dass die Federal Reserve (Fed) den Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,00 Prozent reduziert. Nach den Daten erschien es aber noch wahrscheinlicher, dass die Fed nach ihrem Schritt eine Zinspause signalisieren wird.

Die US-Märkte wurden indessen auch von den Quartalszahlen von General Motors sowie Procter & Gamble gestützt. Bei GM zeigten sich die Anleger erleichtert, dass der Verlust nicht ganz so drastisch ausfiel wie befürchtet. Die Citigroup-Aktie geriet dagegen unter Druck, nachdem die Großbank mit einem größer als erwarteten Volumen ihrer Kapitalerhöhung an den Markt kam.

SAP enttäuscht

Abgesehen von der Lufthansa-Aktie, deren Minus wegen der heute gezahlten Dividende von 1,25 Euro rein optisch war, war die SAP-Aktie größter Verlierer im Dax. Der Softwarekonzern schnitt im ersten Quartal deutlich schwächer als erwartet ab. Der Gewinn schrumpfte von 310 auf 242 Millionen Euro. Die von dpa-AFX befragten Analysten hatten im Schnitt mit 289 Millionen Euro gerechnet. Der Umsatz erhöhte sich von 2,2 auf 2,46 Milliarden Euro und riss damit ebenfalls die Latte. Die Analysten hatten mit 2,52 Milliarden Euro gerechnet.

Siemens-Auftragseingang beflügelt Aktie
Der Dax hatte sein Plus nicht zuletzt Siemens zu verdanken. Das Schwergewicht hat in den ersten drei Monaten 2008 wie erwartet unter Problemen bei Großprojekten gelitten und dadurch einen Ergebniseinbruch verbucht. Der Quartalsgewinn sank von 1,26 Milliarden Euro auf 412 Millionen Euro. Der Umsatz legte um zwei Prozent auf 18,1 Milliarden Euro zu. Der Mischkonzern will nun im Gesamtjahr ein Ergebnis im operativen und fortgeführten Geschäft auf Vorjahresniveau erreichen. Darin sind aber noch keine Sonderbelastungen durch die Schmiergeld-Affäre und den Konzernumbau enthalten. Immerhin stieg der Auftragseingang von 20,85 auf 23,37 Milliarden Euro und lag damit mehr als eine Milliarde Euro über den Schätzungen der Analysten.

Fresenius-Familie stellt nicht ganz zufrieden
Der Dialysespezialist Fresenius Medical Care (FMC) hat im ersten Quartal insgesamt nicht die Erwartungen des Marktes getroffen. Das Ebit wuchs um sieben Prozent auf 389 Millionen Dollar. Damit verfehlte FMC die Erwartungen der von dpa-AFX befragten Analysten, die im Schnitt mit 402 Millionen Dollar gerechnet hatten. Der Quartalsumsatz kletterte um acht Prozent auf 2,51 Milliarden Dollar. Auch der im MDax notierte Mutterkonzern Fresenius schnitt operativ nicht so gut ab wie erhofft.

Eon will sich zurückhalten
Die Eon-Aktie rückte um knapp zwei Prozent vor. Der Energiekonzern will sich in Zukunft bei Übernahmen zurückhalten. Nach den Zukäufen der vergangenen Jahre liege der Schwerpunkt nun auf organischem Wachstum, erklärte Konzernchef Wulf Bernotat auf der Hauptversammlung in Essen. "Eine zentrale Aufgabe der nächsten Zeit wird es sein, die neu erworbenen Beteiligungen zu integrieren", ergänzte der Manager.

Post wendet Streiks ab
Etwas schwächer als der Dax tendierte die "Aktie Gelb". Am Nachmittag teilte die Deutsche Post mit, dass sie sich mit der Gewerkschaft Verdi auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt und damit die drohenden Streiks abgewendet hat. Der Kompromiss sehe eine Erhöhung der Löhne und Gehälter in zwei Schritten um vier und drei Prozent vor. Zugleich sei eine Mehrarbeit von 50 Minuten pro Woche vereinbart worden. Der Tarifvertrag habe eine Laufzeit von 26 Monaten.

Daimler meldet sich bei Tognum zurück
Die Tognum-Aktie profitierte vom überraschenden Wiedereinstieg von Daimler bei dem Dieselmotoren-Hersteller. Der Autokonzern übernimmt die 22,3 Prozent des bisherigen Tognum-Großaktionärs EQT.für 585 Millionen Euro oder 20 Euro je Aktie. Kurz- bis mittelfristig strebe man eine Sperrminorität bei Tognum an, um seine Lieferbeziehungen abzusichern, teilte Daimler mit.

Wacker Chemie überzeugt
Im MDax startete die Aktie von Wacker Chemie mit einem Plus von 12,7 Prozent durch. Der Spezialchemiekonzern startete gut ins neue Jahr. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte im ersten Quartal um zehn Prozent auf 291 Millionen Euro und der Umsatz von 0,94 auf 1,02 Milliarden Euro.

