Gelungener Start ins neue Quartal

Stand: 02.04.2012, 20:00 Uhr

Robuste Konjunkturdaten aus den USA haben am Nachmittag die Sorgen um Risiken in der Eurozone überlagert und den Dax um mehr als 100 Punkte in die Höhe gehoben - über die Marke von 7.000 Punkten.

"Die USA sind die gute alte Konjunkturlokomotive, die auch heute noch unter Dampf steht". Mit diesen Worten erklärte Börsenstratege Robert Halver von der Baader Bank den rasanten Anstieg des Dax am späten Nachmittag.

Tatsächlich haben sich die Konjunkturaussichten in den USA weiter verbessert. Der Einkaufsmanager-Index in der Industrie ist im März überraschend von 52,4 Punkten im Vormonat auf 53,4 Zähler gestiegen, teilte das Institute for Supply Management (ISM) in Washington mit. Volkswirte hatten hingegen mit einem Anstieg auf 53,0 Punkten gerechnet.

An der Börse kommen die Zahlen deshalb so gut an, weil der ISM-Index als zuverlässiger Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität in den USA gilt. Dass die US-Bauausgaben im Februar um 1,1 Prozent auf eine Jahresrate von 809 Milliarden Dollar gesunken sind, spielte an der Börse keine Rolle.

In einer beeindruckenden Aufholjagd schießt der Dax binnen eineinhalb Stunden um fast 110 Punkte oder 1,5 Prozent in die Höhe und schließt bei 7.056 Punkten. Am Abend geht es ebenso kräftig nach oben. Bereits am Vormittag war der Leitindex wegen guter Konjunkturaussichten in China ein erstes Mal über die Schwelle von 7.000 Punkten geklettert, dann aber wegen Sorgen über die Lage in Spanien auf 6.911 Punkte abgesackt. Von den 30 Dax-Werten notieren nur die Aktien von Lufthansa und RWE leicht im Minus. Angeführt wird der Dax von konsumsensiblen und Amerika-abhängigen Werten wie Adidas, Merck und der Fresenius-Familie.

Auch an der Wall Street wird der ISM-Anstieg freudig begrüßt, wenngleich weniger enthusiastisch als in Europa. Der bis zur Veröffentlichung der Daten leicht im Minus notierende Dow Jones-Index dreht ins Plus und klettert bis zum Börsenschluss in Frankfurt um 0,6 Prozent auf 13.286.

Wirtschaftliche Erholung der USA dauert an
Es gebe jetzt keine Zweifel mehr an der wirtschaftlichen Erholung der USA, urteilt Ulrich Wortberg von der Helaba. Die erhöhte Beschäftigungskomponente spreche, wie schon die Entwicklung der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, für einen robusten Aufbau neuer Stellen. Der offizielle Arbeitsmarktbericht steht am Freitag zur Veröffentlichung an.

"Die sehr gute Entwicklung der Produktionskomponente ist ein weiteres Indiz dafür, dass die US-Industrie derzeit ein Stützpfeiler der Wirtschaftsbelebung in den USA ist", kommentierte Postbank-Analyst Thilo Heidrich.

Dürr arbeitet jetzt auch für die Luftfahrt
Zu den Favoriten im MDax gehört Dürr. Der Anlagenbauer will mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) kooperieren bei der Entwicklung umweltfreundlicher Mikrogasturbinen. Dürr ist Spezialist für Lackieranlagen und erlöst gut 80 Prozent des Umsatzes mit der Automobilindustrie. Um von diesem Geschäft unabhängiger zu werden, wurde 2011 der neue Unternehmensbereich Clean Technology gegründet, der sich um Aktivitäten in der Energieeffizienz kümmert. Die Meldung hievt die Dürr-Aktie zeitweise bis an die MDax-Spitze.

Carl Zeiss setzt auf Asien
U mehr als vier Prozent zulegen kann die Aktie von Carl Zeiss Meditec. Der Thüringer Medizintechnikhersteller aus dem TecDax hat im ersten Geschäftshalbjahr (zum Ende März) seinen Umsatz um 15 Prozent auf 432 Millionen Euro gesteigert. Vor allem der Geschäftsbereich Mikrochirurgie und der Absatz in Asien brummten, hieß es. Auch das operative Ergebnis habe zugelegt. Konkrete Zahlen will Carl Zeiss Meditec erst am 15. Mai vorlegen.

Morphosys: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
99,75
Differenz relativ
+3,10%

Morphosys kauft zurück
Auch die Aktie des ebenfalls im TecDax notierten Biotechnologie-Unternehmens Morphosys kommt voran. Der Grund: die Firma will im Zeitraum zwischen dem 1. April und dem 30. April 2012 bis zu 100.000 eigene Aktien kaufen. Die Aktien würden eingesetzt, um das langfristige Vergütungsprogramm 2012 für das Management der Gesellschaft mit eigenen Aktien zu unterlegen.

Gigaset weiter auf Talfahrt
Gigaset haben ihre Talfahrt auch heute fortgesetzt. Die Aktien des Telefonherstellers aus dem TecDax verbilligen sich um bis zu 4,0 Prozent. Seit Freitag - als das Unternehmen seine Zahlen und den Ausblick für das laufende Jahr vorgelegt hat - kommen die Papiere damit auf ein Minus von rund 16 Prozent. Der Ausblick sei vorsichtig, hieß es in einem Kommentar von Equinet. Die Analysten senkten das Kursziel auf 4,60 (5,30) Euro, behielten die Bewertung allerdings auf "Buy".

Q-Cells vom Handel ausgesetzt
Die Aktie der bedrohten Solarfirma Q-Cells ist am Nachmittag vom Handel ausgesetzt worden. Das Unternehmen will am morgigen Dienstag beim Amtsgericht Dessau Insolvenz anmelden. Die Unternehmensleitung hofft aber, mit Hilfe des Insolvenzverwalters den Fortbestand des Unternehmens sichern zu können.

Coty will Avon
Einen Sprung von 20 Prozent macht die Aktie des Kosmetikkonzerns Avon. Das Unternehmen ist ins Visier des Konkurrenten Coty geraten, der für den angeschlagenen Rivalen Avon zehn Milliarden Dollar bietet. Bisher ist Avon aber nicht zu Verhandlungen über die Offerte bereit gewesen. Trotzdem gebe es keine Pläne, ein feindliches Übernahmeangebot zu unterbreiten. Coty vertreibt unter anderem Parfüme von Prominenten wie den Sängerinnen Beyonce und Lady Gaga. Der Konzern ist bereit, 23,25 Dollar je Avon-Aktie zu zahlen, en Aufschlag von 20 Prozent auf den Kurs vom Freitag.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"