Geht doch

Stand: 16.01.2012, 20:00 Uhr

Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit mehrerer Eurostaaten hinterlässt weniger Spuren als befürchtet. Frankreich und Österreich können sich am Nachmittag zu günstigeren Bedingungen refinanzieren als zuvor. Die Anleger sind erfreut.

Der Dax klettert in der Spitze auf 6.232 Punkte und geht schließlich bei 6.220 Punkten aus dem Handel, 1,25 Prozent oder 77 Punkte über dem Schluss vom Freitag. Auch am Abend geht es kräftig bergauf.

Ausgelöst hat die plötzliche Freude eine Mitteilung der österreichischen Bundesfinanzagentur. Danach kann sich die Alpenrepublik trotz der Herabstufung vom Freitag immer noch zu nahezu null Prozent refinanzieren. Beflügelt wurden die Kurse auch von einer positiv verlaufenen Geldmarkt-Auktion Frankreichs, das eine niedrigere Rendite zahlen musste für einjährige Papiere als vor einer Woche.

Der Euro kann von der Erholung der Aktienmärkte allerdings kaum profitieren. Er pendelt auch bei Börsenschluss um die Marke von 1,267 Dollar.

Marktteilnehmern zufolge hat der heutige Börsentag bewiesen, dass der Markt die Herabstufungen durch die Ratingagentur Standard & Poor's besser wegstecken kann als bisher angenommen. Zudem sei die Herabstufung Frankreichs erwartet worden und in den Kursen längst eingepreist gewesen.

EFSF abgestuft
Als bedeutsam für die Aktienmärkte gilt auch die Mitteilung der EZB, dass sie in der vergangenen Woche wieder mehr Staatsanleihen angeschlagener Euro-Staaten gekauft hat. Man habe für insgesamt 3,77 Milliarden Euro Anleihen erworben, nach 1,1 Milliarden in der Vorwoche, teilte die Notenbank am Montag mit. Ein neuerlicher Beweis dafür, dass die EZB gewillt ist, die Märkte weiter mit Liquidität zu versorgen.

Das Hauptproblem sahen die Börsianer in den Auswirkungen der Abstufung auf den Eurorettungsfonds EFSF. Am Abend senkte die Agentur Standard & Poor's die Note des Fonds um eine Stufe auf AA+. Die Abstufung allein habe die Märkte nicht mehr überrascht, kommentierte Händlerin Anita Paluch von Gekko Global Markets. Die Schutzfunktion des Eurorettungsfonds EFSF für die schwächeren Länder der Eurozone könne jedoch schwinden, wenn die Kreditaufnahme für den Fonds nun schwieriger oder teurer werde.

Problem Griechenland
Zudem bleibt Griechenland ein weiterer Unsicherheitsfaktor: Die Gespräche zwischen dem internationalen Bankenverband IIF und der griechischen Regierung kommen nicht voran. Dabei muss die Regierung in Athen schon bald eine Einigung vorweisen, um nicht Ende März vor der Pleite zu stehen, wenn 14,5 Milliarden Euro an Anleihen fällig werden. Die Ratingagentur Standard & Poors malte ein düsteres Bild für das angeschlagene Euro-Land. Das Land stehe kurz vor dem Bankrott, sagte der Leiter des Länderbereichs Europa, Moritz Kraemer, Bloomberg TV.

Aus den USA kamen heute keine neuen Impulse, da die Wall Street feiertagsbedingt geschlossen ist.

BASF mag die USA
Der Chemiekonzern BASF wird den Sitz seines Tochterunternehmens für grüne Gentechnik von Limburgerhof bei Ludwigshafen in die USA verlegen. In weiten Teilen Europas fehle noch immer die Akzeptanz bei der Mehrheit der Verbraucher, Landwirte und Politiker für die Pflanzenbiotechnologie, begründete der Konzern seine Entscheidung am Montag in einer Mitteilung. Vor allem wegen der Gen-Kartoffel "Amflora" war BASF immer wieder in die Kritik geraten. Neuer Standort der BASF Plant Science wird das Forschungszentrum Research Triangle Park nahe Raleigh im US-Bundesstaat North Carolina. Die Anleger zeigen sich davon unbeeindruckt.