Pfleiderer-Aktie bricht ein
Die Aktie des Möbel- und Bauzulieferers Pfleiderer vollzog dagegen auf Xetra die gestrigen Kursverluste des Frankfurter Parketthandels nach. Das MDax-Mitglied hat im ersten Quartal wegen der schwächeren Entwicklung in Polen unter den eigenen Erwartungen abgeschlossen.

Deutz verdoppelt Gewinn
Auch die Deutz-Aktie stand unter Druck, was Händler aber mit Gewinnmitnahmen begründeten. Der Motorenhersteller hat im ersten Quartal die Analystenerwartungen geschlagen. Der Gewinn stieg von 5,8 auf 13,5 Millionen Euro und lag damit eine halbe Million über den Prognosen. Der Umsatz verbesserte sich ohne die verkaufte Sparte Power Systems um 18,4 Prozent auf 397 Millionen Euro. Hier hatten die Analysten nur mit 382 Millionen Euro gerechnet.

Celesio wird vorsichtig
Die Celesio-Aktie litt unter den geschäftlichen Aussichten für das erste Halbjahr. "Im Vergleich zum Vorjahr wird das erste Halbjahr 2008 deutlich schwächer", sagte Vorstandschef Fritz Oesterle auf der Hauptversammlung des Pharmahändlers in Stuttgart.

Beiersdorf bleibt zuversichtlich
Beim MDax-Kollegen Beiersdorf lief es gerade anders herum: Dort beflügelten die Aussagen von Vorstandschef Thomas Quaas den Aktienkurs. "Das erste Quartal sieht ganz gut aus dieses Jahr", erklärte der Manager auf der HV des Kosmetik- und Klebstoffherstellers. In beiden Segmenten habe Beiersdorf gute Ergebnisse erzielt. Seine Quartalszahlen will das Unternehmen am nächsten Dienstag vorlegen.

Hugo Boss leidet unter dem Euro
Mit einer besseren Währungsabsicherung wäre das wohl nicht passiert. Denn der Höhenflug des Euro bremste das Umsatzwachstum bei Hugo Boss auf zwei Prozent ab. Insgesamt setzte der Modehersteller 510 Millionen Euro um und damit weniger als gedacht. Ohne Währungseinflüsse hätte der Umsatz um fünf Prozent zugelegt. Das Ebit sank um fünf Prozent auf 94 Millionen Euro.

... Symrise auch
Auch dem Duft- und Aromenhersteller Symrise verhagelte der starke Euro das Geschäft. Im ersten Quartal schrumpfte der Überschuss um 14,7 Prozent auf 24,9 Millionen Euro. Analysten hatten mit einem leichten Gewinnanstieg auf 30 Millionen Euro gerechnet. Berücksichtigt man die heutige Dividendenzahlung von 0,50 Euro, schaffte es der MDax-Titel dennoch ins Plus.

Stada in der Gerüchteküche
Bei der Stada-Aktie wurden am Nachmittag Übernahmegerüchte herumgereicht. "Angeblich soll Novartis 50 Euro je Stada-Aktie bieten", sagte ein Börsianer. Der schweizerische Pharmariese Novartis wollte das nicht kommentieren.

WireCard wächst rasant
Im TecDax gab die Aktie von WireCard ein halbes Prozent ab, was am ehesten mit Gewinnmitnahmen nach den Quartalszahlen zu begründen ist. Der Zahlungsabwickler hat von Januar bis März seinen Umsatz von 26,6 auf 40,6 Millionen Euro nach oben geschraubt. Das Ebit kletterte von 6,1 auf 10,1 Millionen Euro.

Rofin-Sinar bricht ein
Schwer unter Druck geriet die Aktie von Rofin-Sinar. Der deutsch-amerikanische Laserhersteller meldete einen Gewinneinbruch in seinem zweiten Geschäftsquartal auf 10,8 Millionen Euro, nach 13,1 Millionen im Vorjahreszeitraum. Grund seien Wechselkurseffekte und Abschreibungen auf eine gekaufte Firma. Zudem stiegen die Kosten deutlich. Den Umsatz steigerte das TecDax-Unternehmen zwar um 18 Prozent auf 136,6 Millionen Dollar. Analysten hatten allerdings auch hier mehr erwartet.

Thielert insolvent
Am Abend erlitt die Thielert-Aktie nach einer Handelsaussetzung abermals einen Kurseinbruch. Wie Experten bereits erwartet hatten, stellte der zum neuen Alleinvorstand berufene Rechtsanwalt Marcel Kleiß sogleich beim Amtsgericht Hamburg Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens, nachdem bereits die operative Tochter Thielert Aircraft Engines GmbH diesen Weg gegangen war. Zugleich wurde die Veröffentlichung des Jahresabschlusses auf unbestimmte Zeit verschoben und die für den 20. Mai geplante außerordentliche Hauptversammlung abgesagt.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr