Geht's jetzt nur noch seitwärts?

Stand: 18.12.2009, 20:05 Uhr

Der Dax hat am heutigen Hexensabbat doch wieder Schlapp gemacht. Zwar kletterte der Index am Mittag bis auf 5.900 und nähert sich damit dem Jahreshoch, doch dann folgten die Anleger der Wall Street auf dem Weg nach unten. Für Spannung sorgte lediglich die Volkswagen-Aktie.

Viele Anleger gehen davon aus, dass die VW-Stammaktien den Dax verlassen und den stimmrechtslosen Vorzugsaktien Platz machen müssen. Das Emirat Katar hat nämlich die dritte Tranche seiner VW-Kaufoptionen gezogen und hält nun 17 Prozent der Anteile an dem Wolfsburger Unternehmen. Damit könnte der Anteil der am Markt frei handelbaren VW-Stammaktien unter zehn Prozent gefallen sein. Sollte dies der Fall sein, fliegen die Stämme aus dem Dax - möglicherweise noch vor Weihnachten.

Entsprechend drehten die Stämme nach morgendlichen Kursgewinnen ins Minus und sanken bis zum Handelsende um knapp fünf Prozent. Die Vorzüge rückten zunächst deutlich vor, müssen am Ende aber ihre Gewinne wieder abgeben.

Weil ansonsten größere Unternehmensnachrichten fehlten und auch keine amerikanischen Konjunkturdaten für neue Orientierung sorgten, begannen die Kurse am Nachmittag zu bröckeln. Der Leitindex beendet den elektronischen Handel 13 Punkte niedriger als gestern bei 5.831. Auch der TecDax und der MDax schließen mit leichten Verlusten.

Im späten Abendhandel kann sich der Dax wieder etwas fangen, tritt aber weitgehend auf der Stelle bei 5.841, knapp sechs Punkte höher als gestern. Im Wochenverlauf hat der Leitindex damit gut zwei Prozent zugelegt.

Auch die US-Börsen präsentieren sich uneinheitlich. Während die Technologiebörse Nasdaq im Aufwind positiver Nachrichten von Oracle und dem BlackBerry-Hersteller Research in Motion (RiM) Boden gutmachte, gab der Dow-Jones-Index der Standardwerte frühe Gewinne ab und tendierte unverändert bei 10.308. Hintergrund dafür sei der steigende Dollar, sagten Händler.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
148,24
Differenz relativ
+2,60%

Seitwärtsbewegung erwartet
In der kommenden Woche rechnen die Experten mit einer Seitwärtsbewegung des Dax. "Die Luft ist (zunächst) raus", schreibt Postbank-Analyst Heinz-Gerd Sonnenschein in einer aktuellen Studie. Grund sei unter anderem die Diskussion über die Zahlungsprobleme Dubais und Griechenlands. "Außerdem zieht eine größer werdende Zahl von Investoren auch Gewinnmitnahmen ins Kalkül. Sie hinterfragen die in den letzten Wochen veröffentlichten Unternehmens- beziehungsweise Konjunkturnachrichten kritischer als noch im Sommerhalbjahr."

Porsche mit Umsatzeinbruch
Der Porsche-Umsatz sank sich im ersten Geschäftsquartal per Ende Oktober auf 1,1 Milliarden Euro und liegt damit 30,5 Prozent unter dem vergleichbaren Vorjahreswert, wie das Unternehmen am Nachmittag mitteilte. Der Absatz ging den Angaben zufolge im Quartal um 39,6 Prozent auf 11.385 Fahrzeuge zurück. Die Talsohle sei aber allmählich durchschritten und Besserung in Sicht, erklärte der Autobauer und verwies dazu auf die Entwicklung im November. Im Verlauf des Jahres 2010 sei eine Belebung der Verkäufe zu erwarten. Die Aktie gibt nach.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,84
Differenz relativ
+1,41%

Hunger von VW gestillt
Derweil sieht VW-Chef Martin Winterkorn sieht die Einkaufstour des Autoriesen vorerst beendet. Nach der Allianz mit Suzuki und der Übernahme des Porsche-Sportwagengeschäfts äußerte sich Winterkorn zufrieden mit der momentanen Aufstellung des Konzerns. "In das weiche Bett des Volkswagen-Konzerns wollen momentan viele", sagte er "WirtschaftsWoche" laut Vorabbericht. Er sehe aber "keinen Bedarf".

Infineon stürmt voran
Größter Gewinner im Dax ist weiterhin die Infineon-Aktie. Sie profitiert von einer Kurszielanhebung durch JP Morgan von 4,25 auf 5,50 Euro. Der zuständige Analyst hält die Aktie unter dem Verweis auf positive Geschäftsprognosen von Konkurrenten wie Texas Instruments für "unterbewertet". Auch die Commerzbank äußerte sich positiv und stufte die Aktien von "Hold" auf "Add" hoch. Das Kursziel schraubte sie nach oben auf 3,80 Euro.