Rational kommt gut an
Umstellungskosten haben beim Großküchenhersteller Rational im abgelaufenen Jahr das Ergebnis belastet. Während der Umsatz um zwölf Prozent auf 392 Millionenen kletterte, ging das operative Ergebnis (Ebit) um vier Millionen auf 102 Millionen Euro zurück. Vor allem im Schlussquartal lief es gut, der Umsatz stieg auf den Rekordwert von 119 Millionen Euro. An der Börse sind Rational-Aktien trotzdem gesucht, der Wert steigt um gut zwei Prozent.

Costa-Aktie bricht ein
Die Aktie des Kreuzfahrtanbieters Carnival bricht an der Londoner Börse zeitweise um 16 Prozent ein. Das in Italien verunglückte Mittelmeer-Kreuzfahrtschiff gehört zum amerikanischen Freizeitkonzern. Der heutige Kursrutsch entspricht einem Minus bei der Marktkapitalisierung von mehr als 500 Millionen Euro. Neben dem unmittelbaren Schaden durch den Verlust des Schiffes, den das Unternehmen auf rund 90 Millionen US-Dollar schätzt, droht ein langfristiger Reputationsverlust für die gesamte Kreuzfahrtbranche.

Heideldruck unter Druck
Noch größere Verluste als Hannover Rück erleidet die Aktie der ebenfalls im MDax notierten Heidelberger Druck. Das Papier büßt mehr als sieben Prozent ein. Händler verwiesen auf die jüngsten Nachrichten zum insolventen Konkurrenten Manroland, wo das Ringen um die Zukunft des insolventen Druckmaschinenherstellers vorerst weitergeht. Ein Händler sagte, mit einer Zerschlagung von Manroland sei das Problem der Überkapazitäten kaum aus dem Markt zu bekommen.

Kontron an TecDax-Spitze
Um mehr als sechs Prozent geht es mit der Kontron-Aktie nach oben. Nach vorläufigen Zahlen hat der Hersteller von Minicomputern aus dem TecDax im abgelaufenen Jahr den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent auf 580 Millionen Euro gesteigert. Für 2012 ist das Unternehmen zuversichtlich, dieses Niveau zu halten.

Richemont gut auf Kurs
Dank guter Nachfrage aus Asien hat der Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont im Weihnachtsquartal die Analystenerwartungen übertroffen. Der Umsatz stieg zwischen Oktober und Dezember um 24 Prozent auf 2,61 Milliarden Euro. Prognostiziert war lediglich ein Anstieg von 20 Prozent.

Lindt & Sprüngli und der harte Franken
Mit einem über dem Marktwachstum liegenden organischen Umsatzanstieg hat der Schweizer Schokoladehersteller Lindt & Sprüngli seinen Marktanteil ausgebaut. Der Umsatz kletterte 2011 organisch um sechs Prozent. Wegen des starken Franken sanken die Einnahmen des Konzerns 2011 wechselkursbereinigt um 3,5 Prozent auf 2,49 Milliarden Franken Die höheren Verkäufe dürften sich in einem guten Betriebsergebnis niederschlagen.

Holcim drückt Heidelberg
Der Schweizer Zementkonzern muss wegen einer schwachen Nachfrage in wichtigen Märkten eine Wertberichtigung von 775 Millionen Franken vornehmen. Dabei entfallen 415 Millionen Franken auf eine Minderheitsbeteiligung in Südafrika. Trotzdem will Holcim aber eine Dividende zahlen. Die Aktie verliert deutlich und zieht auch das Papier des deutschen Konkurrenten HeidelbergCement ins Minus. Die Aktie ist mit einem Abschlag von 3,5 Prozent sogar der größte Verlierer im Leitindex.

Dabei hat Heidelberg seine Prognose bekräftigt. Danach werden für das Gesamtjahr weiterhin Zuwächse beim Umsatz und operativen Ergebnis (Ebitda) erwartet, sagte ein Sprecher am Vormittag.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen