Geht es jetzt wieder bergab?

Stand: 17.10.2011, 20:02 Uhr

Ernüchternde Kommentare der Bundesregierung vor dem Euro-Gipfel am Wochenende sowie enttäuschende US-Konjunkturdaten haben die Anleger erneut verunsichert und zu Gewinnmitnahmen veranlasst.

Nachdem der Dax sich in den vergangenen Wochen von seinem Tief bei 5.000 Punkten wieder erholen konnte, folgt heute ein kräftiger Rücksetzer. Am Abend schließt der Leitindex gut zwei Prozent oder 131 Punkte tiefer bei 5.832, nachdem er am Vormittag noch bis auf 6.081 geklettert war. Außer SAP schließen alle 30 im Dax enthaltenen Werte im Minus. Auch der Euro rutscht im Tagesverlauf ab auf zuletzt 1,377 Dollar.

Ausgelöst hat die Trendwende eine Aussage von Finanzminister Wolfgang Schäuble. der sagte am Mittag, dass es auf dem EU-Gipfel am kommenden Wochenende keine endgültige Lösung der Schuldenkrise geben werde. Einen Befreiungsschlag werde es bei dem Treffen wohl nicht geben, so Schäuble. Auch Regierungssprecher Steffen Seibert warnte erneut vor zu hohen Erwartungen. "Die Erwartung, dass in der Schuldenkrise nun innerhalb von wenigen Wochen eine Lösung gefunden wird, die in zwei Jahren nicht erreicht wurde, ist einfach unrealistisch".

Dämpfer von der US-Konjunktur
Einen Dämpfer erhalten die Märkte auch vom Index der New Yorker Notenbank für das verarbeitende Gewerbe. Der sogenannte Empire State Index ist im Oktober unerwartet kräftig gefallen auf minus 8,5 Punkte, während Volkswirte nur mit einem Wert von minus vier Punkten gerechnet hatten. Das leichte Produktionsplus der US-Industrie im September um 0,2 Prozent kann ebenfalls nicht überzeugen.

Folglich kommt es auch an der New Yorker Börse zu Kursrückgängen. Größter Belastungsfaktor sind aber auch hier Zweifel an einem großen Befreiungsschlag in der Euro-Krise auf dem anstehenden EU-Gipfel. Der Dow Jones-Index weitet im Handelsverlauf seine Verluste immer weiter aus und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt gut 1,8 Prozent (200 Punkte) tiefer bei 11.438.

Citigroup rechnet sich schön
Die US-Bank Citigroup hat im dritten Quartal besser abgeschnitten als erwartet. Dank einer um 40 Prozent geringeren Risikovorsorge für faule Kredite sowie einer niedrigeren Bewertung der eigenen Schulden konnte das Geldhaus seinen Reingewinn auf 3,8 Milliarden Dollar nahezu verdoppeln. Analysten hatten "nur" mit 2,5 Milliarden Dollar gerechnet. Auch die Einnahmen übertreffen mit 20,8 Milliarden Euro die Schätzungen. Die Aktie gewinnt vorbörslich 2,5 Prozent dazu.

Auch die viertgrößte US-Bank Wells Fargo hat dank geringerer Kosten für faule Kredite mehr verdient. Das Institut verbuchte netto im dritten Quartal einen Gewinn von 3,84 Milliarden Dollar nach 3,15 Milliarden Dollar vor Jahresfrist.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,94
Differenz relativ
+0,52%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,92
Differenz relativ
+0,65%

Commerzbank am Dax-Ende
Davon unbeeindruckt ist die Commerzbank-Aktie der mit Abstand schwächste Wert im Dax. Der Titel verliert 5,7 Prozent. Grund sind die auf die Banken zukommenden höheren Kapitalanforderungen. Auch die Aktie der Deutschen Bank verharrt trotz der guten Zahlen der US-Konkurrenz im Minus.

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,71
Differenz relativ
-0,33%

Metro nun auch ohne Kluge
Die Führungsquerelen beim Einzelhandelskonzern Metro gehen weiter. Eine Woche nachdem Vorstandschef Eckhard Cordes für Ende Oktober 2012 seinen Rücktritt erklären musste, teilte heute auch sein Widersacher, Jürgen Kluge, mit sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender bei Metro binnen eines Monats niederlegen zu wollen. Franz Markus Haniel, Familienoberhaupt des größten Anteilseigners, soll zum Nachfolger gewählt werden. Die Aktie, die in diesem Jahr bereits mehr als 40 Prozent ihres Wertes eingebüßt hatte, gehört auch heute zu den größten Verlierern im Dax.