Oracle: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
39,70
Differenz relativ
-5,48%

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
103,20
Differenz relativ
+0,29%

SAP profitiert von Oracle...
Unterdessen haben die Zahlen von Oracle und Nike auch die Aktien von SAP und Adidas beflügelt. So konnte der Software-Hersteller Oracle seinen Umsatz und Gewinn unerwartet deutlich steigern, das wird am Markt als positives Branchensignal gewertet. Allerdings ist laut LBBW ein Grund für die Stärke von Oracle die Schwäche von SAP gewesen.

...Nike gibt Adidas wenig Schub
Beim weltgrößten Sportartikelhersteller Nike macht vor allem der zuletzt gestiegene Auftragsbestand Hoffnung, gilt dieser in der Branche doch als Hinweis auf die künftige Umsatzentwicklung. Die Commerzbank hat die Einstufung für Adidas trotzdem auf "Reduzieren" mit einem Kursziel von 30,00 Euro belassen. Die Nike-Zahlen seien angesichts der anhaltenden Schwäche im europäischen Kerngeschäft von Adidas weniger positiv, schrieb Analyst Christoph Dolleschal.

Eon wieder schwerer
Die Eon-Aktie gehört zu den stärksten Werten im Dax. Händler erklären den steigenden Kurs unter anderem damit, dass die Aktie bei der Neugewichtung der einzelnen Dax-Werte wieder auf zehn Prozent geklettert ist. Damit belegt Eon gemessen an der Gewichtung den ersten Platz im Dax.

Aareal und Conti unter Druck
Im MDax gehört die Aktie der Aareal Bank auch heute zu den größten Verlierer. Damit haben die Titel seit ihrem Jahreshoch im Herbst mehr als ein Drittel ihres Wertes eingebüßt.

Auch die Continental-Aktie muss kräftig Federn lassen: M.M.Warburg hat die Einstufung für die Aktie auf "Sell" belassen, mit einem Kursziel von 25,00 Euro. Der Streit zwischen Großaktionär Schaeffler und dem Automobilzulieferer über die Höhe der Kapitalerhöhung überrasche ihn nicht, schrieb Analyst Marc-Rene Tonn in einer Studie vom Freitag. Angeblich will Schaeffler die Ausgabe neuer Aktien im kommenden Jahr auf 30 Millionen begrenzen, was die Conti-Refinanzierung gefährden könne.

Inder beflügeln Roth & Rau
Gestern noch größter Verlierer im TecDax springen Anteilsscheine von Roth & Rau heute bis zu zehn Prozent an die Index-Spitze. Der Titel markiert sogar ein neues Jahreshoch. Der Solar-Zulieferer hat in Indien einen Großauftrag über 68 Millionen Dollar gewonnen. Die Bestellung könnte sogar über weitere 80 Millionen Euro aufgestockt werden.

"Die erfreuliche Auftragsentwicklung der letzten Wochen wird sich zum Teil bereits in den Kennzahlen des vierten Quartals niederschlagen", sagte Finanzchef Carsten Bovenschen und bestätigte die Umsatz- und Gewinnziele fürs Gesamtjahr.

PNE Wind auf Höhenflug
Den Anstieg von rund zehn Prozent kann die PNE-Wind-Aktie (vormals Plambeck) zwar nicht halten, dennoch bleibt das Papier mit einem Plus von 5,4Prozent ein herausragender Wert an der Frankfurter Börse. Dabei hatte die Aktie bereits gestern nach dem vorgezogenen Verkauf einer Offshore-Windfarm rund 15 Prozent gewonnen. Am Abend nach Parkettschluss meldete der Cuxhavener Windparkprojektierer, ein Paket mit mehreren Windparks mit einer Nennleistung von 53 Megawatt an die EnBW verkauft zu haben. Der Vertrag sieht ein Investitionsvolumen von bis zu 1,7 Millionen Euro pro Megawatt Nennleistung vor.

Ölpreis rauf, Euro runter
Die Ölpreise sind wieder deutlich gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Januar kostete am frühen Nachmittag 74,17 US-Dollar. Das waren 1,52 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Februar legte um 1,25 Dollar auf 74,62 Dollar zu.

Auch andere Rohstoffe haussieren, so ist der Zuckerpreis auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Händler machen dafür aber vornehmlich die Regenfälle in Brasilien und die damit verbundene Angst vor einem Angebotsengpass verantwortlich.

Dagegen hat der Euro wieter an Wert verloren. Er sank am Abend auf 1,427 Dollar und damit unter den Refernzkurs der Europäischen Zentralbank von 1,4337 (Donnerstag: 1,4343) Dollar.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 19. September

Unternehmen
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Konjunktur:
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