Volkswagen hält an Suzuki fest
VW will ungeachtet der Querelen mit dem japanischen Partner an seiner Suzuki-Beteiligung festhalten. VW unterstrich, die Diskussion zwischen den beiden Parteien, die sich gegenseitig des Vertragsbruchs bezichtigen, werde intern geführt. Deshalb wolle das Unternehmen weitere Spekulationen nicht öffentlich kommentieren. Das "Handelsblatt" (HB) hatte am Montag berichtet, Suzuki erwäge, ein Schiedsgericht anzurufen, um den Streit zu lösen.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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148,00
Differenz relativ
+2,44%

Bieterschlacht um SGL
Die Spekulationen auf einen Bieterkampf der Autokonzerne VW und BMW um den einzigen europäischen Carbonfaser-Hersteller SGL Group haben den Kurs des Wiesbadener Unternehmens neu befeuert. Laut "Spiegel" will BMW ebenfalls einen Anteil erwerben, wie das Magazin unter Berufung auf einen hochrangigen BMW-Manager berichtet. Die SGL-Aktie steigt in der Spitze um dreizehn Prozent auf 43,11 Euro und ist damit der größte Kursgewinner im Dax.

Deutsche Bank hilft Wacker Chemie
Wacker Chemie sind ebenfalls auf Erholungskurs. Die Titel verteuern sich zeitweise um rund fünf Prozent, müssen aber bis zum Börsenschluss einen Großteil ihrer Gewinne wieder abgeben. Händler verweisen auf die Bestätigung einer Kaufempfehlung durch die Deutsche Bank. Die Papiere seien unterbewertet, zitierten die Händler aus der Analysteneinschätzung.

Vossloh muss warten
Größter Verlierer im MDax sind dagegen die Aktien von Vossloh. Knorr-Bremse-Eigner Heinz Hermann Thiele hat nämlich seine Pläne zur Aufstockung seiner Anteile am Bahntechnikkonzern auf Eis gelegt. Thiele habe eine entsprechende Anmeldung beim Bundeskartellamt zurückgezogen, sagte ein Sprecher der Bonner Behörde. Das Papier des Konzerns, der die Anleger in den vergangenen Wochen bereits mit Prognosesenkungen enttäuscht hatte, büßt 8,9 Prozent ein.

Pfleiderer feuert Vorstände
Der angeschlagene Holzverarbeiter Pfleiderer setzt seinen halben Vorstand vor die Tür. Der 60-jährige Finanzchef Heiko Graeve und der 42-jährige Pawel Wyrzykowski, würden das Unternehmen mit sofortiger Wirkung verlassen, teilte Pfleiderer am Nachmittag mit. Ihre Aufgaben verteilten sich künftig auf Firmenchef Hans Overdiek und Restrukturierungsvorstand Hans-Joachim Ziems. Pfleiderer begründete die Personalien mit der organisatorischen Neuausrichtung des Konzerns.

Derby Cycle jetzt holländisch
Der niederländische Zweiradproduzent Pon hat die Mehrheit beim größten deutschen Fahrradhersteller Derby Cycle erworben. Pon mit Sitz in Amsterdam habe seit Ende der vergangenen Woche einen 53,8-Prozent-Anteil an dem börsennotierten Unternehmen in Cloppenburg, heißt es in einer Stimmrechtsmitteilung der Derby Cycle. Das niedersächsische Unternehmen mit 550 Beschäftigten soll nach der Übernahme für mindestens 18 Monate Eigenständigkeit und Börsennotierung behalten.

Vita 34 schreibt wieder schwarz
Die VITA 34 AG, eine private Nabelschnurblutbank, hat im dritten Quartal wieder ein positives Ergebnis erwirtschaftet, nachdem im ersten und zweiten Quartal 2011 jeweils Verluste ausgewiesen wurden. Das Konzernergebnis lag im Berichtszeitraum mit 0,96 Millionen Euro deutlich über dem Ergebnis vom Vorjahr in Höhe von 0,03 Millionen. Auch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) lag im dritten Quartal 2011 mit 0,24 Millionen Euro über dem Vorjahresstand von 0,19 Millionen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 18. September

Unternehmen
Stihl: Jahreszahlen, 11:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Rede von EZB-Präsident Mario Draghi in Paris, 9:15 Uhr
USA: NAHB-Index 9/18, 16:00 Uhr